Journalistin und Autorin

Random header image... Refresh for more!

Wenn der Henker weiser ist als der Richter

Aber Jesus schrie laut und verschied.
Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach:
Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Evangelium nach Markus

Von Jesus Christus ist bekannt, dass er sich mit den Verfemten und Verstoßenen der damaligen Gesellschaft befasste, mit den Zöllnern, mit Prostituierten, mit Sündern. Die Zöllner mochte man insbesondere nicht, weil sie gemeinsame Sache mit den römischen Besatzern machten und daraus auch noch Profit schlugen. Frauen lagen ihm besonders am Herzen – jedem, auch demjenigen, der das Evangelium nicht kennt, ist ganz sicher die Episode bekannt, in der Jesus eine des Ehebruchs angeklagte Frau vor der tödlichen, „gesetzlich vorgeschriebenen“, Steinigung rettet.
Während diese Episode wieder und wieder und aufhörlich kolportiert wird, auch von Ungläubigen – übrigens zu Recht, da sie einzigartig dasteht im Gesamtzusammenhang der Heiligen Schriften – hört man ganz selten etwas über die enorme Wertschätzung, die Jesus Christus ausgerechnet Soldaten, und zwar nicht einmal Angehörigen einer freiheitlich-demokratischen Armee, sondern üblen Besatzern des Landes entgegenbrachte.
Jesus sah römische Soldaten nicht als Feinde – nicht einmal dann, als sie ihm die Dornenkrone aufdrückten, geißelten und bespuckten.
In einem ähnliche Sinne, wie er sich mit Frauen wohlfühlte, weil sie sein Herz berührten, weil ihre Liebe sie aufrührte, weil ihm ihr ganzes Wesen wertvoll erschien, so ging er auch mit Soldaten um. Er war ein Mensch, der in der Natur eines anderen Menschen, seines Gegenübers, das Besonders und Gottähnliche aufspüren und bloßlegen konnte. Darum geht es auch in der berührenden Geschichte mit dem Hauptmann von Kafarnaum, der sich aus Sorge um einen einfachen Diener aufmachte, um bei Jesus Hilfe zu suchen – wohlwissend, dass es das Todesurteil für Jesus bedeutet hätte, wenn dieser sein Haus beträte. Darum die flehentliche Bitte: Herr befiehl einfach, so tue ich es doch mit meinen Untergebenen auch – und sie gehorchen!
Und Jesus war so verwundert über diese Aussage, dass er diesen Soldaten als einen Menschen pries, dem an Glaubensgröße kein Israelit gleichkäme.

In der modernen Verkündigung hören wir wenig über diese doch so wichtige Episode. Vermutlich, weil Soldaten, im Gegensatz zu Zöllnern und Frauen, weiterhin zu den Verfemten gehören. Obwohl sie unser Land nicht besetzt halten, werden Männer und Frauen in Uniform, die unserem Land dienen, bespuckt und beschimpft, ausgegrenzt und bedroht.
Manchmal sogar von sich weniger oder mehr christlich nennenden Pazifisten.

Ob der Hauptmann von Kafarnaum mit dem Hauptmann, der Jesu Tod am Kreuz mitansah und daraufhin sein Bekenntnis ablegte, identisch war, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es das Bekenntnis eines Mannes ist, dem man eben deshalb glauben kann, weil man ihm vermutlich alles beigebracht hatte, was nützlich ist und zum Überleben dient, aber nicht das selbstständige Denken. Und doch brach es in dieser Weltenstunde aus ihm heraus: Dieser hier war GOTTES SOHN!
Eine Aussage, die nicht nur Agnostikern und Zweiflern, sondern mittlerweile sogar manchem Theologen schwerfällt, zu treffen.
Doch wenn es um lebenswichtige und lebensnotwendige Entscheidungen geht, vertraue ich persönlich mittlerweile lieber einem Soldaten und Heerführer, der weiß, wovon er spricht, weil er zuviel mit eigenen Augen ansehen musste, als manchem Theologen oder Bischof.

0 comments

There are no comments yet...

Kick things off by filling out the form below.

Leave a Comment