{"id":155,"date":"2015-01-29T16:39:59","date_gmt":"2015-01-29T14:39:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=155"},"modified":"2015-01-29T23:38:06","modified_gmt":"2015-01-29T21:38:06","slug":"george-bernanos-tagebuch-eines-landpfarrers-auszug-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=155","title":{"rendered":"Georges Bernanos: Tagebuch eines Landpfarrers (Auszug 1)"},"content":{"rendered":"<p>>>Unsere Geschlechter hatten das Rittertum im Blut, die Kirche brauchte es nur zu segnen. Sie waren eben Soldaten, nichts als Soldaten, Soldaten, wie sie die Welt nie wieder gesehen hat. Sie waren Besch\u00fctzer des Staates und nicht dessen Diener, sie standen auf gleichem Fu\u00df mit ihm. Die h\u00f6chste Verk\u00f6rperung des Soldatentums der Vergangenheit, die des Soldaten am Pflug im alten Rom, haben sie gewisserma\u00dfen gestrichen. O gewiss, aus der Geschichte waren sie nicht alle gerecht noch sittenrein. Nichtsdestoweniger verk\u00f6rperten sie eine Gerechtigkeit, eine Art von Gerechtigkeit, an die sich seit Jahrhunderten das Leid der Elenden klammert und die manchmal deren Traum erf\u00fcllen. Denn schlie\u00dflich ist die Gerechtigkeit in der Hand der M\u00e4chtigen nur ein Werkzeug, um zu regieren, wie irgendein anderes auch. Warum nennt man sie Gerechtigkeit? Sagen wir eher Ungerechtigkeit, aber eine berechnete, leistungsf\u00e4hige Ungerechtigkeit, die gan und gar auf der schreckenerregenden Erfahrung von der Widerstandskraft des Schwachen aufgebaut ist, auf seiner F\u00e4higkeit zu leiden, Dem\u00fctigung und Ungl\u00fcck zu ertragen. Es ist eine genau auf jenem Spannungsgrad gehaltene Ungerechtigkeit, wie man ihn n\u00f6tig hat, um das R\u00e4derwerk der riesigen, die reichen Leute herstellende Maschine in Gang zu halten, ohne dass der Kessel platzt. Und da verbreitete sich eines Tags \u00fcber die ganze Christenheit das Ger\u00fccht, eine Art von Polizeitruppe des Herrn Jesus Christus sei im Entstehn begriffen &#8230; Ein blo\u00dfes Ger\u00fccht, was ist das schon, zugegeben. Aber sehn Sie: sobald man an den fabelhaften, anhaltenden Erfolg eines Buches wie Don Quijote denkt, kann man nicht umhin zu begreifen: Wenn sich die Menschheit durch Lachen f\u00fcr die Entt\u00e4uschung ihrer gro\u00dfen Hoffnung immer noch r\u00e4cht, so deshalb, weil sie sie lange genug gehegt, weil sie sie tief im Herzen getragen hat. Sie haben das Unrecht wieder gutgemacht, mit ihren eisernen F\u00e4usten haben sie es getan. Ihr k\u00f6nnt nun sagen, was ihr wollt: Die da schlugen mit gewaltigen schweren Hieben drein &#8211; mit den gewaltigen Hieben haben sie in unsere Gewissen eine Bresche geschlagen. Wie viele Frauen bezahlen heute noch einen hohen Preis f\u00fcr das Recht, die Namen jener M\u00e4nner zu tragen, die armen Soldatennamen. Und die einstmals von irgendeinem ungeschickten Handwerker auf ihre Schilde gemalten kindlichen Wappenzeichen sind nun der Traum der reichen Herren von Kohlengruben, Erzh\u00fctten und Stahlwerken. Finden Sie das nicht spa\u00dfig?&#8220; >><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>>>Unsere Geschlechter hatten das Rittertum im Blut, die Kirche brauchte es nur zu segnen. Sie waren eben Soldaten, nichts als Soldaten, Soldaten, wie sie die Welt nie wieder gesehen hat. Sie waren Besch\u00fctzer des Staates und nicht dessen Diener, sie standen auf gleichem Fu\u00df mit ihm. 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