{"id":104,"date":"2014-08-16T12:59:13","date_gmt":"2014-08-16T10:59:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=104"},"modified":"2014-08-16T12:59:53","modified_gmt":"2014-08-16T10:59:53","slug":"rezension-das-farnese-komplott-von-ulrich-nersinger-in-die-tagespost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-wenz.de\/?p=104","title":{"rendered":"Rezension &#8222;Das Farnese-Komplott&#8220; von Ulrich Nersinger in &#8222;Die Tagespost&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Ein Vatikankrimi der besonderen Art<br \/>\nvon <a href=\"http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php?title=Ulrich_Nersinger\"target=\"_blank\">Ulrich Nersinger<\/a>, erschienen in &#8222;<a href=\"http:\/\/www.die-tagespost.de\/2008\/index.php\"target=\"_blank\">Die Tagespost<\/a>&#8220; vom 16. August 2014<\/p>\n<p>Im Sommer 2011 verbl\u00fcffte die Zeitung des Papstes ihre Leser mit einem Artikel zu einem ganz besonderen Genre des gedruckten Wortes. Gian Maria Vian, der Chefredakteur des \u201eOsservatore Romano\u201c, lobte Vatikanromane, und zwar jene, die aus der Feder des australischen Schriftstellers Morris L. West stammen. Der bekennende Katholik, so Vian, habe spannende Literatur zuwege gebracht, die sich kritisch, aber fair mit der Kirche und dem Vatikan auseinandersetze. Wer den Beitrag im \u201eOsservatore Romano\u201c aufmerksam las, konnte ihm nicht nur das Lob auf einen bedeutenden zeitgen\u00f6ssischen Autor entnehmen, sondern auch die Aufforderung, das weite Feld und breite Spektrum der Kirchenkrimis nicht allein Gegnern des christlichen Glaubens zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Kriminalromane mit einem religi\u00f6sen Bezug, im besonderen Vatikan-Thriller, sch\u00f6pfen zu einem nicht unerheblichen Teil aus allseits bekannten Klischees. Vor allem ein mittelalterlicher Ritterorden, die Templer, und die unvermeidliche Suche nach dem heiligen Gral haben es vielen Autoren angetan. Sogar die Welt der Engel und D\u00e4monen wird unbek\u00fcmmert auf die Erde geholt \u2013 und nach Rom versetzt; die Nephilim, Wesen aus den Verbindungen gefallener Engel mit den Menschen, treiben sodann im Vatikan ihr Unwesen. Auch neuere kirchliche Ereignisse, wie jene, die sich 1917 in einem bekannten portugiesischen Wallfahrtsort ereigneten, taugen zur Vermarktung. Warum nicht ein drittes \u201eentstelltes\u201c Geheimnis von Fatima enth\u00fcllen, oder sogar ein viertes und f\u00fcnftes?<\/p>\n<p>Barbara Wenz, geboren 1967 in der S\u00fcdpfalz, anerkannte Sachbuchautorin und regelm\u00e4\u00dfige Autorin dieser Zeitung, die seit mehr als einem Jahrzehnt in Italien lebt, hat im K\u00f6lner Emons-Verlag einen Kriminalroman herausgebracht, der auf den ersten Blick die \u00fcblichen Ingredienzien f\u00fcr einen Vatikan-Thriller verwendet haben d\u00fcrfte: Bereits im Prolog ergreift eine Ordensfrau das Handwerk eines Profikillers, eine geheimnisumwitterte Reliquie aus der Zeit Christi durchzieht das Geschehen wie ein roter Faden und die Protagonisten der Geschichte m\u00fcssen sich innerhalb und au\u00dferhalb der vatikanischen Mauern einer Verschw\u00f6rung gegen die Kirche erwehren. Und dennoch ist das von Barbara Wenz gesponnene \u201eFarnese-Komplott\u201c keines der \u00fcblichen auf den Buchmarkt geworfenen Werke, die sich den Vatikan als Tummelplatz ihrer schillernden \u201epersonae dramatis\u201c erkoren haben.<\/p>\n<p>Die Autorin gibt dem Roman wie bei einem Bild eine besondere Grundierung; sie w\u00e4hlt hierzu ihre Version der Geschichte des \u201eVolto Santo\u201c, des Schleiertuchs von Manoppello, das dem Betrachter das Gesicht Jesu Christi zeigen soll. Mit der abenteuerlichen, aber durchaus nachvollziehbaren Erz\u00e4hlung \u00fcber die ber\u00fchmte Tuchreliquie wird das nicht weniger spannende und ereignisreiche Geschehen der Gegenwart immer st\u00e4rker verbunden, ohne dass sich die Story ins unerquicklich Mystische verliert. Krista Winther, eine deutsche Journalistin, ist in der Ewigen Stadt eingetroffen, um die Nachfolge des Rom-Korrespondenten des \u201eFrankfurter Allgemeinen Anzeigers\u201c, Manfred Moorstein, anzutreten. Als sie Moorstein aufsuchen will, findet sie dessen Wohnung verw\u00fcstet vor. Der Kollege ist spurlos verschwunden; alles deutet auf ein Verbrechen hin.<br \/>\nDer Schleier mit dem Antlitz Christi kommt auch vor<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Monsignore Lorenzo Farnese, dem Spross einer altehrw\u00fcrdigen Adelsfamilie, und dem vatikanischen Gendarmerie-Inspektor Gabriele Cairo macht sich Krista Winther auf die Suche nach den Hintergr\u00fcnden und erf\u00e4hrt, dass der \u201eVolto Santo\u201c, der Schleier mit dem Antlitz Christi, eine besondere Rolle in dem Fall spielt. Das Ermittlertrio findet sich schon bald in Ereignisse verwickelt, bei dem es nicht nur um eine ber\u00fchmte Reliquie der Christenheit geht, sondern um weitaus mehr. Es muss mit viel Cleverness und Geschick dem Spiel der Intrigen, massiven Behinderungen und sogar Mordanschl\u00e4gen ausweichen.<\/p>\n<p>Die Journalistin, der Monsignore und der Inspektor werden von der Autorin \u201eromgerecht\u201c beschrieben \u2013 so k\u00f6nnten sie tats\u00e4chlich in der Ewigen Stadt existieren und agieren. Es macht Spa\u00df, den drei Protagonisten durch Rom zu folgen. Die \u00d6rtlichkeiten, die sie aufsuchen, sind real und werden anschaulich geschildert: die Bar in der Via delle Grazie (und ebenso die Wohnung des verschwundenen Rom-Korrespondenten), der Palazzo San Carlo und die verschlungenen Stra\u00dfen und Wege der Vatikanstadt, das Kloster Santa Maria del Rosario auf dem Monte Mario. Nur der Besuch in der Kantine der helvetischen Leibwache des Papstes w\u00fcrde wohl so nicht vom strengen Gardekommando geduldet werden. Geschichtliche Hintergr\u00fcnde, vatikanische Interna und r\u00f6mische Besonderheiten werden ansonsten aber ebenso korrekt wie liebenswert dargestellt.<\/p>\n<p>Die kriminellen Vorg\u00e4nge und Absichten, denen der Leser auf den Seiten des Buches begegnet, sind nicht frei erfunden, keine reinen Fantasieprodukte; sie haben durchaus ihre \u201eVorbilder\u201c in \u201ebella Italia\u201c \u2013 und auch im Vatikan. Wenn es das eine oder andere Mal allzu skurril zu werden droht, wei\u00df Barbara Wenz den Humor auf den Punkt genau als notwendiges Korrektiv einzusetzen. Der Humor ist \u00fcbrigens eine der gro\u00dfen St\u00e4rken der Geschichte; man ertappt sich recht h\u00e4ufig bei einem Schmunzeln.<\/p>\n<p>Der Roman ist durch und durch kirchlich und erfreulich katholisch orientiert \u2013 ohne je aufdringlich, moralisierend oder fr\u00f6mmlerisch zu sein. Am Ende des spannenden Lesevergn\u00fcgens steht, wie es sich f\u00fcr einen ordentlichen Krimi geh\u00f6rt, ein Plot. Aber die Autorin schafft es, dass man sich nicht allzu bequem zur\u00fccklehnen und das Buch zuklappen kann. Den Fortgang einiger Handlungsstr\u00e4nge h\u00e4lt Barbara Wenz in der Schwebe und \u00fcberl\u00e4sst ihn der Fantasie des Lesers. Oder \u2013 und das erhofft man sich im Grunde \u2013 sie hat in der Tradition amerikanischer Krimiserien kleine Cliffhanger geschaffen, die auf ein weiteres Abenteuer mit der Signorina Winther, Monsignore Farnese und dem Ispettore Cairo hindeuten.<\/p>\n<p>Barbara Wenz: Das Farnese-Komplott,<\/p>\n<p>Emons-Verlag, 2014, 224 Seiten,<\/p>\n<p>ISBN 978-3-95451-313-0, EUR 9, 90<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vatikankrimi der besonderen Art von Ulrich Nersinger, erschienen in &#8222;Die Tagespost&#8220; vom 16. August 2014 Im Sommer 2011 verbl\u00fcffte die Zeitung des Papstes ihre Leser mit einem Artikel zu einem ganz besonderen Genre des gedruckten Wortes. 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