{"id":1335,"date":"2023-01-26T15:26:55","date_gmt":"2023-01-26T13:26:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=1335"},"modified":"2023-01-26T15:41:06","modified_gmt":"2023-01-26T13:41:06","slug":"todestag-meines-lieben-grossonkels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=1335","title":{"rendered":"Todestag meines lieben Gro\u00dfonkels"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist &#8211; irgendwie passenderweise &#8211; auch noch der Todestag meines lieben Onkel Ernst.<\/p>\n<p>Onkel Ernst war ein WK II-Veteran, wie man kaum einen findet. <\/p>\n<p>Ich poste heute erneut meinen Nachruf aus seinem Todesjahr:<\/p>\n<p>R.I.P., Gro\u00dfonkel Ernst<br \/>\nDu hast zu deinem letzten Sprung angesetzt &#8211; und ich bin mir gewiss, dein Fallschirm ist aufgegangen und hat dich weich und sicher in der Hand des guten Gottes landen lassen.<\/p>\n<p>Du warst ein tapferer K\u00e4mpfer, der, 1921 geboren, fast alle deutschen Fronten des Zweiten Weltkrieges kennengelernt hat. Du hast Operation Merkur \u00fcber Kreta, als einer von wenigen, \u00fcberlebt, du warst vor Leningrad, in Tobruk, in Rom, und ganz zum Schluss auch noch in der Normandie, \u00fcber diese Schlacht hast du nie geredet, es war die Schlimmste von allen f\u00fcr dich &#8211; viele tote Kameraden hast du begraben m\u00fcssen, aber dein Herz war so gro\u00df, dass du auf Kreta noch das Leben eines an Malaria erkrankten Bauernjungen retten konntest. Das Wiedersehen mit dessen Familie nach 65 Jahren auf Kreta hast du, wie es sich geh\u00f6rt, mit Str\u00f6men von Rotwein tagelang feiern d\u00fcrfen &#8211; und bist daf\u00fcr sogar ins griechische TV gekommen. Die Griechen mochten dich, sie haben gewusst, du warst kein Nazi &#8211; nur ein Wehrmachtssoldat, der soviel Courage hatte, vom deutschen Sanit\u00e4tsdienst die Herausgabe von lebensrettenden Medikamenten f\u00fcr diesen Jungen zu erzwingen. Im kretischen TV w\u00fcrdigte man dich als &#8222;den Fallschirmj\u00e4ger, dessen menschliche und herzliche Tat mit Blick auf die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden k\u00f6nne&#8220;.<\/p>\n<p>Dem lieben Gott hast du versprochen, wenn er dich heil nach Hause kommen l\u00e4sst, dann wirst du jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen &#8211; und du hast deinen Eid gehalten, bis du nicht mehr konntest und pflegebed\u00fcrftig wurdest, liebevoll versorgt von deiner Tochter und Schwiegertochter und all deinen Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p>In einem Artikel \u00fcber Posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen, Milit\u00e4rseelsorge und die Hilfe des Glaubens f\u00fcr &#8222;Die Tagespost&#8220; im Dezember 2013 habe ich dich einmal zitiert, du hast mir damals eine beeindruckende Antwort und ein wahres Glaubenszeugnis auf meine Frage gegeben, wie du den Zweiten Weltkrieg halbwegs psychisch \u00fcberstehen konntest:<\/p>\n<p><em>>>Grausame Schlachten: Kreta, Russland, Afrika, Italien und zum Schluss Frankreich \u2013 die Normandie! Die bitterste Schlacht meiner Kriegsjahre. Vielen Kameraden musste man f\u00fcr immer die Augen schlie\u00dfen, in fremder Erde zur Ruhe betten. Immer nach den bitteren Schlachten dankte ich meinem Vater im Himmel f\u00fcr seinen Beistand, der mich noch heute t\u00e4glich begleitet.<<<\/em><\/p>\n<p>Und nebenzu hast du immer Gedichte geschrieben, Heimatgedichte \u00fcber die sch\u00f6ne S\u00fcdpfalz vor allem, aber auch eines, an dem du eine Frage an deine Kameraden &#8211; und an deine Feinde formuliert hast, die an dieser Stelle noch mal ihren Platz finden soll &#8211; denn wie jeder vorbildliche und echte Soldat warst du zwar ein z\u00e4her K\u00e4mpfer, aber dabei von ganzem Herzen gegen den Krieg.<\/p>\n<p>\nWherefore &#8211; von Ernst Daum<br \/>\n<br \/>\nWherefore, my friend, we&#8217;re fighting here<br \/>\nthis bloody battle, tell me, what<br \/>\nwe are killing for &#8211; dishonour rules wherefore<br \/>\nThe enemy &#8211; a man like me, began his life like you&#8217;d begun<br \/>\nremember, friend, a loving mother&#8217;s beloved son.<br \/>\nHow many killed on battlefields are never to come home<br \/>\nto kiss again their mother&#8217;s cheeks, their wife&#8217;s lips and sister&#8217;s brow?<br \/>\nInstead of this they&#8217;re staining now<br \/>\nthe fighting grounds<br \/>\nwith purple blood of theirs<br \/>\nand as you listen you may hear<br \/>\nthe begging pleading crying<br \/>\nand sometimes, friend,<br \/>\nthe silent sound of praying.<br \/>\nMy buddy soldier, are you thinking now how this will end for us?<br \/>\nWherefore, my friend?<br \/>\nLet us accuse this slaughter fury hell<br \/>\nBut even more, let&#8217;s take a stand and pray,<br \/>\nthere&#8217;ll come a day, our children, friend,<br \/>\nwill realize that battle&#8217;s but a stupid word<br \/>\nfor silly games they used to play.<\/p>\n<p>PS: Sein Todestag liegt einen Tag vor dem Jahrestag der Befreiung von Leningrad &#8230;<\/p>\n<p>Und jetzt gehe ich eine Kerze f\u00fcr ihn anz\u00fcnden an seinem Grab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist &#8211; irgendwie passenderweise &#8211; auch noch der Todestag meines lieben Onkel Ernst. 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