{"id":804,"date":"2020-05-26T10:25:58","date_gmt":"2020-05-26T08:25:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=804"},"modified":"2020-05-26T10:25:58","modified_gmt":"2020-05-26T08:25:58","slug":"zum-tag-des-heiligen-philip-neri-ein-artikel-von-mir-aus-pur-zum-jahr-der-orden-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=804","title":{"rendered":"Zum Tag des heiligen Philip Neri &#8211; ein Artikel von mir aus PUR zum Jahr der Orden 2015"},"content":{"rendered":"<p>Er war Goethes Lieblingsheiliger und als Spa\u00dfvogel Gottes bekannt \u2013 Philipp Neri, geboren am 21. Juli 1515 in Florenz als Sohn eines Notars. Die Kirche feiert in diesem Jahr seinen 500. Geburtstag. Zahllose Anekdoten ranken sich um den humorvollen, \u00e4u\u00dferst beliebten \u201eHeiligen der Freude\u201c und \u201eApostel Roms\u201c, wie er noch genannt wird. Dorthin hatte es ihn im Alter von 18 Jahren zum Studium der Theologie und Philosophie gezogen. Vier Jahre sp\u00e4ter nimmt er sein apostolisches Wirken auf, er besucht Kranke und wird Mitglied der Bruderschaft \u201eGef\u00e4hrten der g\u00f6ttlichen Liebe\u201c. Beim innigen Gebet in den Katakomben von San Sebastiano macht er eine umw\u00e4lzende mystische Erfahrung: Der Geist Gottes senkt sich wie ein Feuerball herab und dringt in sein Herz ein, weitet seine Brust, l\u00e4sst ihn fortan f\u00fcr den Heiligen Geist gl\u00fchen. Tats\u00e4chlich fand man bei der Obduktion nach seinem Tod ein ungew\u00f6hnlich vergr\u00f6\u00dfertes Herz in einem erweiterten Brustraum vor. Seine karitativen T\u00e4tigkeiten kommen vor allem Kranken und Rompilgern zu Gute, die zu dieser Zeit oftmals mittellos,  krank und siech in den Hospit\u00e4lern lagen. Eigentlich zieht es Philipp, wie so viele missionarisch begabte M\u00e4nner dieser Zeit, nach Indien. Doch sein Beichtvater erkl\u00e4rt ihm frank und frei: \u201eDein Indien ist Rom\u201c und legt ihm nahe, sich zum Priester weihen zu lassen.<br \/>\nBald fanden sich interessierte Laien, Beichtkinder und Messbesucher zu regelm\u00e4\u00dfigen Gebetstreffen auf seinem Zimmer zusammen \u2013 das erste Oratorium entsteht.<br \/>\n\u201eOrare\u201c ist das lateinische Wort f\u00fcr beten, der Ort an dem gebetet wird, ist also das Oratorium. Doch nicht nur das gemeinschaftliche Beten, auch die gemeinsame Lekt\u00fcre von geistlichen Schriften und den Austausch dar\u00fcber steht im Mittelpunkt, denn das Buch, so Neri, sei der Weg des Heiligen Geistes. Neben den Heiligenviten, der Franziskus-Legende, die Ges\u00e4nge des Jacopone da Todi wurden auch Katharina von Siena und Johannes Cassian gelesen und gemeinsam besprochen. Weiterhin gab es Vortr\u00e4ge zur Kirchengeschichte, nat\u00fcrlich Predigten und musikalische Beitr\u00e4ge von h\u00f6chster G\u00fcte, die sich zu einer eigenen musikalischen Gattungsform herausbildeten, dem \u201eOratorio\u201c. Schlie\u00dflich f\u00f6rdert die Gemeinschaft auch das vierzigst\u00fcndige Gebet sowie Tageswallfahrten zu den sieben Hauptkirchen Roms. Offizielle kirchliche Anerkennung erh\u00e4lt das Oratorium am 15. Juli 1575 durch Papst Gregor XIII., der durch eine Bulle die Kongregation des Oratoriums an der Kirche Santa Maria in Valicella errichtet.<br \/>\nObwohl Neri gar nicht die Absicht hatte, eine Art Ordensgemeinschaft zu gr\u00fcnden oder gar Regeln zu verfassen, breiteten sich Idee und Lebensform des Oratoriums gef\u00fchrt vom Heiligen Geist immer weiter aus. Als Neri an Fronleichnam des Jahres 1595 stirbt, leben Laienbr\u00fcder, Kleriker und Priester in bereits weiteren sechs italienischen St\u00e4dten nach dem Vorbild der r\u00f6mischen Gemeinschaft, das hei\u00dft, sie richten sich nach den evangelischen R\u00e4ten, allerdings ohne Gel\u00fcbde und weniger als ein Orden mit festen Regeln, sondern als eine Kongregation. Dabei ist jedes Haus eigenst\u00e4ndig, der Obere, oder besser Hausvater, wird auf drei Jahre gew\u00e4hlt und \u201ePr\u00e4positus\u201c genannt, diesem stehen vier Deputierte bei der Leitung der Gemeinschaft zur Seite.<br \/>\nEinzig gest\u00fctzt auf die karge schriftliche Hinterlassenschaft des heiligen Philipp Neri \u2013 ein paar Briefe, wenige kurze Gebet und Notate zu geistlichen Maximen, leben die Oratorianer, zumeist Weltpriester, im Streben nach der Vervollkommung, wie es der Heilige lehrte: \u201eWichtig ist, dass wir heilig werden.\u201c Um dieses Ziel zu erreichen st\u00fctzt man sich fest auf das Fundament des so genannten oratorianischen \u201eVierecks\u201c, dessen Eckpfeiler die Demut, die Liebe, das Gebet und die Freude sind, welche die Mitte, die Vollkommenheit umschlie\u00dfen.<br \/>\nDer Heilige empfahl seinen Mitbr\u00fcdern Selbstkontrolle, Wohlt\u00e4tigkeit, vern\u00fcnftige Askese und insbesondere best\u00e4ndigen Frohsinn. So schrieb er einmal an seine Nichte, eine Dominikanerin: \u201eFreut Euch am gemeinsamen Leben, flieht jede Eigenartigkeit, erstrebt die Reinheit des Herzens, denn der Heilige Geist wohnt in denen, die rein und einfach sind, und er ist der Meister des Gebetes; er l\u00e4sst uns in best\u00e4ndigem Frieden und best\u00e4ndiger Heiterkeit sein, die ein Vorgeschmack des Paradieses sind.\u201c<\/p>\n<p>Der wohl bekannteste Oratorianer ist sicherlich Kardinal John Henry Newman, der 1845 konvertierte und kurz danach das erste Oratorium in England, zun\u00e4chst in Birmingham, sp\u00e4ter auch in London einf\u00fchrte. Newman wurde 2010 von Papst Benedikt XVI. selig gesprochen.<br \/>\nDas erste Oratorium in Deutschland begr\u00fcndete, vergleichsweise fr\u00fch, Johannes Georg Seidenbusch im Jahre 1692 in Aufhausen bei Regensburg, dort etablierte sich gleichzeitig eine hoch frequentierte Wallfahrt. <\/p>\n<p>Das Oratorium wird heute als Gesellschaft apostolischen Lebens p\u00e4pstlichen Rechts behandelt und konnte die Anzahl seiner H\u00e4user seit 1934 bis heute fast verdoppeln. 2011 waren das 84 H\u00e4user mit \u00fcber 420 Priestern, fast 150 Diakonen, sowie Priesteramtskandidaten und Laienbr\u00fcdern. Oratorianer finden sich mittlerweile auf fast allen Kontinenten. Sie alle bem\u00fchen sich, dem heiligen Philipp Neri nachzufolgen, dessen vielleicht wichtigste spirtuelle Maxime lautet: \u201eDer wahre Weg in den heiligen Tugenden Fortschritte zu machen, ist die Ausdauer im heiligen Frohsinn.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war Goethes Lieblingsheiliger und als Spa\u00dfvogel Gottes bekannt \u2013 Philipp Neri, geboren am 21. Juli 1515 in Florenz als Sohn eines Notars. Die Kirche feiert in diesem Jahr seinen 500. Geburtstag. Zahllose Anekdoten ranken sich um den humorvollen, \u00e4u\u00dferst beliebten \u201eHeiligen der Freude\u201c und \u201eApostel Roms\u201c, wie er noch genannt wird. 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