{"id":316,"date":"2017-04-13T22:04:27","date_gmt":"2017-04-13T20:04:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=316"},"modified":"2017-04-13T22:04:27","modified_gmt":"2017-04-13T20:04:27","slug":"nonostante-e-pasqua","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=316","title":{"rendered":"Nonostante e&#8216; pasqua"},"content":{"rendered":"<p>Jeden Morgen wachen wir auf, aus Tr\u00e4umen, die manchmal so furchtbar sind, dass wir fast zwei Stunden brauchen, um sie abzusch\u00fctteln, um zu begreifen, dass sie rein gar nichts mit unserem Leben zu tun haben.<br \/>\nJeden Morgen lesen wir die Schlagzeilen &#8211; und manchmal auch abends noch, hunderte, tausende von Toten &#8211; und sitzen da und versuchen, die losen Enden in unseren H\u00e4nden, die uns mit der Gegenwart, unserer Zeitgenossenschaft, verbinden sollten, miteinander zu verkn\u00fcpfen. Die n\u00e4chste Nacht kommt, der n\u00e4chste schwierige Traum eines Menschen, der ein v\u00f6llig anderes Leben zu leben scheint, als man selbst &#8211; noch grausamer, noch brutaler, und in keinster Weise so kuschelig-sozialp\u00e4dgogisch-korrekt wie der Tatort von letztem Sonntag.<br \/>\nUnd dann gibt es die koh\u00e4renten Dinge &#8211; welche, die wir kaum bemerken angesichts der Absurdit\u00e4t unserer allt\u00e4glichen Existenz:<br \/>\nJa, der IS hat uns den Krieg erkl\u00e4rt. Aber s\u00e4mtliche christlichen Kirchen feiern dieses Jahr zur gleichen Zeit, am selben Datum, zu den selben Tagen die Paschamysterien, Leiden, Sterben, Tod und Auferstehung des Herrn. Das Holz des T\u00fcrpfostens, an den einst die Israeliten das Blut eines frisch geschlachteten Lammes malten, damit der Todesengel des Vor\u00fcbergangs die Bewohner verschonte, es ist das Holz des Kreuzes geworden, an dem das Blut des unschuldig Gekreuzigten f\u00fcr uns herunterrann. Und so sind wir Einwohner des Kreuzes geworden &#8211; nein, nicht viele haben das Gl\u00fcck, darunter stehen zu d\u00fcrfen und selbstlos zu trauern. Vielmehr sind wir Hintersassen, mitgekreuzigt wie die beiden Sch\u00e4cher, auf die der Blick des Herrn nicht milde niedersinken konnte. Vielleicht konnte er Dismas nicht einmal ins Angesicht blicken, als er ihm, das Paradies versprach, weil die Dornenkrone seinem Blick nicht mehr erlaubte, sich zur Seite zu wenden. Doch die beiden Mitdelinquenten konnten ihn sehen, und einer war es, den sein Anblick zu Mitleid hinriss, das er mit sich selbst nicht mehr haben konnte: Dismas war bewusst, dass er sein Schicksal herausgefordert und erhalten hatte, was ihm zustand. Und dennoch konnt er sich noch \u00fcber das Unrecht emp\u00f6ren, das man einem Leidensgenossen antat. W\u00e4hrend Gestas schimpfte und schm\u00e4hte, versunken in Wut und Selbstmitleid, Hass auf ein in seinen Augen ungerechtes Schicksal, das ihn mit diesem religi\u00f6sen &#8222;Spinner&#8220; verband, sprach Dismas eine schlichte, aber umso ehrf\u00fcrchtigere Bitte aus: Herr, denk an mich!<br \/>\nDaf\u00fcr wurde ihm das Paradies versprochen und die Gemeinschaft mit Gott. Und so wie wir nach zweitausend Jahren immer noch den Namen Pontius Pilatus in unserem Glaubensbekenntnis sprechen, so gedenken wir auch an jedem Karfreitag dem gutherzigen Elenden, der das wenige, was er noch besa\u00df, am Kreuze h\u00e4ngend seiner Kleider beraubt, dem Menschen schenken wollte, den er f\u00fcr seinen Herrn hielt. Das war in den letzten Minuten Jesu, dass er auch noch diesem guten Herzen Trost und Heil, bereits in die eigene Agonie versunken, versprechen konnte.<\/p>\n<p>Was Gestas anging &#8211; vielleicht hat ihn Dismas einfach nachher Huckepack genommen auf dem Weg ins Paradies mit seinem Heiland. Denn auch Gestas wusste ja nicht, was er tat. Verstrickt in ein Schicksal, das er sich zwar selbst gestaltet hatte, aber in dem er sich stets als Opfer gesehen haben wird, konnte er nicht anders, als w\u00fctend \u00fcber jeden anderen, und besonders \u00fcber jeden zu sein, der ein gutes Herz besa\u00df &#8211; eines, das er vielleicht auch so gerne selbst besessen h\u00e4tte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeden Morgen wachen wir auf, aus Tr\u00e4umen, die manchmal so furchtbar sind, dass wir fast zwei Stunden brauchen, um sie abzusch\u00fctteln, um zu begreifen, dass sie rein gar nichts mit unserem Leben zu tun haben. 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