Journalistin und Autorin

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Ich bin oft unglücklich.

Am Unglücklichsten bin ich, wenn ich eine wunderschöne Geschichte recherchiert habe, die ich nicht ohne in Tränen auszubrechen einem Dritten wiedergeben kann.
Zumeist sind es herzanrührende Geschichten. Über den Tod, die Liebe, die Ehre, das Sterben für Andere und den Glauben.
Immer wenn ich versuche, einem anderen Menschen zu erzählen, was mich gerade bewegt, über welches Thema ich gerade schreiben will, fangen die Tränen an zu laufen.
Ich finde das furchtbar.
Andererseits wurde mir heute gerade wieder bewusst, in welcher jahrtausendealten Tradition ich stehe.
Schon vor zigtausend Jahren setzten sich die Menschen nach ihrem eintönigen und verdrießlichen Tagwerk am Lagerfeuer, am Herdfeuer, in der Mitte der Gemeinschaft zusammen. Um dem Geschichtenerzähler zuzuhören. Der über den Tod, die Liebe, die Ehre, das Sterben für Andre, den Glauben sang und berichtete.
Okay, sie haben das ein bisschen professioneller gemacht und haben ihr Publikum unterhalten, ohne dabei in Tränen auszubrechen.
Aber dennoch, es ist eine ehrwürdige Tradition.
Deshalb möchte ich mich bei allen guten Geschichtenerzählern an sämtlichen Feuern der letzten tausend Jahre, ob auf dem offenen Feld, ob in der Geborgenheit einer Runde in der Küche, ob auf verwelktem Gras, gestampftem Lehm, auf uralten Fliesen oder auf modernen Kacheln ehrlich entschuldigen. Ich kann nicht erzählen von Liebe, Ehre, Tod und Hingabe, ohne dabei in Tränen auszubrechen.
Und was ohne Tränen zu erzählen wäre, ist es ja gar nicht wert.

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