{"id":248,"date":"2016-09-17T13:55:10","date_gmt":"2016-09-17T11:55:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=248"},"modified":"2016-09-17T13:57:09","modified_gmt":"2016-09-17T11:57:09","slug":"248","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=248","title":{"rendered":"Zum Tag der heiligen Hildegard von Bingen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.twoday.net\/elsalaska\/images\/portraet_kloster_bingen_g.jpg\" alt=\"\"align=\"right\"\/><br \/>\nEs hat fast 800 Jahre gedauert und einen deutschen Papst gebraucht, bis die heilige Hildegard von Bingen in einem Ausnahmeverfahren, das sich \u201cgleichwertige Kanonisierung\u201d nennt, nun offiziell \u201eheilig\u201c ist und somit nun von der gesamten Weltkirche verehrt wird. Benedikt XVI. hat mit seinem Beschluss vom 10. Mai 2012, dass die Verehrung der Heiligen auf die gesamte Weltkirche auszudehnen ist \u2013 eine Entscheidung, die nicht nur l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig war, sondern auch zeigt, welch hohen Stellenwert Benedikt der deutschen \u00c4btissin, Vision\u00e4rin, Komponistin und Kirchenkritikerin beimisst. Wertsch\u00e4tzung, ja Bewunderung, die er zuvor schon zu einigen wenigen, aber \u00e4u\u00dferst bedeutsamen Anl\u00e4ssen ge\u00e4u\u00dfert hatte.<\/p>\n<p>Selbst wenn man mit Leben und Werk der Hildegard von Bingen nur oberfl\u00e4chlich vertraut ist, bleibt uns angesichts ihrer universalen Schaffenskraft, der K\u00fchnheit ihrer Visionen, die sie stets bei klarem Verstand und offenen Auges erfuhr, des prophetischen L\u00f6wenmuts, den sie ohne zu z\u00f6gern gegen die M\u00e4chtigen im Klerus und sogar gegen den Kaiser einsetzte, nur schieres Staunen und tiefe Dankbarkeit \u00fcber diese die Jahrhunderte \u00fcberstrahlende Heilige. \u201eWer ist die, die da aus der W\u00fcste gleich einer Rauchs\u00e4ule von Gew\u00fcrzkr\u00e4utern aufsteigt?\u201c so ruft Papst Eugen III in einem Brief an Hildegard aus, und muss dabei, um seine faszinierte Verehrung auszudr\u00fccken, auf das Hohelied, das poetischste Liebeslied aller Zeiten, zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>Sie war die letzte Prophetin, die Deutschland geschickt wurde, eine Pers\u00f6nlichkeit, die mit traumwandlerischer Sicherheit, dabei luzide und klar wie ein lupenreiner Diamant das Wort Gottes verk\u00fcndete und als \u201eungelehrte Frau\u201c, als \u201earmseliges Gebilde\u201c die gr\u00f6\u00dften M\u00e4nner ihrer Zeit mit g\u00f6ttlicher Vollmacht belehrte, den Kampf mit den Kleingeistigen beherzt aufnahm. Hildegard bet\u00e4tigte sich auf einem breiten Spektrum der damaligen Wissensgebiete: Theologie, Kosmologie, Anthropologie, Musik, der Heilkunst, der Erforschung von Naturph\u00e4nomenen \u2013 sie erfand sogar eine eigene geheime Sprache, die lingua ignota. Hildegard von Bingen kann deshalb mit Fug und Recht als die erste deutsche Universalgelehrtin gelten, die j\u00fcngst vom Osservatore Romano in einem Atemzug mit Dante, Avicenna und Johannes Scotus Eriugena genannt wurde, somit noch einmal die Bedeutung dieser \u201ewahren Intellektuellen\u201c ihrer Zeit unterstreicht, die sie f\u00fcr den derzeitigen Papst sozusagen als eine Seelenschwester, zu besitzen scheint.<\/p>\n<p>Die Geschichte dieser Frau, die bei ihren Zeitgenossen Ehrfurcht und Bewunderung erweckte, die mit von Gott verliehener Autorit\u00e4t auftrat und deren Kompositionen und Schriften noch heute Bestseller sind, beginnt im Jahre 1098, zur Zeit des ersten Kreuzzuges. Hildegard wird als zehntes Kind in Bermersheim bei Alzey geboren. Ihre Eltern geh\u00f6ren dem niedrigen Adel an und geben das M\u00e4dchen im Alter von 8 Jahren zur gemeinsamen Erziehung in die Grafenfamilie derer von Sponheim. Hildegard ist 14, Jutta von Sponheim 20 Jahre alt, als sie sich auf den Berg des heiligen Disibod am Zusammenfluss von Nahe und Glan bei Odernheim zur\u00fcckziehen. Auf dem Gel\u00e4nde des Klosters, das von Benediktinerm\u00f6nchen besiedelt wurde, hatte die Familie von Sponheim eine Frauenklause errichten lassen. Dort verbringt Hildegard fast die H\u00e4lfte ihres Lebens in v\u00f6lliger Abgeschiedenheit, gestorben und begraben mit Christus. Wie ein Senfkorn, das der Herr in die Erde gelegt hat, auf dass es eines Tages erwache und ein Baum daraus werde, der bis zum Himmel w\u00e4chst, und in dessen Zweigen singende V\u00f6gel nisten werden.  <\/p>\n<p>Der Tag kommt im Jahre 1140, als sie \u201e42 Jahre und 7 Monate\u201c z\u00e4hlt, wie sie selbst schreibt. Seit vier Jahren ist ihre geistliche Mutter Jutta tot, die Gemeinschaft der mittlerweile zehn Schwestern hatte sie damals einstimmig zur Priorin gew\u00e4hlt. Die Visionen, die sie schon in ihrer Kindheit erfahren hat, setzen wieder ein. Sie bespricht sich zun\u00e4chst mit dem Abt; er r\u00e4t, alles niederzuschreiben. Doch die Unsicherheit und die Zweifel nagen an ihr: Hildegard besa\u00df neben ihren au\u00dfergew\u00f6hnlichen intellektuellen und spirituellen Gaben eine ausgepr\u00e4gte pers\u00f6nliche Demut, hinzu kam, dass die deutschen Bisch\u00f6fe ihr zum Teil nicht gerade mit Wohlwollen, sondern mit gro\u00dfer Skepsis begegneten. Sie fasst sich deshalb ein Herz und wendet sich in ihrem ersten, \u00fcberlieferten Brief an den Mann, der zur damaligen Zeit als die einflussreichste und anerkannteste geistliche Autorit\u00e4t galt \u2013 den inspirierten monastischen Erneuerer und mitrei\u00dfenden Prediger Bernhard von Clairvaux. Der Tonfall dieses Briefes ist hochachtungsvoll und z\u00e4rtlich zugleich; sie nennt Bernhard \u201eVater\u201c und schildert ihm den Charakter ihrer Visionen detailgenau. Aus ihren Formulierungen spricht tiefstes t\u00f6chterliches Vertrauen: \u201eDu bist Sieger in deiner Seele und richtest andere zum Heile auf. Du bist der Adler, der in die Sonne blickt.\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort des heiligen Bernhard ist unmissverst\u00e4ndlich und muss f\u00fcr Hildegard eine enorme Erleichterung gewesen sein: \u201eWir freuen uns mit dir \u00fcber die Gnade Gottes, die in dir ist. Und was uns angeht, so ermahnen und beschw\u00f6ren wir dich, sie als Gnade zu erachten und ihr mit der ganzen Liebeskraft der Demut und Hingabe zu entsprechen.\u201c W\u00e4hrend der Synode in Trier 1147 werden ihre Visionen sogar \u00f6ffentlich verlesen und von Papst Eugen III. best\u00e4tigt. Nun darf sie endlich sicher sein, dass ihre Schau nicht ein Hirngespinst ist oder gar vom Gegenspieler kommt, sondern vom Allerh\u00f6chsten geschickt wird. Mehr noch, dass Er selbst es ist, der durch sie spricht. Sie ist sein Instrument, seine \u201ePosaune\u201c, wie sie sich selbst bezeichnet, durch die der g\u00f6ttliche Geisthauch weht und die Menschen behaucht. Und so manches Mal wird in Zukunft dieser Geisthauch gerade auch f\u00fcr die h\u00f6chsten Machthaber wie Kaiser und Papst zu verzehrenden Flammenzungen werden. Etwa wenn Hildegard an Friedrich Barbarossa schreibt, weil er nicht aufh\u00f6rt, gegen den legitimen Papst Alexander III. Gegenp\u00e4pste aufzustellen. Sie spricht mit einer Vollmacht, die ihr der Sch\u00f6pfer des Universums verliehen hat. Er ist es, der durch sie zu dem m\u00e4chtigen Kaiser spricht und ihm mit Seinem Gericht droht: \u201eWehe, wehe der Niedertr\u00e4chtigkeit der Gottlosen, die mich beleidigen! H\u00f6re geschwind, o K\u00f6nig, wenn du leben willst! Sonst wird mein Schwert dich durchbohren!\u201c<br \/>\nDie prophetissa teutonica, wie man sie schon bald nennt, korrespondiert auch mit Pr\u00e4laten und P\u00e4psten. In einem Brief an Eugen III. aus dem Jahre 1148 nennt sie sich selbst eine kleine Feder, die vom H\u00f6chsten ber\u00fchrt worden ist, damit sie wunderbar emporfliege und die nun von einem starken Wind getragen wird, damit sie nicht sinke. Auch ihn wird sie mit strengen Worten ermahnen, als Gesandte desjenigen, der \u00fcber jeder weltlichen Autorit\u00e4t steht: \u201eO du funkelnde Brustwehr, kraft deines Amtes, urspr\u00fcngliche Wurzel der neuen Verm\u00e4hlung Christi mit der Kirche, du bist zweigeteilt: Einerseits ward deine Seele in der geheimnisvollen Bl\u00fcte erneuert, die eine Gef\u00e4hrtin der Jungfr\u00e4ulichkeit im M\u00f6nchtum ist. Andererseits bist du ein Zweig der Kirche. H\u00f6re auf den, dessen Wort scharf wie ein Schwert ist &#8230;. Entferne nicht die Sehkraft vom Auge und trenne nicht das Licht vom Licht, sondern halte dich auf dem eindeutigen Weg, damit du nicht der Anklage verf\u00e4llst wegen der Seelen, die in dein Herz gelegt sind.\u201c<br \/>\nWir begegnen dieser charakteristisch bildreichen und wortgewaltigen Sprache auch in ihren Hauptwerken: Scivias &#8211; Wisse die Wege, das in 35 Visionen die gesamte Heilsgeschichte durchdekliniert, vom Anbeginn der Zeit und der Sch\u00f6pfung der Welt bis zum Ende aller Zeiten. Der Liber vitae meritorum, das Buch der Lebensverdienste, in dem es um die immense und alles \u00fcberw\u00e4ltigende Kraft Gottes geht, der den gesamten Kosmos gestaltet und den Menschen zum Leben gerufen hat und in immerw\u00e4hrendem Austausch mit der Heiligen Dreifaltigkeit durchpulst wird. Aufgabe des Menschen ist es dabei, sich jeden Tag aufs Neue vom B\u00f6sen abzukehren und die Herrlichkeit Gottes in seiner eigenen Existenz so vorwegzunehmen.<br \/>\nIm Liber divinorum operum oder auch De operatione Dei geht es wiederum um die Sch\u00f6pfung, das zentrale Thema Hildegards, die Beziehung zwischen dem Erschaffer des Alls, der Erde und seinem geliebten Gesch\u00f6pf, dem Menschen.<br \/>\nR\u00e9gine Pernoud, die franz\u00f6sische Medi\u00e4vistin, spricht im Zusammenhang mit den Werken Hildegards zutreffend von einer poetischen Kosmologie, einem kosmischen Roman. In der Tat, die Sprachmacht Hildegards ist \u00fcberw\u00e4ltigend, obgleich sie angeblich nicht besonders gut Latein konnte, weshalb sie ihre Visionen dem M\u00f6nch Volkmar und sp\u00e4ter ihrer geliebten Mitschwester Richardis von Stade diktierte. <\/p>\n<p>Angesichts des unerh\u00f6rten Mutes, mit dem diese \u00c4btissin aus Deutschland als Botin Gottes den Machthabern ihrer Zeit entgegentrat, erscheint es wie trauriger Hohn, dass diese Frau nun in der Neuzeit durch esoterische Kreise auf Dinkelrezepte, Wellness-Elixiere und Heilsteinwissen heruntergebrochen und vermarktet wird. Mehr noch, eine Kirchenkritikerin sei sie gewesen, wei\u00df vor allem die feministische Theologie anzuf\u00fchren und in dieser Eigenschaft wird sie gerne auch von kirchlichen Reformkreisen vereinnahmt. Dabei wird gerne vergessen, dass es Hildegard nicht um die Ver\u00e4nderung von Strukturen ging, sondern um einen aufrichtigen Geist der Bu\u00dfe und den t\u00e4tigen Weg der Umkehr, wie dies Benedikt XVI. in einer seiner beiden Katechesen \u00fcber die Heilige erl\u00e4utert hat.<br \/>\nHildegard, die noch im hohen Alter auf Predigtreisen durch Deutschland ging, die sie unter anderem nach Trier, K\u00f6ln, Mainz und bis nach Lothringen f\u00fchrten, gei\u00dfelte n\u00e4mlich nicht nur den tr\u00e4gen und verhurten Klerus ihrer Zeit vor aller \u00d6ffentlichkeit mit \u00fcberaus harten Worten: \u201eIhr seid eine Nacht, die Finsternis ausatmet, und wie ein Volk, das nicht arbeitet. Ihr liegt am Boden und seid kein Halt f\u00fcr die Kirche, sondern ihr flieht in die H\u00f6hle eurer Lust. Und wegen eures ekelhaften Reichtums und Geizes sowie anderer Eitelkeiten unterweist ihr eure Untergebenen nicht. Ihr solltet eine Feuers\u00e4ule sein, den Menschen vorausziehen und sie aufrufen, gute Werke zu tun.\u201c Mit ebensolcher Vehemenz predigte diese Frau gegen die Katharer an, die angesichts der Verweltlichung und des Verfalls im Klerus immer mehr Zulauf f\u00fcr ihre engstirnige Vorstellung von der \u201eKirche der Reinen\u201c bekamen.<\/p>\n<p>Es ist deshalb kein Zufall, dass Benedikt XVI. diese Frau, dieses Kernkraftwerk des Heiligen Geistes, nun offiziell durch ein \u201ecanonisatio aequipollens\u201c genanntes Verfahren, per Dekret also, heilig gesprochen hat, obwohl sie schon immer als Heilige verehrt worden ist. Immer wieder hat er seine Wertsch\u00e4tzung, ja seine Verehrung f\u00fcr ihre Pers\u00f6nlichkeit, ihre Wirkung, ihre K\u00fchnheit und ihren Mut ausgedr\u00fcckt. Im Jahre 1994 sandte Kardinal Ratzinger eine Gru\u00dfbotschaft zum Hildegard-Symposium in Wiesbaden und schrieb unter anderem: \u201eHeute steht Hildegard in ihrer ganzen k\u00fchnen\u00a0 Universalit\u00e4t vor uns. Wir f\u00fchlen uns angesprochen durch ihre liebevolle Zuwendung zu den heilenden Kr\u00e4ften der Sch\u00f6pfung wie durch ihre vielseitige k\u00fcnstlerische Begabung vor allem aber durch ihre eindringliche Glaubensverk\u00fcndigung; sie ist uns daher nahe als eine Frau, die Christus in seiner Kirche liebte, aber nichts von Weltfremdheit oder \u00c4ngstlichkeit zeigt, sondern gerade von ihrer Ber\u00fchrung mit den Geheimnis\u00a0Gottes her ihrer Zeit das rechte Wort furchtlos und frei zu sagen vermochte.\u201c<br \/>\nDass dieses \u201erechte Wort\u201c aus der Ber\u00fchrung mit dem Geheimnis Gottes auch unserer Zeit noch Gewaltiges zu sagen vermag, hat uns der Heilige Vater wieder zu Bewusstsein gebracht, indem er anl\u00e4sslich des Weihnachtsempfangs f\u00fcr die Kardin\u00e4le und die Kurie am 20. Dezember 2010, dem Jahr, in dem der Missbrauchsskandal seinen vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt erreichte, eine Vision Hildegards zitiert und interpretiert. Sie findet sich in einem Brief an Werner von Kirchheim und dessen Priestergemeinschaft, die sie bei ihrer letzten Missionsreise um das Jahr 1170 \u2013 sie stirbt 1179 &#8211;  in Schwaben besucht hatte. Werner von Kirchheim hatte gebeten, ihre dort gehaltene Rede nochmals schriftlich f\u00fcr ihn und seine Mitbr\u00fcder festzuhalten. Es ist eine Schau aus dem gleichen Jahr, w\u00e4hrend dem sie eine Krankheit durchzustehen hatte. Vor ihren Augen ersteht eine unerh\u00f6rt sch\u00f6ne Frau, mit leuchtendem Antlitz und einer Gestalt, die von der Erde bis zum Himmel hinaufragt. Sie tr\u00e4gt ein strahlendes Gewand aus wei\u00dfer Seide, einen Mantel, mit Edelsteinen besetzt und Schuhe aus Onyx. Doch das Antlitz der herrlichen Frau ist befleckt, ihre Kleidung zerfetzt, die Schuhe besudelt. Sie klagt und schreit deswegen zum Himmel:<br \/>\n\u201eUnd weiter sprach sie: Im Herzen des Vaters war ich verborgen, bis der Menschensohn, in Jungfr\u00e4ulichkeit empfangen und geboren, sein Blut vergoss. Mit diesem Blut, als seiner Mitgift, hat er mich sich verm\u00e4hlt.<br \/>\nDie Wundmale meines Br\u00e4utigams bleiben frisch und offen, solange die S\u00fcndenwunden der Menschen offen sind. Eben dieses Offenbleiben der Wunden Christi ist die Schuld der Priester. Mein Gewand zerrei\u00dfen sie dadurch, dass sie \u00dcbertreter des Gesetzes, des Evangeliums und ihrer Priesterpflicht sind. Meinem Mantel nehmen sie den Glanz, da sie die ihnen auferlegten Vorschriften in allem vernachl\u00e4ssigen. Sie beschmutzen meine Schuhe, da sie die geraden, das hei\u00dft die harten und rauen Wege der Gerechtigkeit nicht einhalten und auch ihren Untergebenen kein gutes Beispiel geben.\u201c<\/p>\n<p>Der Papst erl\u00e4utert diese Vision Hildegards vor den Kardin\u00e4len und der Kurie, knapp 840 Jahre nach der Niederschrift dieses Gesichts, und es ist so aktuell und zeitlos wie nie zu vor:<br \/>\n\u201eDas Gesicht der Kirche ist in der Vision der heiligen Hildegard mit Staub bedeckt, und so haben wir es gesehen. Ihr Gewand ist zerrissen &#8211; durch die Schuld der Priester. So, wie sie es gesehen und gesagt hat, haben wir es in diesem Jahr erlebt. Wir m\u00fcssen diese Dem\u00fctigung als einen Anruf zur Wahrheit und als einen Ruf zur Erneuerung annehmen. Nur die Wahrheit rettet. Wir m\u00fcssen fragen, was wir tun k\u00f6nnen, um geschehenes Unrecht so weit wie m\u00f6glich gutzumachen. Wir m\u00fcssen fragen, was in unserer Verk\u00fcndigung, in unserer ganzen Weise, das Christsein zu gestalten, falsch war, dass solches geschehen konnte. Wir m\u00fcssen zu einer neuen Entschiedenheit des Glaubens und des Guten finden. Wir m\u00fcssen zur Bu\u00dfe f\u00e4hig sein. Wir m\u00fcssen uns m\u00fchen, in der Vorbereitung zum Priestertum alles zu versuchen, damit solches nicht wieder geschehen kann.\u201c<\/p>\n<p>Mit der Kanonisierung Hildegards im Mai 2012 hat der Heilige Vater offiziell gemacht, was alle schon immer wussten und geglaubt haben: Dass die \u00c4btissin und Gr\u00fcnderin von Rupertsberg und Eibingen eine Heilige ist. Zugleich aber zeigt diese Geste die and\u00e4chtige Verbeugung eines zarten, wei\u00dfhaarigen Mannes vor der gr\u00f6\u00dften intellektuellen Frau ihres Zeitalters. Nicht zuletzt bedeutet dieses Dekret auch die anerkennende W\u00fcrdigung einer gro\u00dfartigen Verb\u00fcndeten, die bereits vor 800 Jahren einen feurigen Kampf f\u00fcr die heilige Kirche f\u00fchrte &#8211;  es ist derselbe, den dieser Papst entschlossen aufgenommen hat.<\/p>\n<p>[Zuerst erschienen im Vatican-Magazin 2012 anl\u00e4sslich der Kanonisierung der hl. Hildegard]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat fast 800 Jahre gedauert und einen deutschen Papst gebraucht, bis die heilige Hildegard von Bingen in einem Ausnahmeverfahren, das sich \u201cgleichwertige Kanonisierung\u201d nennt, nun offiziell \u201eheilig\u201c ist und somit nun von der gesamten Weltkirche verehrt wird. Benedikt XVI. hat mit seinem Beschluss vom 10. 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