Journalistin und Autorin

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Programmhinweis

Gestern Abend gegen 21.45 Uhr hatte ich das Glück, zufällig phoenix einzuschalten, das zu diesem Zeitpunkt eine der großartigsten Dokumentationen ausstrahlte, die ich jemals gesehen habe.
Es geht um die Belagerung der Stadt Leningrad durch die Wehrmacht ab Herbst 1941. Mir war grade nicht unbedingt nach Schlachtenszenen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, aber die Doku war rund um das entscheidende Ereignis aufgebaut: Die Leningrader Premiere der grandiosen „Siebten“ von Dimitri Schostakowitsch, die auch die „Leningrader Sinfonie“ genannt wird. Gespielt von halb verhungerten Musikern, ein Stück, für das es 60 professionelle Konzertmusiker gebraucht hätte, und das von dem Dirigenten Karl Eliasberg mithilfe von ehemaligen Militärmusikern und Amateuren einstudiert wurde, mit der Wildheit der Verzweiflung und zum Teil fast unmenschlicher Disziplin.
In einer völlig verzweifelten Situation, mit verängstigten und trauernden Musikern, die größtenteils gerade einen Angehörigen oder mehrere verloren hatten, gelang dem heute in Vergessenheit geratenen Eliasberg das scheinbar Unmögliche:
Am 9. August 1942 wurde das Werk in der belagerten Stadt aufgeführt, nachdem die vollständige Partitur aus Samara, wohin Schostakowitsch gebracht worden war, von einem Militärflieger in die Stadt Peters des Großen eingeflogen worden war.
Es ist eine Begebenheit, die mich schon als Teenager zutiefst beeindruckt hat und es ist womöglich diese Begebenheit, die in mir den Wunsch weckte, Russisch zu lernen und Slawistik zu studieren.

„Das Wunder von Leningrad“ beinhaltet Originaltöne von Überlebenden der Blockade, es zeigt nie gesehene Archivaufnahmen aus der belagerten Stadt, es zeigt dokumentarische Spielszenen, zitiert aus Aufzeichnungen und Tagebüchern, der ganze Aufbau ist in sich schon äußerst abwechslungsreich – und die Persönlichkeiten, die in den Szenen dargestellt werden, hat es wirklich gegeben. Für die deutsche Seite steht da der Offizier Wolfgang Buff, der mehr und mehr an der Brutalität und Sinnlosigkeit der Ostfront zu zweifeln beginnt und akribisch genau Tagebuch führte, ein Tagebuch, das sein Bruder heute noch aufbewahrt. Buff war Christ.
Als er eines Tages beim Dauerlauf durch ein Dorf vor Leningrad einem alten russischen Bauern begegnet, der sich an einem gefrorenen Pferdekadaver zu schaffen macht, zeichnet er – der kein Russisch kann, der Alte signalisiert ihm per Zeichensprache, dass er Essen braucht und deshalb das Pferd zerlegt – zeichnet er mit einem Zweig das Zeichen des Fisches in den Schnee. „Christ! Christ!“ wiederholt er, um dem Alten seine Furcht zu nehmen. Der bekreuzigt sich langsam nach Art der Orthodoxen, faltet die Hände und spricht ein stummes Gebet für diesen Feind, der ein Christ ist wie er selbst.

Ich bin immer noch völlig hingerissen von diesem Doku-Drama der besonderen Art, einem wahren Meisterwerk.

Es wird heute Abend um 18.30 Uhr nochmals auf phoenix ausgestrahlt und am 4. Mai dann nochmals um 4.30 Uhr.
Wer da keine Zeit hat, es lohnt sich wirklich, diese Dokumentation aufzuzeichnen.

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