Journalistin und Autorin

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Posts from — Juni 2020

Abt Tryphons „The Morning Offering“

Seit ich ihn entdeckt habe, vor fast eineinhalb Jahren, lese ich, wann immer ich kann, morgens nach meinen Gebeten als einen Impuls den neuen Beitrag in Abt Tryphons Blog „The Morning Offering“. Es ist ein orthodoxes englischsprachiges Blog, aber ich lese als römisch-Katholische mit stets neuem Gewinn. Außerdem schmückt er jeden Beitrag mit wunderschönen, idyllischen Bildern seines Klosters bei Washington.

Als ich mich noch nicht so intensiv mit der Orthodoxie beschäftigte, jetzt aber immer mehr auch im beruflichen Rahmen, ging ich eigentlich davon aus, das einzige, was uns, jedenfalls auf der rein theologisch-doktrinellen Ebene trennte, sei das Filioque.

Dem ist aber nicht so. Heute lese ich bei Vater Tryphon, dass die Orthodoxie das Konzept der Erbsünde nicht kennt (sowieso ein bisschen schwere Materie):

>>Although we do not refer to ourselves as “saved”, as do Evangelical Christians, we nevertheless believe that we are in need of salvation. (We believe salvation is a process.) Our understanding of sin in an ancestral way, which is distinct from the concept of original sin and the hereditary guilt that required, consequently, a substitutionary atonement-type of sacrifice, separates us doctrinally from Western Christianity.

Had there not been a fall, the Second Person of the Holy Trinity, the Logos (Word) would still have incarnated into the flesh and taken on our nature. For it is by this condescension by our Creator God to take on the nature of that which He created that we are given the opportunity of being deified (Saint Paul said we shall become as gods).<< Ich fand das eine äußerst interessante Aussage, obwohl ich dachte, die Erbsünde verstanden zu haben, finde ich es doch spannend, dass es noch ein anderes, altes Konzept dazu gibt, das sich als "sin in an ancestral way" umschreiben lässt. Hier zum Eintrag bei Abt Tryphon.

Juni 13, 2020   No Comments

Friedrich Wilhelm Weber: In der Winternacht

In der Winternacht

Es wächst viel Brot in der Winternacht,
weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
spürst du, was Gutes der Winter tat.

Und deucht die Welt dir öd und leer,
und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht –
es wächst viel Brot in der Winternacht.

Friedrich Wilhelm Weber

Juni 9, 2020   No Comments

Best of Spe Salvi II

>>Wenn man diese Sätze genau liest und bedenkt [Francis Bacons neue Zuordnung der Wissenschaft zur Praxis, die dem Menschen die seit dem Sündenfall verlorene Herrschaft über die Kreatur wiederherstelle], so erkennt man darin einen bestürzenden Schritt: Die Wiederherstellung dessen, was der Mensch in der Austreibung aus dem Paradies verloren hatte, hatte man bisher vom Glauben an Jesus Christus erwartet, und dies war als „Erlösung“ angesehen worden. Nunr wird diese „Erlösung“, die Wiederherstellung des verlorenen „Paradieses“ nicht mehr vom Glauben erwartet, sondern von dem neu gefundenen Zusammenhang von Wissenschaft und Praxis. Der Glaube wird dabei gar nicht einfach geleugnet, aber auf eine andere Ebene – die des bloß Privaten und Jenseitigen – verlagert und zugleich irgendwie für die Welt unwichtig. Diese programmatische Sicht hat den Weg der Neuzeit bestimmt und bestimmt auch noch immer die Glaubenskrise der Gegenwart, die ganz praktisch vor allem eine Krise der christlichen Hoffnung ist. So erhält denn auch die Hoffnung bei Bacon eine neue Gestalt. Sie heißt nun: Glaube an den Fortschritt. […] Im weiteren Verlauf der Entwicklung des Fortschrittsgedankens bleibt die Freude an den sichtbaren Fortschritten menschlichen Könnens eine fortlaufende Bestätigung des Fortschrittsglaubens als solchem.<< Papst Benedikt XVI - Josef Ratzinger: Enzyklika Spe Salvi

Juni 5, 2020   No Comments

Glauben aus dem Herzen – Eine Einführung in die Orthodoxie

>> Es besteht keine grundsätzliche Trennung zwischen dem Sakralen und dem Profanen, dem Ewigen und dem Vorläufigen, dem Himmlischen und dem Irdischen. Sie berühren sich und existieren miteinander. Die einzige Trennung ist die zwischen dem unerschaffenen Gott und der geschaffenen Welt. Auch diese wird, ohne aufgehoben zu werden, durch die Teilhabe der geschaffenen Welt an den unerschaffenen Energien Gottes überbrückt. Damit wird die Welt geheiligt und in eine neue Schöpfung verwandelt, worin sich alles verbindet und harmonisch zusammenwirkt. Die Gegensätze zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen, dem Vorläufigen und Ewigen, dem Leben und dem Tode werden aufgehoben. Die Natur wird durch die Gnade verklärt. Das Vorläufige nimmt am Ewigen teil. Das Sterbliche wird zum Unsterblichen und der Tod wird überwunden. Das Wunder befindet sich weder außerhalb des alltäglichen Lebens noch wird es durch die Methode der Entmythologisierung beseitigt. Das ganze Leben der Kirche beruht auf dem Wunder, ja es ist von jeher selbst eines. Die Vereinigung des Gläubigen mit Christus, die sich in dem Mysterium der heiligen Liturgie vollzieht, ist kein Symbol, sondern sie ist wirklich. Der Mensch partizipiert an der Gnade Gottes und wird Teilhaber an seinem Reich, und das Reich Gottes existiert mitten in dieser Welt, ohne mit ihr identisch zu sein. Dieses gegenwärtige Leben ist eine Vorwegnahme des Zukünftigen, und das Zukünftige ist eine Vollendung des Gegenwärtigen. << Aus dem Kapitel: Zum Begriff der Orthodoxie von Georg Mantzaridis

Juni 4, 2020   No Comments