Journalistin und Autorin

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Hochwasserkatastrophe in Venedig

Die dramatische Situation in Venedig beherrscht mittlerweile auch die Titelseiten deutscher Medien.

Ich war kürzlich in der Region, allerdings in dem bezaubernden Chioggia, einem „Venezia in a nutshell“ im Süden der venezianischen Lagune. Zum letzten Mal in Venedig war ich nach meinem Abitur 1986. Chioggia steht aber eh nochmal auf meinem Zettel, dieses Mal werde ich aber vaporetto nach Venedig nehmen, um noch ein Mal, dies Mal mit gläubig gewordenen Augen, die Basilica San Marco zu besuchen.

Und nun noch ein Zitat von Bürgermeister Brugnaro zur aktuellen Situation:
„Die Venezianer gehen nur zum Beten in die Knie.“

Der Löwenblog dürfte an diesem Zitat seine helle Freude haben.

November 17, 2019   No Comments

Heute ein unaufgeregtes Telefonat mit einem Freund

zum Zustand der Kirche in Deutschland und auch Rom. Bis es soweit ist [das Thema ist jetzt hier nicht, bis was soweit ist, aber ich glaube er meinte, bis alles wieder mal normalno wird, wie der Russe sagt] – wird noch viel Wasser den Tiber hinunterfließen, sagt er.
Ich muss lachen und entgegne:
Ja, bis es soweit ist, müssen noch viele Pachamamas den Tiber hinabtreiben.

November 11, 2019   No Comments

Weil es meine Lieblingsstelle ist – Walker Percy: Liebe in Ruinen

Walker Percy: Liebe in Ruinen.
>>Doris [Anm.: die Frau des Ich-Erzählers] lauschte und gab Ratschläge, atemlos. Für sie war die bloße Luft des Pavillons mit Bedeutungen befrachtet. Möglichkeiten schwebten wie Stäubchen im goldenen Licht. Atemlos saß sie da und hörte meistens zu, langgliedrig und entzückend in ihrem grünen Leinen, während Alistair [Anm.: das ist der „heidnische Engländer“ mit dem sie später durchbrennt und der esoterische Vorträge hält] die Sutren zitierte. Englische Dichter, die sie an der Winchester High School auswendig gelernt hatte, klangen so frisch wie die neuen grünen Schößlinge der Kiefern.

Zu sehr erdrücken uns Geschäfte; spät und früh
Nehmend und gebend verschwenden sich unsere Kräfte

sagte Alistair und plätscherte mit seinem Gin Fizz.
„Wie wahr!“, hauchte Doris.
„Heiligkeit ist Heilheit“, sagte Alistair und hielt in seiner hohlen Hand einen Haubensänger, der sich am Fenstergitter selbst außer Gefecht gesetzt hatte.
„Das ist so wahr!“, sagte Doris.
[…]
„Ich bewundere die katholische Messe ganz außerordentlich“, sagte Alistair dann.
„Schön.“
„Ich akzeptiere die Gültigkeit aller Religionen.“
„Ich nicht.“
„Schade.“
„Ja.“
„Hören Sie mal, Tom.“
„Ja?“
„Wir könnten einander ganz unschätzbare Dienste erweisen, wissen Sie.“
„Wieso?“
„Sie könnten unserer Arbeit über Geistes-Kraft helfen, mit Ihrer wissenschaftlichen Sachkenntnis in Psychiatrie. Wir befinden uns im Kampf gegen den Materialismus auf derselben Seite. Zusammen könnten wir dazu beitragen, die Gesetze des Materialismus zu durchbrechen, die die Zwangsjacke der modernen Wissenschaft sind.“
„Ich glaube an solche Gesetze.“
„Wir könnten uns dem Objektivitätskult entgegenstellen, den die Wissenschaft hervorbringt.“
„Ich bin für solche Objektivität.“
„Ich empfinde unendliche Bewunderung für Ihre Kirche.“
„Ich wollte, ich könnte das gleiche über Ihre sagen.“
„Wissen Sie, Origenes, einer der größten Ärzte Ihrer Kirche, war einer von uns. Er hat an Reinkarnation geglaubt, wissen Sie.“
„Soweit ich mich erinnere, haben wir ihm einen Tritt in den Hintern gegeben.“
„Ja. Und der arme Kerl war so schuldbeladen, dass er sich selbst das Glied abgeschnitten hat.“
„Das könnte ich Ihnen auch besorgen.“<<

November 10, 2019   No Comments

Vatican-Magazin Ausgabe November 2019

Mit dem dringend nötigen Titelthema „Das Heil kommt von den Juden. Und nicht aus dem Regenwald“.

Einen Einblick in das aktuelle Heft gibt es hier. Das starke Editorial von Guido Horst ist kostenlos einsehbar, wie einige andere ausgewählte Beiträge auch.
In meiner Rubrik „Geistliche Paare“ habe ich Claude de la Colombière und Margareta Maria Alacoque vorgestellt.

November 7, 2019   No Comments

Es ist die letzte Heilige Messe in vertrauter Umgebung

für mein liebes altes Mädchen aus der ersten Bank. Wie immer kurven sie und ihre Betreuerin kurz nach dem Verstummen der Glocken ein. Wie immer freue ich mich, die alte Dame und ihre so aufmerksame Begleitung zu sehen, die auch während der Zelebration immer wieder einen Blick zu ihr übrig hat – ob sie alles hat, ob sie gut sitzt, ob sie ein Taschentuch braucht, ihre Brille oder ihre Handtasche, um das Opfergeld herauszusuchen.

Ich hatte kürzlich schon eine kleine Skizze darüber geschrieben.

Doch was ich noch nicht ahne, es soll das letzte Mal sein. Vor oder nach dem Schlusssegen, habe ich vergessen, kündigt der Pfarrer an, dass diese treue und tapfere Christgläubige nun also in die Nachbargemeinde überwechseln wird, sie kommt ins dortige Altersheim, und verabschiedet sie mit würdigen Worten.
Es dauert ein paar Sekunden bis ich das realisiert habe. Ich weiß auch nicht warum mich das so mitnimmt, ich glaube, es hat ein bisschen etwas damit zu tun, dass sie mich an meine verstorbene Mutter erinnert.
„Auf Wiedersehen!“ sagt unser Pfarrer, und diese zauberhafte alte Dame, die sich kaum noch artikulieren kann, erwidert den Gruß halblaut, eben so laut wie sie noch kann. Es ist völlig klar, nach dem Marienlied werde ich zu ihr vor an die erste Bank gehen, aber leider bin ich über diese Nachricht so traurig, dass ich ihr wohl nicht viel Mut machen kann. So stehe ich da, greife ihre Rechte mit beiden Händen und stammle ein „Alles Gute“ heraus, dabei hätte ich so viel lieber gelächelt und ihr aufmunternd zugenickt.
Vielleicht, kommt mir der Gedanke, ist das einfach nur Egoismus, deine eigene Trauer.
Vielleicht, kommt mir ein anderer Gedanke, möchtest du sie einfach nicht weiter strapazieren, denn ich schaue in ihre alten, tränenerfüllten Augen.
Von der ganzen anwesenden Gemeinde habe ich außer dem Pfarrer nur noch drei Leute gesehen, die sich von ihr verabschieden wollten. Ohne damit jemandem unrecht tun zu wollen, denn vielleicht habe ich nicht richtig beobachtet oder vielleicht gab es schon andernorts eine Verabschiedung.
Das kann ich nicht wissen.
Ich werde sie nie vergessen und bei jeder Messe an sie denken. Möge der Herr einmal sie in seine liebenden Arme schließen.

November 3, 2019   No Comments

Zum 155. Geburtstag der heiligen Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna

gebürtige Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt und Konvertitin zum russisch-orthodoxen Glauben mein Artikel aus der Serie „Geistliche Paare“ über sie und ihren Mann Sergej, der Onkel des letzten Zaren für das Vatican-Magazin Ausgabe Mai 2017:

Sie war die schönste Frau ihrer Zeit in Europa – neben Kaiserin Elisabeth von Österreich – die deutsche Prinzessin Elisabeth Alexandra Luise Alice von Hessen-Darmstadt und Rhein. Und sie sollte als getaufte Lutheranerin und Konvertitin, Schwester der letzten Zarin, für die russisch-orthodoxe Kirche zu Jelisaweta Fjodorowna und, brutal ermordet von den Bolschewiken, zur heiligen Neumärtyterin werden.

Als eines von sieben Kindern am 1. November 1864 geboren und lutheranisch getauft auf den Namen ihrer heiligen Vorfahrin, Elisabeth von Thüringen, wuchs sie in einer liebevollen, doch nicht abgehobenen Umgebung auf. Ihr Vater Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt ist der künftige Großherzog, ihre Mutter, Prinzessin Alice, die Tochter der englischen Königin Viktoria. Nach dem Vorbild ihrer heiligen Ahnin wurde sie angehalten, an Samstagen den Kranken in den Hospitälern Blumen zu bringen und stets nach den Armen,Waisen und Kriegsinvaliden zu schauen. Die älteren Kinder, also auch sie, hatten eigene Verpflichtungen im großherzoglichen Haushalt; sie mussten ihre Betten selbst machen, die Öfen besorgen, ihre Zimmer aufräumen und reinigen. Gleichzeitig legte Prinzessin Alice viel Wert auf die Pflege der schönen Künste, ihre Kinder sangen und musizierten –
von Ella, wie man Elisabeth in der Familie rief, wird berichtet, dass sie gut zeichnen konnte. Es hätte eine glückliche Kindheit und Jugend sein können, wenn nicht zuerst das dreijährige Brüderchen so unglücklich aus dem Fenster stürzte, dass es starb und schließlich im Winter des Jahres 1878 ein jüngeres Schwesterchen und die Mutter, Prinzessin Alice, der Diphtherie erlagen. Tapfer tröstete die Halbwaise nun ihre Großmutter, Königin Viktoria, die ihre weitere Erziehung übernahm.
Einige Frauen aus ihrem Hause waren bereits durch Heirat eng mit der Romanov-Dynastie verbunden wie etwa Maria Alexandrowna, die Gattin Zar Alexanders II. Dadurch kam es auch immer wieder zu verwandtschaftlichen Besuchen der Zarin, des Zarewitsch und seiner Geschwister, unter ihnen ein liebenswürdiger, stiller und sehr gläubiger junger Mann namens Sergej.
Gleichzeitig warb ein gewisser Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm II., beharrlich um Ella, den diese allerdings als von eher rüpelhaftem Benehmen empfand – ganz anders als ihre große Liebe, Sergej Alexandrowitsch, ein schüchterner und zurückhaltender junger Mann von feiner Wesensart, den sie dann 1884 heiratete.

Inzwischen war Alexander II. einem Mordanschlag zum Opfer gefallen, und Alexander III. hatte den Thron bestiegen. Elisabeth war nun die Schwägerin des Zaren, und sie interessierte sich brennend für Russland, seine Sprache – und seinen Glauben. Gleichzeitig beeindruckte sie nicht nur die Gesellschaft am Zarenhof, wie den französischen Botschafter in St. Petersburg, Maurice Paléologue, sondern auch das einfache Volk. Der Franzose skizziert ihre Persönlichkeit in seinen Aufzeichnungen wie folgt: “Groß, schlank, mit hellen, unschuldsvollen tiefen Augen, zärtlichem Mund, weichen Zügen, einer geraden und feinen Nase, reinen, ebenmäßigen Linien, ist sie im Gang und in den Bewegungen von bezauberndem Rhythmus. Ihr Gespräch verrät einen schönen Geist, natürlich und ernst veranlagt.“ Ihrerseits ist Elisabeth vom tiefen und ernsten Glauben des Volkes ergriffen, ebenso wie von der äußerst frommen Zarenfamilie; sie ist fasziniert von Liturgie und Ritus der russisch-orthodoxen Kirche, dem sie zumeist nur unbeholfen folgen kann, wenn sie Sergej zum Gottesdienst begleitet. Sie weiß nicht, wie sie sich richtig verhalten soll, wenn er sich vor den Ikonen tief verbeugt und sie küsst – für eine Lutheranerin ein fremdartiger Brauch – also beschließt sie als Kompromiss vor dem heiligen Bild einen tiefen Knicks zu machen. Sergej betrachtete diese Hinwendung seiner Frau zur Orthodoxie mit zurückhaltendem Interesse – Elisabeth hat mehrmals heftig betont, er habe sie niemals zur Konversion überredet.
Der christliche Glaube verbindet die Liebenden tief und erhält einen entscheidenden Impuls, als der Zarenbruder Sergej mit Elisabeth gemeinsam eine Wallfahrt ins Heilige Land unternimmt, um dort an der Weihe der russischen Kirche „Heilige Maria Magdalena“ im Garten Gethsemane teilzunehmen. Als sie die Schönheit des Ortes sah, an dem der Herr so sehr gebetet, gewacht und gelitten hat, äußerte sie spontan, dass sie hier einmal gerne begraben sein wolle. Der Herr sollte diesen Wunsch auf besondere Weise erhören. Zunächst aber bereitet sie nach ihrer Rückkehr den Eintritt in die orthodoxe Kirche vor, schreibt Briefe an ihre Verwandten, fleht beinahe um Verständnis, vor allem bei ihrem Vater – der ihr dieses Verständnis aber versagt.
Wie ernst es ihr mit diesem Schritt ist, zeigt ein Zitat aus einem Brief an ihren Bruder: „Ich tue es mit so brennendem Glauben, da ich fühle, dass ich eine bessere Christin werden kann und einen Schritt auf Gott hintue. Ich tue dies aus der Überzeugung, dass es die höchste Religion ist.“
Am Vorabend zum Lazarussonntag des Jahres 1891 wurde sie in die orthodoxe Kirche aufgenommen, war Jelisaweta Fjodorowna geworden – es entsprach einem damaligen Brauch, dieses Patronymikon zu verwenden, wenn es den Namen des Vaters der betreffenden Frau im Russischen nicht gab – wie es bei Elisabeths Vater Ludwig der Fall war. Fjodorowna – das sollte bedeuten: „die Gabe Gottes“.
Im gleichen Jahr ernennt Alexander III. seinen Bruder Sergej, der während des russisch-türkischen Krieges zum Generalmajor befördert, dann den Oberbefehl über die Leibgarde des Zaren erhielt, zum Generalgouverneur von Moskau – ein neuer Lebensabschnitt für das junge Paar beginnt. Einander im Glauben ermutigend, weigern sie sich sogar, getrennt voneinander zu verreisen, möchte einer ohne den anderen nicht sein.
Als christliche Ehefrau strebt Jelisaweta vor allem nach den Tugenden der Vollkommenheit und Vergebung, sie schreibt: „Eine ganz vollkommene Frau zu sein – dies ist nicht einfach, denn man muss lernen, alles zu verzeihen.“ Gleichzeitig erhält sie in Moskau ausgiebig Gelegenheit, um ihren karitativen Tätigkeiten nachzugehen, die sie auch vor dem verrufensten Stadtviertel mit dem größten Elend, der höchsten Kriminalitätsrate und Kindersterblichkeit nicht Halt machen lassen – sehr zum Kummer der Polizeibeamten, die sie eigentlich schützen sollen und denen sie entgegnet, dass sie nichts zu fürchten habe, da sie unter dem Schutz des Allerhöchsten stehe, dessen Wille geschehe.
Als im Februar 1904 nach dem Angriff der Japaner auf Port Arthur der russisch-japanische Krieg ausbricht, sorgt sie sich nicht nur um das Wohl der verletzten Heimkehrer, sondern lässt ganze Feldkapellen, komplett mit Ikonostasen und allem, was für einen würdigen Gottesdienst nötig ist, an die Frontlinien schicken, den einzelnen Soldaten auch Geschenke wie kleine Ikonen und Gebetbücher für den Gebrauch im Feld. Mittlerweile residiert der ehemalige Zarewitsch, jetzt Nikolaus II. im Winterpalast, zusammen mit der jüngsten Schwester Elisabeths, Zarin Alexandra Fjodorowna. Den beiden Unglücklichen werden nur noch wenige Jahre vergönnt – Sergej und seiner Frau noch weniger Zeit bemessen sein: Am 17. Februar 1905 wirft der Sozialrevolutionär Iwan Kaljajew eine Bombe in die offene Kutsche des Gouverneurs von Moskau. Jelisaweta selbst ist kurz nach dem Anschlag vor Ort, um die blutigen Fleischstücke ihres Liebsten einzusammeln und seinen zerstörten Körper zunächst in die Kirche zu bringen – die Menschen erzählen sich, Sergejs Herz habe man auf einem der umliegenden Dächer gefunden.
Jelisaweta begegnet diesem unermesslichen Schmerz, dieser fundamentalen Erschütterung mit kämpferischem, christlichen Geist, wacht ganze Nächte betend und besucht den Attentäter im Gefängnis, um ihm ihre Vergebung zuzusichern und ihn zur Reue zu bewegen, damit er seine Seele retten könne. Sie lässt ihm die Heilige Schrift und eine kleine Ikone in der Zelle, doch Kaljajew bleibt verstockt.
Aus den ersten Schritten in die christliche Vergebung erwächst in Sergejs Witwe, die in den Jahren danach anfängt, das Herzensgebet immer inniger zu pflegen, der feste Wille, sich nun vollkommen in die Nachfolge Christi zu stellen. Durch den Verkauf ihres privaten Besitzes, vor allem auch ihrer Juwelen, wollte sie eine Klostergründung finanzieren, den „Martha und Maria Konvent der Barmherzigkeit“ in Moskau, das fast vier Jahre nach dem Attentat seine Pforten für sechs Schwestern öffnete – Jelisaweta hatte nämlich beobachtet, dass es in der monastischen Kultur Russlands an einer Gemeinschaft fehlte, die sowohl Gebet und liturgische Feiern mit tätiger Arbeit, vor allem karitativer Arbeit verband. So gehörte auch ein Hospital mit 22 Betten, eine Armenküche, eine Apotheke und ein Hospiz zu dieser Gründung. Im Martha- und Maria-Kloster leben bereits 12 Monate später schon 30 Schwestern und im Jahre 1913 werden 10.914 Patienten betreut und 139.443 kostenlose Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben. Der Glaubensweg, den Jelisaweta gemeinsam mit Sergej begonnen, der ihre Konversion damals mit Tränen in den Augen gesegnet hatte, und den sie nun alleine weitergehen musste, gestützt auf eine treue Gemeinschaft von Ordensschwestern, denen sie als Äbtissin vorstand, trug also reiche Frucht.
Doch mit der Kriegserklärung der Deutschen im August 1914 kam eine weitere, schicksalhafte Wende im Leben der Jelisaweta Fjodorowna. Ganz Russland wurde in diesem Sommer von einem hochexplosiven Gemisch aus patriotischen Gefühlen und aufgewühlter Deutschenfeindlichkeit ergriffen – es waren die Tage, in denen man Sankt Petersburgs Name „entgermanisierte“ – die Stadt hieß nun Petrograd. Zarin Alexandra Fjodorowna, die Schwester Elisabeths, die sehr zum Missfallen ihrer Schwester fast völlig unter dem Einfluss des sibirischen Wandermönchs Rasputin stand, wurde von manchen Politikern als deutsche Spionin betrachtet.
Der Zar wird im März 1917 abdanken, die provisorische Regierung fällt im Oktober (alter Kalender) bzw. November des selben Jahres und die Bolschewisten ergreifen die Macht. Die Zarenfamilie und ihre Verwandten werden deren blutiges Regime nur etwas mehr als ein halbes Jahr überleben. Nikolaus, Alexandra und ihre Kinder werden in Jekaterinburg erschossen, fast zur gleichen Zeit stößt man die Schwester der Zarin mit einigen anderen Adligen und einer Nonne in einen aufgelassenen Schacht im benachbarten Alapajewsk 30 Meter in die Tiefe. Möglicherweise konnten herausragende Balken noch ihren Aufprall abmildern, der Augenzeugenbericht eines der Täter beschreibt noch, dass man das Planschen von Menschen in Wasser hörte. Also warf man noch eine Granate hinterher, um das Werk zu vollenden. Die Antwort von unten war göttlicher Lobpreis und frommer Gesang. Dies erzürnte die Mörder vollauf und so sammelten sie Zweige und Kleinholz, brannten es an und warfen es hinunter, bis der Gesang endlich verstummte.
Angehörige der „Weißen“ bargen die Leichname und überführten sie zunächst nach China, dann nach Palästina. Elisaweta und ihre Leidensgenossin Barbara wurden in der Kirche der heiligen Maria Magdalena beigesetzt – der Herr hat seiner treuen Dienerin diesen einen Wunsch erfüllt.
Im Jahre 1981 wurden sie von der russischen Kirche im Ausland kanonisiert und werden seither als heilige Neumärtyrerinnen der russischen Orthodoxie verehrt.

November 1, 2019   No Comments

Frei im Herzen – mein Essay über den russischen Religionsphilosophen Nikolai Berdjajew

Oktober 30, 2019   No Comments

Weltkriegsveteranen

Ich habe die große Gnade erhalten, nicht nur mit einem WK II Veteranen bekannt und verwandt sein zu dürfen, der die Operation Merkur überlebt hat und die Entscheidungschlacht in der Normandie – über diese niemals ein Wort, darüber hat er nie erzählt, es muss verheerend gewesen sein, dazu noch unter Rommel in Nordafrika war, sondern auch mit einem über Neunzigjährigen bekannt zu sein, der sich einmal bei mir entschuldigte, weil er erwähnen wollte, dass er vor Petersburg und auf der Krim lag.
Es gibt hier nichts zu entschuldigen. Ihr wart nicht an diesem Scheißkrieg schuld.
Da haben sich andere in das ewige Buch der Vergeltung eingetragen. Ich höre gerne zu, denn bald werden die verstummen und aussterben, die noch etwas persönliches und mitunter Gutes zu sagen haben.

Es ist im Gegenteil wunderschön zu hören, wie ihr von der Krim schwärmt und wie schön es dort war. Ihr hattet das Glück, nicht in Stalingrad eingekesselt zu sein.
Und das schreibe ich als jemand, der die Belagerung von Leningrad als reine Schuld und Schmach empfand und die Übertragung von Schostakowitschs 7. Sinfonie am 9. August als eine heroische und universelle menschliche Errungenschaft empfand. Und Deutschland dafür gehasst hat. Obwohl mein Onkel zur gleichen Zeit vor der Stadt lag.

„Ich empfinde unstillbaren Schmerz um alle, die Hitler umgebracht hat. Aber nicht weniger Schmerz bereitet mir der Gedanke an die auf Befehl Stalins Ermordeten …“

Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch.

Oktober 28, 2019   No Comments

#Pachamama

Im Grunde wäre es das jetzt gewesen mit der römisch-katholischen Kirche für mich.
Wenn man gnädig sein wollte, könnte man auch sagen, das Gottes auserwähltes Volk damals in die Irre ging mit seinem goldenen Kalb – sie blieben trotzdem die Auserwählten Gottes und der Herr hat seine Geduld mit ihnen wundersamerweise nicht verloren.
Sollten wir nicht genauso langmütig sein?
Oder ist das Maß nun langsam voll?
Unterm Strich muss man leider sagen, dass dies von ganz ganz oben ausgeht.
Und ich hatte dies Jahr ein gemütliches Gespräch mit einem orthodoxen Würdenträger, der mir bescheinigte, dass es mit der RKK schon seit eintausend Jahren bergab gehe, während die russisch-orthodoxe Kirche aus fast 70 Jahren der Verfolgung wie ein neugeborenes Baby rosig ist und lacht.
Ich verstehe nicht, was mit der katholischen Kirche geschehen ist.
Aber ich verstehe, dass es mit diesen Führungspersönlichkeiten gewiss nicht grad so weitergehen kann, als sei nie etwas geschehen.
Die Pachamama, so man sie überhaupt ins Spiel hätte bringen müssen, wäre anlässlich der Familiensynode besser aufgehoben gewesen. Eine schwangere Frau mit deutlich sichtbarem gut ausgebildeten Embryo = Baby im Bauch.
Komisch, da war das damals weit und breit nicht zu sehen. Es ging ja auch um wiederverheiratet Geschiedene, Lesben, Schwule und Transgender.
Und nicht um das Leben, das nur in einer Verbindung zwischen Mann und Frau weitergegeben werden kann.
Und genau das ist das absolut (gar nicht) Verwunderliche daran.

Oktober 28, 2019   No Comments

Pluralism vs Absolute Truth – Unterweisung von Abt Tryphon, Vashon Island

>>As our society has become more pluralistic, it has been easy for some to fall into the error of believing that it does not matter what you believe, as long as you are sincere. Just as we have seen the progressive moral bankruptcy of our society, we have also witnessed the wholesale sellout of traditional Christianity by much of America’s religious community. The partial adherence of many of America’s denominations to the traditional gospel call to repentance, forgiveness and redemption through Christ has given way to a new kind of „salvation“.
These „churches“ are now more concerned with social idealism than seeing souls saved through entering into a relationship with Jesus Christ. They have ignored our Lord’s own words „My kingdom is not of this world“ (Joh 18,36) They have shown forth for all to see that their loss of faith has led to a replacement of the Good News of salvation in Christ with a mandate to build a Utopian society where social justice and peace reign forever. They have forgotten that Christ said we would never attain this outside of His Kingdom, „which is to come“.
What do we as Orthodox Christians do to counteract this insidious loss of traditional, otherworldly Christianity? Surely the answer ist not less fasting, less prayer and less penance. We must rekindle our zeal for Christ. We must give ourselves over to the joy that is ours in living a life in Him.
It is not in the things of the world that we will ultimately find happiness, but in living a life rooted in Jesus Christ.
We have been given a great and holy gift.
[…]
We have in our possession a great pearl. Let it be the inheritance we leave our children and the treasure we share with our neighbors.<< Aus dem Buch "The Morning Offering" von Abt Tryphon, welches aus seinem gleichnamigen Blog entstand, das er weiterführt.

Abt Tryphon beschreibt hier zwar us-amerikanische Zustände, diese lassen sich aber Eins zu Eins auf Deutschland übertragen, wenn man auf die Veröffentlichungen der DBK im Verlauf der letzten Jahrzehnte blickt.

Oktober 18, 2019   No Comments