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Category — Böhmen und Mähren

Loreto-Glocken in Prag spielen neues Lied

Prag-Reisenden ist das Glockenspiel der Loreto-Kirche auf dem Burgberg bestens bekannt und gut vertraut. Seit einhundert Jahren spielen die 27 Glocken zu jeder vollen Stunden „Tisickrát pozdravujeme tebe“ – Wir grüßen Dich eintausendmal, o Maria.
Das ist jetzt nicht mehr so.
Hinter dem melodiösen Zusammenspiel steckt ein komplizierter Mechanismus. Früher wurden die Melodien häufiger gewechselt, doch seit einhundert Jahren ist niemand mehr übrig, der den Mechanismus bedienen kann.

Die Maschine war dafür konstruiert, verschiedene Kompositionen zu spielen. Warum erklang aber nun mehr als 100 Jahre lang nur ein einziges Lied?

„All jene, die sich in dem Mechanismus auskannten, starben, und damit starb wahrscheinlich auch die Tradition aus. Wir wollen diese nun wiederbeleben.“

Erst jetzt hat es der Orgelspieler Radek Rejšek gewagt, in das Glockenspiel einzugreifen. Er musste die Walze in einzelne Leisten auseinandernehmen und die Stifte gemäß den Noten neu einsetzt.

Nun erklingt seit Mittwoch dieser Woche der Barockhymnus „Maria, Maria, über die Sonne strahlend“.
Mehr dazu mit Youtube-Video auf den deutschsprachigen Seiten von Radio Prag.

Mai 23, 2020   No Comments

Der schöne tschechische Bierdeckel #2

Das ist Hündchen Albi, also nicht der selbe, aber sozusagen ein Symbolbild für Hündchen Albi, das im Jahre 1573 eine sehr wohlschmeckende Quelle in dem Städtchen Chodové Plané aufgespürt hat. Seitdem gibt es dort ausgesprochen wohlschmeckendes Bier und im Laufe der Zeit hat sich der Familienbetrieb immer mehr erweitert.

Heute besteht die Brauerei „Chodovar“ nicht nur aus dem Brauhaus und der Braugaststätte, in der man sich vorzügliches Gulasch und andere böhmische Leckereien schmecken lassen kann, sondern auch aus einem Wellnesshotel, das sich – logisch – auf Bieranwendungen spezialisiert hat und einem jährlich wiederkehrenden beliebten Eventprogramm.

Wer in der Gegend von Karlsbad oder Marienbad unterwegs ist, sollte sich die Chodovar-Brauerei mit ihrer tollen und innovativen Eventgastronomie unbedingt ansehen.

Bei den Choden handelt es sich übrigens um eine spezielle Volksgruppe, die früher Grenzwächterfunktionen nach Deutschland ausgeübt haben sollen.

>>Das Chodenland umfasst sieben, laut anderen Quellen elf Dörfer zwischen Domažlice und Tachov / Tachau. Die Orte wurden überwiegend im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die Legenden über den Ursprung der Choden reichen jedoch tiefer in die Geschichte hinein. Eine von ihnen erzählt, dass sie sich aus den Soldaten des Fürsten Boleslaw während seines Feldzugs nach Polen im 11. Jahrhundert formiert haben. Eine andere weist auf die Eroberung von Mailand im Jahr 1158 hin, damals soll Friedrich Barbarossa auch eine Truppe aus Böhmen geholfen haben. In beiden Fällen wurden die Choden für ihre Verdienste angeblich mit zahlreichen Privilegien belohnt.<< Anlässlich besonderer Festtage holen die Choden-Männer auch mal gerne ihren Dudelsack aus dem Schrank und jedes Jahr findet in Domažlice ein internationales Dudelsackfest statt.

Februar 17, 2020   1 Comment

Unterwegs in Südböhmen

In Tschechien, so liest man häufig, sei der christliche Glaube fast verschwunden, eine Mehrheit der Bevölkerung betrachtet sich selbst eher als Atheisten. Nur knapp 11 Prozent der Einwohner zählen sich zu einer christlichen Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft, davon gut 10 Prozent zur römisch-katholischen.

Kürzlich war ich wieder in Tschechien unterwegs, genauer gesagt in Südböhmen um Budweis. Von dieser Region erwartete ich mir in Sachen Glaube ziemlich wenig. Ich war vor zwei Jahren schon oben im Norden gewesen, am einzige kirchlich anerkannten Marienerscheinungsort in Tschechien, hart an der deutschen Grenze gelegen – Filipov (Philippsdorf). Darüber hatte ich auch einen Artikel fürs Vatican-magazin geschrieben.

Die erste Überraschung war, dass überall noch weihnachtlich geziert war, in den Straßen, auf öffentlichen Plätzen, in privaten Gärten, obwohl bereits Mitte Januar. Es war in einem Örtchen mit dem schönen Namen Hluboka nad Vltavou, welches von einer Art Nachbildung von Windsor Castle überkrönt wird. Man kann dort an der Moldau entlang spazieren und wenn man Glück hat, erlebt man im „zimní stadion“ eine Trainingsrunde der Kleinsten, ich sag mal vielleicht sechsjährige Jungs mit ihrem Eishockeytrainer.

Ich wollte aber eigentlich am See wandern, kehrte zurück in die Stadt und lief über einen Zebrastreifen. Ein superklappriger LKW mit typisch böhmischem Fahrer – rundes Gesicht, spitze Nase, wollige Haare – bremste für mich. Erst als ich den Streifen überquert hatte, wurde mir klar, was ich da gesehen hatte. In der Frontscheibe mittig ein großes Kruzifix (also mit Korpus) und rechts und links davon jeweils zwei kleinere Holzkreuze. Daumen hoch für den Fahrer und ich bin mir sicher, er wertete das nicht alleine dafür, dass er für mich angehalten hatte.

Als nächstes machte ich einen Ausflug ins wunderschöne Trebon. Dieses Städtchen ist einen Abstecher wert. Zu Mittag ging ich einfach in die nächste Beiz, die mit gutem Bier warb. Eigentlich war es mehr so ein Hinterhoflokal. Draußen standen rauchende Mütter mit Kinderwägen, das Essen war mäßig, das Bier natürlich hervorragend. Keine zahlungskräftige Klientel, schon gar keine Touristen. Ein Mann mit Parkinson am Nebentisch. Und dann kam dieser Rentner. Schäbig gekleidet, ungepflegt. Man konnte genau sehen er war aus der Kälte seiner Wohnung in diese Beiz gekommen, um eine Schale Rinderbrühe mit Nudeln zu essen und sich aufzuwärmen. Natürlich mitsamt einer halbe Bier. Den 100 Kronen-Schein dafür hatte er sich schon zurecht gelegt. Ich beobachtete ihn verstohlen. Die Schale mit der Suppe wurde serviert, das Bier auch. Und da nimmt dieser verwahrloste alte Mann seine Mütze ab und faltet die Hände. Es folgte ein stummes, langes Gebet über der Suppenschüssel und ich konnte gar nicht anders, als ihm, dann als ich sah er hatte geendet und langte zu, ein fröhliches „Dobrou chut'“ zuzurufen. Also „Guten Appetit“. Er bedankte sich und tauchte seinen Löffel in die heiße Suppe.

Ich bin so gerne in Tschechien. Die Menschen dort überraschen mich immer wieder.

Februar 7, 2020   No Comments

Der schöne tschechische Bierdeckel #1

Rübezahl-Bier aus der Trutnover Brauerei

Februar 1, 2020   No Comments