{"id":779,"date":"2020-05-03T14:13:08","date_gmt":"2020-05-03T12:13:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=779"},"modified":"2020-05-03T14:15:00","modified_gmt":"2020-05-03T12:15:00","slug":"programmhinweis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=779","title":{"rendered":"Programmhinweis"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend gegen 21.45 Uhr hatte ich das Gl\u00fcck, zuf\u00e4llig phoenix einzuschalten, das zu diesem Zeitpunkt eine der gro\u00dfartigsten Dokumentationen ausstrahlte, die ich jemals gesehen habe.<br \/>\nEs geht um die Belagerung der Stadt Leningrad durch die Wehrmacht ab Herbst 1941. Mir war grade nicht unbedingt nach Schlachtenszenen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, aber die Doku war rund um das entscheidende Ereignis aufgebaut: Die Leningrader Premiere der grandiosen &#8222;Siebten&#8220; von Dimitri Schostakowitsch, die auch die &#8222;Leningrader Sinfonie&#8220; genannt wird. Gespielt von halb verhungerten Musikern, ein St\u00fcck, f\u00fcr das es 60 professionelle Konzertmusiker gebraucht h\u00e4tte, und das von dem Dirigenten Karl Eliasberg mithilfe von ehemaligen Milit\u00e4rmusikern und Amateuren einstudiert wurde, mit der Wildheit der Verzweiflung und zum Teil fast unmenschlicher Disziplin.<br \/>\nIn einer v\u00f6llig verzweifelten Situation, mit ver\u00e4ngstigten und trauernden Musikern, die gr\u00f6\u00dftenteils gerade einen Angeh\u00f6rigen oder mehrere verloren hatten, gelang dem heute in Vergessenheit geratenen Eliasberg das scheinbar Unm\u00f6gliche:<br \/>\nAm 9. August 1942 wurde das Werk in der belagerten Stadt aufgef\u00fchrt, nachdem die vollst\u00e4ndige Partitur aus Samara, wohin Schostakowitsch gebracht worden war, von einem Milit\u00e4rflieger in die Stadt Peters des Gro\u00dfen eingeflogen worden war.<br \/>\nEs ist eine Begebenheit, die mich schon als Teenager zutiefst beeindruckt hat und es ist wom\u00f6glich diese Begebenheit, die in mir den Wunsch weckte, Russisch zu lernen und Slawistik zu studieren. <\/p>\n<p>&#8222;Das Wunder von Leningrad&#8220; beinhaltet Originalt\u00f6ne von \u00dcberlebenden der Blockade, es zeigt nie gesehene Archivaufnahmen aus der belagerten Stadt, es zeigt dokumentarische Spielszenen, zitiert aus Aufzeichnungen und Tageb\u00fcchern, der ganze Aufbau ist in sich schon \u00e4u\u00dferst abwechslungsreich &#8211; und die Pers\u00f6nlichkeiten, die in den Szenen dargestellt werden, hat es wirklich gegeben. F\u00fcr die deutsche Seite steht da der Offizier Wolfgang Buff, der mehr und mehr an der Brutalit\u00e4t und Sinnlosigkeit der Ostfront zu zweifeln beginnt und akribisch genau Tagebuch f\u00fchrte, ein Tagebuch, das sein Bruder heute noch aufbewahrt. Buff war Christ.<br \/>\nAls er eines Tages beim Dauerlauf durch ein Dorf vor Leningrad einem alten russischen Bauern begegnet, der sich an einem gefrorenen Pferdekadaver zu schaffen macht, zeichnet er &#8211; der kein Russisch kann, der Alte signalisiert ihm per Zeichensprache, dass er Essen braucht und deshalb das Pferd zerlegt &#8211; zeichnet er mit einem Zweig das Zeichen des Fisches in den Schnee. &#8222;Christ! Christ!&#8220; wiederholt er, um dem Alten seine Furcht zu nehmen. Der bekreuzigt sich langsam nach Art der Orthodoxen, faltet die H\u00e4nde und spricht ein stummes Gebet f\u00fcr diesen Feind, der ein Christ ist wie er selbst.<\/p>\n<p>Ich bin immer noch v\u00f6llig hingerissen von diesem Doku-Drama der besonderen Art, einem wahren Meisterwerk.<\/p>\n<p>Es wird heute Abend um 18.30 Uhr nochmals auf phoenix ausgestrahlt und am 4. Mai dann nochmals um 4.30 Uhr.<br \/>\nWer da keine Zeit hat, es lohnt sich wirklich, diese Dokumentation aufzuzeichnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend gegen 21.45 Uhr hatte ich das Gl\u00fcck, zuf\u00e4llig phoenix einzuschalten, das zu diesem Zeitpunkt eine der gro\u00dfartigsten Dokumentationen ausstrahlte, die ich jemals gesehen habe. Es geht um die Belagerung der Stadt Leningrad durch die Wehrmacht ab Herbst 1941. 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