{"id":889,"date":"2020-10-19T13:58:19","date_gmt":"2020-10-19T11:58:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=889"},"modified":"2020-10-19T13:58:19","modified_gmt":"2020-10-19T11:58:19","slug":"angesichts-der-aktuellen-ereignisse-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=889","title":{"rendered":"Angesichts der aktuellen Ereignisse in Frankreich"},"content":{"rendered":"<p>kann ich nur nachdr\u00fccklich eine Literaturempfehlung abgeben, insbesondere an alle, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen und etwas ver\u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es ist Alexander Kisslers Buch &#8222;Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss&#8220; &#8211; schon vor einigen Jahren erschienen (2015), ich habe damals eine Rezension verfasst, die ich unten eingef\u00fcgt habe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.twoday.net\/elsalaska\/images\/51Oz7OUldKL-_SX303_BO1-204-203-200_.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Der Kulturjournalist und Autor Alexander Kissler, der unter anderem im Cicero und bei Focus ver\u00f6ffentlicht, hat sein j\u00fcngstes Buch mit einem k\u00e4mpferischen Titel versehen. Keine Toleranz, das h\u00f6ren wir heute nicht so gerne, au\u00dfer wenn es um die Bek\u00e4mpfung von sexuellem Missbrauch oder Bandenkriminalit\u00e4t geht. Schlie\u00dflich gilt &#8222;Toleranz&#8220; als (post)moderne Kardinalstugend, und niemand h\u00f6rt sich gerne den Vorwurf an, ein intoleranter, mithin also inakzeptabler, Gespr\u00e4chspartner zu sein, sei es im privaten Bereich, sei es im gesellschaftlichen Diskurs. Es geht um die Verteidigung westlicher Werte, entnehmen wir sogleich dem Untertitel des Bandes: &#8222;Warum der Westen seine Werte verteidigen muss&#8220;.<br \/>\nDas klingt nach Streitschrift, wenn nicht sogar nach Pamphlet: Auf dem Cover wirft eine gemalte Burkafrau der sch\u00f6nen, nackten Schaumgeborenen von Botticelli einen purpurnen Umhang zu.<br \/>\nDass das Buch jedoch vielmehr ein angenehm und lehrreich zu lesender, l\u00e4ngerer Essay geworden ist, liegt an der Pers\u00f6nlichkeit Alexander Kisslers, und an seiner Herangehensweise. Als sensibler Chronist der Gegenwart hat er Freunde Benedikts XVI. bereits mit seinem &#8222;Papst im Widerspruch&#8220;-Titel \u00fcber das Pontifikat des deutschen Theologenpapstes \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, das er mit einem liebevollen Auge gleichsam mitgeschrieben hatte. Im vorliegenden Buch geht es dagegen um Meinungs- und Religionsfreiheit &#8211; selbstverst\u00e4ndliche Grundrechte, sollte man auf den ersten Blick denken. In Europa kennen wir es schon gar nicht mehr anders. Doch warum ist das so? Weil unsere Vorfahren in einem jahrhundertelangen Prozess darum gerungen und daf\u00fcr gek\u00e4mpft haben. Auch das klingt gel\u00e4ufig, und den Allermeisten wird dabei die Zeit der Aufkl\u00e4rung einfallen &#8211; doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Der Anlass, dieses Buch zu schreiben, hat f\u00fcr Kissler ein konkretes Datum. Er nennt es im ersten Satz seines ersten Kapitels: &#8222;Ich sehe die Welt mit anderen Augen seit dem 7. Januar 2015.&#8220; An diesem Tag fand der Anschlag und das Massaker in der Redaktion der Satirezeitung &#8222;Charlie Hebdo&#8220; statt. Elf Menschen wurden per Kopfschuss hingerichtet. In den Tagen zwischen dem 7. und 9. Januar wurde Paris, wurde Frankreich, wurde Europa durch eine neue Dimension islamistischen Terrors \u00fcberrascht und ersch\u00fcttert. Fast zeitgleich hat ein Komplize der Br\u00fcder Kouachi in einem j\u00fcdischen Supermarkt Geiseln genommen und dabei vier j\u00fcdische Franzosen ermordet.<br \/>\nEs ist dies das Epizentrum, von dem aus der Seismograf Kissler es unternimmt, die Verwerfungen in der j\u00fcngsten Geschichte Europas auszuloten. Sein Buch will, wie es am Ende des Vorwortes hei\u00dft, den Westen suchen und wiederfinden, erz\u00e4hlen von Liberalit\u00e4t und Unfreiheit, von Religion und S\u00e4kularismus, von Toleranz und von deren unbedingten Grenzen, von einer \u00fcberlebensnotwendigen Haltung. Kissler will sich seine gro\u00dfe Hoffnung, wie er an der gleichen Stelle schreibt, nicht nehmen lassen. Darum ist dies auch kein d\u00fcsteres und \u00e4rgerliches Buch geworden, sondern eines, das Licht hinein bringt in unser Gem\u00fct und unseren Geist. Bei seinem Streifzug durch die Geschichte nicht nur des Abendlandes konsultiert unser Autor neben den Heiligen der katholischen Kirche und nat\u00fcrlich Chesterton und Belloc, unter anderem auch Voltaire, John Locke, Cicero und Raif Badawi. Und immer wieder weist er auf die drohende Gefahr eines neuen Antisemitismus, der eben nicht von &#8222;rechts&#8220; kommt, hin. Es gen\u00fcgt dabei praktisch schon der Hinweis auf Charlotte Knoblochs Ausspruch, der bereits Ende Juli 2014 get\u00e4tigt wurde: &#8222;Was wir derzeit erleben, ist die kummervollste und bedrohlichste Zeit seit 1945.&#8220; [Diese Worte, ge\u00e4u\u00dfert von einer Deutschen j\u00fcdischen Glaubens und ehemaligen Vizepr\u00e4sidenten des J\u00fcdischen Weltkongresses, sollten allerdings in diesen Zeiten der Bundeskanzlerin und unserem Innenminister sowie allen verantwortlichen Politikern tagein tagaus als Gute-Morgen-Aufwachen-Gru\u00df entgegenschrillen.]<br \/>\nKisslers neues Buch hat etwas mehr als 175 Seiten, die, trotz der tragischen Ereignisse, die teils darin behandelt werden, gut zu lesen weil mit leichter Feder geschrieben sind. &#8222;Ausgelesen&#8220; wird es jedoch so schnell nicht sein &#8211; &#8222;weglegen&#8220; l\u00e4sst sich dieses Buch nicht mehr, wenn man es einmal in der Hand hatte: Daf\u00fcr ist und bleibt es f\u00fcrs Erste zu aktuell.<\/p>\n<p>Alexander Kissler: Keine Toleranz den Intoleranten<br \/>\nWarum der Westen seine Werte verteidigen muss.<br \/>\nG\u00fctersloher Verlagshaus 2015<br \/>\nISBN 978-3-579-07098-8<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>kann ich nur nachdr\u00fccklich eine Literaturempfehlung abgeben, insbesondere an alle, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen und etwas ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. 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