{"id":76,"date":"2020-05-21T15:24:55","date_gmt":"2020-05-21T13:24:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=76"},"modified":"2020-05-21T15:56:09","modified_gmt":"2020-05-21T13:56:09","slug":"die-heilige-rita-von-cascia-und-ihr-gebetsfelsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=76","title":{"rendered":"Die heilige Rita von Cascia und ihr Gebetsfelsen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.twoday.net\/elsalaska\/images\/P1130072.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Die heilige Rita von Cascia geh\u00f6rt, was den Grad ihrer Verehrung betrifft, zu den Heiligen der Superlative. Aus ganz Europa, wie auch aus \u00dcbersee, str\u00f6men bis zu einer Million Pilger im Jahr in das St\u00e4dtchen Cascia, hinter den sieben Bergen, den Monti Sibillini, im S\u00fcdosten von Umbrien. Die Basilika von Cascia bewahrt Ritas unverweslichen Leichnam, geh\u00fcllt in die Ordenstracht der Augustinerinnen, auf. Ihr Glassarg wird von einem pr\u00e4chtigen Schrein ummantelt und von goldenen Engeln bewacht. Seine eigenwillige Gestaltung erinnert an die Schlafkapsel eines Raumschiffes, in dem Astronauten der Zukunft ihre jahrhundertelangen Reisen durch den interstellaren Raum \u00fcberbr\u00fccken. Nur, dass die heilige Rita nicht den Landeanflug erwartet, sondern die Wiederkunft des Herrn<\/p>\n<p>Die Basilika wurde 1937 direkt neben dem historischen Konvent erbaut, in dem heute noch etwa f\u00fcnfzig Augustinerinnen leben und Reliquien wie Ritas Ehering und Rosenkranz aufbewahren. Dort kann man auch den bemalten Holzsarg besichtigen, in dem sie Mitte des 15. Jahrhunderts beigesetzt wurde. Als man ihn im Jahre 1627, im Zuge des Seligsprechungsverfahren unter Papst Urban VIII. \u00f6ffnete, fand man ihren K\u00f6rper nach mehr als 150 Jahren unversehrt \u2013 und das, obwohl Holz weitaus mehr Luft und Feuchtigkeit durchl\u00e4sst, als etwa ein gemauerter Sarkophag. Nach der Umbettung in einen Glasschrein ging erst so richtig die Post ab: Augenzeugen berichteten, dass die heilige Rita ihre Augen \u00f6ffnete und wieder schloss, sich umdrehte und einmal sogar zum Deckel ihres Sarges empor geschwebt sei.<br \/>\nNicht weiter verwunderlich, immerhin war Rita schon zeit ihres Lebens eine Art katholisches Superwoman. Das fing schon in der Wiege an. Ein Schwarm Bienen soll sich auf dem Gesicht des kleinen M\u00e4dchens niedergelassen haben, ohne sie zu verletzen. Sie versp\u00fcrte schon als Kind eine Berufung zum Ordensleben, wurde aber im Alter von 12 Jahren an einen brutalen Tyrann verheiratet, der sie psychisch und physisch misshandelte und dem sie zwei S\u00f6hne gebar. Mit heroischer Tapferkeit und Demut ertrug sie ihren gottlosen Mann und war dabei ein solches Vorbild an Fr\u00f6mmigkeit, dass sie es nach \u00fcber zwanzig Jahren Ehe schaffte, ihn zu bekehren.<br \/>\nGerade noch rechtzeitig, denn kurz darauf wurde er Opfer eines politisch motivierten Attentats. Als ihre beiden S\u00f6hne daraufhin eine Vendetta starten wollten, bat Rita Gott inst\u00e4ndig, die beiden zu sich zu nehmen, bevor sie ihre Rachepl\u00e4ne durchf\u00fchren und somit in gro\u00dfe S\u00fcnde fallen k\u00f6nnten. Ihr Wunsch wurde erh\u00f6rt: Im Jahre 1402 starben auch noch ihre S\u00f6hne. Rita h\u00e4tte jetzt ihrer Berufung folgen und in den Augustinerinnenkonvent von Cascia eintreten k\u00f6nnen. Doch die sagten Njet. Laut der Regel war die Aufnahme von Witwen nicht gestattet. Rita lie\u00df nun ihre Beziehungen zur Gemeinschaft der Heiligen spielen, und es stellte sich heraus, dass es sogar enorm gute waren: Keine geringeren als Johannes der T\u00e4ufer, Augustinus h\u00f6chstpers\u00f6nlich und Nikolaus von Tolentino \u2013 eine wahrhaft himmlische task force \u2013 schritten ein und transportierten sie mittels ihrer \u00fcberirdischen Kr\u00e4fte eines Nachts in die Kapelle des Konvents. Als die Schwestern in aller Herrgottsfr\u00fche die \u2013 verschlossene! \u2013 T\u00fcre \u00f6ffneten, staunten sie nicht schlecht. Und so kam es, dass Rita doch noch dort Aufnahme fand, endlich am Ziel ihres Lebens! <\/p>\n<p>Geboren wurde sie um 1370 oder 1380 als Margherita Lotti-Mancini in Roccaporena, einem winzigen Gebirgsnest unweit von Cascia. Ihr Elternhaus ist erhalten und kann besichtigt werden, ebenso die Kirche, in der sie getauft und getraut wurde. Der spektakul\u00e4rste von allen Orten, die mit der heiligen Rita in Verbindung stehen, ist aber sicher der \u201eScoglio della Preghiera\u201c \u2013 am Ortseingang erhebt sich ein etwa 120 Meter hoher, kegelf\u00f6rmiger Felsen, der von einer Steinschanze gekr\u00f6nt wird, dar\u00fcber wurde eine Kapelle errichtet. Zu Ritas Zeiten war der Weg, der sich in Serpentinen auf einer Seite des Felsens emporwindet, noch nicht ausgebaut. Pilger aus aller Welt haben gespendet, um den Pfad zu befestigen und einzufassen \u2013 ihre Namen mit Jahreszahlen sind auf den Simsen, die den Weg s\u00e4umen, eingraviert. Das junge M\u00e4dchen, das sich so sehr nach einem Leben als Augustiner-Eremitin sehnte, hat sich oft auf den beschwerlichen Weg hinauf gemacht, ohne sicheren Halt f\u00fcr ihre Tritte und ohne das moderne, feste Schuhwerk, das wir heute kennen. Ganz oben, hoch \u00fcber dem engen Tal, in dem sich die grauen Natursteinh\u00e4uschen von Roccaporena ducken, wird die junge Margherita Tage des Fastens und des Gebets verbracht haben \u2013 direkt unterhalb des Gebetsfelsens entspringt eine Quelle, die Versorgung mit herrlich frischem Wasser war sicher gestellt.  Es ist ein ganz besonderer Ort, voller Majest\u00e4t, den sie sehr geliebt haben muss.<br \/>\nHeute ist es erstaunlich zu sehen, mit welcher Zuversicht, Ausdauer und froher Gestimmtheit insbesondere \u00e4ltere Menschen, Rentner, Greisinnen und Greise, Kranke und Behinderte diesen Aufstieg wagen, um oben auf dem eigentlichen Gebetsfelsen Rosen niederzulegen. Rita liebte diese Blumen und die Heiligenlegende erz\u00e4hlt, dass sie sich auf ihrem Krankenlager \u2013 es war tiefster Winter \u2013 einen Strau\u00df frische Rosen gew\u00fcnscht hat. Das Wunder geschah, eine Mitschwester fand frisch erbl\u00fchte Rosen im Garten und brachte sie ihr. Seither weiht die Kirche am 22. Mai, ihrem Todestag, die \u201eRita-Rosen\u201c, die insbesondere den Kranken aufgelegt werden, um Heilung zu bringen. Rita selbst litt 15 Jahren lang an einer Stirnwunde, die ihr, so ist \u00fcberliefert, von einem Dorn aus der Dornenkrone Jesu zugef\u00fcgt wurde. Im Kloster in Cascia ist das Fresko mit dem Gekreuzigten noch zu besichtigen, vor dem sie damals kniete und inst\u00e4ndig bat, das Leiden des Herrn teilen zu d\u00fcrfen.<br \/>\nDabei war ihr eigenes Leben doch nicht gerade arm an Leid. F\u00fcr ein einziges Frauenleben war das Ma\u00df schon reich bemessen: Erst ungl\u00fccklich verheiratet, dann sterben Mann und Kinder, danach lebt sie nur noch f\u00fcr Gott ein Leben voller Bu\u00dfe und mystischen Erlebnissen.<br \/>\nKurz vor ihrem Tod erhielt sie noch einmal eine gro\u00dfartige Vision, in der sie Jesus Christus zusammen mit der heiligen Gottesmutter schaute. Als sie starb, verbreitete sich paradiesischer Wohlgeruch im Konvent und die Glocken der Kirchen im Ort l\u00e4uteten von selbst \u2013 wie von Engelsh\u00e4nden bet\u00e4tigt. Doch damals fing ihre Arbeit erst richtig an!<br \/>\nBesonders f\u00fcr Frauen ist die heilige Rita eine beliebte Ansprechpartnerin, war sie doch in ihrem Leben sowohl Ehefrau und Mutter als auch Nonne. Unangefochten ist ihr hoher Status als Heilige f\u00fcr aussichtslose F\u00e4lle, ungez\u00e4hlte Male konnte sie das Blatt f\u00fcr diejenigen wenden, die sie vertrauensvoll anriefen. Weil sich darunter vermutlich viele Autofahrer befanden, die in Italien unterwegs waren \u2013 jeder, der es selbst erlebt hat, wei\u00df, was f\u00fcr ein aussichtsloser Fall der italienische Stra\u00dfenverkehr ist \u2013 wurde sie auch noch die Patronin der Autofahrer in Italien. Heilige Rita von Cascia, bitt\u2019 f\u00fcr uns! <\/p>\n<p>(zuerst erschienen in <a href=\"http:\/\/vatican-magazin.de\">Vatican-Magazin<\/a> Mai 2011]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die heilige Rita von Cascia geh\u00f6rt, was den Grad ihrer Verehrung betrifft, zu den Heiligen der Superlative. Aus ganz Europa, wie auch aus \u00dcbersee, str\u00f6men bis zu einer Million Pilger im Jahr in das St\u00e4dtchen Cascia, hinter den sieben Bergen, den Monti Sibillini, im S\u00fcdosten von Umbrien. 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