{"id":903,"date":"2020-11-27T12:25:12","date_gmt":"2020-11-27T10:25:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=903"},"modified":"2020-11-27T12:30:13","modified_gmt":"2020-11-27T10:30:13","slug":"sokrates-und-der-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=903","title":{"rendered":"Walter Nigg: Sokrates und der Tod"},"content":{"rendered":"\r\n>>In seiner Einstellung zum Tode hat Sokrates noch einmal einen letzten H\u00f6hepunkt erreicht, der seine religi\u00f6se Grundhaltung wiederum leuchtend sichtbar macht. Es ist unumg\u00e4nglich notwendig, Sokrates gerade auf dem Weg zum Sterben noch zu begleiten, da die Todesm\u00f6glichkeit best\u00e4ndig in das Leben aller Menschen hineinragt. Wie Sokrates \u00fcber den Tod dachte, dar\u00fcber ist die Nachwelt ziemlich genau unterrichtet. Er kannte keine Furcht vor dem Tode und betrachtete ihn nicht als ein \u00dcbel, indem er erkl\u00e4rte: &#8222;Niemand wei\u00df vom Tode, ob er nicht vielleicht sogar das allergr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcck f\u00fcr den Menschen ist.&#8220; Sokrates neigte dazu, ihn unter dem Gesichtswinkel des inneren Gewinnes zu betrachten: &#8222;Eines von zweien n\u00e4mlich ist das Totsein: entweder ist es eine Art Nichtsein, so da\u00df der Tote keinerlei Empfindung hat von irgend etwas, oder es ist, wie der Volksmund sagt, eine Art Verpflanzung und \u00dcbersiedelung der Seele von hier an einen anderen Ort. Im ersten Fall nun, wo von Empfindung nicht mehr die Rede ist, sondern von einer Art Schlaf, der so tief ist, da\u00df dem Schlafenden nicht einmal irgendein Traumbild erscheint, w\u00e4re der Tod ein wunderbarer Gewinn. Denn ich glaube, wenn einer eine solche Nacht, die ihm einen v\u00f6llig traumlosen Schlaf gebracht hat, aus\u00e4hlte und ihr die \u00fcbrigen N\u00e4chte und Tage seines Lebens gegen\u00fcberstellen m\u00fc\u00dfte, um zu entscheiden, wie viele Tage und N\u00e4chte in seinem Leben er gl\u00fccklicher verbracht hat als diese Nacht &#8211; ich glaube, dann wird nicht etwa blo\u00df ein Mann gew\u00f6hnlichen Schlages, sondern der Gro\u00dfk\u00f6nig in Person finden, da\u00df diese sich sehr leicht z\u00e4hlen lassen im Vergleich zu den anderen Tagen und N\u00e4chten. Ist also der Tod von dieser Art, so nenne ich ihn einen Gewinn; denn die ganze Ewwigkeit scheint daneben nichts weiter zu sein als eine einzige solche Nacht. Ist aber der Tod gleichsam eine Art Auswanderung von hier an einen anderen Ort und hat es mit dem, was der Volksmund sagt, seine Richtigkeit, da\u00df dort alle Verstorbenen weilen, was g\u00e4be es dann f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Gl\u00fcck als dieses?<br \/>Ja f\u00fcr mich h\u00e4tte der Aufenthalt dort noch seinen ganz besonderen Zauber, seine Aufgabe, darin zu sehen, da\u00df man die dort Weilenden ausforsche und pr\u00fcfe wie die Menschen hier auf Erden, wer von ihnen weise und wer es zu sein glaube, ohne es doch zu sein. Wieviel g\u00e4be mancher darum, wenn er die F\u00fchrer des gro\u00dfen Heeres von Troja oder den Odysseus oder tausend andere, die zu nennen w\u00e4ren, M\u00e4nner und Frauen, verh\u00f6ren k\u00f6nnte! Mit ihnen dort sich zu unterhalten und zu verkehren und sie auszuforschen, welch \u00fcberschwengliches Gl\u00fcck w\u00e4re das!&#8220;<<\r\n\r\n\r\n\r\ngefunden in Walter Nigg: Von Heiligen und Gottesnarren","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>>>In seiner Einstellung zum Tode hat Sokrates noch einmal einen letzten H\u00f6hepunkt erreicht, der seine religi\u00f6se Grundhaltung wiederum leuchtend sichtbar macht. Es ist unumg\u00e4nglich notwendig, Sokrates gerade auf dem Weg zum Sterben noch zu begleiten, da die Todesm\u00f6glichkeit best\u00e4ndig in das Leben aller Menschen hineinragt. 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