{"id":130,"date":"2014-10-30T01:50:19","date_gmt":"2014-10-29T23:50:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=130"},"modified":"2014-10-30T01:50:46","modified_gmt":"2014-10-29T23:50:46","slug":"der-kollege-martin-d-wind-an-katharina-reiche-cdu-zum-vorstoss-in-der-sterbehilfe-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=130","title":{"rendered":"Der Kollege Martin D. Wind an Katharina Reiche (CDU) zum Vorsto\u00df in der Sterbehilfe-Debatte"},"content":{"rendered":"<p>>>Meine Meinung dazu:<\/p>\n<p>Ich nehme an, liebe Frau Reiche, Sie sind davon \u00fcberzeugt, etwas &#8222;Gutes&#8220; zu tun. Ich nehme auch an, dass Sie zumindest erstaunt, wenn nicht gar ver\u00e4rgert dar\u00fcber sind, dass es Menschen gibt, die sich Ihnen und Ihren Mitstreitern in den Weg stellen und Ihr vermeintlich &#8222;gutes Anliegen&#8220; stoppen wollen.<\/p>\n<p>Wissen Sie, es gab in der Geschichte der Menschheit schon immer solche Menschen, die etwas &#8222;gut gemeint&#8220; haben. Und hier sehen Sie schon, wohin meine Argumente f\u00fchren werden. Das Gegenteil von &#8222;gut gemacht&#8220; ist &#8222;gut gemeint&#8220;. Und mehr kann ich Ihrer Idee auch nicht abgewinnen.<\/p>\n<p>Aus gutem Grund hat die Natur beinahe allen Lebewesen eine nat\u00fcrliche Scheu vor dem T\u00f6ten anderer Lebewesen mitgegeben. Selbst Tiere, die sich von anderen Tieren ern\u00e4hren, m\u00fcssen erst lernen, f\u00fcr ihr Futter zu t\u00f6ten. Bei uns Menschen ist sogar festzustellen, dass wir &#8211; wenn wir nicht irgendwelche krankhaften St\u00f6rungen haben &#8211; unsere T\u00f6tungshemmung in der Regel nur dann \u00fcberwinden k\u00f6nnen, wenn wir uns in extremsten physischen und psychischen Ausnahmezust\u00e4nden befinden oder aber zumindest ein kulturelles Ritual um die Notwendigkeit des T\u00f6tens ben\u00f6tigen (Armee, Blutrache, Ehre). Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, so sind sich eigentlich beinahe alle Menschen kultur\u00fcbergreifend einig, dass die T\u00f6tung eines Mitmenschen nicht geduldet wird oder gar zu sanktionieren ist, sei es strafrechtlich oder mit moralisch-gesellschaftlicher \u00c4chtung.<\/p>\n<p>Und ehrlich gesagt: Das ist auch gut so.<\/p>\n<p>In der Szene der T\u00f6tungsbef\u00fcrworter zum Lebensende wir viel von Menschenw\u00fcrde, Humanit\u00e4t und Menschenrecht geredet. Und da wird dann oft &#8211; durchaus belegbar &#8211; behauptet, dass man den &#8222;Willen eines leidenden Menschen respektieren&#8220; m\u00fcsse. Es muss allerdings auch die Frage gestellt und ERHLICH beantwortet werden, wie dieser Wunsch und Wille zustande kommt.<\/p>\n<p>Aus der Szene der Menschen, die Sterbenden auf ihrem letzten Weg beistehen, wird dazu oft Erstaunliches erz\u00e4hlt. Z. B., dass Menschen, die sterbenskrank in ein Hospiz kommen, mehrfach den Wunsch \u00e4u\u00dfern, jetzt &#8222;endlich sterben zu d\u00fcrfen, weil sie das so wollen&#8220;. Interessanterweise haben diese &#8222;hoffnungslosen Menschen&#8220; es in der Regel nicht mehr gar so eilig mit der finalen Umsetzung ihres Wunsches wenn sie eine gut gef\u00fchrte Palliativbetreuung erhalten, bei guter und liebevoller Zuwendung und nachdem man ihnen sehr deutlich gezeigt hat, dass sie keineswegs eine &#8222;Belastung f\u00fcr ihre Umgebung&#8220; darstellen. Diese Erfahrungen sind f\u00fcr die Niederlande und Belgien dokumentiert und auch in Deutschland (wenn mich nicht alles t\u00e4uscht sogar statistisch untersucht) abrufbar.<\/p>\n<p>Solche Erfahrungen und Berichte sollten Ihnen deutliche Hinweis auf Hintergr\u00fcnde des Sterbewunsches geben und Sie dar\u00fcber nachdenken lassen, ob Sie sich nicht besser daf\u00fcr einsetzen sollten, im Umfeld von Schmerz- und Sterbepatienten etwas zu \u00e4ndern anstatt dem Objekt der Pflege mehr oder weniger nett verpackt mitzuteilen, dass es sich selbst und seine Umgebung doch bitte von seinem siechen Dasein befreien m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Ich habe in der eigenen Familie erlebt, wie meine hochbetagte Gro\u00dfmutter nach jahrelangem &#8222;abwesendem&#8220; Siechtum und aufw\u00e4ndiger Pflege an ihrem letzten Weihnachten aus ihrer tiefen geistigen Nacht aufgestiegen ist und zu ihrer eigenen und unser aller Freude ihre alten Weihnachtslieder mit strahlenden Augen und br\u00fcchiger Stimme gesungen hat. SIe ist dann am folgenden Ostern verstorben. Dieser eine kleine Moment des Gl\u00fccks in einer geborgenen Atmosph\u00e4re w\u00e4re uns und ihr nicht verg\u00f6nnt gewesen, h\u00e4tten wir als pflegende Angeh\u00f6rige entschieden, sie Jahre fr\u00fcher von ihrem &#8222;Leiden zu erl\u00f6sen&#8220;. Sie k\u00f6nnen jetzt behaupten, das sei eine egoistische Sichtweise. M\u00f6glich. Aber ich habe meiner Gro\u00dfmutter in die strahlenden Augen gesehen und ich habe Abschied genommen von einer hinf\u00e4lligen und &#8222;abwesenden&#8220; Frau, die aber in diesem Moment wusste, dass sie, geborgen im Kreise wirklich wohlmeinender Menschen, in Ruhe eines nat\u00fcrlichen Todes sterben darf.<\/p>\n<p>Das ist nur ein erster Denkansto\u00df. Es ist ein relativ oberfl\u00e4chlicher Einstieg mit nur einem Argument und einer Linienf\u00fchrung. Ich hoffe, er setzt bei Ihnen einen Denkprozess in Gang, der Sie zu einer wirklich am Menschen und an der Menschenw\u00fcrde orientierten Einstellung zu einer wahrhaftig &#8222;humanen&#8220; Sterbebegleitung f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Das w\u00fcnsche ich Ihnen von Herzen.<<\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>>>Meine Meinung dazu: Ich nehme an, liebe Frau Reiche, Sie sind davon \u00fcberzeugt, etwas &#8222;Gutes&#8220; zu tun. Ich nehme auch an, dass Sie zumindest erstaunt, wenn nicht gar ver\u00e4rgert dar\u00fcber sind, dass es Menschen gibt, die sich Ihnen und Ihren Mitstreitern in den Weg stellen und Ihr vermeintlich &#8222;gutes Anliegen&#8220; stoppen wollen. 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