{"id":1407,"date":"2023-09-14T16:18:20","date_gmt":"2023-09-14T14:18:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=1407"},"modified":"2023-09-19T18:09:33","modified_gmt":"2023-09-19T16:09:33","slug":"tatjana-goritschewa-scharfe-kritikerin-der-katholischen-theologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=1407","title":{"rendered":"Tatjana Goritschewa &#8211; scharfe Kritikerin der deutschen katholischen Theologie"},"content":{"rendered":"<p>Ich lese zur Zeit ihre Werke &#8211; sie war eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tatjana_Michailowna_Goritschewa\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">zum Glauben gekommene russische Philosophin<\/a> &#8211; und habe gemeinsam mit einer lieben Freundin, die mit ihr befreundet war und in engem Briefwechsel stand, einen Artikel \u00fcber sie f\u00fcr die kommende Ausgabe des Vatican-Magazin geschrieben. Dass die osteurop\u00e4ischen Dissidenten aus der Zeit des Kalten Krieges heute praktisch aktueller sind denn je, hat ja bereits Rod Dreher in seinem j\u00fcngst auf Deutsch erschienenen Buch &#8222;Lebt nicht mit der L\u00fcge!&#8220; festgestellt. Die folgende Passage aber hat mich aufhorchen lassen. Sie stammt aus ihrem Titel &#8222;Unaufh\u00f6rlich sucht der Mensch das Gl\u00fcck&#8220;:<\/p>\n<p>&#8222;Die Zeit liegt lange hinter mir, als ich an einer theologischen Hochschule in Deutschland [Anm. BW: Sankt Georgen in Frankfurt] studierte und die Erfahrung machen musste, dass da mehr \u00fcber Gott gelacht wurde, als dass man, von seiner Gr\u00f6\u00dfe und Herrlichkeit ergriffen, seine Wirklichkeit verk\u00fcndet h\u00e4tte. &#8230; Ich fahre auch schon lange nicht mehr auf theologische oder exegetische Tagungen, wo etwa selbstzufriedene modernistische Exegeten mit gelehrter Miene beweisen wollen, dass es den &#8222;Stern von Bethlehem&#8220; nie gegeben hat (interessant genug, woher sie das so genau wissen) und dass selbst &#8222;Bethlehem&#8220; nie existiert hat. &#8230; &#8222;Dass Jesus in Bethlehem geboren wurde, das haben sich doch die Evangelisten nur ausgedacht. Eine ergreifende Unwahrheit, wollten sie doch nur, dass die alten Prophezeiungen in Erf\u00fcllung gehen.&#8220; Und weiter erz\u00e4hlte man uns, dass Isaak \u00e4lter als Abraham war und folglich nicht sein Sohn sein konnte und dass es nat\u00fcrlich auch das Opfer des Abraham nicht gegeben hat.<br \/>\nEine schreckliche Erinnerung habe ich an eine Versammlung, bei der die Teilnehmer \u00fcberwiegend katholische Priester waren. Als ich von der Wichtigkeit des Kreuzes sprach (&#8222;Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach&#8220;) st\u00fcrzten sie sich auf mich wie auf eine Verbrecherin: &#8222;Das ist doch Masochismus.&#8220; &#8222;Das Kreuz kam im Christentum erst sehr sp\u00e4t auf, die ersten Christen kamen auch ohne Kreuz aus&#8220;, so hielt man mir entgegen &#8211; aber die ersten Christen wurden eben auch gekreuzigt, deshalb brauchten sie das Symbol des Kreuzes nicht. &#8230;<br \/>\n&#8222;Was ist dann, Ihrer Meinung nach, das Ziel des christlichen Lebens?&#8220;, fragte ich diese gelehrten M\u00e4nner. Eine Antwort: &#8222;Das Ziel ist, dass die ganze Gemeinde reich und gesund ist.&#8220; Welch Primitivismus, welche Abgeschmacktheit! So weit sind nicht einmal die Bolschewiki heruntergekommen. Denn die Kommunisten m\u00f6chten Reichtum und Gesundheit f\u00fcr alle, nicht nur f\u00fcr sich selbst. Und doch waren das keine dummen Leute, die das gesagt hatten. Im Gegenteil, an sich waren diese kirchlich bestallten Ausleger des Wortes Gottes sympathische, gebildete Menschen, die ihren N\u00e4chsten Gutes w\u00fcnschten. Nur beten konnten sie \u00fcberhaupt nicht (obwohl, wie gesagt, fast alle Priester waren). Die meisten sagten, dass die &#8222;Periode des Gebets&#8220; bei ihnen schon weit zur\u00fcckliege. W\u00e4hrend eines \u00e4u\u00dferst kurzen &#8222;Gottesdienstes&#8220;, der diese Bezeichnung kaum verdiente [okay, alles, was unter zwei Stunden dauert ist kein Gottesdienst aus orthodoxer Sicht \ud83d\ude42 &#8211; Anm. BW], erhellte sich das Gesicht nur bei einer alten Frau &#8222;aus dem Volk&#8220;, die sich zuf\u00e4llig dort eingefunden hatte. Die \u00fcbrigen aber sa\u00dfen wie vorher schon mit kalten und gleichm\u00fctigen Mienen da, als ob da irgendein Tagungsgeschehen abliefe.<br \/>\nNach solchen &#8222;Konferenzen&#8220; werde ich f\u00fcr gew\u00f6hnlich physisch krank [&#8230;]&#8220;<\/p>\n<p>Soweit die Goritschewa. Und es hat sich in 40 Jahren nix ge\u00e4ndert, denn exakt so lief eine Pr\u00e4senzveranstaltung des &#8222;Fernkurs Theologie W\u00fcrzburg&#8220; vor ein paar Jahren ab. Der Dozent erz\u00e4hlte uns genau dasselbe zu Bethlehem, Priester nahmen jedoch nicht teil. Und ich war die einzige Frau, die gegen Frauenweihe war.<br \/>\nIch habe was mit Goritschewa gemeinsam. Das hat mich gefreut. Ja, und die alten Frauen &#8222;aus dem Volk&#8220; sind es h\u00fcben wie dr\u00fcben, die f\u00fcr ihre Kirche alles t\u00e4ten und auch tun. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lese zur Zeit ihre Werke &#8211; sie war eine zum Glauben gekommene russische Philosophin &#8211; und habe gemeinsam mit einer lieben Freundin, die mit ihr befreundet war und in engem Briefwechsel stand, einen Artikel \u00fcber sie f\u00fcr die kommende Ausgabe des Vatican-Magazin geschrieben. 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