Journalistin und Autorin

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Category — Allgemein

„Bleibe mit uns, Wojtyla“ – der Leitartikel von Il Giorno nach dem Papstattentat

>>Bleibe mit uns, Wojtyla, denn es will Abend werden

Wir haben nicht einmal in dieser Stunde die Kraft, Dich so zu lieben, wie Du es brauchst: in Christus. Nur jenen Schrei können wir während der ganzen Nacht wiederholen bis in den Morgen, hoffend, der Morgen möge ein Tagesanbruch der Befreiung und erfreulicher Nachrichten sein. Bleibe mit uns, Herr, denn es will Abend werden. Ein langes, ständig sich wiederholendes, stummes Stoßgebet von uns Christen und anderen wird diese Nacht sein: Weil auch Du, wie der Emmauswanderer, an die Bitte gerichtet wurde, Christus ‚bist‘. Aber ihm, dem schon Auferstandenen, wurde gegeben sich den Menschen zu zeigen, ihnen Mut zu geben und mit ihnen das Brot in einer Herberge zu brechen. Du hingegen, lieber Wojtyla, bist noch ein Mensch im Fleisch, und deshalb, weil es immer mehr Abend wird, ist es notwendig, dass Du bleibst, dass Du ein lebender Märtyrer bist und kein Phantom, das in der Nacht versinkt.<< [Aus dem Buch von Sebastian Labo "Das Attentat auf den Papst im Lichte Fatimas und im Schatten der Oktoberrevolution 1917"]

Mai 4, 2017   No Comments

Heilige Caterina von Siena, Kommentar zu Mt 11, 25 – 30 via Evangelium Tag für Tag

>>Dialog von Gottes Vorsehung 167, 2 (Übers.: Sommer v.Seckendorff, 1964, S. 247)

„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde“

Dank, Dank sei Dir, ewiger Vater, dass Du Dein Geschöpf nicht verachtet, Dein Antlitz nicht von ihm abgewandt, noch seine Wünsche verschmäht hast. Du, Licht, achtest nicht auf meine Finsternis, Du, Leben, ließest Dich von meinem Tod nicht abhalten, noch schreckte Dich, Arzt, meine arge Gebrechlichkeit, Dich ewige Reinheit, mein ganzer Schmutz und mein Elend; Du Unendlicher kamst zu mir Endlichem, Du Weisheit zu mir Törin. Aus Deinem Licht empfing ich Licht. In Deiner Weisheit erkannte ich die Wahrheit, in Deiner Milde fand ich die Liebe zu Dir und zum Nächsten. Dieselbe Liebe veranlasste Dich, das Auge meines Geistes mit dem Licht des Glaubens zu erleuchten, damit ich Deine mir kundgetane Wahrheit begriffe.

Gib, dass mein Gedächtnis fähig sei, sich Deiner Wohltaten zu erinnern, und mein Wille im Feuer Deiner Liebe lodere. Lass das Blut meines Leibes in diesem Feuer fruchten und sich verströmen, auf dass ich mit diesem Blut, aus Liebe zu Deinem Blut vergossen, und mit dem Schlüssel des Gehorsams die Himmelspforte entriegele. Dasselbe erbitte ich Dich von ganzem Herzen für jedes vernunftbegabte Wesen, im Allgemeinen und im Besonderen, und für den mystischen Leib der Kirche. Ich bekenne und ich leugne nicht, dass Du mich geliebt hast, eh ich war, und dass Du mich unsäglich liebst, wie ein Narr verliebt in Deine Kreatur. <<

April 29, 2017   No Comments

Wenn der Henker weiser ist als der Richter

Aber Jesus schrie laut und verschied.
Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach:
Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Evangelium nach Markus

Von Jesus Christus ist bekannt, dass er sich mit den Verfemten und Verstoßenen der damaligen Gesellschaft befasste, mit den Zöllnern, mit Prostituierten, mit Sündern. Die Zöllner mochte man insbesondere nicht, weil sie gemeinsame Sache mit den römischen Besatzern machten und daraus auch noch Profit schlugen. Frauen lagen ihm besonders am Herzen – jedem, auch demjenigen, der das Evangelium nicht kennt, ist ganz sicher die Episode bekannt, in der Jesus eine des Ehebruchs angeklagte Frau vor der tödlichen, „gesetzlich vorgeschriebenen“, Steinigung rettet.
Während diese Episode wieder und wieder und aufhörlich kolportiert wird, auch von Ungläubigen – übrigens zu Recht, da sie einzigartig dasteht im Gesamtzusammenhang der Heiligen Schriften – hört man ganz selten etwas über die enorme Wertschätzung, die Jesus Christus ausgerechnet Soldaten, und zwar nicht einmal Angehörigen einer freiheitlich-demokratischen Armee, sondern üblen Besatzern des Landes entgegenbrachte.
Jesus sah römische Soldaten nicht als Feinde – nicht einmal dann, als sie ihm die Dornenkrone aufdrückten, geißelten und bespuckten.
In einem ähnliche Sinne, wie er sich mit Frauen wohlfühlte, weil sie sein Herz berührten, weil ihre Liebe sie aufrührte, weil ihm ihr ganzes Wesen wertvoll erschien, so ging er auch mit Soldaten um. Er war ein Mensch, der in der Natur eines anderen Menschen, seines Gegenübers, das Besonders und Gottähnliche aufspüren und bloßlegen konnte. Darum geht es auch in der berührenden Geschichte mit dem Hauptmann von Kafarnaum, der sich aus Sorge um einen einfachen Diener aufmachte, um bei Jesus Hilfe zu suchen – wohlwissend, dass es das Todesurteil für Jesus bedeutet hätte, wenn dieser sein Haus beträte. Darum die flehentliche Bitte: Herr befiehl einfach, so tue ich es doch mit meinen Untergebenen auch – und sie gehorchen!
Und Jesus war so verwundert über diese Aussage, dass er diesen Soldaten als einen Menschen pries, dem an Glaubensgröße kein Israelit gleichkäme.

In der modernen Verkündigung hören wir wenig über diese doch so wichtige Episode. Vermutlich, weil Soldaten, im Gegensatz zu Zöllnern und Frauen, weiterhin zu den Verfemten gehören. Obwohl sie unser Land nicht besetzt halten, werden Männer und Frauen in Uniform, die unserem Land dienen, bespuckt und beschimpft, ausgegrenzt und bedroht.
Manchmal sogar von sich weniger oder mehr christlich nennenden Pazifisten.

Ob der Hauptmann von Kafarnaum mit dem Hauptmann, der Jesu Tod am Kreuz mitansah und daraufhin sein Bekenntnis ablegte, identisch war, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es das Bekenntnis eines Mannes ist, dem man eben deshalb glauben kann, weil man ihm vermutlich alles beigebracht hatte, was nützlich ist und zum Überleben dient, aber nicht das selbstständige Denken. Und doch brach es in dieser Weltenstunde aus ihm heraus: Dieser hier war GOTTES SOHN!
Eine Aussage, die nicht nur Agnostikern und Zweiflern, sondern mittlerweile sogar manchem Theologen schwerfällt, zu treffen.
Doch wenn es um lebenswichtige und lebensnotwendige Entscheidungen geht, vertraue ich persönlich mittlerweile lieber einem Soldaten und Heerführer, der weiß, wovon er spricht, weil er zuviel mit eigenen Augen ansehen musste, als manchem Theologen oder Bischof.

April 14, 2017   No Comments

Joseph Kardinal Ratzinger: Einführung in das Christentum – Der Gott des Glaubens und der Gott der Philosophen [2]

„Das Ganze zusammenfassend können wir sagen, dass sich bei der bewussten Anknüpfung an den Gott der Philosophen, die der Glaube vollzog, zwei fundamentale Überschreitungen des bloßen philosophischen Denkens ergaben:

a) Der philosophische Gott ist wesentlich nur selbstbezogen, rein sich selbst beschauendes Denken. Der Gott des Glaubens ist fundamental durch die Kategorie der Relation (Beziehung) bestimmt. Er ist die schöpferische Weite, die das Ganze umspannt. Damit ist ein völlig neues Weltbild und eine neue Weltordnung gesetzt: Als die höchste Möglichkeit des Seins erscheint nicht mehr die Losgelöstheit dessen, der nur sich selber braucht und in sich steht. Die höchste Weise des Seines schließt vielmehr das Element der Beziehung ein. Man braucht wohl nicht eigens zu sagen, welche Revolution es für die Existenzrichtung des Menschen bedeuten muss, wenn als das Höchste nicht mehr die absolute, in sich geschlossene Autarkie erscheint, sondern wenn das Höchste zugleich Bezogenheit ist, schöpferische Macht, die anderes schafft und trägt und liebt …

b) Der philosophische Gott ist reines Denken; ihm liegt die Vorstellung zugrunde: Denken und nur Denken ist göttlich. Der Gott des Glaubens ist als Denken Lieben. Der Vorstellung von ihm liegt die Überzeugung zugrunde: Lieben ist göttlich.
Der Logos aller Welt, der schöpferische Urgedanke, ist zugleich Liebe, ja, dieser Gedanke ist schöpferisch, weil er als Gedanke Liebe und als Liebe Gedanke ist. Es zeigt sich eine Uridentität von Wahrheit und Liebe, die da, wo sie voll verwirklicht sind, nicht zwei nebeneinander oder gar gegeneinander stehende Wirklichkeiten, sondern eins sind, das einzig Absolute. An dieser Stelle wird zugleich der Ansatzpunkt des Bekenntnisses zum drei-einigen Gott sichtbar, auf den später zurückzukommen sein wird.

April 11, 2017   1 Comment

Joseph Kardinal Ratzinger: Einführung in das Christentum-Der Gott des Glaubens und der Gott der Philosophen

„Der Großteil der Menschen von heute gesteht ja noch immer in irgendeiner Form zu, dass es so etwas wie >>ein höchstes Wesen<< wohl gebe. Aber man findet es absurd, dass dieses Wesen sich mit dem Menschen befassen solle; wir haben die Empfindung - auch dem, der zu glauben versucht, geht es immer wieder so -, dass so etwas Ausdruck eines naiven Anthropomorphismus, einer frühen Weise des menschlichen Denkens sei, verständlich aus einer Situation, in der der Mensch noch in einer kleinen Welt lebte, in der die Erdscheibe der Mittelpunkt aller Dinge war und Gott nichts anderes zu tun hatte, als auf sie herunterzublicken. Aber, so denken wir, in einer Zeit, in der wir wissen, wie unendlich anders sich das verhält, wie bedeutungslos die Erde im riesigen Weltall ist und wie bedeutungslos folglich auch das Staubkorn Mensch gegenüber den kosmischen Dimensionen dasteht, in einer solchen Zeit erscheint uns der Gedanke absurd, dass dies höchste Wesen sich mit dem Menschen, seiner kleinen, erbärmlichen Welt, seinen Sorgen, seinen Sünden und Nichtsünden befassen sollte. Indem wir aber so meinen, auf diese Weise recht göttlich von Gott zu reden, denken wir in Wirklichkeit gerade sehr klein und allzu menschlich von ihm, als müsste er, um nicht den Überblick zu verlieren, auswählen. Wir stellen ihn uns damit vor als ein Bewusstsein wie das unsere, das Grenzen hat, das irgendwo einen Halt setzen muss und nie das Ganze umfassen kann. Solchen Verengungen gegenübermag jener Sinnspruch, den Hölderlin seinem Hyperion vorangestellt hat, wieder an das christliche Bild der wahren Größe Gottes erinnern: >>Non coerceri maximo, contineri tamen a minimo, divinum est – Nicht umschlossen werden vom Größten, sich umschließen lassen vom Kleinsten – das ist göttlich.<< Jener unbegrenzte Geist, der die Totalität des Seins in sich trägt, reicht über das "Größte" hinaus, sodass es gering ist für ihn, und er reicht in das Geringste hinein, weil nichts zu gering ist für ihn. Gerade diese Überschreitung des Größten und das Hineinreichen ins Kleinste ist das wahre Wesen des absoluten Geistes. Zugleich aber zeigt sich hier eine Umwertung vo Maximum und Minimum, von Größtem und Kleinstem, die für das christliche Verständnis des Wirklichen kennzeichnend ist. Für den, der als Geist das Weltall trägt und umspannt, ist ein Geist, ist das Herz eines Menschen, das zu lieben vermag, größer als alle Milchstraßensysteme. Die quantitativen Maßstäbe werden überholt; es zeigen sich andere Größenordnungen an, von denen her das unendlich Kleine das wahrhaft Umgreifende und wahrhaft Große ist. Noch ein weiteres Vorurteil wird von hier aus als Vorurteil entlarvt. Uns scheint es im Letzten immer wieder selbstverständlich, dass das unendlich Große, der absolute Geist, nicht Fühlen und Leidenschaft, sondern nur reine Mathematik des Alls sein könne. Unreflektiert unterstellen wir damit, dass bloßes Denken größer sei als Lieben, während die Botschaft des Evangeliums und das christliche Gottesbild darin die Philosophie korrigiert und uns wissen lässt, dass höher als das bloße Denken die Liebe steht. Das absolute Denken ist ein Lieben, ist nicht fühlloser Gedanke, sondern schöpferisch, weil es Liebe ist."

April 10, 2017   No Comments

Das Gebet von Fatima für den Heiligen Vater

Herr, guter Hirte der Menschheit,
Du hast Petrus und seinen Nachfolgern die Mission anvertraut,
die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken
und im Hören des Wortes zu erleuchten.
An diesem Ort, an dem die Hirtenkinder von Fátima eine tiefe Hingabe zum Heiligen
Vater und eine starke Liebe zur Kirche bezeugt haben, bitten wir Dich,
dass Dein Heiliger Geist der Weisheit unseren Papst Franziskus in seiner Mission als
Nachfolger Petrus erleuchten möge;
dass Deine Barmherzigkeit ihn beschütze und begleite;
dass das Zeugnis Deiner Gläubigen ihn bei seinen Aufgaben ermutige
und dass die zarte Gegenwart Marias für ihn ein Zeichen Deiner Liebe sei;
dass er stark im Glauben, wagemutig in der Hoffnung und eifrig in der Nächstenliebe sei.
So bitten wir Dich, der Du Gott bist in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist.

Amen.

Vaterunser. Ave Maria. Gloria.

März 25, 2017   No Comments

Titelthema Vatican Magazin März 2017:“Mit dem Papsttum spielt man nicht“

Aus dem Artikel von Guido Horst:

„[…] Leute wie Roberto de Mattei werden von Internetdiensten wie „katholisches.info“ ins Deutsche übersetzt und wen wundert es, dass die Schlammspritzer der Papst-Debatte auch den deutschen Sprachraum erreichen.
Ausdruck dafür war der „Weckruf 2017“ deutschsprachiger Publizisten, den das Onlinemagazin „The Cathwalk“ vor einiger Zeit veröffentlicht hat. Hier wird der Papst verteidigt, Ubi Petrus ibi ecclesia heißt es gleich zu Beginn, und am Ende steht der Aufruf an alle publizistisch tätigen Katholiken, „sich der Kampagne, die gegen unseren Heiligen Vater im Gange ist, entschieden zu widersetzen und dem grassierenden Defätismus und Destruktivismus eine Berichterstattung entgegenzusetzen, die von Liebe und Wohlwollen zu unserem Papst durchdrungen ist.“ Ausdrücklich begrüßen die Verfasser „Amoris laetitia“ als ein „Geschenk des Heiligen Geistes“, das „die Tore der Barmherzigkeit weit geöffnet hat“, und distanzieren sich ebenso ausdrücklich „von den sogenannten ‚dubia‘, die suggerieren, ‚Amoris Laetitia‘ stelle einen Bruch des Lehramtes hinsichtlich der Ehepastoral dar“.

Ein Dokument der Verteidigung des Jesuiten-Papstes, so weit so gut, aber wenn Leute wie Roberto de Mattei einen Franziskus-Popanz aufbauen, auf den sie dann einschlagen, so baut der „Weckruf 2017“ einen anderen Popanz auf, den des hemmungslosen Papstkritikers, der als „pathologisches Phänomen“ Ausdruck einer argwöhnischen und pessimistischen Mentalität sei, „die sich im katholischen konservativen Lager in den letzten Jahren eingeschlichen hat, und die nur allzu gut ins Zeitalter von Fake News und Populismus zu passen scheint“. Der Feind steht rechts vermutet der „Weckruf“: und zwar „eine Großzahl katholischer Publizisten“, die sich „nicht davor zurückscheut, Papst Franziskus der Häresie zu bezichtigen“, und populistische „Einheizer im Hintergrund“, die „sich gegenseitig in einem immer starreren Rigorismus und Rubrizismus“ übertrumpfen.

Das ist Schwarz-Weiß-Malerei pur. Eine Moralkeule für alle, die sich etwa sauber und korrekt, aber doch auch kritisch mit „Amoris laetitia“ auseinandersetzen, also eine Debatte führen, zu der Papst Franziskus selbst eingeladen hat. Wieder einmal scheint es für einige grobschnittig veranlagte Zeitgenossen nur ein Schema zu geben, nach dem die Katholiken einzuteilen sind: hier die Guten, dort die Bösen, hier die Papstjubler, dort die finsteren Einheizer aus dem konservativen Lager, die in pathologischer Manier den Papst der Häresie bezichtigen. Ein Zerrbild, das nicht falscher sein könnte.“

www.vatican-magazin.de

März 11, 2017   No Comments

Fastenlektüre:Einführung in das Christentum – Aus dem Vorwort zur Ausgabe im Jahr 2000

>>Vom Johannes-Prolog her steht der Begriff des Logos im Mittelpunkt unseres christlichen Gottesglaubens. Logos heißt Vernunft, Sinn, aber auch Wort – ein Sinn also, der Wort ist, der Beziehung ist, der schöpferisch ist. Der Gott, der Logos ist, verbürgt uns die Vernünftigkeit der Welt, die Vernünftigkeit unseres Seins, die Gottgemäßheit der Vernunft und die Vernunftgemäßheit Gottes, auch wenn seine Vernunft die unsere unendlich überschreitet und für uns so oft wie Dunkel erscheinen mag. Die Welt kommt aus der Vernunft und diese Vernunft ist Person, ist Liebe – das ist es, was uns der biblische Glaube über Gott sagt. Die Vernunft kann von Gott reden, sie muss von Gott reden, sonst amputiert sie sich selbst. Damit ist der der Schöpfungsbegriff mitgegeben. Die Welt ist nicht nur maya, Schein, den wir letztlich hinter uns lassen müssen. Sie ist nicht bloß das unendliche Rad der Leiden, dem wir versuchen müssen zu entrinnen. Sie ist positiv. Sie ist trotz all des Bösen in ihr und trotz allen Leids gut, und es ist gut, in ihr zu leben. Der Gott, der Schöpfer ist und sich in seiner Schöpfung aussagt, gibt auch dem menschlichen Tun Richtung und Maß.<< Joseph Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI.: Einführung in das Christentum.

März 7, 2017   No Comments

Die Weiße Rose – Christoph Probst – ein Flugblattentwurf

„Stalingrad! 200 000 deutsche Brüder wurden geopfert für das Prestige eines militärischen Hochstaplers. Die menschlichen Kapitulationsbedingungen der Russen wurden den geopferten Soldaten verheimlicht. General Paulus erhielt für diesen Massenmord das Eichenlaub. Hohe Offiziere haben sich im Flugzeug aus der Schlacht von Stalingrad gerettet. Hitler verbot den Eingekesselten, sich zu den rückwärtigen Truppen zurückzuziehen. Nun klagt das Blut von 200 000 dem Tod geweihten Soldaten den Mörder Hitler an. … Und wollt Ihr euch genauso belügen lassen wie die 200 000 Mann, die Stalingrad auf verlorenem Posten verteidigten? Dass Ihr massakriert, sterilisiert oder Eurer Kinder beraubt werdet? … Heute ist ganz Deutschland eingekesselt wie es Stalingrad war. Sollen den Sendboten des Hasses und des Vernichtungswillen alle Deutschen geopfert werden? Ihn, der die Juden zu Tode martert, die Hälfte der Polen ausrottete, Russland vernichten wollte, ihm, der Euch Freiheit, Frieden, Familienglück, Hoffnung und Frohsinn nahm und dafür Inflationsgeld gab. Das soll, das darf nicht sein! Hitler und sein Regime muss fallen, damit Deutschland weiterlebt!“

Für diesen Flugblattentwurf – es war das siebte – wurde Christoph Probst, der sich noch im Gefängnis katholisch taufen ließ, am 22. Februar 1943 von den Henkern des Nazi-Regimes hingerichtet. Probst war Mitglied der Weißen Rose und junger Vater von drei Kindern.

Februar 20, 2017   No Comments

Zum Tag der heiligen Hildegard von Bingen


Es hat fast 800 Jahre gedauert und einen deutschen Papst gebraucht, bis die heilige Hildegard von Bingen in einem Ausnahmeverfahren, das sich “gleichwertige Kanonisierung” nennt, nun offiziell „heilig“ ist und somit nun von der gesamten Weltkirche verehrt wird. Benedikt XVI. hat mit seinem Beschluss vom 10. Mai 2012, dass die Verehrung der Heiligen auf die gesamte Weltkirche auszudehnen ist – eine Entscheidung, die nicht nur längst überfällig war, sondern auch zeigt, welch hohen Stellenwert Benedikt der deutschen Äbtissin, Visionärin, Komponistin und Kirchenkritikerin beimisst. Wertschätzung, ja Bewunderung, die er zuvor schon zu einigen wenigen, aber äußerst bedeutsamen Anlässen geäußert hatte.

Selbst wenn man mit Leben und Werk der Hildegard von Bingen nur oberflächlich vertraut ist, bleibt uns angesichts ihrer universalen Schaffenskraft, der Kühnheit ihrer Visionen, die sie stets bei klarem Verstand und offenen Auges erfuhr, des prophetischen Löwenmuts, den sie ohne zu zögern gegen die Mächtigen im Klerus und sogar gegen den Kaiser einsetzte, nur schieres Staunen und tiefe Dankbarkeit über diese die Jahrhunderte überstrahlende Heilige. „Wer ist die, die da aus der Wüste gleich einer Rauchsäule von Gewürzkräutern aufsteigt?“ so ruft Papst Eugen III in einem Brief an Hildegard aus, und muss dabei, um seine faszinierte Verehrung auszudrücken, auf das Hohelied, das poetischste Liebeslied aller Zeiten, zurückgreifen.

Sie war die letzte Prophetin, die Deutschland geschickt wurde, eine Persönlichkeit, die mit traumwandlerischer Sicherheit, dabei luzide und klar wie ein lupenreiner Diamant das Wort Gottes verkündete und als „ungelehrte Frau“, als „armseliges Gebilde“ die größten Männer ihrer Zeit mit göttlicher Vollmacht belehrte, den Kampf mit den Kleingeistigen beherzt aufnahm. Hildegard betätigte sich auf einem breiten Spektrum der damaligen Wissensgebiete: Theologie, Kosmologie, Anthropologie, Musik, der Heilkunst, der Erforschung von Naturphänomenen – sie erfand sogar eine eigene geheime Sprache, die lingua ignota. Hildegard von Bingen kann deshalb mit Fug und Recht als die erste deutsche Universalgelehrtin gelten, die jüngst vom Osservatore Romano in einem Atemzug mit Dante, Avicenna und Johannes Scotus Eriugena genannt wurde, somit noch einmal die Bedeutung dieser „wahren Intellektuellen“ ihrer Zeit unterstreicht, die sie für den derzeitigen Papst sozusagen als eine Seelenschwester, zu besitzen scheint.

Die Geschichte dieser Frau, die bei ihren Zeitgenossen Ehrfurcht und Bewunderung erweckte, die mit von Gott verliehener Autorität auftrat und deren Kompositionen und Schriften noch heute Bestseller sind, beginnt im Jahre 1098, zur Zeit des ersten Kreuzzuges. Hildegard wird als zehntes Kind in Bermersheim bei Alzey geboren. Ihre Eltern gehören dem niedrigen Adel an und geben das Mädchen im Alter von 8 Jahren zur gemeinsamen Erziehung in die Grafenfamilie derer von Sponheim. Hildegard ist 14, Jutta von Sponheim 20 Jahre alt, als sie sich auf den Berg des heiligen Disibod am Zusammenfluss von Nahe und Glan bei Odernheim zurückziehen. Auf dem Gelände des Klosters, das von Benediktinermönchen besiedelt wurde, hatte die Familie von Sponheim eine Frauenklause errichten lassen. Dort verbringt Hildegard fast die Hälfte ihres Lebens in völliger Abgeschiedenheit, gestorben und begraben mit Christus. Wie ein Senfkorn, das der Herr in die Erde gelegt hat, auf dass es eines Tages erwache und ein Baum daraus werde, der bis zum Himmel wächst, und in dessen Zweigen singende Vögel nisten werden.

Der Tag kommt im Jahre 1140, als sie „42 Jahre und 7 Monate“ zählt, wie sie selbst schreibt. Seit vier Jahren ist ihre geistliche Mutter Jutta tot, die Gemeinschaft der mittlerweile zehn Schwestern hatte sie damals einstimmig zur Priorin gewählt. Die Visionen, die sie schon in ihrer Kindheit erfahren hat, setzen wieder ein. Sie bespricht sich zunächst mit dem Abt; er rät, alles niederzuschreiben. Doch die Unsicherheit und die Zweifel nagen an ihr: Hildegard besaß neben ihren außergewöhnlichen intellektuellen und spirituellen Gaben eine ausgeprägte persönliche Demut, hinzu kam, dass die deutschen Bischöfe ihr zum Teil nicht gerade mit Wohlwollen, sondern mit großer Skepsis begegneten. Sie fasst sich deshalb ein Herz und wendet sich in ihrem ersten, überlieferten Brief an den Mann, der zur damaligen Zeit als die einflussreichste und anerkannteste geistliche Autorität galt – den inspirierten monastischen Erneuerer und mitreißenden Prediger Bernhard von Clairvaux. Der Tonfall dieses Briefes ist hochachtungsvoll und zärtlich zugleich; sie nennt Bernhard „Vater“ und schildert ihm den Charakter ihrer Visionen detailgenau. Aus ihren Formulierungen spricht tiefstes töchterliches Vertrauen: „Du bist Sieger in deiner Seele und richtest andere zum Heile auf. Du bist der Adler, der in die Sonne blickt.“

Die Antwort des heiligen Bernhard ist unmissverständlich und muss für Hildegard eine enorme Erleichterung gewesen sein: „Wir freuen uns mit dir über die Gnade Gottes, die in dir ist. Und was uns angeht, so ermahnen und beschwören wir dich, sie als Gnade zu erachten und ihr mit der ganzen Liebeskraft der Demut und Hingabe zu entsprechen.“ Während der Synode in Trier 1147 werden ihre Visionen sogar öffentlich verlesen und von Papst Eugen III. bestätigt. Nun darf sie endlich sicher sein, dass ihre Schau nicht ein Hirngespinst ist oder gar vom Gegenspieler kommt, sondern vom Allerhöchsten geschickt wird. Mehr noch, dass Er selbst es ist, der durch sie spricht. Sie ist sein Instrument, seine „Posaune“, wie sie sich selbst bezeichnet, durch die der göttliche Geisthauch weht und die Menschen behaucht. Und so manches Mal wird in Zukunft dieser Geisthauch gerade auch für die höchsten Machthaber wie Kaiser und Papst zu verzehrenden Flammenzungen werden. Etwa wenn Hildegard an Friedrich Barbarossa schreibt, weil er nicht aufhört, gegen den legitimen Papst Alexander III. Gegenpäpste aufzustellen. Sie spricht mit einer Vollmacht, die ihr der Schöpfer des Universums verliehen hat. Er ist es, der durch sie zu dem mächtigen Kaiser spricht und ihm mit Seinem Gericht droht: „Wehe, wehe der Niederträchtigkeit der Gottlosen, die mich beleidigen! Höre geschwind, o König, wenn du leben willst! Sonst wird mein Schwert dich durchbohren!“
Die prophetissa teutonica, wie man sie schon bald nennt, korrespondiert auch mit Prälaten und Päpsten. In einem Brief an Eugen III. aus dem Jahre 1148 nennt sie sich selbst eine kleine Feder, die vom Höchsten berührt worden ist, damit sie wunderbar emporfliege und die nun von einem starken Wind getragen wird, damit sie nicht sinke. Auch ihn wird sie mit strengen Worten ermahnen, als Gesandte desjenigen, der über jeder weltlichen Autorität steht: „O du funkelnde Brustwehr, kraft deines Amtes, ursprüngliche Wurzel der neuen Vermählung Christi mit der Kirche, du bist zweigeteilt: Einerseits ward deine Seele in der geheimnisvollen Blüte erneuert, die eine Gefährtin der Jungfräulichkeit im Mönchtum ist. Andererseits bist du ein Zweig der Kirche. Höre auf den, dessen Wort scharf wie ein Schwert ist …. Entferne nicht die Sehkraft vom Auge und trenne nicht das Licht vom Licht, sondern halte dich auf dem eindeutigen Weg, damit du nicht der Anklage verfällst wegen der Seelen, die in dein Herz gelegt sind.“
Wir begegnen dieser charakteristisch bildreichen und wortgewaltigen Sprache auch in ihren Hauptwerken: Scivias – Wisse die Wege, das in 35 Visionen die gesamte Heilsgeschichte durchdekliniert, vom Anbeginn der Zeit und der Schöpfung der Welt bis zum Ende aller Zeiten. Der Liber vitae meritorum, das Buch der Lebensverdienste, in dem es um die immense und alles überwältigende Kraft Gottes geht, der den gesamten Kosmos gestaltet und den Menschen zum Leben gerufen hat und in immerwährendem Austausch mit der Heiligen Dreifaltigkeit durchpulst wird. Aufgabe des Menschen ist es dabei, sich jeden Tag aufs Neue vom Bösen abzukehren und die Herrlichkeit Gottes in seiner eigenen Existenz so vorwegzunehmen.
Im Liber divinorum operum oder auch De operatione Dei geht es wiederum um die Schöpfung, das zentrale Thema Hildegards, die Beziehung zwischen dem Erschaffer des Alls, der Erde und seinem geliebten Geschöpf, dem Menschen.
Régine Pernoud, die französische Mediävistin, spricht im Zusammenhang mit den Werken Hildegards zutreffend von einer poetischen Kosmologie, einem kosmischen Roman. In der Tat, die Sprachmacht Hildegards ist überwältigend, obgleich sie angeblich nicht besonders gut Latein konnte, weshalb sie ihre Visionen dem Mönch Volkmar und später ihrer geliebten Mitschwester Richardis von Stade diktierte.

Angesichts des unerhörten Mutes, mit dem diese Äbtissin aus Deutschland als Botin Gottes den Machthabern ihrer Zeit entgegentrat, erscheint es wie trauriger Hohn, dass diese Frau nun in der Neuzeit durch esoterische Kreise auf Dinkelrezepte, Wellness-Elixiere und Heilsteinwissen heruntergebrochen und vermarktet wird. Mehr noch, eine Kirchenkritikerin sei sie gewesen, weiß vor allem die feministische Theologie anzuführen und in dieser Eigenschaft wird sie gerne auch von kirchlichen Reformkreisen vereinnahmt. Dabei wird gerne vergessen, dass es Hildegard nicht um die Veränderung von Strukturen ging, sondern um einen aufrichtigen Geist der Buße und den tätigen Weg der Umkehr, wie dies Benedikt XVI. in einer seiner beiden Katechesen über die Heilige erläutert hat.
Hildegard, die noch im hohen Alter auf Predigtreisen durch Deutschland ging, die sie unter anderem nach Trier, Köln, Mainz und bis nach Lothringen führten, geißelte nämlich nicht nur den trägen und verhurten Klerus ihrer Zeit vor aller Öffentlichkeit mit überaus harten Worten: „Ihr seid eine Nacht, die Finsternis ausatmet, und wie ein Volk, das nicht arbeitet. Ihr liegt am Boden und seid kein Halt für die Kirche, sondern ihr flieht in die Höhle eurer Lust. Und wegen eures ekelhaften Reichtums und Geizes sowie anderer Eitelkeiten unterweist ihr eure Untergebenen nicht. Ihr solltet eine Feuersäule sein, den Menschen vorausziehen und sie aufrufen, gute Werke zu tun.“ Mit ebensolcher Vehemenz predigte diese Frau gegen die Katharer an, die angesichts der Verweltlichung und des Verfalls im Klerus immer mehr Zulauf für ihre engstirnige Vorstellung von der „Kirche der Reinen“ bekamen.

Es ist deshalb kein Zufall, dass Benedikt XVI. diese Frau, dieses Kernkraftwerk des Heiligen Geistes, nun offiziell durch ein „canonisatio aequipollens“ genanntes Verfahren, per Dekret also, heilig gesprochen hat, obwohl sie schon immer als Heilige verehrt worden ist. Immer wieder hat er seine Wertschätzung, ja seine Verehrung für ihre Persönlichkeit, ihre Wirkung, ihre Kühnheit und ihren Mut ausgedrückt. Im Jahre 1994 sandte Kardinal Ratzinger eine Grußbotschaft zum Hildegard-Symposium in Wiesbaden und schrieb unter anderem: „Heute steht Hildegard in ihrer ganzen kühnen  Universalität vor uns. Wir fühlen uns angesprochen durch ihre liebevolle Zuwendung zu den heilenden Kräften der Schöpfung wie durch ihre vielseitige künstlerische Begabung vor allem aber durch ihre eindringliche Glaubensverkündigung; sie ist uns daher nahe als eine Frau, die Christus in seiner Kirche liebte, aber nichts von Weltfremdheit oder Ängstlichkeit zeigt, sondern gerade von ihrer Berührung mit den Geheimnis Gottes her ihrer Zeit das rechte Wort furchtlos und frei zu sagen vermochte.“
Dass dieses „rechte Wort“ aus der Berührung mit dem Geheimnis Gottes auch unserer Zeit noch Gewaltiges zu sagen vermag, hat uns der Heilige Vater wieder zu Bewusstsein gebracht, indem er anlässlich des Weihnachtsempfangs für die Kardinäle und die Kurie am 20. Dezember 2010, dem Jahr, in dem der Missbrauchsskandal seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, eine Vision Hildegards zitiert und interpretiert. Sie findet sich in einem Brief an Werner von Kirchheim und dessen Priestergemeinschaft, die sie bei ihrer letzten Missionsreise um das Jahr 1170 – sie stirbt 1179 – in Schwaben besucht hatte. Werner von Kirchheim hatte gebeten, ihre dort gehaltene Rede nochmals schriftlich für ihn und seine Mitbrüder festzuhalten. Es ist eine Schau aus dem gleichen Jahr, während dem sie eine Krankheit durchzustehen hatte. Vor ihren Augen ersteht eine unerhört schöne Frau, mit leuchtendem Antlitz und einer Gestalt, die von der Erde bis zum Himmel hinaufragt. Sie trägt ein strahlendes Gewand aus weißer Seide, einen Mantel, mit Edelsteinen besetzt und Schuhe aus Onyx. Doch das Antlitz der herrlichen Frau ist befleckt, ihre Kleidung zerfetzt, die Schuhe besudelt. Sie klagt und schreit deswegen zum Himmel:
„Und weiter sprach sie: Im Herzen des Vaters war ich verborgen, bis der Menschensohn, in Jungfräulichkeit empfangen und geboren, sein Blut vergoss. Mit diesem Blut, als seiner Mitgift, hat er mich sich vermählt.
Die Wundmale meines Bräutigams bleiben frisch und offen, solange die Sündenwunden der Menschen offen sind. Eben dieses Offenbleiben der Wunden Christi ist die Schuld der Priester. Mein Gewand zerreißen sie dadurch, dass sie Übertreter des Gesetzes, des Evangeliums und ihrer Priesterpflicht sind. Meinem Mantel nehmen sie den Glanz, da sie die ihnen auferlegten Vorschriften in allem vernachlässigen. Sie beschmutzen meine Schuhe, da sie die geraden, das heißt die harten und rauen Wege der Gerechtigkeit nicht einhalten und auch ihren Untergebenen kein gutes Beispiel geben.“

Der Papst erläutert diese Vision Hildegards vor den Kardinälen und der Kurie, knapp 840 Jahre nach der Niederschrift dieses Gesichts, und es ist so aktuell und zeitlos wie nie zu vor:
„Das Gesicht der Kirche ist in der Vision der heiligen Hildegard mit Staub bedeckt, und so haben wir es gesehen. Ihr Gewand ist zerrissen – durch die Schuld der Priester. So, wie sie es gesehen und gesagt hat, haben wir es in diesem Jahr erlebt. Wir müssen diese Demütigung als einen Anruf zur Wahrheit und als einen Ruf zur Erneuerung annehmen. Nur die Wahrheit rettet. Wir müssen fragen, was wir tun können, um geschehenes Unrecht so weit wie möglich gutzumachen. Wir müssen fragen, was in unserer Verkündigung, in unserer ganzen Weise, das Christsein zu gestalten, falsch war, dass solches geschehen konnte. Wir müssen zu einer neuen Entschiedenheit des Glaubens und des Guten finden. Wir müssen zur Buße fähig sein. Wir müssen uns mühen, in der Vorbereitung zum Priestertum alles zu versuchen, damit solches nicht wieder geschehen kann.“

Mit der Kanonisierung Hildegards im Mai 2012 hat der Heilige Vater offiziell gemacht, was alle schon immer wussten und geglaubt haben: Dass die Äbtissin und Gründerin von Rupertsberg und Eibingen eine Heilige ist. Zugleich aber zeigt diese Geste die andächtige Verbeugung eines zarten, weißhaarigen Mannes vor der größten intellektuellen Frau ihres Zeitalters. Nicht zuletzt bedeutet dieses Dekret auch die anerkennende Würdigung einer großartigen Verbündeten, die bereits vor 800 Jahren einen feurigen Kampf für die heilige Kirche führte – es ist derselbe, den dieser Papst entschlossen aufgenommen hat.

[Zuerst erschienen im Vatican-Magazin 2012 anlässlich der Kanonisierung der hl. Hildegard]

September 17, 2016   No Comments