Journalistin und Autorin

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Ex oriente lux

September 19, 2020   No Comments

Programmhinweis: Dem Schutz des Papstes verpflichtet – Schweizer Garde und Gendarmerie

Dass es neben der Schweizer Garde auch noch eine Gendarmerie im Vatikan gibt, war mir lange Zeit nicht bewusst – bis ich mich mit der Arbeit des exzeptionellen deutschen Vatikanhistorikers Ulrich Nersinger beschäftigte – und ihn auch einmal persönlich kennen lernen durfte. Seit mein Vatikan-Krimi „Das Farnese-Komplott“ herausgekommen ist, wissen es nun auch alle seine Leser. Untenstehend ein Programmhinweis zum Thema:

EWTN.TV-Spezial: „Dem Schutz des Papstes verpflichtet – Schweizergarde und Gendarmerie“ | Zweiteilige Sondersendung

KÖLN / ROM (EWTN.TV) Vatikanische Gedenktage besitzen in der Regel liturgischen Charakter. Oder sie rufen den Jahrestag des Amtsantrittes von Papst Franziskus und dessen Namenstag in Erinnerung. Als rein weltliches Fest begeht man alljährlich den 11. Februar, den Tag, an dem 1929 der Vatikanstaat gegründet wurde. Militärische Gedenktage kennt der offizielle Kalender des Papstes nicht. Doch der September 2020 lädt dazu ein, einen Blick auf ein besonderes Ereignis vor 50 Jahren zu werfen: Noch vor fünfzig Jahren verfügte der Vatikan über eine imponierende Anzahl von Soldaten.

Die „Armee“ des Heiligen Vaters setzte sich zusammen aus der Nobelgarde (siebzig Aristokraten), der Schweizergarde; der Palatingarde (eine fünfhundert Mann starke Bürgermiliz) und rund hundertfünfzig Gendarmen. Am 15. September 1970 ließ Papst Paul VI. (1963-1978) Nobelgarde und Palatingarde auflösen und die Gendarmerie in eine zivile Polizei-Einheit umwandeln. Nur die altehrwürdige Schweizergarde durfte weiter bestehen. Anlässlich dieses Datums spricht der Historiker Ulrich Nersinger mit Robert Rauhut über die Geschichte und Gegenwart der Schweizergarde und der Gendarmerie.

Im ersten Teil unserer beiden Sondersendungen geht es um die Historie und Aufgabe der vier päpstlichen Korps und warum sich der Heilige Vater zu einer „Entmilitarisierung“ des Vatikans entschied. Ausführlich geht dann das Gespräch auf die mehr als fünfhundertjährige Geschichte der Päpstlichen Schweizergarde ein.

Die zweite Sondersendung wirft einen Blick auf die aktuellen Aufgabenbereiche der Schweizergarde und fragt nach deren Organisation und Ausbildung. Im Gespräch mit Robert Rauhut schaut Ulrich Nersinger auf die Zukunft der helvetischen Leibwache, die von Papst Franziskus auf 135 Mann aufgestockt und der ein Neubau ihrer Kaserne zugesichert wurde. Die Sendung behandelt auch die Frage, wie sich der Übergang von der alten Gendarmerie zu einem zivilen Wachkorps gestaltete, das dann erst nach 30 Jahren wieder eine neue Wertschätzung als vatikanisches Gendarmeriekorps erfuhr. Auskunft wird auch über Organisation und Ausbildung gegeben, ebenso über die Sondereinheiten („Special Forces“) des Korps. Nachgegangen wird den Fragen, ob sich Schweizergarde und Gendarmerie als „Konkurrenz-Unternehmen“ sehen und wie man auf die Sicherheitsbedrohungen der heutigen Zeit reagiert.
Ulrich Nersinger ist Historiker und Theologe. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zur Kirchengeschichte. Unlängst erschienen von ihm „Päpste“ (Reclam Verlag) und „‚Es lebe der Papst-König!’: Der militärische Kampf um den Kirchenstaat (1860-1870)“ (Bernardus Verlag).

Die beiden Sondersendungen werden am Freitag, dem 11. September um 21.30 Uhr und am Sonntag, dem 13. September um 22 Uhr auf EWTN.TV ausgestrahlt. Wiederholungen sind am 12. September um 15.30 Uhr und am 14. September um 9.30 Uhr geplant. Die Sendungen finden sich zudem in der Mediathek auf www.ewtn.tv und auf dem Youtube-Channel von EWTN.TV.

Die Sendetermine in der Übersicht:
Teil I: Dem Schutz des Papstes verpflichtet – Schweizergarde und Gendarmerie
Freitag, 11.9., 21.30 Uhr
(Wh. Samstag. 12.9.,15.30 Uhr)

Teil II: Dem Schutz des Papstes verpflichtet – Schweizergarde und Gendarmerie
Sonntag, 13.9., 22 Uhr
(Wh. Montag, 14.9., 9.30 Uhr)

September 11, 2020   No Comments

Neue Arbeiten von mir

Am 6. August 20 erschien in „Die Tagespost“ ein Artikel von mir über die Vorgänge auf dem Berg Athos. Einige ultraorthodoxe Mönche unter Führung ihres Abtes Methodios leisten erbitterten Widerstand gegen die vom griechischen Staat angeordnete Räumung ihres Klosters und ihr Feindbild ist dabei Patriarch Bartholomeos, der gemeinsam mit dem römisch-katholischen Papst bete und überhaupt ein Häretiker sei. Darum „Orthodoxie oder Tod!“

Ebenfalls im Monat August wurde die wiederaufgerichtete Mariensäule auf dem Prager Altstädter Ring von Kardinal Dominik Duka geweiht, auch darüber gab es einen kurzen Bericht von mir.

Ansonsten blieb ich nicht untätig und bereite – mit Gottes Hilfe – ein neues Buchprojekt vor, für das ein kleiner, aber wichtiger Verlag bereits Interesse angemeldet hat.

Im Oktoberheft des Vatican-Magazins wird dann auch, nach meiner unmassgeblichen „Abrechnung“ mit dem Pazifismus Leo Tolstois :-), wieder ein Heiligtum der besonderen Art vorgestellt – und weil wir alle Fernweh haben, wird es eine wunderschöne Kirche mit einem wundertätigen Kruzifix in Italien sein.

September 1, 2020   No Comments

Alle Schimanski Tatorte

Nun zu den Dingen, die wirkliche Relevanz besitzen:

>>Zum 50-jährigen Bestehen der „Tatort“-Krimireihe hat der WDR für die Zuschauer wieder eine Überraschung im Gepäck. Der Sender zeigt alle 29 Schimanski-Folgen. Der erste „Tatort“ von 1981 mit Götz George (1938-2016) als Kult-Kommissar Horst Schimanski zeigt Das Erste an diesem Freitag. Bis zum 10. November laufen danach zehn weitere Folgen jeweils dienstags im WDR Fernsehen, wie der Westdeutsche Rundfunk am Montag in Köln mitteilte.

Die restlichen der 29 Schimanski-„Tatorte“, die von 1981 bis 1991 entstanden, sollen dann 2021 zu sehen sein. Alle Folgen sind jeweils 90 Tage lang in der ARD-Mediathek zu sehen. Laut WDR werden alle Folgen restauriert und in HD-Qualität ausgestrahlt.<< Vermeldet t-online hier

August 31, 2020   No Comments

Cor ad cor loquitur

Wenn Herz zu Herz spricht, dann wird ersichtlich, wie überflüssig das Gesalbadere der meisten deutschen Apostelnachfolger eigentlich ist, die sich vor Karl-Marx-Statuen ablichten lassen, ausgerechnet in Sichtweite der Kreuzigungsstätte Jesu ihre Kreuze ablegen oder meinen befinden zu müssen, Deutschland hätte es „geschafft“, wenn doch die bislang und widerlichste frauenfeindlichste Aktion durch schutzbedürftige Landesgäste auch noch vor der eigenen Haustüre, dem Domportal, stattgefunden hatte.
Mein guter und lieber Freund Armin Schwibach erzählt heute auf kath.net eine bezaubernde Geschichte, die allerdings AUCH das Antlitz dieser schlimmen Zeit zeigt – ein leuchtendes sogar:

>>Erzbistum Mailand, die ambrosianische und größte Diözese der Welt. Mailand war in diesen Covid-Monaten wie die ganze Lombardei auf dramatische Weise betroffen, eines der Ansteckungszentren. Wenn man bei allem Lockdown, geschlossenen Schulen und Kindergärten vergisst: was geschieht in Kindern und jungen Leuten, die plötzlich aus ihrem sozialem Umfeld gerissen werden, die jede Form von Gewohnheit und Sicherheit verlieren? Das Fernsehen war in jener Zeit voller „Experten“, die Ärztezunft stand im Mittelpunkt, Abende wurden mit ihnen auf Sofas und Sesseln in den verschiedensten Talkformaten alle möglichen technischen Aspekte der angeblichen Pandemie abgefeiert. Was fehlte: waren die „Experten“ des „Humanum“. Eine gähnende Leere, und eine bestürzende Wortlosigkeit.
Ein Sechzehnjähriger aus Mailand – er wandte sich gerade im Hinblick auf die Glaubens- und Kirchenkrise mit einem kurzen und handgeschriebenen Brief an Erzbischof Carlo Maria Viganò. Der Erzbischof zeichnete sich vor allem in den letzen Monaten dadurch aus, dass er in Italien und im englischsprachigen Raum intensive Diskussionen um die Glaubensgründung, das Glaubensleben und die Geschichte der Gegenwart im Hinblick auf das II. Vatikanische Konzil anstieß.<< Weiterlesen hier.

August 31, 2020   No Comments

Update #reichtagssturm

Diversen Meldungen auf seriösen Nachrichtenseiten wie zettbe t-online.de und der Tagesspiegel (tongue in cheek) hat eine Heilpraktikerin aus Aachen mit „markanten Dreadlocks“ zum „Sturm“ auf „das Herz“ der „Demokratie“ aufgerufen, nachdem sie zuvor bei der russischen Botschaft darum gebeten hatte, man möge auf „uns“, also die Demonstranten, bitte aufpassen.

Kannste dir nicht ausdenken.

August 31, 2020   No Comments

Mögest Du in interessanten Zeiten leben

lautet angeblich der populärste chinesische Fluch, den ich allerdings nie verifiziert habe.
Nun, dass also angeblich 3000 Mann versucht hätten, den deutschen Reichstag, das „Herz der deutschen Demokratie“ zu erstürmen und bei diesem Vorhaben von lediglich drei Polizisten aufgehalten worden sein sollen, diese Anekdote werde ich meinen 20 Großnichten und – neffen einstmals noch erzählen können.
Unverständlich bleibt mir dabei, wieso eine knappe Hundertschaft nicht irgendwelche Salafistendemos aufhalten konnte, oder zum 1. Mai oder wahlweise zu allen möglichen Gelegenheiten, wenn eigentlich drei gestandene Männer reichen und wieso überhaupt in Berlin eine ekelhaft antisemitische Demo zum alljährlichen Al Quds nicht verhindert werden kann.

Aber so lange das alles in Berlin stattfindet und Kardinal Woelki findet, dass wir es geschafft haben, soll es mir halt recht sein.

August 30, 2020   No Comments

I must be dreaming – it can’t be true #Beirut

Before he leaves the camp he stops
He scans the world outside
And where there used to be some shops
Is where the snipers sometimes hide
He left his home the week before
He thought he’d be like the police
But now he finds he is at war
Weren’t we supposed to keep the peace?

And who will have won
When the soldiers have gone?
From the Lebanon
The Lebanon
The Lebanon
From the Lebanon

August 21, 2020   1 Comment

Warum ich aktive Sterbehilfe ablehne

Nach der Lektüre des bewegenden Buches „Ich liebe Dich so, wie ich bin“ von Maria Elisabeth Schmidt, das sie mir freundlicherweise zugesendete hatte, kamen viele Erinnerungen an die Krankheit und den Tod meiner Mutter wieder bei mir auf. Zunächst möchte ich uneingeschränkt die Lektüre dieses Buches empfehlen. Es ist im Christiana-Verlag mit einem Vorwort des verstorbenen Kardinal Meisners erschienen und ein bewegendes Zeugnis über die Liebe zum Leben, selbst in Stunden der Verzweiflung und des, ja, Grauens. Maria hat ihren schwer an Krebs erkrankten Ehemann bis zuletzt im liebenden Vertrauen auf die Güte Gottes begleitet. Der Leser, ich zum Beispiel, mag sich fragen, ob sein Glaube für eine solche Situation eigentlich stark genug sein könne.
Nach dem Tod meiner Mutter im Jahr 2015 konnte ich für einige Monate nicht die Heilige Messe besuchen.
Ich war zornig und böse mit Gott, dass er mir dies auch noch nach dem ebenfalls schrecklichen Tod meines Vaters im Jahre 2007 zugemutet hat. Dabei war ich eigentlich nicht egoistisch, auch wenn es so klingt. Immer, wenn ich aus Verzweiflung weinte, war mir vollständig bewusst: Was weinst du eigentlich? Schließlich ist es deine Mutter, die an einer furchtbaren Krankheit leidet und sterben muss! Was soll das Selbstmitleid!
Solche Gedanken sind natürlich wenig hilfreich und wenig barmherzig. In einer solchen Situation tut nichts mehr not als Güte gegen sich selbst. Aber das war mir noch nicht klar. Als ich endlich nach Monaten beichten konnte – ich war in Italien in einem Franziskanerkonvent, zeigte der greise Priestermönch sich ehrlich schockiert darüber, dass ich Gott so vergessen hatte, ja, dasss ich dadurch versäumt hatte, für Mamma ordentlich beten zu können.
Es war diese Beichte, nach der ich nicht anders konnte als bei der Heiligen Messe danach bei der Austeilung des Allerheiligsten in die Knie zu sinken und seither empfange ich kniend die Kommunion. Es gab keine andere Option mehr. Und wenn es auch noch so unbequem war (by the way sehe ich keine Not darin, Gläubigen, die das gerne machen möchten, nicht eine Bank hinzustellen, damit sie nicht vornüberfallen).
Nun flammt ja hin und wieder mal gerne die „Debatte“ über aktive Sterbehilfe auch in angeblich christlichen Kreisen auf. Wenige Tage vor dem Erstickungstod meiner Mutter, der mir vorhergesagt wurde, weil er in den Verlauf dieser Krankheit wohl gehört, erschien in der Publikation „Christ und Welt“ ein Portrait oder ein Interview, ich habe es vergessen, mit einer Frau, die sich in einer ähnlichen Lage wie ich befunden, aber ganz anders entschieden hatte: Sie hatte sich dazu entschlossen, ihre sterbenskranke Mutter zu … ich schreibe mal töten hin, aber ich würde ein anderes Wort dazu verwenden. Das Ganze wurde irgendwie in meinen Augen wenig kritisch kommentiert und begleitet, jedenfalls nicht im Verhältnis einer sich christlich nennenden Publikation.
Ich habe dann einen Beitrag geschrieben und eingesendet. Was danach noch passierte, weiß ich nicht mehr, denn drei Tage später erstickte meine Mutter vor meinen Augen, ohne dass ich imstande war, ihr zu helfen.

Wenn es irgendetwas Grässlicheres gibt, als so etwas erleben zu müssen, dann ist es sicherlich der Gedanke daran, seine Mutter zu töten. Ich wollte grade „eigene“ Mutter schreiben, aber das versteht sich ja von selbst.

Mein Plädoyer für fürsorgende Sterbebegleitung, Hilfe, Fürsorge, liebende Zuwendung, Güte, Barmherzigkeit (keine falsch verstandene!) eine menschliche Hand im Falle des Äußersten, das ich an „Christ und Welt“ damals gesendet und das auch publiziert wurde möchte ich heute hier unten nochmals einkopieren:

Meine Mutter stirbt an Amyotropher Lateralsklerose, kurz „ALS“. Manch einer entsinnt sich noch an die „Ice Bucket Challenge“, um international für Spenden zur Erforschung dieser Krankheit, die auch ganz junge Menschen treffen kann, zu werben.
Ich habe keinen einzigen Arzt erlebt, der sich den Satz “ Sie tun mir Leid. Da kommt was auf Sie zu“ erspart hätte nach dieser Diagnose. So viel zu sentimentalen Ärzten.
Ich arbeite jeden Tag daran, meine Mutter zum Lächeln zu bringen – und sie lächelt immer noch so oft und gerne, obwohl die Krankheit ihr mittlerweile die Sprechfähigkeit genommen hat. Sie wird mit ihrem Lächeln und Lachen immer mehr zu einem Kind Gottes.
Ich darf das erleben.
Ich koche ihr jeden Tag ihr Lieblingsessen, das natürlich püriert werden muss, oder einen Pudding, egal, irgendetwas, was sie noch schlucken kann, auch wenn die Krankheit, also die Lähmungserscheinungen, längst den Schluckapparat erreicht haben, Essen immer mehr zur Qual wird und Ersticken die nächste Option ist, die an die Tür klopft.
Ihre Schultern werden immer schmaler, ihr weißer Kopf senkt sich immer öfter wie in Resignation – sie ist schwach, unterernährt, weil sie keine künstliche Ernährung möchte, das hat sie mehrfach schriftlich verfügt. An manchen Tagen kann ich kaum aus dem Bett aufstehen, um mich der Situation zu stellen. Doch wenn ich schließlich Mut fasse, dann lacht sie mich an. Ich sage: „Und wie geht es meinem Maikäferchen?“ Und dann ist da dieses Lachen.
Ihre Augen irrlichtern umher, das ist zum Teil der Demenz geschuldet, in diesem Falle eine gnädige Demenz. Natürlich ist sie erschöpft, alles strengt sie unermesslich an, und selbst wenn sie „künstliche Ernährung“ verfügt hätte – sie würde die Vollnarkose zum Setzen der Sonde nicht überleben. Also koche ich zarte, musige Sachen, Gemüse, zerquetschte Kartoffeln mit Butter übergossen, Milchreis, Spinat, Polenta und Grießbrei. Gebe ihr Astronautennahrung, zusätzlich.
Ich tue, was ich kann.
Und meine Mutter wird durch meine Hand nur Güte, Liebe und Hilfe erfahren. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich vor ihr auf die Knie ging, um ihre Schuhe und Socken auszuziehen. Sie presst sich ein Taschentuch vor den Mund, denn sie hat keine Kontrolle mehr über ihr speicheln.
Natürlich leidet sie, und manchmal hat sie Weinkrämpfe. Doch sofort kann man sie wieder aufmuntern und selbst wenn es ihr noch so schlecht geht, das Alpenveilchen an ihrem Fenster, das mir sowas von egal ist, hat sie immer noch im Blick. Es darf nicht verdursten. Mit herrischen Bewegungen weist sie mich an, es zu tränken. Nichts darf verloren gehen, nichts soll Not leiden, auch wenn sie selbst so große Not leiden muss.

Meine Kindheit war voller Tiere – irgendwie musste es sich rumgesprochen haben, dass, wenn man krank ist, man nur zu meiner Mamma in den Hof fliehen muss – sie wird einen schon umsorgen. Den meisten hat sie helfen können, viele von ihnen pflegte sie wieder gesund.
Und heute: Die Schwalben könnten jetzt um diese Zeit, Ende März, kommen! Die Werkstattüre muss für sie aufbleiben! Sonst finden sie vielleicht kein Obdach!
Das ist meine Mutter.
Jeden Abend, wenn sie zu Bett liegt, zeichne ich ihr mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn. Eigentlich ist sie protestantisch, aber sie liebt Weihwasser. Ich sage: „Gott segne dich“ oder „Gott behüte dich!“
Jedesmal gluckst sie glücklich wegen des Rituals.
Natürlich habe ich Tage, wo ich es nicht mehr aushalte. Wo ich an meine psychischen und physischen Grenzen komme. Ausgerechnet an denen ist dann Jesus irgendwie so fern. Aber sie gehen vorüber.
Ich bitte ihn, ihr das Schlimmste, den Erstickungstod, zu ersparen. Jeden Tag: „Mein Jesus-Barmherzigkeit!“
Doch meine Hand soll verdorren, verfaulen und abfallen, wenn ich es jemals wagen sollte, dieser Frau, die mir das LEBEN geschenkt hat, irgendetwas zu Leide zu tun, anstatt ihr Glückseligkeit, Hilfe und Fürsorge zu gewähren.
Ich war noch ganz klein und sie war kaum Vierzig, da fragte ich sie bange: Mamma, ich habe Angst! Muss ich denn auch einmal sterben? Und sie hat, obwohl sie gerade ausgehen wollte, sich eine halbe Stunde Zeit genommen, um mir zu erklären, so leicht stirbt man nicht. Du musst nicht sterben. HAB KEINE ANGST, und außerdem bin ich doch bei dir.
Ich habe diese Situation nie vergessen. Und ebenso, wie meine junge Mamma damals mir die Angst nahm vor dem Sterben, so werde ich alles was in meiner Macht steht und was ich tun kann, tun, um ihr die Angst auf diesem letzten Wegstück zu nehmen und ihr die Gewissheit zu geben: Mamma, du gehst. Aber wenn du gehen musst, so gehst du an meiner Hand. Hab keine Angst. Ich bin doch bei dir.

August 2, 2020   No Comments

Gott

„Gott verbirgt sich hinter allem, und in allem sind schmale Spalten, durch die er scheint – scheint und blitzt.
Ganz dünne, feine Spalten.“

(Der Bildhauer Ernst Barlach 1870-1938)

Juli 31, 2020   No Comments