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Category — Evangelium

Benedikt XVI. über den heiligen Apostel Andreas zum Festtag am 30. November

Benedikt XVI., Papst von 2005-2013
Hl. Andreas, Apostel der griechischen Welt

>> Die erste Eigenschaft, die bei Andreas [dem Bruder des Simon Petrus] auffällt, ist der Name: Es ist kein hebräischer Name, wie man es sich eigentlich erwarten würde, sondern ein griechischer Name; das ist ein nicht unbedeutendes Zeichen einer gewissen kulturellen Aufgeschlossenheit seiner Familie […] Zum Paschafest waren – so berichtet Johannes – auch einige Griechen, wahrscheinlich Proselyten oder Gottesfürchtige, in die Heilige Stadt gekommen, um am Paschafest den Gott Israels anzubeten. Andreas und Philippus, die beiden Apostel mit griechischen Namen, fungieren als Dolmetscher und Vermittler dieser kleinen Gruppe von Griechen bei Jesus. Die Antwort des Herrn auf ihre Frage erscheint – wie so oft im Johannesevangelium – rätselhaft, aber gerade so erweist sich ihr Bedeutungsreichtum.
Jesus sagt den beiden Jüngern und durch sie der griechischen Welt: »Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht« (Joh 12,23–24). Was bedeuten diese Worte in diesem Zusammenhang? Jesus will sagen: Ja, die Begegnung zwischen mir und den Griechen wird stattfinden, aber nicht als einfaches kurzes Gespräch zwischen mir und einigen Menschen, die vor allem von der Neugier getrieben sind. Mit meinem Tod, der mit dem Fallen eines Weizenkorns in die Erde vergleichbar ist, wird die Stunde meiner Verherrlichung kommen. Von meinem Tod am Kreuz wird große Fruchtbarkeit ausgehen: Das »tote Weizenkorn« – Symbol für mich als den Gekreuzigten – wird in der Auferstehung zum Brot des Lebens für die Welt werden; es wird Licht für die Völker und Kulturen sein […] Mit anderen Worten, Jesus prophezeit die Kirche der Griechen, die Kirche der Heiden, die Kirche der Welt als Frucht seines Pascha.

Sehr alte Überlieferungen sehen in Andreas, der den Griechen dieses Wort übermittelt hat, nicht nur den Dolmetscher einiger Griechen bei der eben erwähnten Begegnung mit Jesus, sondern sie betrachten ihn als Apostel der Griechen in den Jahren, die auf die Pfingstereignisse folgten; sie lassen uns wissen, daß er für den Rest seines Lebens Verkünder und Sprachrohr Jesu für die griechische Welt war. Petrus, sein Bruder, gelangte von Jerusalem über Antiochia nach Rom, um hier seine universale Sendung auszuüben; Andreas hingegen war der Apostel der griechischen Welt: So erscheinen sie im Leben und im Tod als wirkliche Brüder – und das kommt symbolisch zum Ausdruck in der besonderen Beziehung der Bischofssitze von Rom und Konstantinopel, die wirklich Schwesterkirchen sind.<< Generalaudienz vom 14.06.2006

Dezember 1, 2017   No Comments

Ein Kommentar zu Matthäus 15, 21-28

In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her.
Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!
Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt. Matthäus 15, 21-28

Wilhelm von Saint-Thierry (um 1085 – 1148), Benediktiner, dann Zisterzienser
Meditative Gebete, 2

>>„Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids“

Manchmal, Herr, fühle ich, dass du vorübergehst; Du bleibst nicht für mich stehen, du gehst vorbei, doch ich schreie zu dir wie die Kananäerin. Werde ich es denn noch wagen, mich dir zu nähern? Ganz sicher, denn die kleinen Hunde, die man aus dem Haus ihres Herrn gejagt hat, werden nicht müde zurückzukommen, und weil sie das Haus bewachen, bekommen sie täglich ihr Brot. Auch ich bin noch verjagt; vor die Tür gesetzt, schreie ich; beschimpft, bitte ich. So wie die kleinen Hunde nicht fern von den Menschen leben können, so auch meine Seele nicht fern von meinem Gott!

Öffne mir, Herr, damit ich zu dir kommen kann, um in dein Licht eingehüllt zu werden. Du wohnst in den Himmeln, du hast dich im Finstern verborgen, in der dunklen Wolke. Wie der Prophet sagt: „Du hast dich in Wolken gehüllt, kein Gebet kann sie durchstoßen“ (Klgl 3,44). Ich bin gefangen auf der Erde, das Herz wie im Morast… Deine Sterne funkeln nicht mehr für mich, die Sonne hat sich verdunkelt, der Mond scheint nicht mehr. Ich höre sehr wohl, wie deine Wundertaten in den Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern besungen werden. Im Evangelium leuchten deine Worte und Gesten in hellem Licht. Das Vorbild deiner Diener…, das Drohen und die Verheißungen deiner Schriften voll Wahrheit drängen sich meinen Augen auf und wollen die Taubheit meiner Ohren durchdringen. Doch mein Geist ist verhärtet; ich habe gelernt, im Glanz der Sonne zu schlafen; ich habe mir angewöhnt, nicht mehr zu sehen, was sich mir dergestalt darbietet…

Bis wann, Herr, bis wann wirst du noch zögern, bis du deine Himmel aufreißt, herabsteigst, um meine Schläfrigkeit aufzubrechen? (vgl. Ps 12,1; Jes 64,1). Ich will nicht mehr das sein, was ich bin…., ich möchte umkehren und wenigstens am Abend zurückkommen wie ein kleiner Hund, der Hunger hat. Ich durchstreife deine Stadt; sie pilgert noch teilweise über die Erde, obwohl ein Großteil ihrer Bewohner ihre Freude in den Himmeln gefunden hat. Werde auch ich dort vielleicht meine Wohnung finden? <<

August 17, 2014   No Comments