Journalistin und Autorin

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Category — Sterbebegleitung

Bedrückende Aussage

Auf den Seiten von kath.net gibt es einen kommentierenden Erfahrungsbericht von einem verheirateten katholischen Priester, einem Konvertiten, der vorher evangelischer Pfarrer war.
Eine Aussage hat mich besonders bedrückt:
>>Evangelischer Pfarrer und katholischer Priester werden zweitens in sehr unterschiedlichem Maß durch die Gläubigen in Anspruch genommen. Es sind vor allem die drei Sakramente Eucharistie, Beichte und Krankensalbung, zu deren Spendung der katholische Priester immer bereit sein muss. Als Krankenhauspfarrer habe ich knapp 400 Krankensalbungen pro Jahr gespendet oder, wie man heute sagt, gefeiert; die meisten als Sterbesakrament – „letzte Ölung“. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, denn die Menschen halten sich beim Sterben nicht an irgendwelche Bürozeiten.

Evangelische Christen haben dieses Sakrament nicht und können im allgemeinen gut ohne Pfarrer sterben. Nur in seltenen, besonderen Fällen lassen sie den Pfarrer oder die Pfarrerin holen.<< Das finde ich mehr als traurig. Als meine Mama an ALS auf den Tod erkrankte, musste ich, sie war protestantisch, ich katholisch konvertiert, eine Email an ihren Pfarrer schreiben, ob er sie nicht einmal besuchen wolle. Sie hatte doch zu jeder Kerwe am protestantischen Pfarrhaus mitgeholfen, Waffeln zu backen, immer das Kirchenblatt ausgetragen. Das ist ohne jeglichen Vorwurf gemeint, ein Pfarrer hat sehr viel um die Ohren, ich fand es aber schade und wusste, es würde ihr viel bedeuten. Ihr Pfarrer reagierte mit den lieben Worten "Ich darf also Ihre kranke Mutter besuchen!". Er bekam dafür von mir auch den Kaffee in der Tasse mit dem Bonhoeffer-Zitat und nicht in der Papst-Benedikt-Tasse serviert. Er lachte und meinte, och, gegen die Benedikt-Tasse hätte er auch nichts einzuwenden gehabt. Mamma freute sich wie ein Schneekönig,dass sie Besuch von ihrem Pfarrer erhielt, sie wusste ja nichts von meiner Email-Bitte und ich betone nochmals, der Mann ist voll in Ordnung und das soll hier kein Vorwurf an ihn sein. Aber in der Betreuung von Kranken und Sterbenden, also wenn es an die letzten Dinge geht, hat mich die katholische Kirche weitaus mehr überzeugt als die Kirche, in der ich getauft worden bin. Das muss ich schon so sagen. Hier zum ganzen Artikel auf kath.net.

November 22, 2019   No Comments

Peter Dyckhoff: Sterben im Vertrauen auf Gott


Die zeitlose Kunst des Sterbens – eine Buchbesprechung von Barbara Wenz, erschienen am 20. November 2014 in Die Tagespost

Im November gedenken wir nicht nur unserer Verstorbenen, auch die absterbende Natur weist deutlich darauf hin: Alles ist vergänglich. Die geistliche Vorbereitung auf die eigene Sterbestunde ist in der heutigen Zeit nicht gerade eine weit verbreitete spirituelle Praxis; und obwohl wir in jedem Ave Maria beten „Bitte für uns, heilige Gottesmutter, jetzt und in der Stunde unseres Todes“, so versuchen wir doch häufig jeden Gedanken daran zu vermeiden. „Sterben im Vertrauen auf Gott“ ist ein Buch, das uns an dieses Thema heranführen will. Es besteht aus zwei Teilen. In der ersten Hälfte des Buches meditiert der Autor über 11 Kupferstiche eines unbekannten Meisters aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, in denen fünf Versuchungen des Teufels in der Sterbestunde fünf Trost spendende Eingebungen der Engel sich gegenüber stehen. Im letzten Bild sieht man, wie die erlöste Seele des Sterbenden, der den Kampf bestanden hat, von seinem Engel zum Himmel hinaufgetragen wird. Diese illustrierte Unterweisung, wie man eine gute Sterbestunde bestehen könne, wurde in der damaligen Zeit noch von jedem verstanden und sollte besonders auch Leseunkundigen eine Hilfe sein. Wir Heutige stehen etwas verloren vor den Stichen, weil wir zumeist verlernt haben, in den geistlichen Dimensionen des Mittelalters zu denken.
Peter Dyckhoff erweist sich in der Auslegung dieser ins Bild gefassten „ars moriendi“, dieser „Kunst des Sterbens“, als wahrer Meister. Jedes, häufig zunächst unverständliche Detail, wird von ihm erfasst und mit Sinn erfüllt. Seine Interpretationen werden dann zu regelrechten Bild-Meditationen, wenn er seine Ausführungen mit Zitaten aus den Psalmen, von Augustinus, Bernhard von Clairvaux, Hildegard von Bingen und anderer großer Heiliger und Kirchenlehrer ergänzt. Das Großthema des Bilderzyklus ist die Verzweiflung des Sterbenden, welcher der Meister aus dem 15. Jahrhundert die Barmherzigkeit Gottes gegenüberstellt. Bemerkenswert ist dies auch aus dem Grund, weil von früheren Zeiten häufig gesagt wird, es habe keine „barmherzige Pastoral“ gekannt, sondern habe Höllenfeuer und Verdammnis gepredigt. Ebenfalls wird bei der Lektüre verständlich, warum es für die Menschen dieser Zeit so wichtig war, gut vorbereitet zu sterben und die schrecklichste Vorstellung ein jäher Tod war, welcher heute wiederum von vielen als durchaus wünschenswerter denn ein längeres und womöglich schmerzhaftes Siechtum betrachtet wird.
Der mittelalterliche Mensch, der sich gut auf seinen Tod vorbereitet hatte, musste sich in der für seine Seele alles entscheidenden Sterbestunde nicht mehr mit irdischen Dingen beschäftigen, eine der fünf Versuchungen des Teufels. Vielmehr konnte er unbesorgt loslassen und nur noch auf die liebende Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Ebenso stellte der Abschied von Familie und Freunden eine wichtige Station während des Sterbeprozesses dar, damit sich der Sterbende allein auf sein Seelenheil, das in dieser Phase seines Lebens auf dem Spiel stand wie nie zuvor, konzentrieren und sich, mit dem Blick auf den nackten Christus am Kreuz, vollkommen in der Entfaltung der Tugenden Demut, Zuversicht und Geduld üben konnte. Vielleicht waren die Menschen, die diese psychologisch äußerst sensiblen Beobachtungen gemacht haben, in unserem modernen Sinne nicht aufgeklärt, aber sie hatten dafür praktisch tagein tagaus mit dem Tod und mit Todkranken zu tun. Je weiter in unserer modernen Gesellschaft das Sterben aus den Häusern und Familien ausgelagert wird – hier sind ausdrücklich nicht Hospize gemeint, sondern das anonyme, unbetreute Sterben in Krankenhäusern – desto weniger wird über die „novissima“ gewusst: im Mittelalter sprach man bezeichnenderweise von den „neuesten“, nicht von den „letzten Dingen“.

Im zweiten Teil des Buches widmet sich der Autor zum einen seinen ganz persönlichen Erfahrungen mit Sterben und Tod in der eigenen Familie, zum anderen macht er sich Gedanken darüber, warum der Tod überhaupt sein muss und bietet nebenzu noch eine profunde Erläuterung des Psalm 22, des Sterbegebets Jesu am Kreuz. Dyckhoff liefert uns Anleitungen dazu, wie die Beschäftigung und der Umgang mit dem Tod zu einer existentiellen Demutsübung werden kann, wie wir in der Auseinandersetzung mit dem Unverfügbaren Gott begegnen können: „Was von Gott kommt, muss unweigerlich auch zu Gott führen.“
Dyckhoff gelingt ein positives, ein hoffnungsfrohes und zuversichtlich machendes Buch über das Sterben im Vertrauen mit Gott, denn: „Im Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben können und dürfen wir bewusst auf unseren Tod zugehen, da Christus das Tödliche am Tod überwunden hat.“ Nicht zuletzt bieten seine Ausführungen zum christlichen Sterben eine wertvolle Anleitung zum christlichen Leben, was zunächst wie ein Paradox klingt, wurde von den großen Heiligen und vielen einfachen Gläubigen schon immer gewusst. Durch eine Vielzahl von angemessenen Gebeten und Meditationsvorschlägen hat der Autor außerdem ein Buch geschrieben, das auch für Sterbebegleiter, ob ehrenamtlich oder ganz privat, äußerst hilfreich sein kann. An sich ist es die ideale Novemberlektüre, bevor wir uns im Advent wieder auf die Geburt des Lichtbringers vorbereiten.
Doch da wir mitten im Leben vom Tod umfangen sind, wie eine uralte lateinische Antiphon, die später von Rilke abgewandelt wurde, besagt, ist es ein Buch, das keine Zeit hat. Und sofern, man das von einem Buch über das Sterben sagen kann, ein Buch, das dank der Feinfühligkeit und des tiefen Glaubens seines Autors, dem Leser wohl tut.

Peter Dyckhoff: Sterben im Vertrauen auf Gott
Media Maria Illertissen, 2014
ISBN 978-3-9816344-3-3
https://www.media-maria.de/

Dezember 18, 2014   No Comments