{"id":311,"date":"2017-04-10T13:14:52","date_gmt":"2017-04-10T11:14:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=311"},"modified":"2017-04-11T14:16:12","modified_gmt":"2017-04-11T12:16:12","slug":"joseph-kardinal-ratzinger-einfuehrung-in-das-christentum-der-gott-des-glaubens-und-der-gott-der-philosophen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=311","title":{"rendered":"Joseph Kardinal Ratzinger: Einf\u00fchrung in das Christentum-Der Gott des Glaubens und der Gott der Philosophen"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Der Gro\u00dfteil der Menschen von heute gesteht ja noch immer in irgendeiner Form zu, dass es so etwas wie >>ein h\u00f6chstes Wesen<< wohl gebe. Aber man findet es absurd, dass dieses Wesen sich mit dem Menschen befassen solle; wir haben die Empfindung - auch dem, der zu glauben versucht, geht es immer wieder so -, dass so etwas Ausdruck eines naiven Anthropomorphismus, einer fr\u00fchen Weise des menschlichen Denkens sei, verst\u00e4ndlich aus einer Situation, in der der Mensch noch in einer kleinen Welt lebte, in der die Erdscheibe der Mittelpunkt aller Dinge war und Gott nichts anderes zu tun hatte, als auf sie herunterzublicken. Aber, so denken wir, in einer Zeit, in der wir wissen, wie unendlich anders sich das verh\u00e4lt, wie bedeutungslos die Erde im riesigen Weltall ist und wie bedeutungslos folglich auch das Staubkorn Mensch gegen\u00fcber den kosmischen Dimensionen dasteht, in einer solchen Zeit erscheint uns der Gedanke absurd, dass dies h\u00f6chste Wesen sich mit dem Menschen, seiner kleinen, erb\u00e4rmlichen Welt, seinen Sorgen, seinen S\u00fcnden und Nichts\u00fcnden befassen sollte. Indem wir aber so meinen, auf diese Weise recht g\u00f6ttlich von Gott zu reden, denken wir in Wirklichkeit gerade sehr klein und allzu menschlich von ihm, als m\u00fcsste er, um nicht den \u00dcberblick zu verlieren, ausw\u00e4hlen. Wir stellen ihn uns damit vor als ein Bewusstsein wie das unsere, das Grenzen hat, das irgendwo einen Halt setzen muss und nie das Ganze umfassen kann. \nSolchen Verengungen gegen\u00fcbermag jener Sinnspruch, den H\u00f6lderlin seinem Hyperion vorangestellt hat, wieder an das christliche Bild der wahren Gr\u00f6\u00dfe Gottes erinnern: >>Non coerceri maximo, contineri tamen a minimo, divinum est &#8211; Nicht umschlossen werden vom Gr\u00f6\u00dften, sich umschlie\u00dfen lassen vom Kleinsten &#8211; das ist g\u00f6ttlich.<< Jener unbegrenzte Geist, der die Totalit\u00e4t des Seins in sich tr\u00e4gt, reicht \u00fcber das \"Gr\u00f6\u00dfte\" hinaus, sodass es gering ist f\u00fcr ihn, und er reicht in das Geringste hinein, weil nichts zu gering ist f\u00fcr ihn. Gerade diese \u00dcberschreitung des Gr\u00f6\u00dften und das Hineinreichen ins Kleinste ist das wahre Wesen des absoluten Geistes. Zugleich aber zeigt sich hier eine Umwertung vo Maximum und Minimum, von Gr\u00f6\u00dftem und Kleinstem, die f\u00fcr das christliche Verst\u00e4ndnis des Wirklichen kennzeichnend ist. F\u00fcr den, der als Geist das Weltall tr\u00e4gt und umspannt, ist ein Geist, ist das Herz eines Menschen, das zu lieben vermag, gr\u00f6\u00dfer als alle Milchstra\u00dfensysteme. Die quantitativen Ma\u00dfst\u00e4be werden \u00fcberholt; es zeigen sich andere Gr\u00f6\u00dfenordnungen an, von denen her das unendlich Kleine das wahrhaft Umgreifende und wahrhaft Gro\u00dfe ist. \n\nNoch ein weiteres Vorurteil wird von hier aus als Vorurteil entlarvt. Uns scheint es im Letzten immer wieder selbstverst\u00e4ndlich, dass das unendlich Gro\u00dfe, der absolute Geist, nicht F\u00fchlen und Leidenschaft, sondern nur reine Mathematik des Alls sein k\u00f6nne. Unreflektiert unterstellen wir damit, dass blo\u00dfes Denken gr\u00f6\u00dfer sei als Lieben, w\u00e4hrend die Botschaft des Evangeliums und das christliche Gottesbild darin die Philosophie korrigiert und uns wissen l\u00e4sst, dass h\u00f6her als das blo\u00dfe Denken die Liebe steht. Das absolute Denken ist ein Lieben, ist nicht f\u00fchlloser Gedanke, sondern sch\u00f6pferisch, weil es Liebe ist.\"\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Gro\u00dfteil der Menschen von heute gesteht ja noch immer in irgendeiner Form zu, dass es so etwas wie >>ein h\u00f6chstes Wesen>Non coerceri maximo, contineri tamen a minimo, divinum est &#8211; Nicht umschlossen werden vom Gr\u00f6\u00dften, sich umschlie\u00dfen lassen vom Kleinsten &#8211; das ist g\u00f6ttlich.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[35,144,160,143],"class_list":["post-311","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-benedikt-xvi","tag-einfuehrung-in-das-christentum","tag-gott-der-philosophen","tag-papst-benedikt-xvi"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/311","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=311"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/311\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":312,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/311\/revisions\/312"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}