Zu Gast in der Sonntagsmesse
eines ungenannt bleibenden deutschen Bistums.
Vorsorglich hatte ich schon mehrere Tage zuvor eine Mail mit allen Kontaktdaten verschickt. Die Kirchenordner haben es schließlich schon schwer genug, auch wenn noch 3 G gilt.
Es handelte sich um eine riesige Natursteinkirche mit hallenartigem Schiff und einem verglasten, inneren Portal über die ganze Breite. Draußen circa ein Grad plus.
Im Schiff zahlreiche gebrechliche ältere Menschen, Invalide und ein spastisch gelähmtes Kind.
Innentemperatur circa sieben Grad plus. In der Nähe des Adventskranzes mit brennenden Kerzen vielleicht etwas mehr.
Gehüllt in einer Art Astronautenkleidung bestehend aus eine superdicken Daunenweste plus einer superdicken Daunen-Winterjacke, angetan mit Strickmütze und Maske also ich. Andere hatten Decken dabei, um sie sich über die Beine zu legen.
Denn, entsprechend der Corona-Verordnung des Bistums, wird NICHT geheizt.
Unter Katholiken kursiert folgendes Sprichwort, übrigens schon seit früher christlicher Zeit: „Die Straßen der Hölle sind gepflastert mit den Schädeln von Bischöfen.“
Man könnte noch hinzufügen: Und es gibt separate, UNBEHEIZTE Räume in der Hölle, Raumtemperatur circa ein Grad plus, deren Wände mit den Schädeln von Bischöfen ausgekleidet sind.
😀
Dezember 13, 2021 No Comments
Zum Tage – russisch-orthodoxe Andacht zum heiligen Nikolaus von Myra
[Ein Eintrag vom 6. Dezember 2017]
Diese Andacht wird bei den Russen und Serben erst am 19. Dezember gesungen – die russisch-orthodoxe Kirche feiert nach dem alten Kalender – doch nach all dem Weihnachtsmann-Krimskrams heute brauche ich ein wenig Erbauung.
Wer Russisch lesen und sprechen kann, ist in der Lage, mitzusingen, das Video hat Untertitel.
Es enthält circa ab Minute 8.00, den Akathistos zum heiligen Nikolaus, dessen deutsche Übertragung man hier auf den Seiten der St. Michaels-Gemeinde finden kann.
Wer das Vatican-Magazin bezieht oder es gerne kennen lernen möchte: In meiner Rubrik „Heiligtum der besonderen Art“ geht es diesmal um die Basilika San Nicola in Bari, auch wenn der Artikel wenig zentraleuropäisch-winterlich geworden ist; dafür erzähle ich eine der Geschichten, die im Akathist auch besungen wird, die sich um den heiligen Bischof rankte und seinen Ruhm als Wundertäter und Nothelfer festigte.
Dezember 6, 2021 2 Comments
Von Corona die Träume nicht nehmen lassen
Wie oft höre ich, man könne ja eh nichts planen, es ginge ja sowieso nichts.
Möglicherweise ist das so.
Deshalb arbeite ich nach dem Prinzip der breitmöglichsten Streuung.
Ich entwickle ungeheuer viele Ideen. Wenn von hundert Ideen und Träumen, die ich säe, vielleicht nur 10 realisiert werden können, bin ich immer noch ein Gewinner.
Und drum habe ich neulich die Idee gehabt, auf der Wolga von Moskau nach Petersburg schippern zu können.
Und wenn ich das nicht realisieren kann, dann immer noch meine circa 20 Wanderroutenpläne für die Südwestpfalz und den Schwarzwald.
Und immer so weiter. Und ich werde nicht aufhören. Mit einer Idee kann ich scheitern. Bspw. ist es ziemlich realistisch zu denken, ich könne diese Flussfahrt nicht antreten. Aber wenn ich noch circa 90 weitere Ideen in petto habe, dann können nicht alle zugleich zertrümmert werden.
Irgendwas geht immer.
Im Zweifel ende ich in meinem Hofrecht und übe Qi Gong. Das ist natürlich keine Wolga-Flusskreuzfahrt. Aber etwas, das ich auf meinem Schirm hatte.
Im besten Falle dann Qi Gong auf der Wolga.
Was auch nicht nichts ist.
Dezember 3, 2021 No Comments
Liebst du
Liebst du – lieb‘ von ganzem Herzen!
Drohst du – drohe nicht mit Scherzen!
Schiltst du – schilt mit Grimmesglut!
Schlägst du – schlage bis aufs Blut!
Streitest du – sei kühn im Streiten!
Strafst du – lass vom Recht dich leiten!
Übst du Gnade – fort den Groll!
Zechst du – zeche teufelstoll!
Alexei K. Tolstoi
Dezember 3, 2021 No Comments
Autunno
Seit einiger Zeit bin ich wieder in den italienischen Marken. Nach einem brutalen Sommer – meine Freunde haben ziemlich gestöhnt über monatelang 40 Grad Hitze und einer derart hohen Luftfeuchte, dass sie meinten „Wasser einzuatmen“ – kam dann auch prompt ein verheerendes Unwetter mit Starkregen und Überflutungen der meisten Städte unten am Meer. Es sind diese italienischen Sommer, die ich in keiner Weise vermisse. Möglicherweise war ich die einzige, die sich über den verregneten Sommer in Deutschland unendlich gefreut hat.
Bei meinem obligatorischen Besuch im nahegelegenen Loreto stellte ich fest, dass viel mehr Polizei unterwegs ist als sonst und deutlich weniger Pilger kommen.
Ansonsten herrscht in Italien ziemlich Aufruhr, denn ab heute gilt, dass alle Arbeiter und Angestellten den „green pass“ vorweisen müssen, also diesen Nachweis der zweifachen Impfung. Dagegen gibt es nun allerorten heftige Demonstrationen, wie man sich denken kann. Ganz verstanden habe ich nicht, wie man so etwas durchsetzen will: Von zehn Arbeitenden sind zwei im Schnitt immer noch nicht durchgeimpft.
Gleichzeitig meldet unser geliebtes RKI für Deutschland wieder steigende Zahlen.
Üblicherweise geht Italien voran in diversen gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Was wir hier also zurzeit haben, das wird spätestens Ende November wohl auch in Deutschland von oben her durchverordnet werden.
Mir ists gleich, ich bin zwar Impfskeptikerin, aber habe mich im Juli dazu durchgerungen. Mit unbeschreiblichen Nebenwirkungen. Aber dafür habe ich endlich den Kopf wieder frei.
Oktober 15, 2021 No Comments
Kreuzzeichen verkehrt herum?
>>Das KREUZESZEICHEN wird nach orthodoxer Weise mit den zusammengelegten ersten drei Fingern der rechten Hand (Symbol der Dreieinheit Gottes) ausgeführt, während der vier-te und der kleine Finger zurückgebogen bleiben (Symbol der zwei Naturen Christi). Dabei wird nacheinander die Stirn, die Leibmitte, die rechte und danach die linke Schulter berührt, so daß das Kreuz, das beim Segnen ja immer von links nach rechts gezeichnet wird, spiegelbildlich auf sich selbst projiziert erscheint.
Dies ist auch im Westen die ursprüngliche Form des Sich-bekreuzigens gewesen, denn erst Innozenz III. erlaubte im 13. Jahrhundert den Lateinern neben der hergebrachten orthodoxen auch die jetzige römisch-katholische Form des Kreuzeszeichens.
Aus dem orthodoxe Orologion
September 29, 2021 No Comments
Geleitwort zum orthodoxen Orologion von Kardinal Ratzinger
D E R E R Z B I S C H O F V O N M Ü N C H E N U N D F R E I S I N G
München, den 2. November 1981
Geleitwort
Die seit langem bestehenden Kontakte zwischen der Orthodoxen und der Katholischen Kirche können nur dann fruchtbar werden, wenn sie sich nicht nur auf ein Gespräch unter Theologen, sondern auf die Begegnung unter den Gläubigen beziehen, besonders da, wo eine Kirche sich am tiefsten darstellt, in ihrer Liturgie und im Vollzug ihres Gebetes.
Die vorliegende erste deutsche Gesamtausgabe des orthodoxen Stundengebetes bietet eine einmalige Gelegenheit, den überreichen Gebetsschatz dieser Kirche, der frühchristlich und zugleich gegenwärtig ist, kennenzulernen. In diesen Texten zeigt sich, wie die Gezeiten des Tages, der Sonntage und der Feste, Gebet gewordener Glaube sind, erfüllt von anbetender Hingabe an die Geheimnisse des Heils, die Gott unter uns gewirkt hat.
Besonders die Hymnen zeigen eine Form der Lobpreisung, die wie eine geistliche Auslegung der Heiligen Schrift wirkt, stets gebunden an die dort dargestellten Ereignisse der Entfaltung des göttlichen Planes mit seiner Welt. Gerne möchte ich die vorliegende Herausgabe dieses Stundengebetes, die uns so große Schätze eröffnet, herzlich begrüßen und empfehlen.
(Josef Cardinal Ratzinger)
[Er war schon immer ein Poet auf der Kathedra. Vielleicht darum so oft unverstanden. Die Leute wollen keine Poesie, sie wollen keine Mysterien, sie wollen keine Wunder, sie wollen keine Heiligen. Sie wollen Gremien, wichtigtuerische Debatten und Regenbogenfahnen als das höchste der ästhetischen Gefühle. Dabei merken sie nicht mal, dass der ideologische Regenbogen der umgekehrt-natürliche in der Farbabfolge ist. Das hat übrigens seine eigene, bislang wohl unbemerkte Bedeutung.]
September 26, 2021 No Comments
Der abgehängte Papst
Inmitten einer Gottesfinsternis sondergleichen hält es Papst Franziskus für nötig, den mühsam aufgebauten „liturgischen Frieden“ – so das Wort eines Freundes – niederzureißen.
Wir haben den Mann gesehen, der durch seinen persönlichen Einsatz die Steinbachtalsperre freigebaggert und eine Unzahl von Menschen gerettet hatte. Er berief sich auf Gott. Das hat viele Menschen in den „sozialen Medien“ bis auf das Äußerste provoziert. Wozu dieses „mittelalterliche Gehabe“? Und so weiter.
Bitte, wer sind diese Leute, die so urteilen?
Rechtzeitig dazu das neue Motu proprio. Man hatte gedacht, es gebe nun mit Summorum Pontificum eine Art liturgische Befriedung.
Nicht unter Bergoglio. Tatsächlich weiß man nicht, was diesen Papst derzeit umtreibt. Aber eines ist gewiss: Die Bodenhaftung hat er längst verloren.
Ubi Petrus ibi ecclesia?
Juli 21, 2021 No Comments
Die Pilger – Sergei Gorodezki
Die längst verwitterten Gesichter
In jede Wind der Heimataun,
Gleich Vogelflug der Augen Lichter,
Die unterm niedern Käppchen schaun,
Der Schritt stets grade, oft gestraffter,
Der Stab in steingewordner Hand –
So ziehn die stummen Auskundschafter
Gepäcklos durch das Russenland.
Der Uferhügel Stimmen machen
Nicht Müh noch stillen Roggens Hauch,
Des fernen Wetterleuchtens Lachen,
Des Mondes Weihrauchleuchten auch.
Sie sehn des Volkes schwarzes Frönen,
Vernehmen jeden Sturz und Flug,
Des Menschenvolks gemeinsam Stöhnen
Nach Schönheit, Wahrheit nie genug.
Den Pflug verwerfend, in die Fremde
Ziehn sie als Gottes Pflügerschar,
Nicht tragen Dolch noch Panzerhemde
Des heilgen Landes Recken gar.
Vor ihnen steigt aus Berg und Talen
So Ort als Dorf und Stadt herauf,
Nicht mal mit der Goldkuppeln Zahlen
Zählt man der Wandrung Jahre auf.
Bald Gras, bald Schnee bis Leibes Mitter,
Hier dunkler Tann, dort Schlucht und Au,
So gehen sie mit jedem Schritte
Stets näher hin zum ewigen Blau.
An jedem Kreuzweg betend, ruhen
Auf Steinen sie, wie sich’s grad trifft,
Sie zeichnen mit den Wanderschuhen
Des heilgen Pfads verschlungne Schrift.
Bei dbei des langen Weges Dehnen
Sie einst die Stimme klar verstehen:
Von ihrem Rußland Abschied nehmen
Und in den Himmel auf zu wehn.
Geht dann vorm Ewgen Gott ergeben
Ihr Pilgerstab zur Ruhe ein –
Was wird von unserm kargen Leben
Dort oben ihr Bericht wohl sein?

Bild: Viktor Bychow: Kreuztragen
Mai 13, 2021 No Comments
Russische Gottesnarren
Hier also mein Essay im Feuilleton der Tagespost über die russischen Gottesnarren.
Mai 2, 2021 No Comments