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>>OSTERRUHE<<
Ich glaub es hackt!
März 24, 2021 No Comments
Heilige Josephine Bakhita

Dieser ebenso wundervollen wie außergewöhnlichen Heiligen, derer wir heute gedenken, und ihrem Santuario in Schio, wo sie einfach nur „La nostra Madre Moretta“ genannt wird, habe ich im Vatican Magazin Dezember 2019 einen eigenen Beitrag gewidmet.
Doch zuerst hat unserer Papst em. Benedikt XVI. das Wort:
„Ja, dieser Patron hatte selbst das Schicksal des Geschlagenwerdens auf sich genommen und wartete nun „zur Rechten des Vaters“ auf sie [Josephine]. Nun hatte sie „Hoffnung“ – nicht mehr bloß die kleine Hoffnung, weniger grausame Herren zu finden, sondern die große Hoffnung: Ich bin definitiv geliebt, und was immer mir geschieht – ich werde von dieser Liebe erwartet. Und so ist mein Leben gut. Durch diese Hoffnungserkenntnis war sie „erlöst“, nun keine Sklavin mehr, sondern freies Kind Gottes. Sie verstand, was Paulus sagte, wenn er die Epheser daran erinnerte, daß sie vorher ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt gewesen waren – ohne Hoffnung, weil ohne Gott. So weigerte sie sich, als man sie wieder in den Sudan zurückbringen wollte; sie war nicht bereit, sich von ihrem „Patron“ noch einmal trennen zu lassen.“
Nachzulesen bei kath.net hier.
Und hier mein Text für VM Dezember 2019:
Der Name des norditalienischen Städtchens Schio in der Provinz Vicenza, östlich des Gardasees, ist im deutschsprachigen Raum nur wenig geläufig, obwohl es doch Eingang in die Weltliteratur gefunden hat. An der Fassade eines Hauses ganz in der Nähe des Doms informiert eine Gedenkplakette darüber, dass hier zur Zeit des Ersten Weltkriegs der bedeutende Erzähler und spätere Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway gewohnt hat. Hemingway, damals kaum zwanzig Jahre alt, meldete sich aus reiner Abenteuerlust beim Roten Kreuz an der italienischen Front und war bis zu seiner Verwundung durch eine Granate Sanitätsfahrer. Seine Erlebnisse in Norditalien, wozu auch die unglückliche Liebe zu einer britischen Krankenschwester gehört, hat er gut zehn Jahre danach unter dem Titel „A Farewell to Arms“ – deutscher Titel „In einem anderen Land“ – veröffentlicht. Die Geschichte endet traurig, der gemeinsame Sohn mit der Krankenschwester wird tot geboren und die Geliebte stirbt an ihren inneren Blutungen. „Die Welt zerbricht jeden … die, die nicht zerbrechen wollen, die tötet sie,“ so das Resümee des Ich-Erzählers – dieser Satz deutet bereits auf das traurige Lebensende des Schriftstellers hin. Doch seine Zeit in Schio hat Hemingway sehr genossen. Nach Kriegsende, im Juni des Jahre 1922, kehrte er sogar noch ein Mal zurück. Über Schio und die dortige Osteria „Cantarana“, die er offenbar gerne und oft besuchte, schrieb er: „Da gab es eine Gartenwirtschaft in Schio, deren Mauern von Glyzinien überwachsen waren, wo wir während der warmen Abende Bier tranken, unter einem Mond, der uns bombardierte und alle Arten von Schattenspielen mit der Platane, unter der unser Tisch stand, spielte.“ Wir wissen nicht, um welche Themen es am Biertisch ging, aber es ist gut möglich, dass man dem jungen US-Amerikaner die Geschichte von „La nostra madre moretta“ erzählt, er sie vielleicht sogar einmal selbst gesehen hat, denn Giuseppina Bakhita, ehemalige Sklavin aus dem Sudan, befand sich bereits seit dem Jahr 1902 in dem Städtchen, genauer gesagt lebte sie im dort ansässigen Institut der Canossianerinnen.
„Unsere braune Mutter“ – so nannten die Einwohner von Schio diese charismatische Ordensfrau liebevoll, die ein so schweres Schicksal aus dem fernen Nordostafrika nach Nordostitalien verschlagen hatte; ein Schicksal, das sie persönlich felsenfest als reinen Glücksfall betrachtete, trotz all der bedrückenden Not und dem schweren Leid, das sie hatte durchstehen und ertragen müssen. Denn, davon war sie zutiefst überzeugt: Wäre sie nicht von ihrer Familie losgerissen, von Sklavenhändlern verschleppt und weiterverkauft worden, hätte sie niemals ihren Herrn Jesus und seine von ihr stets geliebte jungfräuliche Mutter kennen gelernt.
„Bakhita“ – dies war der Name, den ihr die Sklavenhändler aufzwangen, er bedeutet „die Glückliche; die vom Glück begünstigte“ in Arabisch. Diese Praxis der Vergabe eines neuen Namens diente dazu, der künftigen Sklavin ihre Herkunft und eigentliche Identität zu nehmen. In Bakhitas Fall ist das vollständig gelungen – sie konnte sich später nicht mehr an ihren eigentlichen Namen und den ihrer Familie erinnern. Vermutlich im Jahre 1869 in Olgossa geboren, verlebte das Mädchen zunächst eine glückliche Kinderzeit in einer liebevollen und auch für die dortigen Verhältnisse wohlhabenden Familie. In den ersten Jahren ihres irdischen Daseins kannte sie kein Leid und keinen Schmerz. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihre ältere Schwester von Banditen verschleppt wurde. Das war die erste Erfahrung schlimmen Schmerzes, doch Bakhitas Kreuzweg hatte noch nicht begonnen. Auch für ihre Eltern muss der Raub einer weiteren Tochter das Herz zerrissen haben. Zunächst wurde das Mädchen, das jetzt also Bakhita war und vermutlich gerade zwischen sechs oder sieben Jahre alt, einen Monat lang gefangen gehalten. Zwar gelang ihr die Flucht, doch wird sie wieder eingefangen und weiterverkauft. Inzwischen befindet sie sich fast tausend Kilometer entfernt von ihrem Geburtsort, ihrer Familie und ihren Geschwistern, in Khartoum am Zusammenfluss des Blauen und des Weißen Nils. Dort wird sie – der Sudan steht seit dem Jahre 1806 unter der Herrschaft der Osmanen, mehrfach verkauft und zuletzt an einen türkischen General, dessen Ehefrau die Haussklaven grausam zu misshandeln pflegte. Bakhita wurde fast jeden Tag mit Peitschenhieben gefügig gemacht, ein Mal, wie sie sich erinnert, aus reiner Willkür anhaltend gegeißelt, ihre Wunden blieben unbehandelt. Die grausamste Tortur, der man sie dort unterzog, war die „Tätowierung“ mit mehr als einhundert Rasierklingenschnitten am ganzen Körper. Nach der Prozedur rieb man die blutenden Wunden mit Salz ein. Bakhita überlebte – ihr schönes Gesicht blieb unversehrt, doch die vielen grauenvollen Narben trug sie fortan am ganzen Körper.
Endlich wird sie an den italienischen Generalkonsularagenten Legnani verkauft und das Blatt beginnt sich für die mittlerweile Sechzehnjährige „vom Glück Begünstigte“ endlich zu wenden. Legnani gibt sie an seinen Freund Augusto Michieli ab, der ein Kindermädchen für seine Tochter Mimmina sucht und nimmt sie mit nach Venedig. Der Gutsverwalter Michielis wiederum gehört – welch ein Zusammenspiel! – zu den geistlichen Beratern von Kardinal Sarto, des späteren Papstes Pius X. Der Mann schließt Bakhita ganz besonders in Herz und bemüht sich zuallererst um das Seelenheil der vermeintlichen Mohammedanerin; in Wirklichkeit wusste Bakhita nichts von einem Gott, obzwar sie sich bereits nach ihm sehnte: „Beim Anblick der Sonne, des Mondes und der Sterne, der Schönheiten der Natur, sagte ich zu mir selbst: ‚Wer mag der Herr all dieser schönen Dinge sein?‘ Und ich empfand einen tiefen Wunsch, ihn zu sehen, zu erkennen, ihm Ehre zu erweisen.“
Sie wurde zusammen mit Mimmina christlich unterwiesen und mit der vollen Unterstützung ihres Gönners namens Illuminato Checchini , des Gutsverwalters der Familie, in das Katechumenat aufgenommen.
Überliefert wird, dass sie, als sie zum ersten Mal ein Kruzifix sah, sie zutiefst beeindruckt gefragt habe, was dieser Mann verbrochen habe, dass er so behandelt werde. Nichts, lautete die Antwort, er wollte aus Liebe für uns sterben, für uns und auch für dich. Erstaunt wiederholte sie die Worte: „Auch für mich?!“
Ihre Liebe zum Gekreuzigten wuchs nun stetig und als sie im Katechumenat erfuhr, dass sie durch die Taufe ein Kind Gottes werde, wuchs ihre Sehnsucht ins Unermessliche. Doch die Eltern von Mimmina besaßen ein Hotel in Sudan und wollten die Katechumenin dahin mitnehmen.
In dieser Situation traf Bakhita wohl zum ersten Mal in ihrem bisherigen Leben eine eigene, eine freie Entscheidung: Sie weigerte sich, die Familie zu begleiten, da sie die Taufe noch nicht empfangen hatte und im Sudan – ihrem Herkunftsland – nicht imstande sein würde, das neu angenommene Christentum auch ordentlich zu praktizieren. Deshalb wolle sie bei den Schwestern bleiben. Ihre Herrschaft übte Druck auf sie aus, doch Bakhita, die ja in Italien den Status einer freien Frau innehatte, blieb, wenngleich mit wehem Herzen, standhaft. Und so wurde sie vom Patriarchen von Venedig am 9. Januar 1890 auf den Namen Giuseppina Margherita Fortunata – die vom Glück begünstigte in der italienischen Namensform – getauft. Am selben Tag empfing sie auch die Firmung und feierte Erstkommunion „mit einer Freude, die nur Engel beschreiben könnten“, wie sie in ihren Erinnerungen berichtet. Sie bleibt auch danach noch bei den Canossianerinnen und innerhalb von drei Jahren wächst in ihr die Gewissheit, zum Ordensleben berufen zu sein. So tritt sie im Dezember 1893 in Verona in das Noviziat ein und wird von Kardinal Sarto auf die Gelübde geprüft, die sie drei Jahre später, am Tag der Unbefleckten Empfängnis, ebenfalls in Verona, ablegt.
Die allgemeine Freude darüber ist so groß, dass der Neffe der Ordensgründerin Maddalena de Canossa, ein Kardinal, sie unbedingt empfangen möchte.
Der Orden der Canossianerinnen ist seit 1886 auch in Schio ansässig und führt dort einen Kindergarten, eine Grund- und Berufsschule und ein Waisenhaus. Giuseppina, die zumeist als Pförtnerin im Orden eingesetzt wird, schickt man 1902 nach Schio, wo sie in der Küche arbeitet und ihre Aufgaben in treuem Gehorsam, stets voller Milde, Güte und Zärtlichkeit gegenüber Anderen erfüllt. Sie, die ehemalige Sklavin, gibt sich nun in freier und heilige Hingabe dem Willen Gottes hin, als eine „Sklavin der Liebe“ an „El Paron“ den Patron oder auch „El Segnor“ – den Herrn, wie sie ihn in Reminiszenz an ihr früheres Dasein bewusst nennt. Doch bald schon erhält sie eine neue wichtige Aufgabe.
Als Italien im Mai 1915 in den Ersten Weltkrieg eintritt, wird ein Teil der Schwestern evakuiert, Giuseppina bleibt in Schio und tut nun Dienst in der Sakristei, ein Dienst, der sie mit besonderer Freude erfüllt, kann sie doch „El Paron“ so stets ganz nahe sein. Liebe zum Herrn und Liebe zu den Mitmenschen war der Ordensgründerin das Allerwichtigste. Dazu gehört für Giuseppina auch an erster Stelle das Verzeihen und die Vergebung für alle Menschen, die ihr in der Vergangenheit so viel Furchtbares angetan haben: „Würde ich den Sklavenhändlern begegnen, die mich geraubt haben und denen, die mich gefoltert haben, würde ich mich niederknien und ihnen die Hände küssen. Wenn das alles nicht passiert wäre, würde ich heute nicht Christin und Ordensschwester sein. … Diese Armen wussten nicht, welch großen Schmerz sie mir zufügten. Sie waren ja die Herren und ich ihre Sklavin. So wie wir gewohnt sind, das Gute zu tun, taten die Sklavenhändler das Ihrige, nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit.“
Das sind die Worte einer einfachen Frau – aber was für eine Herzensbildung spricht aus ihnen!
Bis auf zwei Jahre, in denen sie als Pförtnerin in Vimercate bei Mailand dient, bleibt sie bis zu ihrem Lebensende im Ordenshaus in Schio. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, und das Städtchen von Fliegerbomben verschont bleibt, sind die Einwohner fest davon überzeugt, dass sie dies der Anwesenheit ihrer „Madre Moretta“zu verdanken haben.
In ihren letzten Jahren wird Giuseppina zusehends kränker, sie leidet an Arthritis, muss im Rollstuhl sitzen, hinzu kommt quälendes Bronchialasthma. Dem sich allmählich nahenden Tod sieht sie gelassen entgegen, denn: „Wenn ein Mensch so sehr einen anderen liebt, dann wünscht er brennend, bei ihm zu sein: Warum also so große Angst vor dem Tod? Der Tod bringt uns zu Gott.“
Sie stirbt am 8. Februar 1947, auf ihren Lippen die Worte: „Wie froh ich bin, die Jungfrau! Die Jungfrau!“ und wird am 17. Mai 1992 zusammen mit Josémaria Escriva selig gesprochen, acht Jahre später dann heilig und gilt als Schutzpatronin der katholischen Kirche im Sudan.
Es gäbe noch so viel zu erzählen von dieser außergewöhnlichen Heiligen. Doch alles, was noch gesagt werden könnte, erübrigt sich bei einem Blick auf ihr himmlisches, lächelndes Antlitz: Nigra sum, sed formosa! Diese außergewöhnliche Frau mit dem bezaubernden Charisma widerlegte mit ihrem bemerkenswerten Schicksal die oben angeführten Worte jenes Schriftstellers, ihres Zeitgenossen, der ein paar Jahre lang nur einen Steinwurf entfernt von ihr lebte: Die Welt konnte die Frau, die Giuseppina Bakhita war und ist, weder zerbrechen noch töten.
Februar 8, 2021 4 Comments
#Jerusalema

Ein Blick von hier aus auf das himmlische Jerusalem.
Bildquelle leider unbekannt.
Januar 31, 2021 No Comments
Spitzkohl, Wirsing, Chicoree- Spitzkohl
Ich habe keine Lust zu kochen. Aber ich habe auch keine Lust auf Fastfood.
Eigentlich habe ich sowieso keinen Appetit.
Also mache ich folgendes und das geht immer.
Spitzkohl-Pfanne mit kurzen breiten Nudeln
Der Trick bei dieser Pfanne ist, dass sie nicht viel Arbeit macht, leicht und schnell zuzubereiten ist und, wenn man geschmorten Kohl mag, ganz herrlich lecker ist. Man kann dafür sowohl Weißkraut als auch Wirsing oder Spitzkohl (zärter und weniger blähend als Weißkraut) nehmen. Erstmal eine Zwiebel in Schnitzelchen schneiden, dann den entsprechenden Kohl nach Wahl ebenfalls schnitzeln (natürlich vorher Strunk entfernen). In der Zwischenzeit kochen die Nudeln, ich nehme dafür diese nur wenige Zentimeter langen Bandnudeln. Im Prinzip ist das Geschmackssache. Und eigentlich ginge es auch mit Reis oder Kartoffeln oder einfach Graubrot als Beilage dazu.
Jetzt habe ich die Qual der Wahl: Speckwürfelchen (selber schneiden IST besser als fertig geschnitten, glaubt es mir), Stücke von Paprikawürstchen oder Mettenden, Hackfleisch – oder gar nix, wenn ihr kein Fleisch mögt. Und sowieso wenn es vegan sein soll, eben dann Margarine statt Butter undsoweiter. Die Zwiebeln also in der Butter gelb werden lassen, Prise Zucker obendrüber, damit sie schön karamellisieren, die entsprechende Fleisch- oder Speck oder Wursteinlage angehen lassen und dann das Kraut dazu. Jetzt braucht es ein bisschen Fingerspitzengefühl für die richtige Temperatur. Denn das Kraut darf etwas braune Farbe annehmen, soll aber freilich nicht anbrennen. Man kann noch einen Klacks Tomatenmark mitanrösten und wenn das Kraut droht, allzu dunkel zu werden, kann man ein wenig Gemüsebrühe angießen oder auch mehr oder wenig großzügig mit Sojasauce ablöschen, je nach Geschmack. Ist Hack mit dabei, würde ich auf jeden Fall noch viel Paprika dazu geben sowie Thymian und Majoran. Zuletzt die gekochten Nudeln untermischen und ein Zeitlang mit durchziehen lassen. Das Gute an diesem Gericht ist, es ist einfach, schnell, schön zu variieren und sehr lecker. Zum Servieren kann man auch noch einen Klacks Saure Sahne oder ein Löffelchen Naturjoghurt (die cremig-fette Variante nach griechischer Art natürlich, wenn es nicht gleich vegan sein soll) darauf geben. Wenn vom Spitzkohl noch was übrig ist, einfach Krautsalat machen. Dazu möglichst feine Raspel schneiden und mit wenig Salz durchkneten, um die Struktur aufzubrechen. Etwas stehen lassen und dann erst mit einem schlichten Dressing aus Essig-Öl und einem halben Esslöffel Senf (möglichst guten Senf) sowie Salz und relativ großzügig Zucker übergießen. Auch hier kann man nach Wunsch geröstete Speckwürfel zugeben, und/oder Kümmel und oder fein geschnittener Apfel und/oder gehackte Nüsse. Man kann das Dressing selbstverständlich auch mit ganz wenig Öl und dafür mehr süßer Sahne zubereiten. Oder den Salat nach Kim-Chi Art anrichten. Das werde ich mal ausprobieren und berichten, wie es geklappt hat.
Januar 28, 2021 No Comments
Editorial von Guido Horst für Vatican-magazin Januar 2021
>> Vor genau fünfzig Jahren begann die Würzburger Synode. Manche Menschen vorgerückten Alters wissen sogar noch, was das war.[…]
Den Jüngeren sei gesagt, dass mit der Würzburger Synode etwas begann, was die deutsche Amtskirche heute noch im Griff hat: geschäftiger Gremienkatholizismus, Bischöfe und Laien auf herrlicher Augenhöhe, Debatten um Strukturen, Dauerthemen wie Zölibat, klerikale Macht, Laienpredigt, Frauenweihe, neue Sexualmoral, Laien am Altar – und ökumenische Gefälligkeiten. Also „Lähmung durch Reformeifer“ (O-Ton Ratzinger, wie sein Biograf Peter Seewald schreibt). Das alles dauert jetzt schon fünfzig Jahre und findet im Synodalen Weg seinen soundsovielten Aufguss. Kirche wie ein Parlament, Progressive gegen Konservative, hohe Politik, die die Menschen mit ihren Alltagssorgen nicht interessiert. […]
Auf dem Hintergrund der Trümmer der Totalitarismen des zwanzigsten Jahrhunderts erkennt [Hannah] Arendt diese lichte Wahrheit: ,Das Wunder, das den Lauf der Welt und den Gang menschlicher Dinge immer wieder unterbricht und vor dem Verderben rettet, das als Keim in ihm sitzt und als Gesetz seine Bewegung bestimmt, ist schließlich die Tatsache der Natalität, das Geborensein.
Dass man in der Welt Vertrauen haben und dass man für die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die frohe Botschaft verkünden: ,Uns ist ein Kind geboren’.“ Und dem Geheimnis der Menschwerdung (Weihnachten) wie auch der Gegenwart des Gekreuzigten in seiner Kirche (Ostern) begegne man nur dann in rechter Weise, wie Franziskus sagt, „wenn wir unsere Waffen ablegen und demütig und wesentlich sind“.<<
Der ganze Text ist auf der Homepage des Vatican-magazin abrufbar.
Vorankündigung für Februarheft
Aus meiner Feder bzw. Linse gibt es im Heft Februar 21 einen Fotoessay über die „terra dei santi“ anlässlich der zweiten Auflage meines literarischen Reiseführers „Poetische Pilgerorte“. Außerdem schreibe ich über Kloster Ottobeuren als Heiligtum der besonderen Art speziell im Hinblick auf das 200. Geburtsjahr von Pfarrer Sebastian Kneipp, das wir 2021 begehen und der in der Basilika von Ottobeuren nicht nur getauft und gefirmt wurde, sondern auch seine Primiz gefeiert hat.
Januar 21, 2021 No Comments
Assisi

Januar 20, 2021 No Comments
Corona – der Soundtrack
Schon seit einiger Zeit ergötze ich mich – wie ich zugebe – an der „Jerusalema Challenge“, allerdings natürlich vorwiegend an Videos dazu, die von diversen Polizeieinheiten erstellt wurden – weil es einfach witzig ist, wenn Jerusalema in voller Montur oder Uniform abgetanzt wird. Musikalisch finde ich den Song nicht besonders atemberaubend, das kann ich als jemand mit ruhigen Gewissen sagen, der 1985 noch die „Live Aid“-Konzert in Echtzeit am TV miterlebt hat.
Was es aber reißt ist der – zugegeben recht simple – Text. Denn der verweist auf Gott. Dass Jerusalem unsere Heimat ist, gemeint ist das himmlische Jerusalem, und dass wir keine Heimstatt hier haben, sondern unser Königreich dort ist.
Dass zu diesen Zeilen nun der halbe oder ganze Globus tanzt, kann man nicht wirklich schlecht finden. Man kann es, wenn man darüber meditiert, sogar wundervoll finden. (Man beachte auch die Wärmebildaufnahmen).
Januar 19, 2021 No Comments
Ich bin oft unglücklich.
Am Unglücklichsten bin ich, wenn ich eine wunderschöne Geschichte recherchiert habe, die ich nicht ohne in Tränen auszubrechen einem Dritten wiedergeben kann.
Zumeist sind es herzanrührende Geschichten. Über den Tod, die Liebe, die Ehre, das Sterben für Andere und den Glauben.
Immer wenn ich versuche, einem anderen Menschen zu erzählen, was mich gerade bewegt, über welches Thema ich gerade schreiben will, fangen die Tränen an zu laufen.
Ich finde das furchtbar.
Andererseits wurde mir heute gerade wieder bewusst, in welcher jahrtausendealten Tradition ich stehe.
Schon vor zigtausend Jahren setzten sich die Menschen nach ihrem eintönigen und verdrießlichen Tagwerk am Lagerfeuer, am Herdfeuer, in der Mitte der Gemeinschaft zusammen. Um dem Geschichtenerzähler zuzuhören. Der über den Tod, die Liebe, die Ehre, das Sterben für Andre, den Glauben sang und berichtete.
Okay, sie haben das ein bisschen professioneller gemacht und haben ihr Publikum unterhalten, ohne dabei in Tränen auszubrechen.
Aber dennoch, es ist eine ehrwürdige Tradition.
Deshalb möchte ich mich bei allen guten Geschichtenerzählern an sämtlichen Feuern der letzten tausend Jahre, ob auf dem offenen Feld, ob in der Geborgenheit einer Runde in der Küche, ob auf verwelktem Gras, gestampftem Lehm, auf uralten Fliesen oder auf modernen Kacheln ehrlich entschuldigen. Ich kann nicht erzählen von Liebe, Ehre, Tod und Hingabe, ohne dabei in Tränen auszubrechen.
Und was ohne Tränen zu erzählen wäre, ist es ja gar nicht wert.
November 23, 2020 No Comments
Mein Mittelitalien-Führer „Poetische Pilgerorte“ geht in die zweite Auflage

Es ist soweit – und ich glaube, es kann keinen besseren Zeitpunkt geben als diesen: Viele Menschen, viele gläubige Menschen sehnen sich nach dem Süden. Doch wir leben in einer dramatischen Zeit. Auch in Italien steigen die Zahlen wieder erschreckend an, gleichzeitig nimmt die Sehnsucht zu: Nach Rom, nach Loreto, nach Norcia zum heiligen Benedikt, nach Manoppello zum rätselhaften Antlitz Christi, nach Lanciano mit seinem eucharistischen Wunder.
Vor gut einem Jahrzehnt erschien mein literarischer Reiseführer im Michael Müller Verlag Aachen. Seither ist viel geschehen, vieles hat sich geändert. Mit dem plötzlichen und unerwarteten Tod von Michael Müller im Februar 2014 hat die katholische Kirche in Deutschland eine beeindruckende Verleger- und Journalistenpersönlichkeit verloren. Ich behalte ihn in sehr guter Erinnerung, denn unsere Zusammenarbeit war von Aufrichtigkeit und Vertrauen geprägt.
Nun hat es Bernhard Müller von fe-medien in Kisslegg unternommen, mein damals im Aachener Verlag zuerst erschienenes Pilgerbuch erneut aufzulegen. Der Zeitpunkt passt wie kein anderer. Ich wünsche meinem Buch, dass es viele Leser findet, die sich ihre Sehnsucht bewahrt haben und – wenn es momentan nicht anders geht – mit meinen Texten auf eine Entdeckungsreise vom Lesesessel aus nach Mittelitalien aufbrechen möchten. Und nebenzu ist das Buch ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk. Besonders gefreut hat mich, dass sich fe-medien dazu entschlossen hat, die wunderschönen Fotos aus Italien, der jeweiligen Heiligtümer, auch in der zweiten Auflage farbig abzudrucken und in das Buch wieder mitaufzunehmen.
Wer es von mir persönlich signiert haben möchte, schickt mir einfach eine Nachricht über das Kontaktformular.
Barbara Wenz: Poetische Pilgerorte – Reisen ins mystische Mittelitalien
Fe-Medienverlags GmbH Kisslegg, 2020
ISBN 978-3-86357-285-3
www.fe-medien.de
Oktober 29, 2020 No Comments
Angesichts der aktuellen Ereignisse in Frankreich
kann ich nur nachdrücklich eine Literaturempfehlung abgeben, insbesondere an alle, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen und etwas verändern können.
Es ist Alexander Kisslers Buch „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ – schon vor einigen Jahren erschienen (2015), ich habe damals eine Rezension verfasst, die ich unten eingefügt habe.

Der Kulturjournalist und Autor Alexander Kissler, der unter anderem im Cicero und bei Focus veröffentlicht, hat sein jüngstes Buch mit einem kämpferischen Titel versehen. Keine Toleranz, das hören wir heute nicht so gerne, außer wenn es um die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch oder Bandenkriminalität geht. Schließlich gilt „Toleranz“ als (post)moderne Kardinalstugend, und niemand hört sich gerne den Vorwurf an, ein intoleranter, mithin also inakzeptabler, Gesprächspartner zu sein, sei es im privaten Bereich, sei es im gesellschaftlichen Diskurs. Es geht um die Verteidigung westlicher Werte, entnehmen wir sogleich dem Untertitel des Bandes: „Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.
Das klingt nach Streitschrift, wenn nicht sogar nach Pamphlet: Auf dem Cover wirft eine gemalte Burkafrau der schönen, nackten Schaumgeborenen von Botticelli einen purpurnen Umhang zu.
Dass das Buch jedoch vielmehr ein angenehm und lehrreich zu lesender, längerer Essay geworden ist, liegt an der Persönlichkeit Alexander Kisslers, und an seiner Herangehensweise. Als sensibler Chronist der Gegenwart hat er Freunde Benedikts XVI. bereits mit seinem „Papst im Widerspruch“-Titel über das Pontifikat des deutschen Theologenpapstes überzeugen können, das er mit einem liebevollen Auge gleichsam mitgeschrieben hatte. Im vorliegenden Buch geht es dagegen um Meinungs- und Religionsfreiheit – selbstverständliche Grundrechte, sollte man auf den ersten Blick denken. In Europa kennen wir es schon gar nicht mehr anders. Doch warum ist das so? Weil unsere Vorfahren in einem jahrhundertelangen Prozess darum gerungen und dafür gekämpft haben. Auch das klingt geläufig, und den Allermeisten wird dabei die Zeit der Aufklärung einfallen – doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Der Anlass, dieses Buch zu schreiben, hat für Kissler ein konkretes Datum. Er nennt es im ersten Satz seines ersten Kapitels: „Ich sehe die Welt mit anderen Augen seit dem 7. Januar 2015.“ An diesem Tag fand der Anschlag und das Massaker in der Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ statt. Elf Menschen wurden per Kopfschuss hingerichtet. In den Tagen zwischen dem 7. und 9. Januar wurde Paris, wurde Frankreich, wurde Europa durch eine neue Dimension islamistischen Terrors überrascht und erschüttert. Fast zeitgleich hat ein Komplize der Brüder Kouachi in einem jüdischen Supermarkt Geiseln genommen und dabei vier jüdische Franzosen ermordet.
Es ist dies das Epizentrum, von dem aus der Seismograf Kissler es unternimmt, die Verwerfungen in der jüngsten Geschichte Europas auszuloten. Sein Buch will, wie es am Ende des Vorwortes heißt, den Westen suchen und wiederfinden, erzählen von Liberalität und Unfreiheit, von Religion und Säkularismus, von Toleranz und von deren unbedingten Grenzen, von einer überlebensnotwendigen Haltung. Kissler will sich seine große Hoffnung, wie er an der gleichen Stelle schreibt, nicht nehmen lassen. Darum ist dies auch kein düsteres und ärgerliches Buch geworden, sondern eines, das Licht hinein bringt in unser Gemüt und unseren Geist. Bei seinem Streifzug durch die Geschichte nicht nur des Abendlandes konsultiert unser Autor neben den Heiligen der katholischen Kirche und natürlich Chesterton und Belloc, unter anderem auch Voltaire, John Locke, Cicero und Raif Badawi. Und immer wieder weist er auf die drohende Gefahr eines neuen Antisemitismus, der eben nicht von „rechts“ kommt, hin. Es genügt dabei praktisch schon der Hinweis auf Charlotte Knoblochs Ausspruch, der bereits Ende Juli 2014 getätigt wurde: „Was wir derzeit erleben, ist die kummervollste und bedrohlichste Zeit seit 1945.“ [Diese Worte, geäußert von einer Deutschen jüdischen Glaubens und ehemaligen Vizepräsidenten des Jüdischen Weltkongresses, sollten allerdings in diesen Zeiten der Bundeskanzlerin und unserem Innenminister sowie allen verantwortlichen Politikern tagein tagaus als Gute-Morgen-Aufwachen-Gruß entgegenschrillen.]
Kisslers neues Buch hat etwas mehr als 175 Seiten, die, trotz der tragischen Ereignisse, die teils darin behandelt werden, gut zu lesen weil mit leichter Feder geschrieben sind. „Ausgelesen“ wird es jedoch so schnell nicht sein – „weglegen“ lässt sich dieses Buch nicht mehr, wenn man es einmal in der Hand hatte: Dafür ist und bleibt es fürs Erste zu aktuell.
Alexander Kissler: Keine Toleranz den Intoleranten
Warum der Westen seine Werte verteidigen muss.
Gütersloher Verlagshaus 2015
ISBN 978-3-579-07098-8
Oktober 19, 2020 No Comments