Journalistin und Autorin

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Die Pilger – Sergei Gorodezki

Die längst verwitterten Gesichter
In jede Wind der Heimataun,
Gleich Vogelflug der Augen Lichter,
Die unterm niedern Käppchen schaun,

Der Schritt stets grade, oft gestraffter,
Der Stab in steingewordner Hand –
So ziehn die stummen Auskundschafter
Gepäcklos durch das Russenland.

Der Uferhügel Stimmen machen
Nicht Müh noch stillen Roggens Hauch,
Des fernen Wetterleuchtens Lachen,
Des Mondes Weihrauchleuchten auch.

Sie sehn des Volkes schwarzes Frönen,
Vernehmen jeden Sturz und Flug,
Des Menschenvolks gemeinsam Stöhnen
Nach Schönheit, Wahrheit nie genug.

Den Pflug verwerfend, in die Fremde
Ziehn sie als Gottes Pflügerschar,
Nicht tragen Dolch noch Panzerhemde
Des heilgen Landes Recken gar.

Vor ihnen steigt aus Berg und Talen
So Ort als Dorf und Stadt herauf,
Nicht mal mit der Goldkuppeln Zahlen
Zählt man der Wandrung Jahre auf.

Bald Gras, bald Schnee bis Leibes Mitter,
Hier dunkler Tann, dort Schlucht und Au,
So gehen sie mit jedem Schritte
Stets näher hin zum ewigen Blau.

An jedem Kreuzweg betend, ruhen
Auf Steinen sie, wie sich’s grad trifft,
Sie zeichnen mit den Wanderschuhen
Des heilgen Pfads verschlungne Schrift.

Bei dbei des langen Weges Dehnen
Sie einst die Stimme klar verstehen:
Von ihrem Rußland Abschied nehmen
Und in den Himmel auf zu wehn.

Geht dann vorm Ewgen Gott ergeben
Ihr Pilgerstab zur Ruhe ein –
Was wird von unserm kargen Leben
Dort oben ihr Bericht wohl sein?

Bild: Viktor Bychow: Kreuztragen

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