{"id":612,"date":"2019-10-07T13:38:23","date_gmt":"2019-10-07T11:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=612"},"modified":"2019-10-10T21:07:02","modified_gmt":"2019-10-10T19:07:02","slug":"buchvorstellung-sally-reads-annunciation-a-call-to-faith-in-a-broken-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=612","title":{"rendered":"Buchvorstellung Sally Reads &#8222;Annunciation. A Call to Faith in a Broken World&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Sally Read ist den Leserinnen und Lesern des &#8222;Vatican-Magazins&#8220; bereits vertraut, seit ich anl\u00e4sslich der Neuerscheinung ihrer Konversionsgeschichte &#8222;Night&#8217;s Bright Darkness&#8220; im renommierten Verlag Ignatius Press, leider nur in englischer Fassung vorliegend, vor zwei Jahren ein Portr\u00e4t von ihr mit Zitaten aus ihrem Buch verfasst hatte. Der Zugang zu ihrer Person und Pers\u00f6nlichkeit fiel mir leicht, da ich selbst Konvertitin bin und genau wie Sally auch als Expat &#8211; sie als britische, ich als deutsche Staatsb\u00fcrgerin &#8211; in Mittelitalien lebe.<br \/>\nNicht nur in meiner Eigenschaft als studierte Literaturwissenschaftlerin war ich fasziniert von ihrem hochpoetischen, dennoch leicht lesbaren, Erz\u00e4hlstil, die F\u00fclle der Bilder, die sie mit Worten zu malen wusste &#8211; darunter auch, wenn sie von ihren Patienten erz\u00e4hlte, dramatische und verst\u00f6rende. Kein Wunder, denn Read ist eine preisgekr\u00f6nte, leidenschaftliche Dichterin und in ihrem ersten Buch finden sich bemerkenswerte Gedanken in Bezug auf Kunst und Sch\u00f6pfung aus ihrer Zeit als Atheistin: &#8222;K\u00fcnstler seien die wahren Sch\u00f6pfer und Erl\u00f6ser, die sich und ihren Themen Sch\u00f6nheit, Bedeutung, Unsterblichkeit schenkten; ich war abg\u00f6ttisch mit der Poesie, indem ich sie als Weg der Erl\u00f6sung, als Rettung vor der Tr\u00fcmmerhalde der Sterblichkeit sah. Der Glaube an Gott m\u00fcsse dieselbe Motivation haben, dachte ich, nur dass es eben keinen Gott gab, sondern die Menschen Tod und Verg\u00e4nglichkeit nicht hinnehmen konnten. Nat\u00fcrlich habe ich damals noch nicht erkannt, dass hinter mir, der Mutter und Schriftstellerin, da dieser h\u00f6chsten Sch\u00f6pfer und Dichter stand, und ich nur versuchte, Ihn zu imitieren.\u201c Sp\u00e4ter wird sie einmal sagen k\u00f6nnen: &#8222;Gott ist der Dichter aller Dinge&#8220;.<br \/>\nDie Geschichte ihrer Konversion ist au\u00dferordentlich und lesenswert. Doch an dieser Stelle wollen wir auf ihr neuestes Buch eingehen, das zweifelsfrei beweist, dass diese Geschichte eben noch nicht zu Ende geschrieben worden ist. Wir reden jetzt von &#8222;Annunciation. A Call to Faith in a Broken World.&#8220; Sally hat es f\u00fcr ihre Tochter geschrieben die vor ihrer Erstkommunion stand und ernsthafte Glaubenszweifel \u00e4u\u00dferte &#8211;  darum auch die ungew\u00f6hnliche Anrede f\u00fcr den Leser in der Du-Form. Eben einen &#8222;Aufruf zum Glauben in einer gefallenen Welt&#8220;. Sie teilt mit ihr Erinnerungen und kn\u00fcpft an die gemeinsamen Erlebnisse in England und Sardinien, den L\u00e4ndern, in denen sie mit ihrem T\u00f6chterchen Celia Flo die jeweiligen Gro\u00dfeltern besucht, Reflektionen zum christlichen Glauben. In England etwa besuchen sie gemeinsam eine sehr alte Kirche, die jedoch nach der Spaltung anglikanisch wurde. Man hat dort &#8222;mit chirurgischer Pr\u00e4zision&#8220; alle Bilder und Statuen entfernt. Hinter dem Altar stehen jetzt lediglich noch die Zehn Gebote an die Wand geschrieben. Die Abwesenheit des Tabernakels mit dem Allerheiligsten darin empfindet Read \u00fcberdeutlich, als sie versucht, f\u00fcr die verstorbenen \u00c4btissinnen in den Jahrhunderten vor der Spaltung zu beten: &#8222;We would kneel at the long wooden altar rail close to where nuns five hundred years before would have knelt each morning and we would pray for them. But there is no tabernacle. I would feel as if I were praying on the tundra. There is a terrible, chilly absence, an eternal Holy Saturday.&#8220; Das Zitat findet sich im ersten Kapitel ihres Buches, das mit dem Vers aus Lukas 1, 28 \u00fcbertitelt ist: &#8222;Und der Engel trat bei ihr ein&#8220; &#8211; &#8222;And he came to her&#8220;.<br \/>\nDie vier weiteren Kapitel reflektieren und meditieren ebenfalls aus die Verk\u00fcndigung aus dem Lukasevangelium &#8211; &#8222;Do not be afraid&#8220;, &#8222;Behold I am the handmaid of the Lord&#8220;, &#8222;Let it be to me according to your word&#8220; und als Schlusskapitel folglich &#8222;And the angel departed from her&#8220;. Zu jedem dieser Verse geh\u00f6rt ein kleines Kapitel mit Reflektionen, Metaphern, Gedanken und geistlicher Ermutigung zu den Themen Glaube, Wer bin ich?, Von Ihm gerufen, warum wir glauben, das &#8222;Fiat&#8220; jeder Mutter, mit teils sehr pers\u00f6nlichen Eingest\u00e4ndnissen und Aussagen, die dem Leser zeigen: Sally Read ist keine abgehobene Fr\u00f6mmlerin, sondern sie hat f\u00fcr sich selbst schon sehr viele, durchaus verst\u00f6rende Situationen durchleben m\u00fcssen, die ihr trotzdem, oder dennoch, oder au\u00dferdem die Kraft gegeben haben, zum Glaube zu kommen, am Glauben festzuhalten.<br \/>\nDabei bewegt sie sich mit ihren wunderbar poetisch-literarischen Reflektionen und Einsichten auf stabilem Grund, wenn sie immer wieder, aber mit \u00e4u\u00dferst sparsamen Fu\u00dfnoten, Referenzen und Bez\u00fcge setzt auf Ratzinger, Von Balthasar oder auch Juliana von Norwich und Caterina von Siena.<br \/>\nUnd immer wieder f\u00e4llt auf, dass sie &#8211; bewusst oder unbewusst &#8211; aus einer sehr weiblichen Perspektive schreibt, die sie offenbar umarmt, annimmt und in ihre Reflektionen \u00fcber den Glauben erfrischend selbstverst\u00e4ndlich einbaut. Dennoch ist &#8222;Annunciation&#8220; eher kein Mutter-Tochter-Buch geworden, obwohl der Impuls urspr\u00fcnglich daraus entstand,  zweifelnden kleinen Tochter, die vor der Erstkommunion stand, einen langen Brief zu schreiben.<br \/>\nDem Buch und uns allen ist es zu w\u00fcnschen, dass es einen deutschen Verlag findet. In der Zwischenzeit sei allen deutschsprachigen Katholiken, die einigerma\u00dfen gut die englische Sprache lesen und verstehen k\u00f6nnen, das englische Original ans Herz gelegt. <\/p>\n<p>Sally Read: Annunciation. A Call to Faith in a Broken World.<br \/>\nIgnatius Press, San Francisco 2019<br \/>\nISBN 978-1-62164-302-9<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/s3-us-west-2.amazonaws.com\/files.catholicworldreport.com\/2018\/04\/5263sallyreadbw_00000005054.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Foto by Dino Ignani<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sally Read ist den Leserinnen und Lesern des &#8222;Vatican-Magazins&#8220; bereits vertraut, seit ich anl\u00e4sslich der Neuerscheinung ihrer Konversionsgeschichte &#8222;Night&#8217;s Bright Darkness&#8220; im renommierten Verlag Ignatius Press, leider nur in englischer Fassung vorliegend, vor zwei Jahren ein Portr\u00e4t von ihr mit Zitaten aus ihrem Buch verfasst hatte. 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