Journalistin und Autorin

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Die Lorica des heiligen Patrick

[via Evangelium Tag für Tag]

Hl. Patrick (um 385 – um 461), Mönch und Missionar, Bischof

Heute gürte ich mich mit der mächtigen Kraft der Anrufung der Dreieinheit, des Glaubens an den einen und dreieinen Gott, den Schöpfer des Universums.

Heute gürte ich mich mit der Kraft der Menschwerdung Christi und seiner Taufe, mit der Kraft seiner Kreuzigung und seiner Grablegung, mit der Kraft seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt, mit der Kraft seiner Wiederkunft am Tag des Gerichts.
Heute gürte ich mich mit der Kraft der Liebe der Seraphim, des Gehorsams der Engel, des Dienstes der Erzengel, in der Hoffnung auf die Auferstehung im Hinblick auf den himmlischen Lohn, mit den Gebeten der Patriarchen, den Prophezeiungen der Propheten, der Predigt der Apostel, der Treue der Bekenner, der Unschuld der heiligen Jungfrauen, gürte ich mich mit Taten aller Gerechten.

Heute gürte ich mich mit der Kraft der Himmel, mit dem Licht der Sonne, mit der Klarheit des Mondes, mit dem Schein des Feuers, dem Leuchten des Blitzes, mit der Schnelligkeit des Windes, mit der Tiefe des Meeres, mit der Standfestigkeit der Erde, mit der Härte der Steine.

Heute gürte ich mich mit der Kraft Gottes, um mich leiten zu lassen, mit der Macht Gottes, um mich halten zu lassen, mit der Weisheit Gottes, um mich unterweisen zu lassen, mit dem Augen Gottes, um mich behüten zu lassen, mit dem Ohr Gottes, um zu hören, mit dem Wort Gottes, um für mich zu reden, mit der Hand Gottes, um mich führen zu lassen, mit dem Weg Gottes, um mir voranzugehen, mit dem Schild Gottes, um mich zu beschützen, mit den Waffen Gottes, die mich den Fangnetzen der Dämonen, der Verführungen durch die Sünden, den Neigungen der Natur und all jener, die mir Böses wollen, entreißen wollen…

Christus mit mir, Christus vor mir, Christus hinter mir, Christus in mir, Christus unter mir, Christus über mir, Christus mir zur Rechten, Christus mir zur Linken, Christus wenn ich aufstehe, Christus wenn ich schlafen gehe, Christus in jedem Herzen, das an mich denkt, Christus in jedem Mund, der mit mir spricht, Christus in jedem Auge, das mich anschaut, Christus in jedem Ohr, das mich hört.

Heute gürte ich mich mit der mächtigen Kraft der Anrufung der Dreieinheit, des Glaubens an den einen und dreieinen Gott, den Schöpfer des Universums.

[Lorica oder auch Lorica-Gebet ist eine ursprünglich aus vorchristlichen religiösen Traditionen stammende Art des Segens- bzw. Schutzgebets. Der Begriff Lorica ist Lateinisch und bedeutet eigentlich Panzerung bzw. Brustpanzer. Mit diesem Begriff soll ausgedrückt werden, dass die Worte des Gebets wie ein Panzer vor allem Bösen schützen sollen.

Vor allem im keltischen Christentum bzw. der keltischen Kirche wurde die Lorica als Gebetsform gepflegt. Formal ist die Lorica als Hymne gestaltet und stellt daher eigentlich ein Schutzlied dar. Am bekanntesten ist die Lorica des heiligen Patrick. In Irland wird diese Lorica am Patrickstag sowohl bei der heiligen Messe als auch während der Parade gesungen. Der Überlieferung nach sollen der Heilige Patrick und seine Anhänger dieses Gebet auf ihrem Weg nach Tara zum König Laoghaire gesungen haben. Weniger bekannt ist dagegen die sog. Klosterneuburger Lorica. /zitiert von Wikipedia ]

September 13, 2014   2 Comments

Die „terra dei santi“ und ihr lächelnder Stern – Nikolaus von Tolentino und sein Heiligtum

[Zuerst erschienen im Vatican-Magazin Ausgabe Juni/Juli 2010]

Das Festungsstädtchen Tolentino bildet mit Osimo, wo der hl. Joseph von Copertino begraben liegt, Loreto mit dem Heiligen Haus aus Nazareth, dem unweit gelegenen Assisi, Cascia, Montefalco und zahlreichen anderen Orten eine terra dei santi aus den mittelitalienischen Provinzen Le Marche und Umbrien.
Tolentinum picenum, so lautete der alte Name des Städtchens am Chienti-Fluss, dem ehemaligen Siedlungsgebiet der alten Picener. Tolentino besaß bereits einen zuverlässigen Stadtheiligen, den Märtyrer Flavius Julius Catervus, aus einer vornehmen Senatorenfamilie, der unter Trajan die Tolentiner Bevölkerung christianisiert habe, weshalb er den Märtyrertod sterben musste.
Betritt man die Altstadt, so empfängt den Besucher und Pilger bereits direkt bei der Stadtpforte die antikisierend wiederaufgebaute Kirche S. Catervo, in welcher der beeindruckend Marmorsarkophag des Catervus aus dem 4. Jahrhundert aufbewahrt wird, der zu den künstlerisch bedeutendsten der Region zählt. Ihn zieren die Darstellungen vom Guten Hirten und von der Anbetung der Drei Könige.
Catervus ist heute der gatekeeper des Herzstücks von Tolentino: der Basilika des heiligen Nikolaus, dessen Travertin-Fassade von einem riesigen strahlenden Stern geschmückt wird. Der Stern, so heißt es, hat den Heiligen in den letzten Jahren seines Lebens begleitet. Er stieg über seinem Geburtsort, Castel S. Angelo, auf, wanderte über den Himmel und blieb immer über der Basilika stehen, wenn Nikolaus die Heilige Messe feierte.
Castel S. Angelo, unweit von Tolentino, ist der Ort, an dem diese Geschichte beginnt. Genau genommen beginnt sie im viel weiter südlich gelegenen Bari, denn die Eltern unseres Heiligen, kinderlos bislang, unternahmen eine Wallfahrt zum heiligen Nikolaus nach Bari, ihn um die Gnade eines Kindes zu bitten. Selbstverständlich boten die einfachen Leutchen dem großen Heiligen eine Gegenleistung an: Ordensmann oder Ordensfrau – ein Geschenk an die Kirche solle das ersehnte Kind einmal werden. Der Bischof von Myra fand diesen deal so fair, dass er ihren Wunsch 1245 erfüllte und gleich noch ein Sahnehäubchen drauf setzte: Aus seinem „Patenkind“ sollte einer der beliebtesten und geliebtesten Heiligen der italienischen Kirche werden.
Das 13. Jahrhundert hat der Kirche zahlreiche Kirchenlehrer und Theologen, charismatische und entschiedene Bischöfe, und so große Heilige wie Franziskus von Assisi geschenkt. Thomas von Aquin, Bonaventura, Albertus Magnus lehrten an den aufblühenden Universitäten, Mechthild von Helfta empfängt ihre Visionen, die Kreuzzüge sind endgültig gescheitert. Es ist das letzte Aufglühen vor den einsetzenden Wirren und dem Verfall von Papsttum und Kirche im 14. Jahrhundert mit dem großen abendländischen Schisma. Wie der Stern, der ihn begleitete, und den man häufig auf seiner Brust abgebildet sieht, strahlt unser Nicola noch in dieses dunkle Jahrhundert hinein, als wollte er denen, die treu im Glauben stehen, ein Licht in der umfassenden Finsternis sein, die die Kirche zu überwältigen drohte.
Große persönliche Frömmigkeit zeichnet jeden Heiligen der katholischen Kirche aus, bei Bruder Nicola kamen von klein auf Herzensgüte, Mitleidensfähigkeit und große Demut hinzu.
Es ließ sich allerbestens an: Mit 15 Jahren trat der fromme Knabe sein Noviziat im Augustinerkonvent an und bereits in diesem zarten Alter erwies er sich als „stark in den Prüfungen, tüchtig in den Tugenden und heroisch in der Buße“.
Nach seiner Priesterweihe durch den Bischof von Osimo und Cingoli im Jahre 1270 wurde er in einen Konvent bei Pesaro versetzt. Feierte er die Messe, so liefen ihm jedes Mal Tränen über das Gesicht, vor allem bei der Wandlung, weshalb das Volk herbeiströmte, um Zeuge seiner Ergriffenheit und Hingabe zu werden.
Seine ganze Hinwendung galt nicht nur den Kranken und reuigen Sündern, sondern insbesondere den Armen Seelen, die auf Erlösung aus dem Fegefeuer hofften. Dies geschah auf Intervention eines verstorbenen Mitbruders, der ihm eines Samstagnachts im Traum erschien und bat, die hl. Messe am Sonntag für die Verstorbenen zu feiern, damit er und alle anderen von ihren Qualen erlöst würden. Unser Nicola wusste, was sich für einen wahrhaft gehorsamen und demütigen Augustiner-Eremiten gehörte: Anstatt mit einem frommen Ausruf von der Pritsche zu schnellen, federnden Schrittes den Kreuzgang entlangeilen und den Pater Prior aus seiner Zelle zu trommeln, um ihm von dieser wundersamen Möglichkeit, Seelen zu retten, enthusiastisch zu berichten, wog er eine Weile den Kopf. Schließlich gab er dem verzweifelten Entschlafenen zu bedenken, dass er die Konventsmesse zu singen habe – eine absolut unverhandelbare Verpflichtung -, und deshalb keine Messe für die Verstorbenen feiern könne.
Pater Pellegrino, die Erscheinung aus dem Fegefeuer, musste mit einer solch spröden Reaktion gerechnet haben, denn er beschloss, ganz auf Breitbild-HDTV und höchste Dolby-Audioqualität zu setzen: Er zeigte Nicola das Tal von Pesaro, angefüllt mit lauter Seelen von Verstorbenen, die in einem riesenhaften Fegefeuer brannten – Stanley Kubrick hätte es nicht besser inszenieren können.
Nicola beeindruckte das Szenario insoweit, als er die Nacht im Gebet verbrachte und den Prior bat, eine ganze Woche lang die hl. Messe in der Fürbitte für die armen Seelen feiern zu dürfen. Sein Mitbruder erschien ihm abermals, um ihm zu danken und die Gewissheit zu geben, er habe den größten Teil der Seelen aus dem brennenden Tal retten können. Und so mehrte sich der Ruhm des jungen Nicola, dessen nächste Stationen Fano und Recanati waren, wo er ein totes Kind auferweckte, die Seele eines gemeuchelten Mitbruder aus dem Fegefeuer erlöste, die Kranken pflegte und die Verzweifelten tröstete.
1275 kam er nach Tolentino. Hier kümmerte er sich weiter intensiv um die Armen und Bedürftigen, und unterzog sich strengsten Bußübungen: er war ein beliebter und milder Beichtvater, der zu gütig war, um seinen Beichtkindern schwere Bußen aufzuerlegen. Stattdessen büßte er also für deren Verfehlungen und ruinierte sich nach und nach seine blühende Gesundheit. Niemand sah ihn jemals Fleisch, Eier, Fisch oder Obst essen. Stattdessen nahm er drei Gläser Wein mit Wasser vermischt pro Tag zu sich, wobei es vorkommen konnte, dass sich das Wasser in seinem Glas zu vorzüglichem Wein verwandelte.
Doch selbst ein großer Heiliger kann in den Zwiespalt zwischen Demut und Gehorsam geraten. Einmal erkrankte er so schwer, dass ihm der Tolentiner Arzt als stärkende Mahlzeit ein paar knusprig gebratene Rebhühner verordnete. Nicola hätte liebend gerne heroisch verzichtet aus Gründen der Askese, doch diesem Ansinnen stand die Weisung seines Priors entgegen, der ihm kurzerhand befahl, gefälligst alles bis auf das letzte Flügelchen aufzuessen. Nicola gehorchte stets und immer, wie sein Oberer wusste, dem letztlich an der Gesundheit seines Schützlings mehr gelegen war als an dessen spirituellen Obsessionen.
Nicola blickte auf den Teller, von dem es appetitanregend duftete, wendete dann den Blick gen Himmel und bat dringend darum, entsagen zu dürfen. Nach göttlicher Logik konnte es nur einen einzigen Ausweg aus dieser Zwickmühle geben, der Nicola einerseits nicht des Ungehorsams schuldig machte und andererseits seine Bußübungen torpedierte: Die Rebhühner wurden wieder lebendig, werden zutiefst verwirrt ihr kerrick-kerrick gekrächzt und sich dann Flügel schlagend in die Lüfte erhoben haben.
Wir dürfen vermuten, dass die heilige Muttergottes diese Auflösung zwar als äußerst elegant empfand, aber hinsichtlich des Gesundheitszustandes ihres Schützlinges nicht hinreichend wirkmächtig. Darum wies sie ihn in einer Vision an, frisch gebackenes Brot in Wasser zu tauchen und davon zu essen. Und Nicola genas auf der Stelle.
Noch heute werden Nikolaus-Brötchen im Heiligtum gesegnet. Man taucht sie in Wasser und betet ein Vater Unsere, Ave Maria und Ehre sei dem Vater, bevor man sie zu sich nimmt.

Der Gebäudekomplex des Heiligtums besteht aus der Basilika mit ihrer prächtig vergoldeten Kassettendecke, der Sakramentenkapelle aus dem 17. Jahrhundert und dem Glockenturm. Daneben befindet sich das romanische Meisterwerk des um 1210 erbauten Kreuzganges mit herrlichem Glyzinien-Bewuchs, mit den Eingängen zu den Mönchszellen. Parallel zu Chor und Apsis der Basilika liegt die Kapelle der hl. Arme, in der 450 Jahre lang die Arme des Heiligen verehrt wurden, die irgendein Wahnsinniger vom Körper abgetrennt hatte. Bei wichtigen kirchlichen Ereignissen begannen diese auch prompt zu bluten. Heute liegt der komplette – wieder aufgefundene – Leichnam des Heiligen in der unterirdischen Krypta aus dem 19. Jahrhundert in einem vergitterten Glassarg.
Das ganze Ensemble ist von großer kunsthistorischer Bedeutung, doch die capellone genannte Große Kapelle mit den gotischen Kreuzgewölben ist ein wahres Kleinod: Decke und Wände sind mit farbenprächtig leuchtenden Fresken aus der Giotto-Schule bedeckt, wie wir sie aus der Basilika in Assisi kennen. Das Gewölbekreuz ist mit Darstellungen der Evangelisten und Kirchenväter geschmückt, die Wände zeigen Episoden aus dem Leben Jesu Christi, der heiligen Jungfrau und dreizehn Szenen aus der Vita des heiligen Nikolaus von Tolentino mitsamt seinen Aufsehen erregendsten Wundertaten: der Auferweckung des Mädchens Filippa aus Fermo von den Toten, die Rettung Schiffbrüchiger, eines zu Unrecht Verurteilten und Erhängten; auf dem Sterbebett umgeben von Engeln und Heiligen – als sein Todestag gilt der 10. September 1305.
In der Mitte des Raumes steht der Steinsarkophag aus dem Jahre 1474, in dem seine Reliquien bis zu seiner Umbettung in die moderne Krypta aufbewahrt wurden, darauf eine Statue (um 1460), wie er, im Mönchsgewand, in der einen Hand ein Buch hält und in der anderen einen Stern mit einem lachenden Kindergesicht.
Für einen Besuch der Basilika des heiligen Nikolaus in Tolentino sollte man sich viel Zeit nehmen, denn neben den Kunstschätzen und den Reliquien beherbergt das Heiligtum auch verschiedene interessante Sammlungen, wie etwa die einzigartigen Votivtafeln – die ältesten stammen noch aus dem 14. Jahrhundert – eine Keramik- und Gemäldesammlung, Paramente und Brokate sowie eine Krippensammlung. Auf keinen Fall sollte man die Diorama-Schau im Untergeschoß versäumen, in der in zahlreichen detailverliebten und bezaubernd ausgeschmückten Guckkästen das Leben und Wirken des Heiligen nacherzählt wird.
Die Anrufung des heiligen Nikolaus von Tolentino empfiehlt sich vor allem Eltern für ihre Kinder und Enkel, für Menschen, die sich im Kampf gegen das Böse bewähren müssen und für die Verstorbenen und die Armen Seelen. Für den Besuch des Heiligtums am Sonntag nach dem 10. September kann man nach Anordnung von Papst Bonifatius IX. aus dem Jahr 1400 einen vollständigen Ablass gewinnen.
Unabhängig davon wirkt unser Nicola unermüdlich und bis zum heutigen Tage noch Wunder. Und wer ihn an einem stillen Frühlings- oder Herbstabend besucht, sieht vielleicht sogar seinen lächelnden Stern über der Basilika stehen.
Heiligtum der Basilika des Hl. Nikolaus, 62029 Tolentino (MC), Italien
Zwischen 12 und 15 Uhr geschlossen wegen Mittagsruhe.
http://www.sannicoladatolentino.it

September 10, 2014   No Comments

Der renommierte Vatikan-Experte Ulrich Nersinger hat ein Interview mit mir geführt

Und zwar zum Thema „Vatikan-Krimis“ und insbesondere meinen Vatikan-Krimi, natürlich, „Das Farnese-Komplott“.

>>Kriminalromane, die im und rund um den Vatikan spielen, haben in der Regel keine guten Ruf. Sie folgen oft den üblichen Klischees, zeichnen sich durch mangelnde Sachkenntniss aus und lassen die Kirche in einem schlechten Licht erscheinen. Dass dies nicht sein muss, beweist ein Thriller aus der Feder von Barbara Wenz. Barbara Wenz, geboren 1967 in der Südpfalz, lebt und arbeitet als Autorin und freie Journalistin seit über zehn Jahren in Italien; sie schreibt u. a. für „Die Tagespost“ (Würzburg) und das „Vatican-Magazin“ (Rom) und hat bereits einen literarischen Reiseführer über bekannte und unbekannte Pilgerorte in Mittelitalien veröffentlicht.<< Weiterlesen hier.

September 2, 2014   No Comments

Ein Kommentar zu Matthäus 15, 21-28

In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her.
Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!
Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt. Matthäus 15, 21-28

Wilhelm von Saint-Thierry (um 1085 – 1148), Benediktiner, dann Zisterzienser
Meditative Gebete, 2

>>„Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids“

Manchmal, Herr, fühle ich, dass du vorübergehst; Du bleibst nicht für mich stehen, du gehst vorbei, doch ich schreie zu dir wie die Kananäerin. Werde ich es denn noch wagen, mich dir zu nähern? Ganz sicher, denn die kleinen Hunde, die man aus dem Haus ihres Herrn gejagt hat, werden nicht müde zurückzukommen, und weil sie das Haus bewachen, bekommen sie täglich ihr Brot. Auch ich bin noch verjagt; vor die Tür gesetzt, schreie ich; beschimpft, bitte ich. So wie die kleinen Hunde nicht fern von den Menschen leben können, so auch meine Seele nicht fern von meinem Gott!

Öffne mir, Herr, damit ich zu dir kommen kann, um in dein Licht eingehüllt zu werden. Du wohnst in den Himmeln, du hast dich im Finstern verborgen, in der dunklen Wolke. Wie der Prophet sagt: „Du hast dich in Wolken gehüllt, kein Gebet kann sie durchstoßen“ (Klgl 3,44). Ich bin gefangen auf der Erde, das Herz wie im Morast… Deine Sterne funkeln nicht mehr für mich, die Sonne hat sich verdunkelt, der Mond scheint nicht mehr. Ich höre sehr wohl, wie deine Wundertaten in den Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern besungen werden. Im Evangelium leuchten deine Worte und Gesten in hellem Licht. Das Vorbild deiner Diener…, das Drohen und die Verheißungen deiner Schriften voll Wahrheit drängen sich meinen Augen auf und wollen die Taubheit meiner Ohren durchdringen. Doch mein Geist ist verhärtet; ich habe gelernt, im Glanz der Sonne zu schlafen; ich habe mir angewöhnt, nicht mehr zu sehen, was sich mir dergestalt darbietet…

Bis wann, Herr, bis wann wirst du noch zögern, bis du deine Himmel aufreißt, herabsteigst, um meine Schläfrigkeit aufzubrechen? (vgl. Ps 12,1; Jes 64,1). Ich will nicht mehr das sein, was ich bin…., ich möchte umkehren und wenigstens am Abend zurückkommen wie ein kleiner Hund, der Hunger hat. Ich durchstreife deine Stadt; sie pilgert noch teilweise über die Erde, obwohl ein Großteil ihrer Bewohner ihre Freude in den Himmeln gefunden hat. Werde auch ich dort vielleicht meine Wohnung finden? <<

August 17, 2014   No Comments

Post aus Mater Ecclesiae, Vatikanstadt

August 17, 2014   No Comments

Rezension „Das Farnese-Komplott“ von Ulrich Nersinger in „Die Tagespost“

Ein Vatikankrimi der besonderen Art
von Ulrich Nersinger, erschienen in „Die Tagespost“ vom 16. August 2014

Im Sommer 2011 verblüffte die Zeitung des Papstes ihre Leser mit einem Artikel zu einem ganz besonderen Genre des gedruckten Wortes. Gian Maria Vian, der Chefredakteur des „Osservatore Romano“, lobte Vatikanromane, und zwar jene, die aus der Feder des australischen Schriftstellers Morris L. West stammen. Der bekennende Katholik, so Vian, habe spannende Literatur zuwege gebracht, die sich kritisch, aber fair mit der Kirche und dem Vatikan auseinandersetze. Wer den Beitrag im „Osservatore Romano“ aufmerksam las, konnte ihm nicht nur das Lob auf einen bedeutenden zeitgenössischen Autor entnehmen, sondern auch die Aufforderung, das weite Feld und breite Spektrum der Kirchenkrimis nicht allein Gegnern des christlichen Glaubens zu überlassen.

Kriminalromane mit einem religiösen Bezug, im besonderen Vatikan-Thriller, schöpfen zu einem nicht unerheblichen Teil aus allseits bekannten Klischees. Vor allem ein mittelalterlicher Ritterorden, die Templer, und die unvermeidliche Suche nach dem heiligen Gral haben es vielen Autoren angetan. Sogar die Welt der Engel und Dämonen wird unbekümmert auf die Erde geholt – und nach Rom versetzt; die Nephilim, Wesen aus den Verbindungen gefallener Engel mit den Menschen, treiben sodann im Vatikan ihr Unwesen. Auch neuere kirchliche Ereignisse, wie jene, die sich 1917 in einem bekannten portugiesischen Wallfahrtsort ereigneten, taugen zur Vermarktung. Warum nicht ein drittes „entstelltes“ Geheimnis von Fatima enthüllen, oder sogar ein viertes und fünftes?

Barbara Wenz, geboren 1967 in der Südpfalz, anerkannte Sachbuchautorin und regelmäßige Autorin dieser Zeitung, die seit mehr als einem Jahrzehnt in Italien lebt, hat im Kölner Emons-Verlag einen Kriminalroman herausgebracht, der auf den ersten Blick die üblichen Ingredienzien für einen Vatikan-Thriller verwendet haben dürfte: Bereits im Prolog ergreift eine Ordensfrau das Handwerk eines Profikillers, eine geheimnisumwitterte Reliquie aus der Zeit Christi durchzieht das Geschehen wie ein roter Faden und die Protagonisten der Geschichte müssen sich innerhalb und außerhalb der vatikanischen Mauern einer Verschwörung gegen die Kirche erwehren. Und dennoch ist das von Barbara Wenz gesponnene „Farnese-Komplott“ keines der üblichen auf den Buchmarkt geworfenen Werke, die sich den Vatikan als Tummelplatz ihrer schillernden „personae dramatis“ erkoren haben.

Die Autorin gibt dem Roman wie bei einem Bild eine besondere Grundierung; sie wählt hierzu ihre Version der Geschichte des „Volto Santo“, des Schleiertuchs von Manoppello, das dem Betrachter das Gesicht Jesu Christi zeigen soll. Mit der abenteuerlichen, aber durchaus nachvollziehbaren Erzählung über die berühmte Tuchreliquie wird das nicht weniger spannende und ereignisreiche Geschehen der Gegenwart immer stärker verbunden, ohne dass sich die Story ins unerquicklich Mystische verliert. Krista Winther, eine deutsche Journalistin, ist in der Ewigen Stadt eingetroffen, um die Nachfolge des Rom-Korrespondenten des „Frankfurter Allgemeinen Anzeigers“, Manfred Moorstein, anzutreten. Als sie Moorstein aufsuchen will, findet sie dessen Wohnung verwüstet vor. Der Kollege ist spurlos verschwunden; alles deutet auf ein Verbrechen hin.
Der Schleier mit dem Antlitz Christi kommt auch vor

Gemeinsam mit Monsignore Lorenzo Farnese, dem Spross einer altehrwürdigen Adelsfamilie, und dem vatikanischen Gendarmerie-Inspektor Gabriele Cairo macht sich Krista Winther auf die Suche nach den Hintergründen und erfährt, dass der „Volto Santo“, der Schleier mit dem Antlitz Christi, eine besondere Rolle in dem Fall spielt. Das Ermittlertrio findet sich schon bald in Ereignisse verwickelt, bei dem es nicht nur um eine berühmte Reliquie der Christenheit geht, sondern um weitaus mehr. Es muss mit viel Cleverness und Geschick dem Spiel der Intrigen, massiven Behinderungen und sogar Mordanschlägen ausweichen.

Die Journalistin, der Monsignore und der Inspektor werden von der Autorin „romgerecht“ beschrieben – so könnten sie tatsächlich in der Ewigen Stadt existieren und agieren. Es macht Spaß, den drei Protagonisten durch Rom zu folgen. Die Örtlichkeiten, die sie aufsuchen, sind real und werden anschaulich geschildert: die Bar in der Via delle Grazie (und ebenso die Wohnung des verschwundenen Rom-Korrespondenten), der Palazzo San Carlo und die verschlungenen Straßen und Wege der Vatikanstadt, das Kloster Santa Maria del Rosario auf dem Monte Mario. Nur der Besuch in der Kantine der helvetischen Leibwache des Papstes würde wohl so nicht vom strengen Gardekommando geduldet werden. Geschichtliche Hintergründe, vatikanische Interna und römische Besonderheiten werden ansonsten aber ebenso korrekt wie liebenswert dargestellt.

Die kriminellen Vorgänge und Absichten, denen der Leser auf den Seiten des Buches begegnet, sind nicht frei erfunden, keine reinen Fantasieprodukte; sie haben durchaus ihre „Vorbilder“ in „bella Italia“ – und auch im Vatikan. Wenn es das eine oder andere Mal allzu skurril zu werden droht, weiß Barbara Wenz den Humor auf den Punkt genau als notwendiges Korrektiv einzusetzen. Der Humor ist übrigens eine der großen Stärken der Geschichte; man ertappt sich recht häufig bei einem Schmunzeln.

Der Roman ist durch und durch kirchlich und erfreulich katholisch orientiert – ohne je aufdringlich, moralisierend oder frömmlerisch zu sein. Am Ende des spannenden Lesevergnügens steht, wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört, ein Plot. Aber die Autorin schafft es, dass man sich nicht allzu bequem zurücklehnen und das Buch zuklappen kann. Den Fortgang einiger Handlungsstränge hält Barbara Wenz in der Schwebe und überlässt ihn der Fantasie des Lesers. Oder – und das erhofft man sich im Grunde – sie hat in der Tradition amerikanischer Krimiserien kleine Cliffhanger geschaffen, die auf ein weiteres Abenteuer mit der Signorina Winther, Monsignore Farnese und dem Ispettore Cairo hindeuten.

Barbara Wenz: Das Farnese-Komplott,

Emons-Verlag, 2014, 224 Seiten,

ISBN 978-3-95451-313-0, EUR 9, 90

August 16, 2014   No Comments

Im Vorhof des Himmels – Edith Stein und ihr Seelenführer Raphael Walzer, Erzabt von Beuron

Von Barbara Wenz. Zuerst erschienen im Vatican-Magazin August-September 2012.

Am 9. August 1942, vor siebzig Jahren, starb die Philosophin, zum katholischen Glauben konvertierte Jüdin und Karmelitin Edith Stein in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau. Ihre Überreste wurden zusammen mit denen ihrer Schicksalsgenossen mit Benzin übergossen und in einer Erdgrube verbrannt. Ihre Festnahme und Verschleppung war im Zuge einer Vergeltungsaktion der Nazis gegen die katholische Kirche erfolgt – die niederländischen Bischöfe hatten sich deutlich gegen deren brutales Regime ausgesprochen. Doch letztlich musste sie wegen ihrer Abstammung sterben. Teresia Benedicta vom Kreuz, so ihr Ordensname, ist immer sehr glücklich über ihre jüdische Herkunft gewesen, wie Mitschwestern berichten: Dem selben Volk, dem gleichen Blut wie Jesus Christus, Maria und die Apostel anzugehören, erfüllte sie häufig mit großer Freude.

Als sie am 2. August 1942 abtransportiert wurde, muss es gewesen sein, als hätte der obisidianschwarze Eishauch aus der bodenlosen Finsternis, die von Deutschland ausgehend Europa in ihrem brutalen Griff hielt, ausgerechnet eine der intellektuell wie geistlich hell brennendsten Kerzenflämmchen in Gottes Karmelgarten für immer und ewig ausgelöscht. Like a candle in the wind …

Zwar ist den Nazis bei Edith Stein wie bei vielen Millionen namenlos gebliebenen Leidensgenossen die physische Auslöschung gelungen – das schwache, flackernde Lichtchen des Lebens zu ersticken durch Gas oder körperliche Gewalt, durch Hunger und Not in den Konzentrationslagern. Doch was selbst dem absolut Bösen nie gelingen kann ist, die leuchtende, ewig lebendige Fackel einer gläubigen Seele zu zerstören. Dafür garantiert die Kirche, Seine Kirche. Die Kirche Jesu Christi bewahrt die Seelen und deren kleinste Funken, deren mahnende Leuchtfeuer wie die großen Brände, die sie auf Erden entfacht haben – gleichgültig, was man mit ihrem Fleisch, ihren Knochen, ihren Innereien für Gräueltaten angestellt hat – sie ziehen in der Schar der Heiligen durch alle Jahrtausende zu Gott.

Als diese herausragende Intellektuelle und glühende Konvertitin im Jahre 1998 von Papst Johannes-Paul II. heilig gesprochen wurde, handelte es sich um einen einzigartigen Vorgang von hoher Symbolkraft: Edith Stein war nicht nur die erste deutsche Frau nach 650 Jahren, sie war und ist auch die bislang einzige Heilige jüdischer Abstammung, die von der Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Schon während des Kanonisierungsverfahrens war gerüchteweise bekannt geworden, dass ein Brief der künftigen Heiligen aus dem Jahre 1933 an Papst Pius XI. existieren müsse, in welchem sie die politische Lage in Deutschland in drastischen Worten schilderte und das anhaltende Schweigen der Kirche dazu beklagte. Doch erst nach der außergewöhnlichen Anordnung von Johannes-Paul II. im Jahre 2002, die Vatikanischen Geheimarchive entgegen den Usancen für die Jahre 1922 bis 1939 zu öffnen, konnten das Schreiben und sein Wortlaut entdeckt und veröffentlicht werden. Am 15. Februar 2003 erschien dieser Brief in erster Veröffentlichung bei der Tageszeitung Die Welt. Welche Gedanken Edith Stein bei seiner Abfassung umtrieben, erfahren wir aus einer überlieferten Handschrift von ihr: Von einem befreundeten Ehepaar hatte sie in der Fastenzeit 1933 erfahren, dass amerikanische Zeitungen über entsetzliche Taten berichteten, die an der jüdischen Bevölkerung in Deutschland begangen würden. Zunächst fasst sie den Plan, nach Rom zu fahren und den Papst um eine Enzyklika zur Judenfrage zu bitten, doch die fromme Konvertitin möchte sich deswegen in jedem Fall mit ihrem Seelenführer beraten. Seit 1928 ist dies, nach dem Tode des Speyerer Geistlichen Joseph Schwind, der Erzabt von Beuron, den sie regelmäßig zu den großen kirchlichen Feiertagen besucht. Das Benediktinerkloster im oberen Donautal war ihr ebenso eine geistliche wie auch eine Heimat des Herzens geworden, bis sie im Oktober 1933 dann in den Karmel eintrat.
Sie nennt Beuron den „Vorhof des Himmels“, den „Himmel auf Erden, ihr „geliebtes Beuron“ und schreibt einmal über ihre Aufenthalte dort: „Mein Herz ist noch dort und kommt nur her, wenn ich es nötig brauche; im übrigen wartet es, bis ich wieder hinkomme.“
Die Begegnung mit dem befreundeten Ehepaar in der Fastenzeit 1933 war der letzte Impuls, den es noch brauchte, um ihren Entschluss umzusetzen. Da sie die Kartage wieder im Kloster verbrachte, bot sich dort die Gelegenheit, sich dazu mit ihrem geistlichen Begleiter zu besprechen:
„Seit ich in Beuron eine Art klösterliche Heimat hatte, durfte ich in Erzabt Raphael Walzer ‚meinen Abt’ sehen und ihm alle Fragen von Belang zur Entscheidung vorlegen.“
Walzer selbst schreibt im Rückblick über Edith Stein und ihr Verhältnis zum Kloster, dem er vorstand: „Sie wollte nur einfach hier in Beuron sein, um bei Gott zu sein, um in der Gegenwart der erhabenen Heilsmysterien zu bleiben. Ihrem Glauben war es selbstverständlich, sich mit Gott zu vereinigen – im göttlichem Offizium – und sich selbst zu verlieren in der laus perennis – dem ununterbrochenen Gotteslob.“
Walzer, 1888 in Ravensburg als Sohn einer einfachen Handwerkerfamilie geboren, ist nicht nur ein hochintelligenter Mann, der 1914, ein Jahr nach seiner Priesterweihe, an der Benediktinerhochschule Sant’Anselmo zum Kirchenbegriff des heiligen Irenäus promoviert, er verfügt auch über große Tatkraft und organisatorisches Geschick. Als er am 25. Januar 1928 zum Erzabt postuliert wird, es ist wohl das gleiche Jahr, in dem ihm Stein zum ersten Mal begegnet, ist er erst vierzig Jahre alt, nur drei Jahre älter als Edith. Nachdem sie ihm in den Kartagen 1933 ihr Vorhaben unterbreitet, war vermutlich er es, der ihr von einem Rombesuch und einer Privataudienz abriet, die sie eh nicht erhalten würde. Die Kirche feierte ein Heiliges Jahr anlässlich der Kreuzigung Jesu Christi vor 1900 Jahren, der Andrang von Besuchern, die Audienzen wünschten, war einfach zu hoch. Ob sie daraufhin den Brief noch in Beuron geschrieben hat, wissen wir nicht genau, aber es steht zu vermuten. Raphael Walzer, der kurz zuvor aus Japan zurückgekehrt ist, wo er eine Klosterneugründung plante, hatte möglicherweise auch davon abgeraten, auf eine Enzyklika zu drängen. Im Wortlaut des Schreibens steht schließlich nur noch die dringende Bitte, die Kirche möge nicht länger schweigen; in welcher Form der Heilige Vater sich äußern solle, lässt Stein zu seiner persönlichen Entscheidung offen. Denn, zur gleichen Zeit, also im April 1933, verhandelt der Heilige Stuhl mit dem Hitler-Regime über das Reichskonkordat, um, wie der Historiker Konrad Repgen zutreffend bemerkt, die Großorganisation Kirche als einer eigen- und nicht fremdbestimmten Seelsorgskirche zu bewahren und vertraglich zu schützen.
Steins Brief an Pius XI. trägt zwar kein Datum, doch durch das Begleitschreiben Raphael Walzers, datiert vom 12. April, können wir davon ausgehen, dass er zwischen dem 7. und 12. April in Beuron entworfen und abgefasst worden ist. Stein stellt sich zunächst als Kind des jüdischen Volkes vor, das „durch Gottes Gnade seit elf Jahren ein Kind der katholischen Kirche ist“, und das nun vor dem Heiligen Vater auszusprechen wagt, was Millionen von Deutschen bedrücke. Sie schildert mit eindringlichen Worten, was in Deutschland unter den Nazis vor sich geht, „Taten, … die jeder Gerechtigkeit und Menschlichkeit – von Nächstenliebe gar nicht zu reden – Hohn sprechen.“ Und sie macht klar, dass nicht nur die Juden, auch die deutschen Katholiken, ja die ganze Welt darauf warte, dass die Kirche Christi dazu ihre Stimme erhebt. Die zentrale Passage ihres Briefes aber ist diese:
„Ist nicht diese Vergötzung der Rasse und der Staatsgewalt, die täglich durch Rundfunk den Massen eingehämmert wird, eine offene Häresie? Ist nicht der Vernichtungskampf gegen das jüdische Blut eine Schmähung der allerheiligsten Menschheit unseres Erlösers, der allerseligsten Jungfrau und der Apostel?“
Hellsichtig erkennt sie, dass dem brutalen Kampf gegen das Judentum der Kampf gegen den Katholizismus folgen wird, stiller und schleichender geführt, aber nicht weniger erbittert.

Mit diesem Schreiben reiht sich Stein in die großartige Folge von heiligen Frauen wie Hildegard von Bingen oder Caterina von Siena ein, die es gewagt haben, als eindringliche Mahnerinnen dem jeweiligen Papst gegenüberzutreten. Zugleich bleibt sie demütig und ehrerbietig, wenn sie in der Grußformel schließt: „Zu Füßen Eurer Heiligkeit, um den Apostolischen Segen bittend“.
Jahre später, am 14. März 1937, erscheint dann die Enzyklika „Mit brennender Sorge“, welche mittels wahrer Nacht- und Nebelaktionen in den einzelnen deutschen Bistümern gedruckt und verbreitet wird, und deren Kernsatz einen Gedanken aus Steins Brief aufgreift:
„Wer die Rasse oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt …. aus dieser ihrer irdischen Werteskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge.“

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Edith Stein bereits im Kölner Karmel, in den sie bereits 1933 eintrat – entgegen dem Wunsch ihres Seelenführers, der sie lieber als Teil der ecclesia militans in der Welt gesehen hätte. Doch angesichts der zunehmenden Repressalien für Juden musste er schließlich eingestehen, dass der Karmel der sicherere Ort für sie sein könne.
Für Walzer wird das Erscheinungsjahr der Enzyklika ein Schicksalsjahr: Er hatte sich im November 1933 als einziger deutscher kirchlicher Führer bei der ersten Volksabstimmung mit seiner Stimme enthalten. Die Schikanen und die Überwachung, der er sich seither ausgesetzt sah, gipfelten im Januar 1937 in einem offiziellen Erlass aus Berlin: Er hatte bereits zwei Jahre zuvor Beuron verlassen müssen – nun wurde ihm bestätigt, dass „seine Rückkehr nach Deutschland und die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit in Beuron aus politischen Gründen mehr als unerwünscht“ seien. Walzer wird im November des gleichen Jahres auf sein Amt endgültig verzichten. Er ist nun ein staatenloser Flüchtling, stellt ein Gesuch auf Erhalt der französischen Staatsbürgerschaft, muss schließlich auch aus Frankreich anlässlich der deutschen Invasion fliehen, erhält aber in Algerien eine neue Aufgabe als Militärgeistlicher in der französischen Armee.
Vom Tode seiner Benedicta Cara, seiner lieben Benedicta, wie er sie in den Briefen ansprach, die noch erhalten sind, hat er ebenfalls in Algerien weilend erfahren. Wie sehr er sie geschätzt und verehrt hat, wird uns in einer Aussage eines Mitpaters überliefert: „Er nannte sie die virgo sapiens. Sie war für ihn die von Gott überreich beschenkte, die ganz in der geliebten Wahrheit Verweilende, die betende Philosophin, das Gebet in Person.“
Ihre Seligsprechung hat er nicht mehr erlebt und wohl auch gar nicht in Betracht gezogen, wie seine Stellungnahme zur ihrer Persönlichkeit verrät, die Mitte der Vierziger Jahre während eines USA-Aufenthaltes entstanden sein muss. Ihr Martyrium bezeichnet er darin als ein glanzvolles, das an das kalon to dynai des Ignatius von Antiochien erinnere. „Wir wissen nicht, was die Göttliche Vorsehung mit der Heimgegangenen vorhat. Wird sie eines Tages auf die Altäre der Kirche erhoben werden oder nur als ideale Persönlichkeit in die Geschichte eingehen? Ich würde mich nicht wundern, wenn es beim Letzteren bliebe. Eines wird immer wahr bleiben: ihr Bild, ihr Beten und Arbeiten, ihr Schweigen und Leiden, ihr letzter Gang gen Osten werden nicht leicht aus dem Gedächtnis kommender Geschlechter schwinden und stets Kraft ausstrahlen und Sehnsucht wecken nach der Tiefe des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.“
Walzer, der seine Briefe an Edith mit „Immer in caritate Dei – Ihr Raphael“ unterzeichnete, hat die Formulierung von ihrem letzten Gang gen Osten nicht zufällig gewählt. Das Lebenslicht der Gesegneten vom Kreuz wurde in den Gaskammern Birkenaus erstickt – doch die Glut ihres Seelenfeuers konnten die Stiefel ihrer bestialischen Mörder nicht zertreten. Seit alters her erwartet die streitende Kirche auf Erden die Wiederkunft des Herrn aus dem Osten. Edith Stein ging auf ihrem Weg nach Birkenau dem wiederkehrenden Christus entgegen.

August 9, 2014   1 Comment

Drei Fünf-Sterne Rezensionen bei Amazon für „Das Farnese-Komplott“

Aus der Rezension von „Laraliest“:

>>Ein absolut großartiger Krimi, so nervenaufreibend, dass man einfach immer weiter lesen muss und das Buch viel zu schnell fertig ist.<< Aus der Rezension von "Cassandra": >>Die „Helden“ der Geschichte sind toll beschrieben und sehr anschaulich dargestellt. Die geschickt eingestreuten Landschaftsberichte haben mich natürlich wieder total angesprochen, aber hier hatten sie auch noch einen anderen Effekt: Die dadurch noch weiter angeheizte Spannung brachte mich fast dazu Seiten zu überblättern um herauszufinden, wie sich die eine oder andere knifflige Situation auflöst. Ich war gefesselt – von der ersten bis zur letzten Seite. Ich hoffe, dass es eine Fortsetzung gibt. Irgendwie muss das doch weitergehen, Und die Vorgeschichten, die immer so durch die Erzählung blitzen, da will ich mehr wissen.<< Aus der Rezension von "Gast.Phébus": >>Hmmm. Ein seltsames Buch. Spannend. Fesselnd. Könnte es nicht weglegen. ABER reine Kriminalbelletristik ist das nicht. Es lässt einen nachdenken. Unweigerlich beschäftigt man sich mit Reliquien und dem Mumpiz der darum getrieben wird. Und man erkennt, dass dieses Tuch um das es hier geht und das es tatsächlich gibt alles andere ist als Mumpitz. Man versteht – zumindest ein wenig – das Fundament auf dem die Kirche steht. Und man blickt auch in den einen oder anderen Abgrund, den die Menschen in diese Kirche gebracht haben.Nie schulmeisterhadt, nie belehrend – einfach nur fesselnd. Sehr zu empfehlen.<< Alle drei Fünf-Sterne Rezensionen vollständig hier auf Amazon lesen.

Juli 20, 2014   No Comments

In memoriam Fritz Michael Gerlich

Heute ist der 80. Todestag des merkwürdig ignorierten und in Vergessenheit geratenen journalistischen Widerstandskämpfers Fritz Michael Gerlich.

Die KNA hat dazu einen Beitrag gebracht.

Zum Anlass seines 130. Geburtstags erschien mein Porträt des mutigen Journalisten und seiner spirituellen Mutter, Therese von Konnersreuth, im Vatican Magazin Februar 2013 unter dem Titel „Gottes Kampfsau und Jesu Seherin“:

Im Frühsommer 2010 war Fritz Michael Gerlich als „Das furchtlose Rauhbein“ Titelthema dieses Magazins. In Form eines Gesprächs mit dem Historiker Rudolf Morsey würdigte es das journalistische Schaffen eines Mannes, welcher der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist. Es sollte ein kleines Plädoyer für die Seligsprechung einer markanten Persönlichkeit des katholischen Widerstandes sein, die in der offiziellen Geschichtsschreibung leider häufig vernachlässigt wird: Am 15. Februar dieses Jahres würde Fritz Michael Gerlich, der im Jahre 1883 in Stettin als ältester Sohn eines Fischhändlers geboren wurde, seinen 130. Geburtstag feiern.
Wie wir sehen werden, war Gerlich schon Anfang der Zwanziger Jahre ein entschiedener Gegner Hitlers und seiner Anhängerschaft. Aber erst die Begegnung mit Therese Neumann und dem Konnersreuther Kreis, einer Zelle des katholischen Widerstands, seine darauf folgende Konversion und die Gründung der katholischen Wochenzeitung „Der gerade Weg“, in der er vehement gegen Hitler anschrieb, ließen ihn zu einem ernstzunehmenden politischen Feind werden. Nur wenige Monate nach der Machtergreifung im Januar 1933 wurde Gerlich dann auch verhaftet und seine Zeitung verboten. Als einer der ersten Märtyrer des deutschen Widerstands wurde er im KZ Dachau am 30. Juni 1934 ermordet.
Doch wie kam es eigentlich zu der schicksalhaften Begegnung mit Therese Neumann und dem Konnersreuther Kreis?

Am 3. August 1927 erschien in der Beilage „Die Einkehr“ der Münchner Neuesten Nachrichten ein ausführlicher Bericht von Erwein von Aretin, einem überzeugten Katholiken, worin er seine Erlebnisse anlässlich eines Besuch bei der Seherin Therese Neumann in Konnersreuth schildert.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Erstgeborene von elf Kindern einer Schneidersfamilie aus ärmlichen Verhältnissen kaum 30 Jahre alt und seit über einem Jahr an Händen, Füßen, Brust und Kopf stigmatisiert. Bereits im Alter von 14 Jahren verdingt sie sich als einfache Gehilfin und Magd, keine Arbeit ist ihr zu hart oder zu schmutzig. Daneben besitzt sie eine tiefe, im guten Sinne einfältige Frömmigkeit. Eigentlich von robuster Natur und zupackend, verunfallt sie im Jahre 1918 schwer, während sie bei Löscharbeiten an einem Scheunenbrand mithilft. Von diesem Zeitpunkt an beginnt ihr körperliches Leiden, gegen das sie sich zunächst aufbäumt. Therese will arbeiten, sie will sich nützlich machen, sie will weiterhin tüchtig sein. Doch all ihre tapferen Versuche, die Folgen dieses ersten Unfalls zu überwinden, weiterzuarbeiten, führen nur zu weiteren Unglücksfällen wie Stürzen von Leitern und Kellertreppen mit immer gravierenderen Folgen bis zum Eintritt der endgültigen Bettlägrigkeit und einer darauf folgenden rätselhaften Erblindung.
Fast vier Jahre lang liegt Therese leidend und blind auf ihrem Lager, bis sie am 29. April 1923, dem Tag der Seligsprechung der von ihr besonders verehrten Namenspatron Thérèse von Lisieux auf wunderbare Weise ihr Augenlicht zurück erhält. Das Los der Bettlägrigen wird damit nur ein wenig leichter, es folgen unerklärliche Lähmungen, Verrenkungen, eine Blinddarmentzündung, alles einhergehend mit furchtbaren Schmerzen – dazwischen wieder ebenso unerklärliche Heilungen.
Die Resl findet sich allmähich damit ab, dass sie der Heiland als „Sühneseele“ auserwählt hat und nimmt nun auch zu ihren eigenen Leiden diejenigen anderer, von denen sie erfährt, freiwillig und voll Gottvertrauen auf sich.
Ihre Schauungen gehen, wie bei vielen anderen Seherinnen, parallel zu den liturgischen Ereignissen des Kirchenjahres und beziehen sich nicht nur auf Jesus Christus oder die Heilige Familie, sondern auch auf Heilige wie den Apostel Johannes oder Franz von Sales, auf Begebenheiten wie die Steinigung des Stephanus oder die Stigmatisierung des heiligen Franziskus. Ostern 1926 empfängt sie selbst ihr erstes Stigma – es ist die Seitenwunde des Herrn -, das sie zunächst verborgen hält. Im Verlauf dieses Jahr kommen Stigmata an Händen und Füßen hinzu, im November fängt ihr Kopf an zu bluten; geradeso, als trüge sie eine Dornenkrone.
In ihren Ekstasen spricht sie, eine einfache Bauernmagd, teils in aramäischer Sprache.
Es heißt, dass Therese, die schon im Zusammenhang mit ihrem ersten Unfall kaum feste Nahrung bei sich behalten konnte, sich ausschließlich von der Heiligen Kommunion ernährt.

Der Rummel um ihre Person nimmt zu, nach Konnersreuth kommen nicht nur Gläubige, die geistliche Ermutigung suchen, sondern auch Scharen von Neugierigen und Zweiflern. In Zeitungen wie Zeitschriften findet das Phänomen Konnersreuth breite Beachtung, doch die Berichterstatter sprechen recht einmütig von einem hysterischen Phänomen oder schlichtem Schwindel. Kirchenfeindliche Kreise wollen die junge Frau am liebsten interniert sehen. Das öffentliche Interesse an dem Fall ist enorm hoch und der Bericht Erwein von Aretins für die Beilage der Münchner Neuesten Nachrichten musste viermal nachgedruckt werden und wurde in 32 Sprachen übersetzt.

Auch Fritz Gerlich, der Chef von Aretins, welcher aus einer calvinistisch geprägten Familie stammt, lassen die Schilderungen seines Mitarbeiters nicht los. Er ist überzeugt davon, dass es sich hier um einen groß angelegten Schwindel handle und fühlt sich berufen, Therese Neumann als Betrügerin auffliegen zu lassen. Im September 1927 fährt er deshalb selbst von München nach Konnersreuth, um eigene Beobachtungen, Befragungen und Untersuchungen anzustellen. Er wird dort drei Männern begegnen, welche später zusammen mit ihm den inneren Kern des Konnersreuther Kreises bilden und einen wesentlichen Einfluss auf seinen weiteren Lebensweg haben werden: Der Kapuzinerpater Ingbert Naab, Franz Xaver Wutz, einem Professor an der katholischen Universität Eichstätt sowie Fürst Erich von Waldburg-Zeil. Doch es geschieht noch weitaus mehr. Nicht nur, dass es Gerlich nicht gelingt, die Resl als Schwindlerin zu entlarven, die Begegnung wird vielmehr der äußere Anstoß für seine spätere Konversion zum katholischen Glauben.
Erwein von Aretin schreibt in seiner Biografie aus dem Jahre 1949 „Fritz Michael Gerlich. Ein Märtyrer unserer Zeit“ über dessen Konversionserlebnis in Konnersreuth: „Dieser rasche und tiefdringende Verstand hatte wie im Schein eines Blitzes die ernste Wirklichkeit vor sich aufleuchten sehen, neben der die Realität unseres irdischen Lebens nur wie ein Gleichnis ist, wie der Spiegel, von dem Paulus im Korintherbrief spricht, der gleiche Paulus, der Ähnliches vor Damaskus selbst erlebt haben mochte.“

Gerlich wird vom Eifer für die Echtheit der Schauungen und Stigmata der Resl ergriffen und widmet sich bereits vor seinem Eintritt in die katholische Kirche in den Jahren 1928 und 1929 in zwei umfangreichen Bänden zum einen der Biografie, zum anderen dem Plädoyer für die Wahrhaftigkeit der Ereignisse um die Seherin von Konnersreuth. Während der Phase vor seiner Taufe am 29. September 1931, bei der er seinen zweiten Vornamen „Michael“ erhält, wird er von Pater Ingbert Naab, geistlich begleitet. Pater Naab engagiert sich schon seit Jahren im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und findet in Gerlich einen glühenden Kampfgenossen. Seit dem gescheiterten Hitlerputsch am 9. November 1923 ist Gerlich nicht nur ein erbitterter Feind der Kommunisten, sondern auch der Nationalsozialisten. Der Journalist war nicht nur am Vorabend im Bürgerbräukeller anwesend, der von Hitler und seinen Anhängern gestürmt wurde, er hatte auch die Rede des bayerischen Generalstaatskommissars von Kahr mitverfasst. Ohnmächtig vor Wut musste er damals miterleben, wie die SA seine Redaktionsräume besetzten, um einen manipulierten Artikel zu den Ereignissen im Bürgerbräukeller in den Münchner Neuesten Nachrichten in Umlauf zu bringen.
1928, fünf Jahre später, verliert Gerlich seinen Posten bei der Zeitung, weshalb er sich, auch dank einer großzügigen Abfindung, seinem damaligen Hauptinteressengebiet Konnersreuth widmen kann.
Therese prophezeite jedoch, er werde nochmals als Journalist arbeiten – und sollte Recht behalten.
Zunächst übernimmt er die Chefredaktion des Illustrierten Sonntags, mit finanzieller Unterstützung des Fürsten von Waldburg-Zeil, der sowohl von Gerlichs journalistischen Fähigkeiten als auch von dem Mut, mit welchem er seine Überzeugungen vorträgt, beeindruckt ist.
Im Januar 1932 wird der Illustrierte Sonntag in „Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht“ umbenannt. Für „Der gerade Weg“ schreiben auch Pater Ingbert Naab und Professor Wutz, doch die schärfste rhetorische Klinge führt Gerlich, der sich nicht scheut, die Nazi-Ideologie offen – und durchaus prophetisch – als „geistige Pest“ zu bezeichnen, die zu Massenmord und Blutbädern führen werde.
Bald gab es Beschwerden wegen Gerlichs derber und agressiver Polemik, vor allem, weil er mit seiner harschen Kritik auch nicht vor der katholischen Zentrumspartei halt machte. Schließlich nahm ihn der Münchner Kardinal von Faulhaber, der Gerlich auch gefirmt hatte, in Schutz: „Wenn Dr. Gerlich in der Form eine scharfe Klinge schlägt und zuweilen über die Schnur haut, auch am Zentrum und seinen Männern Kritik übt, so sind das eben Begleiterscheinungen, die im Kampf der Geister bei einem neu auf den Plan tretenden Kämpen immer wieder vorkommen werden. Als Katholik aber hat Dr. Gerlich die besten Absichten. Der hiesige Klerus ist begeistert, dass endlich auf katholischer Seite ein Mann aufgetreten ist, der den Gegnern die Stange hält, wenn er nicht, wie ihm angedroht wurde, durch Meuchelmord stumm gemacht wird.“ Genau das aber sollte sehr bald geschehen.

In allen Belangen, den geistlichen wie auch den geschäftlichen, stützten sich Chefredaktion und Mitarbeiter auf die Ratschläge der Seherin von Konnersreuth, die manchmal aus „Durchhalteparolen“ bestanden, manchmal auch sehr konkret waren. Er solle in der Schweiz bleiben und nicht zurückkehren, riet sie Gerlich einmal anlässlich einer Reise. Doch der ignorierte die Warnung mit dem Hinweis, er sei bereit, für das, was er schreibe, mit seinem Leben einzustehen.
Am 9. März 1933 erfolgte Gerlichs Verhaftung durch die SA, bei der er schwer misshandelt wurde, seine Zeitung wurde wenige Tage später verboten. Die Resl hatte die Ereignisse dieser Tage im fernen München von ihrem Krankenlager aus gesehen. Nach 16 Monaten zermürbender Haft – man gab Gerlich einmal eine Pistole mit der Aufforderung, sich selbst zu erschießen, um sich weitere Misshandlungen zu ersparen, war er immer noch ungebrochen: Die Aufforderung zum Suizid verweigerte er mit dem Hinweis auf seinen katholischen Glauben, der ihm dies verbiete.

Für den Märtyrer Fritz Michael Gerlich hat sich, glaubt man der Frau, die ihn zum wahren Glauben bekehrt hat und stets geistlichen Rat für ihn hatte, am Ende die Mühe des irdischen Lebens, die Drangsal, die Verhaftung, die Folter und der gewaltsame Tod in die ewige Glückseligkeit verwandelt.
Am Allerheiligentag 1934, nur wenige Monate nach seiner Ermordung, hat Therese die Seele Fritz Michaels Gerlich geborgen im ewigen Glanze himmlischer Herrlichkeit geschaut.

Juni 30, 2014   No Comments

Orthodoxes Gebet gesungen

für alle Kriegsopfer in Syrien, Libanon, Palästina, Ägypten und ihre Angehörigen und überall auf der ganzen Welt, besonders jene, die alleine und einsam starben:

Juni 29, 2014   No Comments