Journalistin und Autorin

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Fastenlektüre: Ratzingers Einführung in das Christentum

Aus dem Vorwort zur Neuausgabe 2000:

„Gott aber ist … nicht bloß irgendein theoretischer Abschluss des Weltbildes, mit dem an sich tröstet, an dem man sich anhält oder einfach vorübergeht. Das sehen wir heute überall dort, wo seine bewusste Leugnung konsequent geworden ist und wo seine Abwesenheit durch nichts mehr gemildert wird. Denn zunächst geht da, wo man Gott auslässt, scheinbar alles weiter wie bisher. Gewachsene Grundentscheidungen, Grundformen des Lebens bleiben bestehen, auch wenn sie ihre Begründung verloren haben. Aber wenn, wie es Nietzsche darstellt, die Botschaft einmal wirklich ankommt, die Menschen ins Herz trifft, dass Gott tot sei, dann wird alles anders. Das zeigt sich heute zum einen in dem wissenschaftlichen Umgang mit dem menschlichen Leben, bei dem der Mensch ganz von selbst zum technischen Objekt wird, als Mensch immer mehr verschwindet. Wenn man Embryonen technisch ‚züchtet‘, um ‚Forschungsmaterial‘ zu haben und Organvorräte zu gewinnen, die dann anderen Menschen nutzen sollen – da gibt es schon kaum mehr einen Aufschrei des Entsetzens. Der Fortschritt verlangt dies alles, und die Ziele sind ja edel: Die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, jedenfalls derjenigen, die es sich leisten können … Aber wenn der Mensch in seinem Ursprung und in seinen Wurzeln sich selbst nur Objekt ist, wenn er ‚produziert‘ und in der Produktion nach Wünschen und Nützlichkeiten selektiert wird, was soll dan überhaupt der Mensch noch vom Mensch denken?
Wie sich zu ihm verhalten? Wie wird der Mensch zum Menschen stehen, wenn er nichts mehr vom göttlichen Geheimnis im anderen finden kann, sondern nur noch sein eigenes Machen-Können? Was hier in den ‚hohen‘ Zonen der Wissenschaft erscheint, hat sein Spiegelbild überall dort, wo es gelungen ist, auch in der Breite den Menschen Gott aus dem Herz zu reißen. Heute gibt es Freizonen des Menschenhandels, des zynischen Verbrauchs des Menschen, denen die Gesellschaft wehrlos gegenübersteht. [Ratzinger nennt als Beispiel nun Handel mit Zwangsprostituierten in Albanien]
Und sehen wir nicht überall um uns herum, in scheinbar ganz geordneter Umgebung, das Wachsen der Gewalt, die immer selbstverständlicher und immer hemmungsloser wird?“

[Hervorhebungen von mir.]

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