Journalistin und Autorin

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Category — Meine Bücher

Editorial von Guido Horst für Vatican-magazin Januar 2021

>> Vor genau fünfzig Jahren begann die Würzburger Synode. Manche Menschen vorgerückten Alters wissen sogar noch, was das war.[…]

Den Jüngeren sei gesagt, dass mit der Würzburger Synode etwas begann, was die deutsche Amtskirche heute noch im Griff hat: geschäftiger Gremienkatholizismus, Bischöfe und Laien auf herrlicher Augenhöhe, Debatten um Strukturen, Dauerthemen wie Zölibat, klerikale Macht, Laienpredigt, Frauenweihe, neue Sexualmoral, Laien am Altar – und ökumenische Gefälligkeiten. Also „Lähmung durch Reformeifer“ (O-Ton Ratzinger, wie sein Biograf Peter Seewald schreibt). Das alles dauert jetzt schon fünfzig Jahre und findet im Synodalen Weg seinen soundsovielten Aufguss. Kirche wie ein Parlament, Progressive gegen Konservative, hohe Politik, die die Menschen mit ihren Alltagssorgen nicht interessiert. […]

Auf dem Hintergrund der Trümmer der Totalitarismen des zwanzigsten Jahrhunderts erkennt [Hannah] Arendt diese lichte Wahrheit: ,Das Wunder, das den Lauf der Welt und den Gang menschlicher Dinge immer wieder unterbricht und vor dem Verderben rettet, das als Keim in ihm sitzt und als Gesetz seine Bewegung bestimmt, ist schließlich die Tatsache der Natalität, das Geborensein.
Dass man in der Welt Vertrauen haben und dass man für die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: ,Uns ist ein Kind geboren’.“ Und dem Geheimnis der Menschwerdung (Weihnachten) wie auch der Gegenwart des Gekreuzigten in seiner Kirche (Ostern) begegne man nur dann in rechter Weise, wie Franziskus sagt, „wenn wir unsere Waffen ablegen und demütig und wesentlich sind“.<< Der ganze Text ist auf der Homepage des Vatican-magazin abrufbar.



Vorankündigung für Februarheft
Aus meiner Feder bzw. Linse gibt es im Heft Februar 21 einen Fotoessay über die „terra dei santi“ anlässlich der zweiten Auflage meines literarischen Reiseführers „Poetische Pilgerorte“. Außerdem schreibe ich über Kloster Ottobeuren als Heiligtum der besonderen Art speziell im Hinblick auf das 200. Geburtsjahr von Pfarrer Sebastian Kneipp, das wir 2021 begehen und der in der Basilika von Ottobeuren nicht nur getauft und gefirmt wurde, sondern auch seine Primiz gefeiert hat.

Januar 21, 2021   No Comments

Email aus Rom von Paul Badde zu „Poetische Pilgerorte“


Vor einigen Tagen habe ich eine schöne Email des bekannten katholischen Journalisten Paul Badde aus Rom bekommen, wo ihm scheinbar eine Büchersendung aus dem Verlag fe-medien den dortigen, viel strengeren, lockdown etwas versüßen konnte.
Paul Badde verschickt nicht nur sprachlich schöne Emails, sondern er pflegt an jede Mail ein interessantes selbstgemachtes kunsthistorisches Foto von einem Meisterwerk der christlichen bildenden Kunst anzuhängen.
Neulich schrieb er mir dazu folgendes:

… heute morgen kamen mit einem Postpaket aus Immenried im Allgäu auch Deine „Poetischen Pilgerorte“ hier in Rom an, in denen ich gleich kleben blieb, um Dir jetzt von Herzen dazu zu gratulieren. Da hast Du etwas ganz Wundervolles produziert […] Herzlichen Glückwunsch und möglichst viele Leser, die Deinen Wegen mit Deinem Buch unter dem Arm folgen mögen.

Wer mehr dazu erfahren möchte, der schaue hier auf die eigene Seite für das Buch, damals noch in der ersten Auflage im Michael Müller Verlag mit einer Rezension in der Tagespost. Die zweite Auflage meines Buches ist – wie bereits vermeldet – kürzlich im fe-medien Verlag erschienen.

Januar 14, 2021   No Comments

Mein Mittelitalien-Führer „Poetische Pilgerorte“ geht in die zweite Auflage


Es ist soweit – und ich glaube, es kann keinen besseren Zeitpunkt geben als diesen: Viele Menschen, viele gläubige Menschen sehnen sich nach dem Süden. Doch wir leben in einer dramatischen Zeit. Auch in Italien steigen die Zahlen wieder erschreckend an, gleichzeitig nimmt die Sehnsucht zu: Nach Rom, nach Loreto, nach Norcia zum heiligen Benedikt, nach Manoppello zum rätselhaften Antlitz Christi, nach Lanciano mit seinem eucharistischen Wunder.
Vor gut einem Jahrzehnt erschien mein literarischer Reiseführer im Michael Müller Verlag Aachen. Seither ist viel geschehen, vieles hat sich geändert. Mit dem plötzlichen und unerwarteten Tod von Michael Müller im Februar 2014 hat die katholische Kirche in Deutschland eine beeindruckende Verleger- und Journalistenpersönlichkeit verloren. Ich behalte ihn in sehr guter Erinnerung, denn unsere Zusammenarbeit war von Aufrichtigkeit und Vertrauen geprägt.
Nun hat es Bernhard Müller von fe-medien in Kisslegg unternommen, mein damals im Aachener Verlag zuerst erschienenes Pilgerbuch erneut aufzulegen. Der Zeitpunkt passt wie kein anderer. Ich wünsche meinem Buch, dass es viele Leser findet, die sich ihre Sehnsucht bewahrt haben und – wenn es momentan nicht anders geht – mit meinen Texten auf eine Entdeckungsreise vom Lesesessel aus nach Mittelitalien aufbrechen möchten. Und nebenzu ist das Buch ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk. Besonders gefreut hat mich, dass sich fe-medien dazu entschlossen hat, die wunderschönen Fotos aus Italien, der jeweiligen Heiligtümer, auch in der zweiten Auflage farbig abzudrucken und in das Buch wieder mitaufzunehmen.
Wer es von mir persönlich signiert haben möchte, schickt mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular.

Barbara Wenz: Poetische Pilgerorte – Reisen ins mystische Mittelitalien
Fe-Medienverlags GmbH Kisslegg, 2020
ISBN 978-3-86357-285-3
www.fe-medien.de

Oktober 29, 2020   No Comments

Konvertiten – aus der Rezension von Marie-Thérèse Knöbl in der Tagespost

vom 3. August 2017:

„Nicht nur das vor unseren Augen entfaltete Leben von Heiligen, Leidenden und Bekehrten, auch das Singen des Magnificat (im Fall Paul Claudels) oder das Sprechen eines Gebets (im Fall des jüdischen Bankierssohnes Alphonse Ratisbonne) können schlagartig zu einer Überwältigung der Seele durch den Heiligen Geist und zur plötzlichen und danach unumkehrbaren Erkenntnis der Wahrheit in Geist und Seele eines Menschen führen.
Das macht die Sammlung der Konvertiten-Leben von Barbara Wenz deutlich. Gelungen veranschaulicht sie dabei das Wirken der Vorsehung und des Heiligen Geistes durch alle Zeiten hinweg, gerade auch in besonders stürmischen Zeiten der Kirche und des Individuums. Eindrucksvoll dargestellt ist dies in den Lebensbeschreibungen der beiden jüdischen Konvertiten Eugenio Zolli und Jean-Marie Lustiger, deutlich sichtbar wird es aber auch in allen anderen Porträts.

Alle dargestellten Lebenswenden sind gekennzeichnet von einer unerhörten Frische, zugleich aber auch einer unerhörten, nie gekannten Tiefe des geistigen und seelischen Lebens, welche die Schwere des Kreuzes erahnen lässt, das es in der Nachfolge Christi nicht selten zu ertragen gilt.
Die Autorin bringt all dies gut auf den Punkt, wenn sie schreibt: „Denn jetzt beginnt eine Zeit im Feuerofen der göttlichen Gnade, einerseits voller Tröstungen, doch auch immer angefüllt mit Prüfungen, Kampf und geistlicher Not.“ Ihr und dem Verlag darf man zu dieser schönen Publikation gratulieren. Ihre Lektüre gibt Zuversicht und Freude, es ist ein schönes Geschenk für alle Bekehrten und Noch-nicht-Bekehrten.“

Barbara Wenz: Konvertiten. Ergreifende
Glaubenszeugnisse. Media Maria, Illertissen 2017,
ISBN 978-3-94554012-2-4,
160 Seiten, EUR 14,95

August 15, 2017   No Comments

Amazon-Rezensionen für „Konvertiten. Ergreifende Glaubenszeugnisse“

Für mein Buch „Konvertiten.Ergreifende Glaubenszeugnisse“, letztes Jahr erschienen, gibt es inzwischen direkt bei Amazon zwei sehr freundliche Rezensionen:

Karl Dieter Wünstel (Auszug): „Ich konnte es fast nicht mehr aus der Hand legen. Allein die Auswahl der beschriebenen Persönlichkeiten bildet ein breites Spektrum ab. Die einzelnen Berichte sind fesselnd dargestellt und verleiten zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Glaubensverständnisses.“

„Jaroschek“ (Auszug): „Höchst wichtig ist das Kapitel über Roms Oberrabbiner Zolli, der Christ wurde, inzwischen aber weitgehend in Vergessenheit geriet. In diesem Kapitel wird das absolut falsche Zerrbild, das Hochhuth mit seinem ‚Stellvertreter‘ von Pius XII zeichnet, korrigiert. Viele Juden bestätigten nach dem Krieg die Rettung vieler Juden durch Pius XII. Pinchas Lapide sprach von Hunderttausenden. Allein etliche historische Korrekturen machen dieses Buch wertvoll.“

Herzlichen Dank den Rezensenten für ihre Mühe!

Die Rezensionen im ganzen Wortlaut und die Bestellmöglichkeit auf Amazon hier:

April 22, 2017   No Comments

Konvertiten – Ergreifende Glaubenszeugnisse ist Buchtipp von Radio Vatikan

Am 6. August 2016 hat Radio Vatikan ein Interview mit mir gesendet und online gestellt und gleichzeitig mein Konvertitenbuch als „Buchtipp“ präsentiert.

Im November 2014 war bereits „Das Farnese-Komplott“, mein Vatikan-Krimi, Buchtipp von Radio Vatikan deutsche Sektion geworden.

Hier der Link zum Interview.

August 12, 2016   No Comments

Konvertiten. Ergreifende Glaubenszeugnisse – Rezi und Interview

Zu meinem im April im Media Maria Verlag erschienen Buch „Konvertiten. Ergreifende Glaubenszeugnisse“ gibt es eine Rezension auf dem Portal kath.net von Hans Jakob Bürger: „Die vorgestellten Konvertiten aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind uns alle irgendwie bekannt – und doch erfahren wir Neues über sie. Die Autorin hat akribisch recherchiert und enttäuscht nicht, wenn sie, wie im Titel genannt, ergreifende Glaubenszeugnisse anbietet. Ein empfehlenswertes Buch liegt vor uns, kurzweilig und spannend, lebensnah und doch ausgestattet mit jener Portion Frömmigkeit, die auch Nichtgläubige und Nichtchristen ergreifen könnte.“
Zur ganzen Rezension geht es hier.

Weiterhin hat die Nachrichtenseite zenit.org ein Interview mit mir dazu veröffentlicht:
„Frau Wenz, von den elf Konvertiten, welche Geschichte hat Sie persönlich am meisten beeindruckt? Und weshalb?
Barbara Wenz: Das war sicher Paul Takashi Nagai, wie bereits erläutert. Einfach wegen der schicksalhaften Umstände, in denen er sich wiederfand. Die ungewöhnlichste und zugleich auch traurige Geschichte fand ich auch die von Israel Eugenio Zolli, dem ehemaligen Oberrabbiner von Rom. Dieser Mann hat bei seiner christlichen Taufe den bürgerlichen Vornamen von Papst Pius XII. angenommen, ein Umstand, der all jene, die an die Geschichte, wie sie von Rolf Hochhuth dargestellt wurde, glauben, eigentlich aufmerken lassen sollte. Zolli starb weitgehend vergessen: Von der jüdischen Gemeinde ausgestoßen, von der modernen Geschichtsschreibung übergangen – dabei hätte er so viel zu sagen gewusst über die Zeit der deutschen Besetzung Roms. Ich hätte ihn gerne kennen gelernt. Das kann ich zwar von allen Konvertiten in meinem Buch ganz ehrlich sagen, aber von ihm ganz besonders.“
Zum ganzen Interview auf zenit.org geht es hier.

In Kürze wird es auch ein Interview mit Radio Vatikan zu meinem neuen Buch geben.

Mai 31, 2016   No Comments

Konvertiten. Ergreifende Glaubenszeugnisse

Mein neues Buch erscheint im April 2016 bei Media Maria.

Hier schon einmal die Vorankündigung via Amazon.

März 12, 2016   No Comments

Fonte Avellana und der heilige Petrus Damiani

[Ein Auszug aus meinem Buch „Poetische Pilgerorte“]

Fonte Avellana am Hang des Monte Catria – steinerne Trutzburg des Glaubens gegen die Brandung der Zeiten

Wer von Corinaldo nach Pergola fährt und auf der Straße zwischen Pergola und Sassoferrato auf halber Strecke rechts einbiegt, der erreicht den Monte Catria, so hoch „dass unter ihm die Donner dröhnen“, wie Dante Alighieri in seiner Divina Commedia schreibt. Die Gegend wird zunehmen einsamer, bewaldeter und urwüchsiger. Tatsächlich ist der Monte Catria mit 1.700 Metern einer der höchsten Gipfel des italienischen Zentral-Appenin, übertroffen wird er nur noch von den Monti Sibillini weiter südlich.

An seiner Ostflanke hütet dieser Berg einen architektonischen und spirituellen Schatz. Wie von einer unsichtbaren Zeitkapsel umschlossen – fast unberührt vom Fortgang von eintausend Jahren, erhebt sich zwischen Steineichen, Buchen, Zypressen und Haselnussträuchern das Kloster der Kamaldulenser von Fonte Avellana. Eine spröde romanische Schönheit wie eine Trutzburg des Glaubens gegen die Brandung der Zeiten, errichtet in dem hellgrauen fossiliendurchzogenen Gestein seiner natürlichen Umgebung. Als sei die Strenge und die Einfachheit des mönchischen Lebens in ihm zu einer Außenhaut geronnen, die sich in perfekter Harmonie mit der majestätischen Umgebung befindet und gleichzeitig sich selbst genug ist. Überragt vom massiven viereckigen Pfeiler des Glockenturms ordnen sich die einzelnen Bauteile zu einem schnörkellosen Ensemble von architektonischer Klarheit, dessen Bogengänge und Fenster sich dem Tal und dem Tageslicht öffnen wie Blüten der Sonne.

Am Eindrucksvollsten zeigt sich dieses Prinzip verwirklicht im Scriptorium von Fonte Avellana aus dem 12. Jahrhundert. Von den insgesamt vierzehn einbogigen Fenstern der oberen Reihe weisen sechs nach Osten, eines nach Süden und sieben nach Westen, so konnten sie die Kopisten mit dem Maximum an Tageslicht für ihre anstrengende Arbeit versorgen. Gleichzeitig diente die Anordnung der Oberlichter auch als Sonnenuhr und Jahreskalender, welcher die Sonnenwenden im Juni und Dezember zuverlässig anzeigt. Am 21. Juni etwa fallen die Strahlen des Sonnenaufgangs durch das erste Ostfenster, die Strahlen bei ihrem Untergang durch das letzte Westfenster in den Raum.

Aus dem 12. Jahrhundert stammt auch der Kapitelsaal, der ebenso wie das Scriptorium im Rahmen einer kleinen Führung zu besichtigen ist. Im Kapitelsaal versammelten sich die Mönche, dort wurden Angelegenheiten der Gemeinschaft vorgetragen, besprochen und entschieden. Der Raum besitzt eine eigene Atmosphäre und eine besondere Akustik, unterstützt durch das Tonnengewölbe der Decke. Drei schmale Fenster zeigen Richtung Osten, zum Ursprung des Lichts.

Ältester erhaltener Bauteil des Klosters stellt die Krypta aus dem 10. Jahrhundert dar, sie war die ursprüngliche Kirche der ersten Mönche und ist zum Teil direkt in den Fels des Catria hineingehauen. Durch ihre eigentümliche Form, ein griechisches Kreuz, das durch spätere Baumaßnahmen verstümmelt wurde, die fast zwei Meter dicken romanischen Mauern, die sich in der Apsis niedrig krümmen und von lediglich zwei winzigen Fenstern Richtung Osten durchbrochen werden, entsteht der Eindruck einer Raumkapsel mit zwei Bullaugen.
Generationen von Mönchen haben in ihr die Stundengebete gesungen, an dem tausendjährigen Altar die Hl. Messe gefeiert; diesem timeshuttle der Gottesverehrung entstiegen an die fünfzig Bischöfe und eine beeindruckende Zahl von Seligen und Heiligen der katholischen Kirche.

Der heilige Petrus Damiani und sein Kampf gegen den dekadenten Klerus seiner Zeit

Auch die beiden Eremitenmönche, denen ein gewisser Petrus Damiani, ein erfolgreicher Rhetoriklehrer zu Ravenna, auf einer Reise nach Parma begegnete. In einer Welt, in der es recht wüst zugegangen sein muss, an den Universitäten wurde nicht nur gelernt und gelehrt, sondern auch gehurt und gesoffen, gespielt und um Geld gewettet, beeindruckte den Gelehrten ganz besonders die Demut, Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit dieser Mönche. So stark, dass er ihnen nach Fonte Avellana folgte und 1039 in das Kloster eintrat. Dort entfalteten sich sämtliche Talente dieses großartigen Gelehrten, der sich nicht nur in seiner persönlichen Lebensweise in strengste Zucht nahm, sondern auch seine Mitbrüder anhielt, sich Übungen in Selbstgeißelung zu unterziehen. Petrus Damiani stellte die wirtschaftliche Grundlage des Klosters auf solide Beine, er ließ eine Kirche bauen und gründete eine Bibliothek, denn natürlich wollte er auch als Eremit weiterhin seine Studien treiben. Auch das beeindruckende Skriptorium entstammt seinen Ideen, obwohl er seine Fertigstellung nicht mehr erlebt hat. Von seinem Felsenhorst aus führte er einen regen Schriftverkehr mit Bischöfen, Äbten und Päpsten. Sein Wort und seine Gedanken hatten Gewicht, seine persönliche Lebensführung überzeugte, und so wurde der heilige Petrus Damiani zu einer der wichtigsten Gestalten innerhalb der kirchlichen Reformbewegung des 11. Jahrhunderts.

Das Liber gomorrhianus wider die sexuellen Verfehlungen von Priestern und Mönchen

Petrus Damiani kämpfte mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, gegen den Verfall im Klerus an. Da waren vor allem die Waffen seines scharfen Geistes und seiner hervorragenden Bildung. Doch diese alleine hätten ihm nicht genutzt, wenn er nicht von einer vorbildlichen persönlichen Frömmigkeit gewesen wäre, und er seine Schritte nicht vollständig an die Schritte Jesu Christi angepasst hätte. Mit der Schrift Liber gratissimus sagte er dem verbreitetsten Übel seiner Zeit, dem Ämterhandel den Kampf an, mit dem Liber gomorrhianus, dem Buch von Gomorrha beschrieb er mit akribischer Genauigkeit die sexuellen Versuchungen und Sünden, denen sich Mönche und Kleriker ausgesetzt sahen, getreu dem Motto: Nur, wer den Feind kennt, kann ihn besiegen.
Unter aktuellen Bezügen betrachtet wird schnell klar, dass die Herabwürdigung der wahren und gottgewollten sexuellen Natur des Menschen ein Zeit, Ort und Kulturen überschreitendes Phänomen darstellt, gegen das die Kirche von Beginn an und praktisch immer gekämpft hat.
Eventuell besaß Petrus Damiani schon hervorragende charakterliche Anlagen, denn ein lauer Weichling wird sich vornherein nicht vom harten Mönchsleben in Fonte Avellana angezogen gefühlt haben. Sicher jedoch ist, dass ihn auch das karge, völlig auf Gott ausgerichtete Leben der Asketenmönche schliff wie eine gute Waffe, so dass seine Fähigkeiten im Kampf gegen die Sünde und das Böse aufleuchteten wie polierter Stahl im Einsatz für das Licht der Welt.

Vielleicht wäre ja sogar ein möglicher Beitrag zur Lösung der aktuellen Probleme in der Kirche, wieder vermehrt Eremitenbischöfe und – kardinäle zu ernennen. Diese könnte man dann auch schwerlich beim „Schachspielen in einer Spelunke“ ertappen, wie es dem Bischof von Florenz geschah. Entehrung Gottes durch Befleckung mit schändlicher Kurzweil – lautete die Diagnose, die Spielsucht war im Klerus weit verbreitet. Petrus Damiani hielt eisern dagegen.

Es war ihm nicht vergönnt, nach einem anstrengenden und kämpferischen Leben für die Heiligung der Kirche in seinem Kloster zu sterben, er starb im Jahr 1072 auf dem Heimweg von Ravenna in Faenza, nur ein paar Tagesreisen entfernt, und wurde dort auch begraben. Doch sein segensreiches Wirken strahlte durch die Jahrhunderte weiter, noch bis heute. Dante Alighieri erwähnt ihn dreihundert Jahre später im 21. Paradiesgesang der Göttlichen Komödie. Ein Mann also wie ein Leuchtfeuer durch die Jahrhunderte gegen Simonie und Korruption. Überhaupt gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Dante Alighieri auch seine Einsiedelei bei den Quellen und den Haselnussbäumen kannte. Ein Besuch in Fonte Avellana selbst ist zwar nicht durch einen Chronikeintrag dokumentiert, dafür aber im benachbarten Kloster von Gubbio für das Jahr 1318. Man geht also davon aus, dass er bei dieser Gelegenheit auch die Einsiedelei besichtigt hat. Dante schreibt, und lässt dabei Petrus Damiani selbst zu Wort kommen:

„Inmitten von Italiens beiden Ufern
Erheben, unfern deiner Heimat, Felsen
So hoch sich, dass die Donner tiefer rollen.
Den Höcker, den sie bilden, nennt man Catria;
Ein Eremitenkloster liegt darunter,
Bestimmt nur zu andächtiger Betrachtung.“

Kurz darauf, im Jahre 1325 wurde die Einsiedelei zu einer Abtei. Die Mönche folgten den Regeln des Hl. Romuald von Camaldoli aus benediktinischer Tradition – auch heute noch. Der Klausurbereich ist deshalb für Besichtigungen nicht freigegeben. Leider gehört dazu auch die alte Klosterbibliothek, deren Bestand etwa 25.000 Bücher aus den Anfängen des Buchdrucks und der Zeit bis zum 19. Jahrhundert umfasst. Dafür entschädigt der ungewöhnliche und imponierende Kreuzgang aus dem 11. Jahrhundert, die statio der Mönche, die sich hier, von der Feldarbeit kommend, auf den Gottesdienst vorbereiteten, sich am Brunnen waschen und versammeln konnten. Die Gewölbebögen sind romanisch und phönizisch inspiriert.

Obwohl der Klausurbereich selbst nicht zugänglich ist, nehmen die Kamaldulenser des Klosters zum Heiligen Kreuz gerne Gäste für Exerzitientage oder Unterweisungen in der lectio divina auf und ermöglichen ihnen, die Liturgie mitzufeiern. Außerdem bieten sie ein Veranstaltungsprogramm künstlerischer, musikalischer und wissenschaftlicher Natur an. Es gibt ein eigenes kleines Forschungszentrum, das Studien zur avellanischen Geschichte und Theologie betreibt.
Nach alter Kamaldulensertradition findet sich in Fonte Avellana auch eine Klosterapotheke, in der Salben, Schokolade, Teemischungen und Honig verkauft werden.

Wer dem Straßenverlauf den Berg hinauf weiter folgt, erhält noch beeindruckende Ansichten der gesamten baulichen Schönheit des Kloster und einen guten Eindruck von der Harmonie, mit der sich Fonte Avellana in die Berglandschaft eingefügt. Folgt man der Straße in Richtung Norden, gelangt man zu dem mittelalterlichen Städtchen Frontone mit seinem eindrucksvollen kleinen castello, das als gutes Beispiel für die militärische Architektur des 11. Jahrhunderts gilt. Von Frontones Mauern aus hat man einen herrlichen Panoramablick, die Gässchen bieten reizvolle Einblicke. Wer in Frotone einkehren möchte, die Spezialitäten der Region sind vor allem tagliatelle mit Steinpilzen oder Entenragout und „la crescia“, ein typisches Fladenbrot, das mit verschiedenen Gewürzen und Füllungen im Holzofen gebacken wird.

Februar 21, 2015   No Comments

Besprechung meiner Premierenlesung in „Die Rheinpfalz“ vom 14. November 2014

>>Ausdrucksvoll und mit variierender Stimme las Wenz über 45 Minuten, ohne irgendeine Passage zu kommentieren. Gebannt lauschten ihr die Zuhörer. […] Es ist beeindruckend, wie Barbara Wenz das Zusammenspiel zwischen Historie und Gegenwart darstellt und wie man sich die Charaktere der Akteure plastisch vorstellen kann. Sie baut Spannung auf und lässt den Zuhörer im Ungewissen, warum der Reporter umgebracht wurde, was das mit dem Schleier zu tun hat.<<

November 14, 2014   No Comments