Journalistin und Autorin

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Als Auenkind

bin ich mit ganz normalem Hochwasser aufgewachsen. Zur Zeit haben wir einen Pegel von 8,30 m. Es sind ja nichtmal Schutzwände aufgestellt. Die Polder sind noch nicht geflutet worden.

Es ist einfach DIENSTAG im Auenland. Nichts weiter. In meiner Kindheit gab es noch keine Polder und einen Moment, an dem ich mit meinem sehr besorgten Papa auf dem Deich stand. Der Rhein leckte knapp zehn Zentimeter unter der Deichkrone, der Regen ging weiter. Ich weiß nicht, wie hoch der Pegel an dem Tag war, ziemlich schwer über 9 vermutlich. Eher 9,50 oder etwas darüber. Wäre der Deich gebrochen, hätte es uns erwischt. Es gab ja noch keine Polder. Das war der kritischste Moment, den ich als Auenkind erlebt habe. Acqua alta ist zwei bis drei Mal im Jahr am Oberrhein die Regel gewesen. Und ist es – wenn auch nur noch etwa ein Mal Mitte Ende Januar des Jahres, wenn es noch dazu viel regnet, immer noch.
Wir leben im Rhythmus des Stromes. Auch wenn ich das Meer manchmal vermisse – der Strom hat seine eigenen Tiden, seine eigenen, herrlichen Landschaften, die auch unendlich vielfältig sind und nach der letzten Überflutung aufblühen und fruchtbar werden wie anderswo eine Vulkanlandschaft nach einem Ausbruch. Ich bin mit Hochwasser aufgewachsen, mit Ehrfurcht vor dieser Gewalt. Aber es war eine wiederkehrende Erfahrung. Nichts, womit ich nicht hätte umgehen können. Eines der wenigen Dinge, mit denen es mir immer noch gelingt umzugehen.

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