Journalistin und Autorin

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Es ist die letzte Heilige Messe in vertrauter Umgebung

für mein liebes altes Mädchen aus der ersten Bank. Wie immer kurven sie und ihre Betreuerin kurz nach dem Verstummen der Glocken ein. Wie immer freue ich mich, die alte Dame und ihre so aufmerksame Begleitung zu sehen, die auch während der Zelebration immer wieder einen Blick zu ihr übrig hat – ob sie alles hat, ob sie gut sitzt, ob sie ein Taschentuch braucht, ihre Brille oder ihre Handtasche, um das Opfergeld herauszusuchen.

Ich hatte kürzlich schon eine kleine Skizze darüber geschrieben.

Doch was ich noch nicht ahne, es soll das letzte Mal sein. Vor oder nach dem Schlusssegen, habe ich vergessen, kündigt der Pfarrer an, dass diese treue und tapfere Christgläubige nun also in die Nachbargemeinde überwechseln wird, sie kommt ins dortige Altersheim, und verabschiedet sie mit würdigen Worten.
Es dauert ein paar Sekunden bis ich das realisiert habe. Ich weiß auch nicht warum mich das so mitnimmt, ich glaube, es hat ein bisschen etwas damit zu tun, dass sie mich an meine verstorbene Mutter erinnert.
„Auf Wiedersehen!“ sagt unser Pfarrer, und diese zauberhafte alte Dame, die sich kaum noch artikulieren kann, erwidert den Gruß halblaut, eben so laut wie sie noch kann. Es ist völlig klar, nach dem Marienlied werde ich zu ihr vor an die erste Bank gehen, aber leider bin ich über diese Nachricht so traurig, dass ich ihr wohl nicht viel Mut machen kann. So stehe ich da, greife ihre Rechte mit beiden Händen und stammle ein „Alles Gute“ heraus, dabei hätte ich so viel lieber gelächelt und ihr aufmunternd zugenickt.
Vielleicht, kommt mir der Gedanke, ist das einfach nur Egoismus, deine eigene Trauer.
Vielleicht, kommt mir ein anderer Gedanke, möchtest du sie einfach nicht weiter strapazieren, denn ich schaue in ihre alten, tränenerfüllten Augen.
Von der ganzen anwesenden Gemeinde habe ich außer dem Pfarrer nur noch drei Leute gesehen, die sich von ihr verabschieden wollten. Ohne damit jemandem unrecht tun zu wollen, denn vielleicht habe ich nicht richtig beobachtet oder vielleicht gab es schon andernorts eine Verabschiedung.
Das kann ich nicht wissen.
Ich werde sie nie vergessen und bei jeder Messe an sie denken. Möge der Herr einmal sie in seine liebenden Arme schließen.

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