{"id":345,"date":"2017-05-02T20:52:10","date_gmt":"2017-05-02T18:52:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=345"},"modified":"2017-05-02T20:52:10","modified_gmt":"2017-05-02T18:52:10","slug":"heiliger-pellegrino-laziosi-schutzpatron-der-krebskranken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=345","title":{"rendered":"Heiliger Pellegrino Laziosi &#8211; Schutzpatron der Krebskranken"},"content":{"rendered":"<p>Forl\u00ec in der Emilia-Romagna ist sozusagen die kleine Schwester Bolognas, doch bleibt das St\u00e4dtchen heute von den meisten ausl\u00e4ndischen Touristen eher unbeachtet. Den meisten ist es lediglich durch seinen kleinen Flughafen bekannt, der von einer Billigfluglinie genutzt wird, so dass man preiswert ein Wochenende im nahe gelegenen Bologna verbringen kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr zahlreiche Pilger aber, die um den geistlichen Schatz dieses St\u00e4dtchens wissen, besitzt eine Wallfahrt nach dort immense, ja lebenswichtige Bedeutung. Denn in der Basilika San Pellegrino Laziosi befindet sich der Schrein des gleichnamigen Heiligen, der als Schutzpatron der Krebskranken und der chronisch Kranken verehrt wird. Die Basilika in der Via Girolamo Mercuriali im historischen Zentrum wird von den Br\u00fcdern des Servitenordens betreut; sie beten auch mindestens w\u00f6chentlich in den und f\u00fcr die Anliegen aller Schwerkranken und Leidenden weltweit, die vielleicht schon zu gebrechlich sind, um sich auf den Weg nach Forl\u00ec zu machen.<\/p>\n<p>Der Geburtstag des Pellegrino Laziosi ist unbekannt. Man nimmt an, dass er entweder um 1250 oder 1265 in Forl\u00ec geboren wurde. Die \u00dcberlieferung besagt, dass er das einzige Kind seiner Eltern war und deshalb besonders geliebt und verw\u00f6hnt worden sei. Eine weitere \u00fcberlieferte Begebenheit im Zusammenhang mit seiner Bekehrung ist umstritten: Pellegrino soll sich am Aufstand unzufriedener B\u00fcrger gegen den Kirchenstaat, dem Forl\u00ec angeh\u00f6rte, beteiligt haben und dabei handgreiflich gegen einen der Begr\u00fcnder des Servitenordens geworden sein, der versuchte, die Menge zu bes\u00e4nftigen.<br \/>\nDer \u201eOrdo Servorum Mariae\u201c geht auf die Initiative von Florentiner Kaufleuten zur\u00fcck, die sich in den Drei\u00dfiger Jahren des 13. Jahrhundert zusammenfanden, um mit und durch die Verehrung Mariens, Gott und den Menschen zu dienen. Die Serviten \u00fcbernahmen sehr bald die Ordensregel des Augustinus und verbreiteten sich bald in ganz Italien sowie in Deutschland und Frankreich. Auch Laien f\u00fchlten sich von dem Charisma der \u201eDiener Mariens\u201c angezogen, die Terziaren erhielten zweihundert Jahre sp\u00e4ter offizielle p\u00e4pstliche Anerkennung. <\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu unserem Pellegrino, der \u00fcber seinen t\u00e4tlichen Angriff auf einen Gottesmann so ersch\u00fcttert gewesen sein soll, dass er sich zun\u00e4chst entschuldigte und schlie\u00dflich bekehrte. W\u00e4hrend eines langen, flehentlichen Reuegebetes vor dem Bild der Muttergottes in einer Kirche wurde ihm eine Vision geschenkt, in der Maria ihm sagte, sie wolle ihn errettet sehen,  sie werde ihm selbt den Weg zur Seligkeit zeigen. Befiehl, o Himmelsk\u00f6nigin, soll Pellegrino geantwortet haben, und ich werde dir gehorchen. Maria erwiderte, in dem sie sich auf die w\u00f6rtliche Bedeutung seines Vornamens Pellegrino \u2013 \u201ePilger\u201c, bezog, er solle nach Siena in den Konvent des Servitenordens pilgern, wo er heilige M\u00e4nner vorfinden werde, denen er sich anschlie\u00dfen m\u00f6ge. Und so machte sich unser Pellegrino ohne zu z\u00f6gern auf den Weg nach Siena, um sich im dortigen Konvent vorzustellen. Nach seiner Probezeit lie\u00df er sich mit dem schwarzen Habit der Diener Mariens einkleiden und legte die Gel\u00fcbde von Keuschheit, Armut und Gehorsam ab.<br \/>\nWie lange er in Siena blieb ist unklar, jedoch soll ihn sein Oberer im Alter von 30 Jahren zur\u00fcck nach Forl\u00ec geschickt haben, damit er in seiner Geburtsstadt Gott und den Menschen dienen, die Gl\u00e4ubigen durch seine gro\u00dfe Bu\u00dffertigkeit und sein asketisches Leben ermutigen und die Ungl\u00e4ubigen unterweisen solle. Er wachte ganze N\u00e4chte auf Knien im Gebet durch, wenn er nicht fastete, nahm er seine Mahlzeit im Stehen ein. Jeden Tag ging Pellegrino zudem zur Beichte und bekannte unter Tr\u00e4nen seine S\u00fcnden. Kurz, er brannte vor Eifer, den Willen Gottes zu tun und seine Gebote zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die Zeit der Pr\u00fcfung kam auch f\u00fcr diesen vorbildlichen Heiligen: Als er 60 Jahre alt war schwoll sein rechtes Bein an und wurde brandig. Ursache war vermutlich ein Venenleiden, verschlimmernd hinzu kam ein aggressiver Knochentumor an eben jenem Bein. Unser Heiliger ertrug sein Leiden tapfer und ohne sich je zu beklagen oder seinen Mitbr\u00fcdern zur Last zu fallen, denn er war sich gewiss, dass ihm diese Pr\u00fcfung von Gott gesandt wurde, um ihn zu vervollkommnen. Sein Arzt sah keine andere M\u00f6glichkeit mehr, das Leben Pellegrinos zu retten, als das Bein abzunehmen.<br \/>\nVoller Gottvertrauen schleppte sich der nun auf Leben und Tod Erkrankte in der Nacht vor dem Eingriff zu einer Darstellung des Gekreuzigten, einem Fresko, vermutlich aus der Schule von Rimini, welches heute noch im Kapitularsaal bewundert werden kann. Bevor er ersch\u00f6pft an Ort und Stelle in den Schlaf fiel, soll er folgendes Gebet gesprochen haben: \u201eO Erl\u00f6ser der Menschheit, um uns von unseren S\u00fcnden freizukaufen hast du dich der Qual des Kreuzes und dem allerbittersten Todeskampf unterworfen. W\u00e4hrend Du auf Erden weiltest, hast Du viele Menschen geheilt: Du hast Leprakranke wieder rein und den Blinden sehend gemacht, als er Dich anflehte: \u201aJesus, Sohn Davids, erbarme Dich!\u2019 O Herr, mein Gott, erbarme Dich mir ebenso und befreie mein Bein von dieser Krankheit, denn wenn du es nicht tust, so muss es weggeschnitten werden!\u201c<br \/>\nIm Traum sah Pellegrino den Herrn vom Kreuz steigen, sich niederbeugen und sein Bein ber\u00fchren \u2013 als er wieder erwachte, war er vollst\u00e4ndig geheilt. Pellegrino pries gl\u00fccklich und dankbar den Herrn und kehrte als gesunder Mann in seine Kammer zur\u00fcck. Wie gro\u00df war das Erstaunen des Arztes, der am n\u00e4chsten Morgen zu Pellegrino kam, um den Eingriff durchzuf\u00fchren! Zun\u00e4chst dachte der verbl\u00fcffte Chirurg, der fromme Mann spr\u00e4che im Fieberwahn, als er ihm wieder und wieder beteuerte, dass Gott, der Herr in vollst\u00e4ndig geheilt habe und er wieder nach Hause gehen k\u00f6nne. Schlie\u00dflich konnte er sich selbst davon \u00fcberzeugen, in dem er Pellegrinos Bein nochmals eingehend untersuchte \u2013 kein Brand mehr, kein faulendes Gewebe, alles wieder heil und wie neu!<\/p>\n<p>Die Nachricht von diesem Wunder, das von einem Arzt noch dazu best\u00e4tigt werden konnte,  verbreitete sich in Windeseile. Zahlreiche Menschen str\u00f6mten herbei und dankten Gott, andere bekehrten sich. Als Pellegrino Laziosi im Alter von 80 Jahren an einem Fieber starb, nahmen so viele Menschen Anteil, dass Forl\u00ec in der Nacht seine Stadttore nicht schlie\u00dfen konnte. Wie so oft, wenn ein Heiliger gestorben ist, wurde davon berichtet, dass sein K\u00f6rper nach dem Tode noch einen wunderbaren und \u00fcberirdischen Duft verstr\u00f6mte. Doch es geschah ein noch weit gr\u00f6\u00dferes Wunder: Ein blinder Bettler, der vom Tode Pellegrinos geh\u00f6rt hatte und vor dessen aufgebahrten Leichnam um Heilung bitten wollte, widerfuhr vor einer gro\u00dfen Menschenmenge folgendes: Der leblose K\u00f6rper Pellegrinos soll sich aufgerichtet und den Mann mit dem Kreuzzeichen gesegnet haben \u2013 im selben Augenblick hatte er sein Augenlicht wiedererlangt und pries die Gr\u00f6\u00dfe und Allmacht Gottes. Weitere, spektakul\u00e4re Heilungswunder geschahen \u2013 doch die katholische Kirche lie\u00df sich ein wenig Zeit mit der Kanonisierung dieses schon zu Lebzeiten hoch verehrten Heiligen: 1609 erfolgte die Seligsprechung durch Papst Paul V., die Heiligsprechung durch Benedikt XIII. erfolgte \u00fcber 100 Jahre sp\u00e4ter, 1726. <\/p>\n<p>Heute ruht unser Pellegrino in einem gl\u00e4sernen Schrein in einer Seitenkapelle der Basilika, die seinen Namen tr\u00e4gt und ein bedeutendes Heiligtum des Servitenordens ist. Ihre Fassade aus dem 13. Jahrhundert hat sich weitgehend erhalten. Neben dem Besuch der Kapelle des Heiligen empfiehlt sich auch die Besichtigung des Kapitelsaals, in dem sich heute noch das Fresko mit der Darstellung des Gekreuzigten befindet, vor dem das Heilungswunder an Pellegrino geschah.<br \/>\nAm Eingang gleich rechts verdient ein sehr sch\u00f6nes und typisches Renaissancegrabmal f\u00fcr Luffo Numai Beachtung, der zur Zeit der Caterina Sforza und der Borgias ein wichtiger Politiker und Ratgeber in Forl\u00ec war. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der h\u00f6lzerne Chor hinter dem Hauptaltar, der von einer beeindruckenden Addolarata-Statue des Bologneser Bildhauers Angelia Pio (1690-1770) \u00fcberragt wird. Die Orgel \u00fcber dem Portal wurde von dem Venezianer Orgelbaumeister Gaetano Callido gebaut.<\/p>\n<p>Ein Besuch beim heiligen Pellegrino empfiehlt sich vor allem in den ersten Maitagen, sein Festtag ist 1. Mai, der Servitenorden gedenkt seiner am 4. Mai. Zum Festtag sind auf dem Platz vor der Basilika unz\u00e4hlige St\u00e4nde mit buntem Zitronat und Zitrusfr\u00fcchten aufgebaut, wie es einer alten Tradition entspricht, deren Ursprung nicht mehr genau festzustellen ist.<br \/>\nWer in einem ernsten Anliegen in versammelter Stille um die F\u00fcrsprache des heiligen Pellegrinus f\u00fcr sich oder andere bitten m\u00f6chte, meidet aber vielleicht diesen Tag besser. Unz\u00e4hlige Gl\u00e4ubige haben sich im Laufe der Jahrhunderte mit ihren Anliegen vertrauensvoll an ihn gewendet, viele sind erh\u00f6rt worden; eine erstaunlich gro\u00dfe Zahl, n\u00e4mlich \u00fcber 300 sollen es allein in der kleinen umbrischen Stadt Citt\u00e0 di Castello gewesen sein.<br \/>\nDort wirkte Pater Tassinari, ein Servit aus Forl\u00ec, als geistlicher F\u00fchrer der heiligen Veronika Giuliani (Vatican-Magazin Mai 2012), dessen Gangr\u00e4n, also Wundbrand, in den Jahren 1702 und 1726 geheilt wurde. Im Jahre 1716 genas die heilige Veronika sofort und vollst\u00e4ndig von einer lebensgef\u00e4hrlichen Infektion, w\u00e4hrend Tassinari f\u00fcr sie eine Messe zu Ehren Pellegrinos feierte. Durch die Ausbreitung der Serviten, die in Rom mit dem \u201eMarianum\u201c eine p\u00e4pstliche theologische Fakult\u00e4t unterhalten, welche sich insbesondere der Mariologie widmet, wird die Verehrung des Heiligen heute in ganz Europa wie auch in Kanada, den USA, Brasilien und sogar auf den Philippinen praktiziert. <\/p>\n<p>[Zuerst erschienen in Vatican-Magazin, Rubrik Heiligtum der besonderen Art]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forl\u00ec in der Emilia-Romagna ist sozusagen die kleine Schwester Bolognas, doch bleibt das St\u00e4dtchen heute von den meisten ausl\u00e4ndischen Touristen eher unbeachtet. 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