Journalistin und Autorin

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Category — Glosse

Heute ein unaufgeregtes Telefonat mit einem Freund

zum Zustand der Kirche in Deutschland und auch Rom. Bis es soweit ist [das Thema ist jetzt hier nicht, bis was soweit ist, aber ich glaube er meinte, bis alles wieder mal normalno wird, wie der Russe sagt] – wird noch viel Wasser den Tiber hinunterfließen, sagt er.
Ich muss lachen und entgegne:
Ja, bis es soweit ist, müssen noch viele Pachamamas den Tiber hinabtreiben.

November 11, 2019   No Comments

No pasaran! oder Die Diktatur der Maschinen

Ein guter Freund von mir spricht schon seit ein paar Jahren mit „Siri“, dieser Sprachanwendung seines geliebten iPhones. Vor einem Jahr war ich zu Gast bei einem alten Bekannten, bemerkte, dass er eine „Alexa“Säule neben dem Tisch stehen hatte, an dem wir uns unbeschwert unterhielten und auch politische Diskussionen führten. Ich bestand darauf, dass er den Stöpsel bei seiner „Alexa“ zieht – vermutlich war es aber schon zu spät.
Nebenzu bemerkt gehöre ich auch zu den Menschen, die ihre Webcam am Notebook verkleben, auch wenn das ein wenig paranoid klingen mag.
Ich proklamiere schon seit etlichen Jahren, dass ich _nicht_ mit Maschinen spreche und auch nicht vorhabe, das jemals zu tun. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass man nicht mit Maschinen sprechen sollte. Dafür gibt es eigentlich keinen rationalen Grund. Aber: Menschen sollen nicht mit Maschinen sprechen. Ausrufezeichen.

Vor einiger Zeit erwarb ich eine „moderne“ vollautomatische Kaffeemaschine einer deutschen Marke. Das Angebot war günstig, die Maschine gebraucht und generalüberholt. Sie begrüßt mich jeden Morgen mit der Anzeige „Herzlich Willkommen!“ und Datum und Uhrzeit. Das ist hinnehmbar, wenngleich auch schon leicht übergriffig. Ich möchte schließlich einfach nur einen Kaffee aufgebrüht bekommen und keine weiteren Informationen egal in welcher Hinsicht. Wenn ihr Satzbehälter voll ist oder sie der Meinung ist, er wäre voll, was sie häufig ist, da sich natürlich der Kaffeesatz genau an der Stelle ihrer Messplatine stapelt, das Schiff aber ansonsten leer ist, befiehlt sie mir: „Satzbehälter leeren“. Ich ziehe das Ding raus, schüttele den wenigen Satz nach weiter hinten, wo noch leer ist und schiebe es dann wieder ein. So habe ich es bei meiner alten Saeco auch gemacht. Nur, dass die alte Saeco mir hinterher nicht die Frage via Display stellte: „Satzbehälter geleert?“ und ich eingeben musste: „Ja“ oder „Nein“. Im Ende läuft es darauf hinaus, dass ich meine neue Kaffeemaschine – natürlich deutscher Provinienz – regelmäßig belüge, indem ich antworte, dass ich geleert hätte, aber in Wirklichkeit habe ich den Mist nur nach hinten geschüttelt, damit ihre Messplatine nicht mehr anschlägt.
Ich bin ein hochsensibler Mensch. Natürlich ist das dann die Ursache dafür, mich regelmäßig schlecht zu fühlen: „Ich habe meine Kaffeemaschine angelogen“. Ein unerfreulicher Zustand für mein Seelenleben.
Gestern erwarb ich einen dieser neuen Drucker, die ans Internet angeschlossen sind. Im Grunde benötigte ich einfach nur eine neue Patrone für meinen uralten All in One Drucker. Aber die Patrone für den alten hätte mehr gekostet als der neue Drucker, der auch noch zwei Patronen im Karton mit dabei hatte.
„Consumismo“, merkte mein italienischer Fachhändler lakonisch dazu an, als ich diesen Zustand beklagte. Die Italiener können ja aus jedem Scheißzustand eine Ein-Wort-Beschreibung mit wunderschön vielen Vokalen bilden.
Heute habe ich ihn installiert. Ich rede jetzt mal gar nicht davon, dass ich die Postleitzahl seines Standortes angeben sollte und sich das Teil auch noch via Internet automatisch mit meinem Router verbinden konnte, ohne dass ich dessen Passwort manuell eingeben musste etcpepe.
Jetzt druckte er als erstes mal eine Kalibrierungsseite, die ich einscannen sollte. OK.
Dann kam die Message via Minibildschirm, ich müsse diese Seite nun wieder entfernen und entweder wiederverwenden oder recyceln. So mein neuer Domina-Drucker. Ich werde ihn Greta nennen.
Und die Kalibrierungsseite klimaschädlich anzünden und verbrennen.

Mai 25, 2019   No Comments

Glosse: Römisch-katholische Männer und orthodoxe Männer im Gottesdienst

Eine nicht ganz ernstgemeinte Betrachtung

Mal ehrlich, wo man in deutschen katholischen Gemeindegottesdiensten noch junge Männer antrifft, sehen sie ausgesprochen aufgeräumt aus. Der perfekte Schwiegermutter-Liebling. Ordentlich gescheitelt, faltenloses Sakko, wenn überhaupt Jeans, dann die ganz dunklen, noch nicht ausgewaschenen, rasiert, natürlich ohne Bartschatten, wenn Gesichtsbehaarung, dann natürlich gepflegter Hippsterbart, gerne auch mit großer schwarzer Brille, schlaksig bis hager. Singen können sie meistenteils auch, liturgisch beschlagen, aber nicht über Gebühr, also ohne rechthaberisch werden zu wollen, wenn gerade mal wieder der Embolismus ausfällt. Vor der Madonnenstatue sieht man sie kaum bis nie ein Lichtlein entzünden, wo ein heiliger Joseph zur Verehrung bereit steht, ignorieren sie ihn herzlich. White-collar-Katholiken, die vermutlich The Cathwalk regelmäßig lesen, dazu noch ein Regal mit Weber-Grill-Kochbüchern instandhalten. Manchmal, sofern sie verheiratet sind und Kinder haben, sehen sie etwas derangierter aus. Ihre Kniebeugen machen sie immer ordentlich. In der Kirchenbank sitzen sie gerade und aufrecht.

Der junge russisch-orthodoxe Mann sieht dagegen aus, als käme er entweder von der Baustelle, aus dem Sparring oder direkt vom Schlachtfeld. Seine Kleidung ist selbstverständlich sauber, aber er hat sie schnell aus dem Regal gezogen, bevor er in die Kirche eilte. Dabei kann ihm auch einmal eine ausgebleichte Jeans, ein nicht ganz einwandfrei gebügeltes Hemd oder eine Trainingsjacke in die Hände fallen – das spielt keine Rolle. Ihre Verbeugungen und Küsse der heiligen Ikonen fallen stets ein wenig trotzig aus, und während der Göttlichen Liturgie stehen sie völlig aufrecht mit hängenden Armen, die Hände fast schon leicht zu Fäusten geballt. Vom Ritual und vom Glauben zur Demut praktisch gezwungen, scheinen sie sich immer dennoch irgendwie innerlich dagegen aufzulehnen -aber weil sie es besser wissen, wer ihr Herr und Meister ist, erweisen sie ihm ihre Ehrerbietung wie ein eigentlich aufständischer, aber von seinem Feudalherren bezähmter Ritter. Die stundenlange Liturgie stehen sie ebenso stoisch wie ergeben durch, wenn sie nicht manchmal doch hinausgehen, um eine Pausenzigarette zu rauchen. Wo der Besucher des Gottesdienstes ins Schwelgen gerät, weil der Gesang so überirdisch ist, mahlen ihre Kiefer in heiligem Ernst. Die Liturgie ist nicht etwas, an dem sie sich erfreuen, sondern Kriegsdienst, den es mannhaft zu absolvieren gilt. Natürlich kosen sie ihre Kinder, so sie welche dabei haben, doch mit genau der liebevollen Strenge schubsen sie sie auch vor zur Ikone und lehren sie, diese angemessen zu verehren. Gesang ist Frauen- und Popensache und wenn sie einer Marienikone ihre Achtung erweisen, sieht es aus, als schulterten sie ein Sturmgewehr.
Okay, ich übertreibe. Aber wir haben es hier mit Christen zu tun, die mitten im Januar zur Feier der Taufe des Herrn in zugefrorene Flüsse springen, in die sie zuvor ein kreuzförmiges Loch gehackt haben. Wer immer diese Leute missioniert hatte – Kyrill und Method wohl -, hat 150prozentige Arbeit geleistet.
Eine Arbeit, die auch nach fast 70 Jahren Sowjetkommunismus nicht ausgelöscht werden konnte.

Mai 28, 2017   No Comments