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Authentisch kochen ohne Chichi: Spaghetti Carbonara

Viel gibt es falsch zu machen bei diesem an und für sich enorm simplen Gericht. Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, um aufzuhören, es zu kochen. Ich bereite es nur noch zu. Dann schmeckt es ganz von selbst – und wann immer mir das gelingt weiß ich, dass ich kochen kann.

Bei Spaghetti Carbonara kann man einige Fehler machen. Zuviel gehackte Zwiebel, zuviel Sahne, schlechter Supermarktspeck, die Sauce nach Hinzugabe des Eigelbs zu heiß halten, so dass es stockt und wir hernach praktisch Rührei mit einem Schuss Sahne auf den Spaghetti haben.

Wegen den Spaghetti mache ich nicht übermäßig heibei. Die Sorte, die ich bevorzuge, gibt es sogar in Italien nur ganz selten und ganz ehrlich gesagt sind die vom LIDL, die blauen, in einer ganz guten Qualität, mit der man zufrieden sein kann, wenn man sie nicht zerkocht. Das war nicht immer so, früher konnte man die kaum essen, aber jetzt ist es wirklich mehr als Okay.
Beim Speck darf man nicht den Fehler machen, auf den fertig geschnittenen zurückzugreifen. Man hole sich eine schöne Seite Bauchspeck, entferne die Schwarte und schneide anständige Würfelchen oder Schnitzelchen, je nach Belieben. Bei entsprechender Qualität braucht man für zwei Portionen Soße kaum eine halbe Handvoll Speck – in Italien war weniger schon immer mehr, bis auf wenige Ausnahmen. Diese Speckwürfel braten wir auf allerniedrigster Flamme mit einem satten Hieb Butter – ja es wird fett, aber wir essen ja dafür auch keine drei Leberkäsweck pro Tag – schön schmurgelig an und es tut mir leid für all jene, die irgendwelche Superinduktionsherde haben, am Besten gerät das wirklich auf einer echten Flamme unter einer Eisenplatte, auf der man die Pfanne auch mal ein bisschen hin und herschieben kann, um die Hitze zu regulieren. Ich mag das, denn alles, was ich drehen und anschalten muss, ist nicht so gut berechenbar wie eine saubere Flamme und eine schöne Herdplatte obendrüber. Gas ist wiederum auch nicht so ideal, da habe ich eine direkte Flamme und die ist sinnvoll um Steak zu braten, aber nicht, um irgendwas daherzuschmurgeln.
Zwiebeln braucht es gar nicht, die können wir aber trotzdem schön würfelig schneiden und an den Tomatensalat geben.
Den brutzelnden Speck schon mal schön mit frisch gemahlenem Pfeffer würzen, auch hier bin ich nicht penibel, ich nehme die bunte Sorte, weil ich die am liebsten mag. Puristen würden an eine weiße Soße selbstverständlich nur weißen Pfeffer geben, aber den mag ich einfach nicht. Dann mit einem Schuss Sahne ablöschen, weiterschmurgeln lassen, man kann jetzt ein bisschen Paprika, Cayennepfeffer, Muskat dazu geben, gerne auch ein wenig Parmesan hereinhobeln, das hebt ebenfalls den Geschmack. Statt Salz nehme ich meist gekörnte Brühe, und hier gibt es nun wirklich Unterschiede. Die aus dem Supermarkt schmeckt meist allzu nullachtfuffzehn. Da muss man durchprobieren. Die Spaghetti sind inzwischen fertig und nicht zu weich, werden abgegossen und ich mach mit denen nix mehr, kein Kaltwasser, kein Öl oder Schnickschnack, die kommen einfach in die Pfanne mit dem Speck und der Sahne, leicht unterziehen, und jetzt je nach Portion ein bis zwei Eigelb obendrauf geben und bei so wenig Hitze mit Sauce und Spaghetti vermischen, dass das Eigelb nicht „kocht“ bzw. „angerinnt“ bzw. „Rührei“mäßig wird. Sondern es soll einfach nur der Sauce eine wunderbar zarte Crema verleihen, weshalb man Bio-Eier von höchster Frische nimmt. Auf solche eine zartcremige Carbonara tun nur herzlose Menschen staubtrocken geriebenen Parmesankäse, der machte ja die ganze Konsistenz kaputt, weshalb wir ihn bereits der Sauce zugemischt hatten, allerdings auch nicht in trockener Pulverform, sondern schön frisch gehobelt, dass er schmelzen kann.
Bei mir gilt das mittlerweile als Sonntagsessen, seit ich einmal einen Sauerbraten von so elendiglicher Qualität bekam, dass ich mich während des Garens vor ihm ekelte. Also Notfallplan Carbonara, und es fällt tatsächlich auch unter Soul Food, also in Coronazeiten doppelt wohltuend. Genau wie Linsengemüse, Gulaschsuppe oder Chili con Carne. Aber darüber ein ander Mal.

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