Journalistin und Autorin

Random header image... Refresh for more!

Category — Krieg in Europa

Todestag meines lieben Großonkels

Heute ist – irgendwie passenderweise – auch noch der Todestag meines lieben Onkel Ernst.

Onkel Ernst war ein WK II-Veteran, wie man kaum einen findet.

Ich poste heute erneut meinen Nachruf aus seinem Todesjahr:

R.I.P., Großonkel Ernst
Du hast zu deinem letzten Sprung angesetzt – und ich bin mir gewiss, dein Fallschirm ist aufgegangen und hat dich weich und sicher in der Hand des guten Gottes landen lassen.

Du warst ein tapferer Kämpfer, der, 1921 geboren, fast alle deutschen Fronten des Zweiten Weltkrieges kennengelernt hat. Du hast Operation Merkur über Kreta, als einer von wenigen, überlebt, du warst vor Leningrad, in Tobruk, in Rom, und ganz zum Schluss auch noch in der Normandie, über diese Schlacht hast du nie geredet, es war die Schlimmste von allen für dich – viele tote Kameraden hast du begraben müssen, aber dein Herz war so groß, dass du auf Kreta noch das Leben eines an Malaria erkrankten Bauernjungen retten konntest. Das Wiedersehen mit dessen Familie nach 65 Jahren auf Kreta hast du, wie es sich gehört, mit Strömen von Rotwein tagelang feiern dürfen – und bist dafür sogar ins griechische TV gekommen. Die Griechen mochten dich, sie haben gewusst, du warst kein Nazi – nur ein Wehrmachtssoldat, der soviel Courage hatte, vom deutschen Sanitätsdienst die Herausgabe von lebensrettenden Medikamenten für diesen Jungen zu erzwingen. Im kretischen TV würdigte man dich als „den Fallschirmjäger, dessen menschliche und herzliche Tat mit Blick auf die Völkerverständigung nicht hoch genug eingeschätzt werden könne“.

Dem lieben Gott hast du versprochen, wenn er dich heil nach Hause kommen lässt, dann wirst du jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen – und du hast deinen Eid gehalten, bis du nicht mehr konntest und pflegebedürftig wurdest, liebevoll versorgt von deiner Tochter und Schwiegertochter und all deinen Angehörigen.

In einem Artikel über Posttraumatische Belastungsstörungen, Militärseelsorge und die Hilfe des Glaubens für „Die Tagespost“ im Dezember 2013 habe ich dich einmal zitiert, du hast mir damals eine beeindruckende Antwort und ein wahres Glaubenszeugnis auf meine Frage gegeben, wie du den Zweiten Weltkrieg halbwegs psychisch überstehen konntest:

>>Grausame Schlachten: Kreta, Russland, Afrika, Italien und zum Schluss Frankreich – die Normandie! Die bitterste Schlacht meiner Kriegsjahre. Vielen Kameraden musste man für immer die Augen schließen, in fremder Erde zur Ruhe betten. Immer nach den bitteren Schlachten dankte ich meinem Vater im Himmel für seinen Beistand, der mich noch heute täglich begleitet.<<

Und nebenzu hast du immer Gedichte geschrieben, Heimatgedichte über die schöne Südpfalz vor allem, aber auch eines, an dem du eine Frage an deine Kameraden – und an deine Feinde formuliert hast, die an dieser Stelle noch mal ihren Platz finden soll – denn wie jeder vorbildliche und echte Soldat warst du zwar ein zäher Kämpfer, aber dabei von ganzem Herzen gegen den Krieg.

Wherefore – von Ernst Daum

Wherefore, my friend, we’re fighting here
this bloody battle, tell me, what
we are killing for – dishonour rules wherefore
The enemy – a man like me, began his life like you’d begun
remember, friend, a loving mother’s beloved son.
How many killed on battlefields are never to come home
to kiss again their mother’s cheeks, their wife’s lips and sister’s brow?
Instead of this they’re staining now
the fighting grounds
with purple blood of theirs
and as you listen you may hear
the begging pleading crying
and sometimes, friend,
the silent sound of praying.
My buddy soldier, are you thinking now how this will end for us?
Wherefore, my friend?
Let us accuse this slaughter fury hell
But even more, let’s take a stand and pray,
there’ll come a day, our children, friend,
will realize that battle’s but a stupid word
for silly games they used to play.

PS: Sein Todestag liegt einen Tag vor dem Jahrestag der Befreiung von Leningrad …

Und jetzt gehe ich eine Kerze für ihn anzünden an seinem Grab.

Januar 26, 2023   No Comments

Anstatt eines Kommentars

Januar 26, 2023   No Comments

S. E. Metropolit Mark der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland zur Ukraine

Wer sich vom Westen aus ein Bild zu den Verhältnissen in der Ukraine machen will, fühlt sich schon länger von den deutschen Medien, auch römisch-katholischer Provenienz, mindestens verschaukelt.

Wer die russische und/oder ukrainische Sprache lesen und verstehen kann, hat es ein wenig besser.

Nun hat S.E. Metropolit Mark von Berlin und ganz Deutschland (ROKA) einen bewegenden Gebetsappell veröffentlicht: Es geht um die Verfolgung der ukrainischen orthodoxen Kirche in der Ukraine selbst. Zugegeben, es ist ein wenig verwirrend: Einerseits gibt es also die Russisch orthodoxe Kirche im Ausland, diese untersteht aber NICHT Patriarch Kirill von Moskau und der ganzen Rus‘. Sondern hatte sich aufgrund der russischen Revolution und deren Folgen, nämlich die Emigration von Russen nach Europa konstituiert.

Zu den aktuellen Vorfällen aber mehr im Video.

Dezember 22, 2022   No Comments

Eine liebe Widmung aus Kriegszeiten

Da ich mal wieder am Aussortieren bin, fiel mir ein zerfleddertes, stockfleckiges Buch in die Hände, Rüttgers „Götter und junge Helden“, darin folgende Widmung:

Soweit ich es entziffern kann, steht da Folgendes:

Meiner kleinen Freundin Helma [meine Mutter] eine kleine Erinnerung an unsere gute Kameradschaft und als Dank für eine liebe Puppe, die mir Glück bringen soll.
Fränzli [?] (ein Fallschirmjäger auf Himmelfahrt), 9. Februar im 6. Kriegsjahr

Wenn ich richtig gezählt habe mit den Kriegsjahren (1939 – Jahr 1), stammt die Widmung also aus Februar 1945, damals war meine Mutter 11 Jahre alt.
Ich weiß nicht, was aus Fränzli, wenn ich seinen Namen richtig entziffert habe, geworden ist. So oder so, er wird nicht mehr am Leben sein. Ich hoffe so sehr, die Puppe hat ihm Glück gebracht.
Ich habe das übrigens als Hinweis verstanden, dass die Kameradschaft zu Fallschirmjägern offensichtlich in der weiblichen Linie dieser Familie genetisch angelegt zu sein scheint.

🙂

Dezember 7, 2022   No Comments

13. August im Kriegsjahr 2022

Ich höre, dass laut Kirchenordnung im Winter die Kirchengebäude im Bistum Speyer nicht mehr beheizt werden sollen. Es sind mehrheitlich Alte, Kranke, Behinderte, die noch zu den Gottesdiensten gehen.
Ich höre von anderer Seite, die Schulen auch nicht mehr. Das sind KINDER.

Such things I hear, they don’t make sense
I don’t see much evidence
I don’t feel
I don’t feel
But I don’t feel
A long train held up by page on page
A hard reign held up by rage
Once a railroad
Now it’s done
I hear the roar of a big machine
Two worlds and in between
Hot metal and methedrine
I hear empire down!

I hear the roar of a big machine
Two worlds and in between
Love lost, fire at will
Dum-dum bullets and shoot to kill
I hear dive bombers and
Empire down
Empire down

Lucretia my reflection, dance the ghost with me!

PS: Ich bin übrigens schon seit einigen Jahren fest davon überzeugt, dass die Musik der Achtziger aus der Zukunft heraus erschaffen wurde, um uns über diese Scheißzeit zu bringen.

August 13, 2022   No Comments

Hirtenbrief der Russisch-orthodoxen Kirche im Ausland Sektion Europa

Die Bischöfe trafen mit Metropolit Mark in München vom 25. bis 26. Juli zusammen und verabschiedeten in Bezug auf die Ukraine, fast könnte man sagen, ja oder nicht nur fast, in brennender Sorge, folgenden Hirtenbrief:

>>As the bloodshed of war stains the ground in the lands of our fathers, we are affected by the agonies of our brothers and sisters, whose suffering must be our suffering and whose aid and salvation must be our deeply-willed desire. We express our profound gratitude for the response of our clergy and faithful to our appeals to aid refugees from Ukraine, and in many other ways to be of help and support. Yet we continue to see the terrible costs of war; we feel the sorrowful transformation of cultures as hatred becomes more commonplace and suspicion and fear replace love and compassion; we behold governments seeking political interests rather than the peace and benefit of their peoples; and we observe moral and ethical degradation becoming more prevalent all around us.<< Und noch: >> The Church is our steadfast bulwark in this world: her truth never changes, her heart never wanes, and her life is never modified to conform to the whims of the world. The more than fifteen European nations that comprise our dioceses have known many conflicts over their history, but the unity of the Church is greater than any conflict and must never be abandoned in times of trial.<< Die ganze Verlautbarung im Wortlaut auf Englisch also hier.

Franz der Erste lässt sich derweil mit einem indianischen Häuptlingskopfschmuck ablichten. Gut gemeint, aber ich sehe es leider mit zunehmendem Befremden.

August 1, 2022   No Comments

Lieb‘ Vaterland, magst ruhig sein …

>>Auf die Frage der CSU, warum Deutschland Geparden liefere, aber keine Marder, sagt Lambrecht: „Der Gepard ist kein Panzer. Der Gepard ist ja dafür da, Infrastruktur zu schützen dadurch, dass er dann mit diesem Rohr in die Luft schießt.“<< Quelle: ZDF

Juni 28, 2022   No Comments

Hilfsprogramm der Russischen Auslandskirche in Großbritannien und Deutschland

Die ROKA bemüht sich weiterhin intensiv um Maßnahmen zur Linderung der Not durch die Folgen des Krieges in der Ukraine.

Neben dem intensiven Gebet und den Friedensbitten in der Liturgie umfasst dies ganz praktische Maßnahmen, in Zusammenarbeit mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche unter Metropolit Onuphry von Kiew. Ganzer Bericht hier zu finden. Auszüge untenstehend.

>>Secondly, practical aid to those suffering from this uncalled-for and evil fratricidal war continues to be offered in a multitude of ways by the Diocese. From the outset of the war, funds have been collected and transferred in large quantity to the humanitarian fund under the direct headship of the Primate of the autonomous Ukrainian Orthodox Church, His Beatitude Metropolitan Onuphry of Kiev and All Ukraine. These funds have been put towards the wholly humanitarian ends of helping those most suffering from the conflict, and not applied towards any military or political ends.<<
Das Programm ist ziemlich umfassend und beeindruckend. Ich habe bereits in Deutschland gespendet für die ROKA und ihren Einsatz für ukrainische Flüchtlinge. Beide orthodoxen Kirchen stehen vor einer enormen Herausforderung – aber ich denke, selbst unter diesen erschwerten Bedingungen ist wenigstens zwischen den orthodoxen Gläubigen eine friedliche Zusammenarbeit gut möglich.

Unter anderem:

>>Weekly food-bank provision in Geneva to all those refugee families in need; and similar provision in various parishes all across the Diocese.

“Establishment of pious Ukrainian Orthodox refugees in our parishes across the UK and Europe, providing a stable and familiar environment of prayer and community; and in several cases, in coordination with the Church Hierarchy in Ukraine, inviting refugee clergymen to celebrate the Divine Services in our parishes.

“Provision of a summer camp in the Swiss Alps (to take place at the end of July) specifically for Ukrainian children who are refugees in Europe.<<
Und noch einiges mehr. Diese Arbeit wird von mir voll und ganz unterstützt.

Juni 24, 2022   No Comments

Morgen sollte es losgehen – Flug nach Moskau

Dann Wolgakreuzfahrt. Nun gut, ich spare mir eine schlaflose Nacht, weil ich mittlerweile unter Flugangst leide. Und das sagt jemand, der schon einmal in seinem Leben 24 Stunden lang in den Südpazifik flog. Aber da war ich noch jung und hatte kein Geld.
Genervt bin ich trotzdem, denn neben vielen kulturellen und landschaftlichen Highlights sowie einer organisierten Schaschlikgrillparty verpasse ich natürlich auch noch das legendäre Scharlachrote Segel plus Feuerwerk in St. Petersburg mitsamt den Weißen Nächten.
Da ich studierte Slawistin mit Erstsprache Russisch bin und deshalb entgegen der derzeit aktuellen Stimmung im woken Westen Land und Leute immer geliebt habe (Schröder, Kohl oder Merkel stehen ja auch nicht für deutsche Landschaft, Geschichte, Kultur, Lebensart, Rieslingschorle und Leberknödel mit Sauerkraut und das gesamte Volk, genausowenig wie der böse P für das russische), musste ich mir dringend einen Ersatz für diese Reise überlegen.
Da kam mir gerade zupass, dass es einige russische Toprestaurants in meinem Oblast in Deutschland gibt.
Drum werde ich also eine kulinarische Reise machen zur alten Rus‘ in deutschen Landen. Wenn mich Litauen, WordPress oder die Konrad Adenauer Stiftung nicht bis dahin blockiert hat.
Es wird ziemlich viel Pelmeni und Restaurantbesprechungen geben.
Man brauche sich nicht sorgen, in den meisten dieser Restaurants sind auch selbstverständlich und friedlicherseits Ukrainer beschäftigt. Um aber keine weiteren Eskalationen auszulösen, werde ich zusätzlich nirgendwo Borschtsch bestellen. Wenn ich Glück habe, gibt es nicht nur Pelmeni, sondern sogar gescheiten Schaschlik.
Stay tuned.

Juni 23, 2022   No Comments

Gustls Mini-Schutzikone

Seit 1999 trägt ein alter Bekannter meines verstorbenen Vaters einen
Mini-Talisman in seinem Geldbeutel mit herum. Die Mini-Ikone wurde ihm damals anlässlich der Russlandfahrt des Gesangvereins, dem sie beide angehörten, überreicht. Vor zwei Tagen kam er auf mich zu: Du kannst doch Russisch? Ja, sage ich zögernd, da zieht er diese kleine Kostbarkeit aus seinem Geldbeutel, sorgfältig in ein winziges Pergamenttütchen eingehüllt. Ob ich denn übersetzen könne, was drin steht. Kein Problem. Ich will sie nur mit nach Hause nehmen, ganz ohne Wörterbuch geht es dann doch nicht, noch dazu, weil es sich ziemlich eindeutig um Kirchenslawisch, nicht Russisch, handelt.
Auf der Vorderseite befindet sich das Mandylion, im Westen Veronika genannt, also das Schweißtuch mit dem Antlitz Christi darauf, in der Mitte ein sorgfältig gefalteter Zettel, auf dem der gesamte Psalm 90 (91) auf Kirchenslawisch Platz hat und auf dessen Rückseite noch das Orthodoxe Gebet zum Heiligen Kreuz abgedruckt ist. Der hintere Umschlag wird von der Ikone des heiligen Fürsten Alexander geziert. Man sieht auf dem Foto auch sehr schön, wie sorgfältig dort eine Bonsai-Klammer angebracht worden ist, die sich leicht auf- und zubiegen lässt und so das Ganze zusammenhält.



März 19, 2022   No Comments