{"id":147,"date":"2014-12-18T14:43:48","date_gmt":"2014-12-18T12:43:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=147"},"modified":"2014-12-18T14:43:48","modified_gmt":"2014-12-18T12:43:48","slug":"peter-dyckhoff-sterben-im-vertrauen-auf-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=147","title":{"rendered":"Peter Dyckhoff: Sterben im Vertrauen auf Gott"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.twoday.net\/elsalaska\/images\/buch37.jpg\"align=right\" alt=\"\" \/><br \/>\nDie zeitlose Kunst des Sterbens &#8211; eine Buchbesprechung von Barbara Wenz, erschienen am 20. November 2014 in Die Tagespost<\/p>\n<p>Im November gedenken wir nicht nur unserer Verstorbenen, auch die absterbende Natur weist deutlich darauf hin: Alles ist verg\u00e4nglich. Die geistliche Vorbereitung auf die eigene Sterbestunde ist in der heutigen Zeit nicht gerade eine weit verbreitete spirituelle Praxis; und obwohl wir in jedem Ave Maria beten \u201eBitte f\u00fcr uns, heilige Gottesmutter, jetzt und in der Stunde unseres Todes\u201c, so versuchen wir doch h\u00e4ufig jeden Gedanken daran zu vermeiden. \u201eSterben im Vertrauen auf Gott\u201c ist ein Buch, das uns an dieses Thema heranf\u00fchren will. Es besteht aus zwei Teilen. In der ersten H\u00e4lfte des Buches meditiert der Autor \u00fcber 11 Kupferstiche eines unbekannten Meisters aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, in denen f\u00fcnf Versuchungen des Teufels in der Sterbestunde f\u00fcnf Trost spendende Eingebungen der Engel sich gegen\u00fcber stehen. Im letzten Bild sieht man, wie die erl\u00f6ste Seele des Sterbenden, der den Kampf bestanden hat, von seinem Engel zum Himmel hinaufgetragen wird. Diese illustrierte Unterweisung, wie man eine gute Sterbestunde bestehen k\u00f6nne, wurde in der damaligen Zeit noch von jedem verstanden und sollte besonders auch Leseunkundigen eine Hilfe sein. Wir Heutige stehen etwas verloren vor den Stichen, weil wir zumeist verlernt haben, in den geistlichen Dimensionen des Mittelalters zu denken.<br \/>\nPeter Dyckhoff erweist sich in der Auslegung dieser ins Bild gefassten \u201ears moriendi\u201c, dieser \u201eKunst des Sterbens\u201c, als wahrer Meister. Jedes, h\u00e4ufig zun\u00e4chst unverst\u00e4ndliche Detail, wird von ihm erfasst und mit Sinn erf\u00fcllt. Seine Interpretationen werden dann zu regelrechten Bild-Meditationen, wenn er seine Ausf\u00fchrungen mit Zitaten aus den Psalmen, von Augustinus, Bernhard von Clairvaux, Hildegard von Bingen und anderer gro\u00dfer Heiliger und Kirchenlehrer erg\u00e4nzt. Das Gro\u00dfthema des Bilderzyklus ist die Verzweiflung des Sterbenden, welcher der Meister aus dem 15. Jahrhundert die Barmherzigkeit Gottes gegen\u00fcberstellt. Bemerkenswert ist dies auch aus dem Grund, weil von fr\u00fcheren Zeiten h\u00e4ufig gesagt wird, es habe keine \u201ebarmherzige Pastoral\u201c gekannt, sondern habe H\u00f6llenfeuer und Verdammnis gepredigt. Ebenfalls wird bei der Lekt\u00fcre verst\u00e4ndlich, warum es f\u00fcr die Menschen dieser Zeit so wichtig war, gut vorbereitet zu sterben und die schrecklichste Vorstellung ein j\u00e4her Tod war, welcher heute wiederum von vielen als durchaus w\u00fcnschenswerter denn ein l\u00e4ngeres und wom\u00f6glich schmerzhaftes Siechtum betrachtet wird.<br \/>\nDer mittelalterliche Mensch, der sich gut auf seinen Tod vorbereitet hatte, musste sich in der f\u00fcr seine Seele alles entscheidenden Sterbestunde nicht mehr mit irdischen Dingen besch\u00e4ftigen, eine der f\u00fcnf Versuchungen des Teufels. Vielmehr konnte er unbesorgt loslassen und nur noch auf die liebende Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Ebenso stellte der Abschied von Familie und Freunden eine wichtige Station w\u00e4hrend des Sterbeprozesses dar, damit sich der Sterbende allein auf sein Seelenheil, das in dieser Phase seines Lebens auf dem Spiel stand wie nie zuvor, konzentrieren und sich, mit dem Blick auf den nackten Christus am Kreuz, vollkommen in der Entfaltung der Tugenden Demut, Zuversicht und Geduld \u00fcben konnte. Vielleicht waren die Menschen, die diese psychologisch \u00e4u\u00dferst sensiblen Beobachtungen gemacht haben, in unserem modernen Sinne nicht aufgekl\u00e4rt, aber sie hatten daf\u00fcr praktisch tagein tagaus mit dem Tod und mit Todkranken zu tun. Je weiter in unserer modernen Gesellschaft das Sterben aus den H\u00e4usern und Familien ausgelagert wird \u2013 hier sind ausdr\u00fccklich nicht Hospize gemeint, sondern das anonyme, unbetreute Sterben in Krankenh\u00e4usern \u2013 desto weniger wird \u00fcber die \u201enovissima\u201c gewusst: im Mittelalter sprach man bezeichnenderweise von den \u201eneuesten\u201c, nicht von den \u201eletzten Dingen\u201c. <\/p>\n<p>Im zweiten Teil des Buches widmet sich der Autor zum einen seinen ganz pers\u00f6nlichen Erfahrungen mit Sterben und Tod in der eigenen Familie, zum anderen macht er sich Gedanken dar\u00fcber, warum der Tod \u00fcberhaupt sein muss und bietet nebenzu noch eine profunde Erl\u00e4uterung des Psalm 22, des Sterbegebets Jesu am Kreuz. Dyckhoff liefert uns Anleitungen dazu, wie die Besch\u00e4ftigung und der Umgang mit dem Tod zu einer existentiellen Demuts\u00fcbung werden kann, wie wir in der Auseinandersetzung mit dem Unverf\u00fcgbaren Gott begegnen k\u00f6nnen: \u201eWas von Gott kommt, muss unweigerlich auch zu Gott f\u00fchren.\u201c<br \/>\nDyckhoff gelingt ein positives, ein hoffnungsfrohes und zuversichtlich machendes Buch \u00fcber das Sterben im Vertrauen mit Gott, denn: \u201eIm Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben k\u00f6nnen und d\u00fcrfen wir bewusst auf unseren Tod zugehen, da Christus das T\u00f6dliche am Tod \u00fcberwunden hat.\u201c Nicht zuletzt bieten seine Ausf\u00fchrungen zum christlichen Sterben eine wertvolle Anleitung zum christlichen Leben, was zun\u00e4chst wie ein Paradox klingt, wurde von den gro\u00dfen Heiligen und vielen einfachen Gl\u00e4ubigen schon immer gewusst. Durch eine Vielzahl von angemessenen Gebeten und Meditationsvorschl\u00e4gen hat der Autor au\u00dferdem ein Buch geschrieben, das auch f\u00fcr Sterbebegleiter, ob ehrenamtlich oder ganz privat, \u00e4u\u00dferst hilfreich sein kann. An sich ist es die ideale Novemberlekt\u00fcre, bevor wir uns im Advent wieder auf die Geburt des Lichtbringers vorbereiten.<br \/>\nDoch da wir mitten im Leben vom Tod umfangen sind, wie eine uralte lateinische Antiphon, die sp\u00e4ter von Rilke abgewandelt wurde, besagt, ist es ein Buch, das keine Zeit hat. Und sofern, man das von einem Buch \u00fcber das Sterben sagen kann, ein Buch, das dank der Feinf\u00fchligkeit und des tiefen Glaubens seines Autors, dem Leser wohl tut. <\/p>\n<p>Peter Dyckhoff: Sterben im Vertrauen auf Gott<br \/>\nMedia Maria Illertissen, 2014<br \/>\nISBN 978-3-9816344-3-3<br \/>\nhttps:\/\/www.media-maria.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52],"tags":[63,59,61,60,62],"class_list":["post-147","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","tag-gott","tag-peter-dyckhoff","tag-sterben","tag-tod","tag-vertrauen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=147"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147\/revisions\/148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=147"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=147"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=147"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}