{"id":808,"date":"2020-05-29T10:08:12","date_gmt":"2020-05-29T08:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=808"},"modified":"2020-05-29T10:08:12","modified_gmt":"2020-05-29T08:08:12","slug":"best-of-spe-salvi-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=808","title":{"rendered":"Best of Spe Salvi I"},"content":{"rendered":"<p>>>Im 11. Kapitel des Hebr\u00e4erbriefes (Vers 1) findet sich eine Definition des Glaubens, die ihn eng mit der Hoffnung verwebt. Um das zentrale Wort dieses Satzes ist seit der Reformation ein Streit der Ausleger entstanden, in dem sich in j\u00fcngster Zeit wieder der Ausweg auf ein gemeinsames Verstehen hin zu \u00f6ffnen scheint. Ich lasse dieses Zentralwort zun\u00e4chst un\u00fcbersetzt. Dann lautet der Satz: &#8222;Glaube ist Hypostase dessen, was man hofft; der Beweis von Dingen, die man nicht sieht.&#8220;<br \/>\nF\u00fcr die V\u00e4ter und Theologen des Mittelalters war klar, dass das griechische Wort hypostasis im Lateinischen mit substantia zu \u00fcbersetzen war [&#8230;] der Glaube ist die &#8222;Substanz&#8220; der Dinge, die man erhofft; Beweis f\u00fcr nichts Sichtbares. [&#8230;] Der Begriff der Substanz ist also dahin modifiziert, dass in uns durch den Glauben anfanghaft, im Keim k\u00f6nnten wir sagen &#8211; also der &#8222;Substanz&#8220; nach &#8211; das schon da ist, worauf wir hoffen: das ganze, das wirkliche Leben. Und eben weil die Sache selbst schon da ist, schafft diese Gegenwart des Kommenden auch Gewissheit: Dies Kommende ist noch nicht in der \u00e4u\u00dferen Welt zu sehen (es &#8222;erscheint&#8220; nicht), aber dadurch, dass wir es in uns als beginnende und dynamische Wirklichkeit tragen, entsteht schon jetzt Einsicht.<br \/>\nLuther, dem der Hebr\u00e4erbrief an sich nicht besonders sympathisch war, konnte mit dem Begriff Substanz im Zusammenhang seiner Sicht vom Glauben nichts anfangen. Er hat daher das Wort Hypostase\/Substanz nicht im objektiven Sinn (anwesende Realit\u00e4t in uns), sondern im subjektiven Sinn, als Ausdruck einer Haltung verstanden und dann nat\u00fcrlich auch das Wort argumentum als Haltung des Subjekts verstehen m\u00fcssen. Diese Auslegung hat sich &#8211; jedenfalls in Deutschland &#8211; im 20. Jahrhundert auch in der katholischen Exegese durchgesetzt, so dass die von den Bisch\u00f6fen gebilligte Einheits\u00fcbersetzung des Neuen Testamentes schreibt:&#8220;Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, \u00dcberzeugtsein von dem, was man nicht sieht.&#8220; Das ist an sich nicht falsch, entspricht aber nicht dem Sinn des Textes, denn das verwendete griechische Wort (elenchos) hat nicht die subjektive Bedeutung von &#8222;\u00dcberzeugung&#8220;, sondern die objektive Wertigkeit von &#8222;Beweis&#8220;. [&#8230;]<br \/>\nDer Glaube ist nicht nur ein pers\u00f6nliches Ausgreifen nach Kommendem, noch ganz und gar Ausst\u00e4ndigem; er gibt uns etwas. Er gibt uns schon jetzt etwas von der erwarteten Wirklichkeit, und diese gegenw\u00e4rtige Wirklichkeit ist es, die uns ein &#8222;Beweis&#8220; f\u00fcr das noch nicht zu Sehende wird. Er zieht Zukunft in Gegenwart herein, so dass sie nicht mehr das reine Noch-nicht ist. Dass es diese Zukunft gibt, \u00e4ndert die Gegenwart; die Gegenwart wird vom Zuk\u00fcnftigen ber\u00fchrt, und so \u00fcberschreitet sich Kommendes in Jetziges und Jetziges in Kommendes hinein. <<\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>>>Im 11. Kapitel des Hebr\u00e4erbriefes (Vers 1) findet sich eine Definition des Glaubens, die ihn eng mit der Hoffnung verwebt. Um das zentrale Wort dieses Satzes ist seit der Reformation ein Streit der Ausleger entstanden, in dem sich in j\u00fcngster Zeit wieder der Ausweg auf ein gemeinsames Verstehen hin zu \u00f6ffnen scheint. 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