{"id":162,"date":"2015-01-30T11:41:37","date_gmt":"2015-01-30T09:41:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=162"},"modified":"2015-01-30T11:41:37","modified_gmt":"2015-01-30T09:41:38","slug":"georges-bernanos-tagebuch-eines-landpfarrers-auszug-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=162","title":{"rendered":"Georges Bernanos: Tagebuch eines Landpfarrers (Auszug 3)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Und Gott hat sogar gewollt, dass es eine Heilige war. Er hat den alten Ritterbund geehrt. Das nie ausgelieferte, alte Schwert ruht auf Knien, die der Stolzeste der Unsern nur unter Tr\u00e4nen umfangen kann. Wiessen Sie, ich liebe diese zarte Erinnerung an den Turnierruf: &#8218;Ehre den Damen!&#8216; Ist das nicht etwas, wor\u00fcber euere gelehrten Herren vor \u00c4rger gr\u00fcn werden k\u00f6nnten, da sie schon einmal den Weibern nicht gr\u00fcn sind, was meinen Sie?&#8220;<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\n&#8222;Was werfen Sie den M\u00e4nnern der Kirche denn vor?&#8220; brachte ich schlie\u00dflich ziemlich dumm heraus.<br \/>\n&#8222;Ich? Nicht viel. Dass sie uns verweltlicht haben. Die erste echte Verweltlichung begann mit dem Soldaten, und zwar nicht erst gestern. Wenn ihr \u00fcber die Ausw\u00fcchse des Nationalismus jammert, sollte ihr euch daran erinnern, dass ihr einst mit den Kronjuristen der Renaissance gelieb\u00e4ugelt habt, als sie das christliche Recht in die Tasche steckten und mit z\u00e4her Geduld vor eurer Nase und euren Augen den heidnischen Staat wieder aufrichteten, den Staat, der kein andres Recht kennt als sein eigenes Wohl &#8211; die unbarmherzigen Vaterl\u00e4nder, die voll Habsucht und Hochmut sind.&#8220;<br \/>\n&#8222;H\u00f6ren Sie einmal&#8220;, sagte ich, &#8222;ich wei\u00df nicht viel von Geschichte, aber ich meine, in der feudalen Anarchie steckten doch auch Gefahren.&#8220;<br \/>\n&#8222;Sicherlich &#8230; Ihr aber habt diese Gefahren nicht auf euch nehmen wollen. Ihr habt die Christenheit unvollendet gelassen: sie bildete sich zu langsam, kostete zuviel und brachte zu wenig ein. Habt ihr nicht \u00fcbrigens fr\u00fcher euere Basiliken mit den Steinen der Tempel erbaut? Ein neues Recht, wo doch das Gesetzbuch des Justinian noch g\u00fcltig und greifbar war? &#8230; Der Staat, der alles \u00fcberwacht, und die Kirche, die den Staat \u00fcberwacht, diese klare und sch\u00f6ne Formel musste euern Politikern doch gefallen. Nur waren wir aber auch noch da! Wir hatten unsere Vorrechte und \u00fcber alle Grenzen hinaus unsere schrankenlose Bruderschaft. Wir hatten sogar unsere Kl\u00f6ster. Soldatenm\u00f6nche! Das mochte die Prokonsuln in ihren Gr\u00e4bern aufwecken, und auch euch war nicht wohl dabei. Soldatenehre, m\u00fcssen Sie wissen, l\u00e4sst sich nicht auf die Goldwaage der Kasuisten legen. Da braucht man nur den Prozess der Jungfrau von Orl\u00e9ans zu lesen. &#8218;Im Namen des bei Euern Heiligen beschworenen Glaubens, im Namen der Treue zu Euerm Lehnsherrn, im Namen der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des K\u00f6nigs von Frankreich verla\u00dft Euch auf uns&#8216;, sagten sie, &#8218;wir werden Euch von allem lossprechen.&#8216; &#8211; &#8218;Ich will nicht losgesprochen werden&#8216;, rief sie. &#8218;Dann werden wir Euch verdammen!&#8216; Da h\u00e4tte sie antworten k\u00f6nnen:&#8217;Ich werde also mit meinem Eid verdammt werden.&#8216; Denn unser Gesetz war der Eid. Ihr habt den Eid gesegnet, ihm aber geh\u00f6ren wir an und nicht euch.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Und Gott hat sogar gewollt, dass es eine Heilige war. Er hat den alten Ritterbund geehrt. Das nie ausgelieferte, alte Schwert ruht auf Knien, die der Stolzeste der Unsern nur unter Tr\u00e4nen umfangen kann. 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