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Category — Orthodoxe Kirchen

Zum 155. Geburtstag der heiligen Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna

gebürtige Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt und Konvertitin zum russisch-orthodoxen Glauben mein Artikel aus der Serie „Geistliche Paare“ über sie und ihren Mann Sergej, der Onkel des letzten Zaren für das Vatican-Magazin Ausgabe Mai 2017:

Sie war die schönste Frau ihrer Zeit in Europa – neben Kaiserin Elisabeth von Österreich – die deutsche Prinzessin Elisabeth Alexandra Luise Alice von Hessen-Darmstadt und Rhein. Und sie sollte als getaufte Lutheranerin und Konvertitin, Schwester der letzten Zarin, für die russisch-orthodoxe Kirche zu Jelisaweta Fjodorowna und, brutal ermordet von den Bolschewiken, zur heiligen Neumärtyterin werden.

Als eines von sieben Kindern am 1. November 1864 geboren und lutheranisch getauft auf den Namen ihrer heiligen Vorfahrin, Elisabeth von Thüringen, wuchs sie in einer liebevollen, doch nicht abgehobenen Umgebung auf. Ihr Vater Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt ist der künftige Großherzog, ihre Mutter, Prinzessin Alice, die Tochter der englischen Königin Viktoria. Nach dem Vorbild ihrer heiligen Ahnin wurde sie angehalten, an Samstagen den Kranken in den Hospitälern Blumen zu bringen und stets nach den Armen,Waisen und Kriegsinvaliden zu schauen. Die älteren Kinder, also auch sie, hatten eigene Verpflichtungen im großherzoglichen Haushalt; sie mussten ihre Betten selbst machen, die Öfen besorgen, ihre Zimmer aufräumen und reinigen. Gleichzeitig legte Prinzessin Alice viel Wert auf die Pflege der schönen Künste, ihre Kinder sangen und musizierten –
von Ella, wie man Elisabeth in der Familie rief, wird berichtet, dass sie gut zeichnen konnte. Es hätte eine glückliche Kindheit und Jugend sein können, wenn nicht zuerst das dreijährige Brüderchen so unglücklich aus dem Fenster stürzte, dass es starb und schließlich im Winter des Jahres 1878 ein jüngeres Schwesterchen und die Mutter, Prinzessin Alice, der Diphtherie erlagen. Tapfer tröstete die Halbwaise nun ihre Großmutter, Königin Viktoria, die ihre weitere Erziehung übernahm.
Einige Frauen aus ihrem Hause waren bereits durch Heirat eng mit der Romanov-Dynastie verbunden wie etwa Maria Alexandrowna, die Gattin Zar Alexanders II. Dadurch kam es auch immer wieder zu verwandtschaftlichen Besuchen der Zarin, des Zarewitsch und seiner Geschwister, unter ihnen ein liebenswürdiger, stiller und sehr gläubiger junger Mann namens Sergej.
Gleichzeitig warb ein gewisser Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm II., beharrlich um Ella, den diese allerdings als von eher rüpelhaftem Benehmen empfand – ganz anders als ihre große Liebe, Sergej Alexandrowitsch, ein schüchterner und zurückhaltender junger Mann von feiner Wesensart, den sie dann 1884 heiratete.

Inzwischen war Alexander II. einem Mordanschlag zum Opfer gefallen, und Alexander III. hatte den Thron bestiegen. Elisabeth war nun die Schwägerin des Zaren, und sie interessierte sich brennend für Russland, seine Sprache – und seinen Glauben. Gleichzeitig beeindruckte sie nicht nur die Gesellschaft am Zarenhof, wie den französischen Botschafter in St. Petersburg, Maurice Paléologue, sondern auch das einfache Volk. Der Franzose skizziert ihre Persönlichkeit in seinen Aufzeichnungen wie folgt: “Groß, schlank, mit hellen, unschuldsvollen tiefen Augen, zärtlichem Mund, weichen Zügen, einer geraden und feinen Nase, reinen, ebenmäßigen Linien, ist sie im Gang und in den Bewegungen von bezauberndem Rhythmus. Ihr Gespräch verrät einen schönen Geist, natürlich und ernst veranlagt.“ Ihrerseits ist Elisabeth vom tiefen und ernsten Glauben des Volkes ergriffen, ebenso wie von der äußerst frommen Zarenfamilie; sie ist fasziniert von Liturgie und Ritus der russisch-orthodoxen Kirche, dem sie zumeist nur unbeholfen folgen kann, wenn sie Sergej zum Gottesdienst begleitet. Sie weiß nicht, wie sie sich richtig verhalten soll, wenn er sich vor den Ikonen tief verbeugt und sie küsst – für eine Lutheranerin ein fremdartiger Brauch – also beschließt sie als Kompromiss vor dem heiligen Bild einen tiefen Knicks zu machen. Sergej betrachtete diese Hinwendung seiner Frau zur Orthodoxie mit zurückhaltendem Interesse – Elisabeth hat mehrmals heftig betont, er habe sie niemals zur Konversion überredet.
Der christliche Glaube verbindet die Liebenden tief und erhält einen entscheidenden Impuls, als der Zarenbruder Sergej mit Elisabeth gemeinsam eine Wallfahrt ins Heilige Land unternimmt, um dort an der Weihe der russischen Kirche „Heilige Maria Magdalena“ im Garten Gethsemane teilzunehmen. Als sie die Schönheit des Ortes sah, an dem der Herr so sehr gebetet, gewacht und gelitten hat, äußerte sie spontan, dass sie hier einmal gerne begraben sein wolle. Der Herr sollte diesen Wunsch auf besondere Weise erhören. Zunächst aber bereitet sie nach ihrer Rückkehr den Eintritt in die orthodoxe Kirche vor, schreibt Briefe an ihre Verwandten, fleht beinahe um Verständnis, vor allem bei ihrem Vater – der ihr dieses Verständnis aber versagt.
Wie ernst es ihr mit diesem Schritt ist, zeigt ein Zitat aus einem Brief an ihren Bruder: „Ich tue es mit so brennendem Glauben, da ich fühle, dass ich eine bessere Christin werden kann und einen Schritt auf Gott hintue. Ich tue dies aus der Überzeugung, dass es die höchste Religion ist.“
Am Vorabend zum Lazarussonntag des Jahres 1891 wurde sie in die orthodoxe Kirche aufgenommen, war Jelisaweta Fjodorowna geworden – es entsprach einem damaligen Brauch, dieses Patronymikon zu verwenden, wenn es den Namen des Vaters der betreffenden Frau im Russischen nicht gab – wie es bei Elisabeths Vater Ludwig der Fall war. Fjodorowna – das sollte bedeuten: „die Gabe Gottes“.
Im gleichen Jahr ernennt Alexander III. seinen Bruder Sergej, der während des russisch-türkischen Krieges zum Generalmajor befördert, dann den Oberbefehl über die Leibgarde des Zaren erhielt, zum Generalgouverneur von Moskau – ein neuer Lebensabschnitt für das junge Paar beginnt. Einander im Glauben ermutigend, weigern sie sich sogar, getrennt voneinander zu verreisen, möchte einer ohne den anderen nicht sein.
Als christliche Ehefrau strebt Jelisaweta vor allem nach den Tugenden der Vollkommenheit und Vergebung, sie schreibt: „Eine ganz vollkommene Frau zu sein – dies ist nicht einfach, denn man muss lernen, alles zu verzeihen.“ Gleichzeitig erhält sie in Moskau ausgiebig Gelegenheit, um ihren karitativen Tätigkeiten nachzugehen, die sie auch vor dem verrufensten Stadtviertel mit dem größten Elend, der höchsten Kriminalitätsrate und Kindersterblichkeit nicht Halt machen lassen – sehr zum Kummer der Polizeibeamten, die sie eigentlich schützen sollen und denen sie entgegnet, dass sie nichts zu fürchten habe, da sie unter dem Schutz des Allerhöchsten stehe, dessen Wille geschehe.
Als im Februar 1904 nach dem Angriff der Japaner auf Port Arthur der russisch-japanische Krieg ausbricht, sorgt sie sich nicht nur um das Wohl der verletzten Heimkehrer, sondern lässt ganze Feldkapellen, komplett mit Ikonostasen und allem, was für einen würdigen Gottesdienst nötig ist, an die Frontlinien schicken, den einzelnen Soldaten auch Geschenke wie kleine Ikonen und Gebetbücher für den Gebrauch im Feld. Mittlerweile residiert der ehemalige Zarewitsch, jetzt Nikolaus II. im Winterpalast, zusammen mit der jüngsten Schwester Elisabeths, Zarin Alexandra Fjodorowna. Den beiden Unglücklichen werden nur noch wenige Jahre vergönnt – Sergej und seiner Frau noch weniger Zeit bemessen sein: Am 17. Februar 1905 wirft der Sozialrevolutionär Iwan Kaljajew eine Bombe in die offene Kutsche des Gouverneurs von Moskau. Jelisaweta selbst ist kurz nach dem Anschlag vor Ort, um die blutigen Fleischstücke ihres Liebsten einzusammeln und seinen zerstörten Körper zunächst in die Kirche zu bringen – die Menschen erzählen sich, Sergejs Herz habe man auf einem der umliegenden Dächer gefunden.
Jelisaweta begegnet diesem unermesslichen Schmerz, dieser fundamentalen Erschütterung mit kämpferischem, christlichen Geist, wacht ganze Nächte betend und besucht den Attentäter im Gefängnis, um ihm ihre Vergebung zuzusichern und ihn zur Reue zu bewegen, damit er seine Seele retten könne. Sie lässt ihm die Heilige Schrift und eine kleine Ikone in der Zelle, doch Kaljajew bleibt verstockt.
Aus den ersten Schritten in die christliche Vergebung erwächst in Sergejs Witwe, die in den Jahren danach anfängt, das Herzensgebet immer inniger zu pflegen, der feste Wille, sich nun vollkommen in die Nachfolge Christi zu stellen. Durch den Verkauf ihres privaten Besitzes, vor allem auch ihrer Juwelen, wollte sie eine Klostergründung finanzieren, den „Martha und Maria Konvent der Barmherzigkeit“ in Moskau, das fast vier Jahre nach dem Attentat seine Pforten für sechs Schwestern öffnete – Jelisaweta hatte nämlich beobachtet, dass es in der monastischen Kultur Russlands an einer Gemeinschaft fehlte, die sowohl Gebet und liturgische Feiern mit tätiger Arbeit, vor allem karitativer Arbeit verband. So gehörte auch ein Hospital mit 22 Betten, eine Armenküche, eine Apotheke und ein Hospiz zu dieser Gründung. Im Martha- und Maria-Kloster leben bereits 12 Monate später schon 30 Schwestern und im Jahre 1913 werden 10.914 Patienten betreut und 139.443 kostenlose Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben. Der Glaubensweg, den Jelisaweta gemeinsam mit Sergej begonnen, der ihre Konversion damals mit Tränen in den Augen gesegnet hatte, und den sie nun alleine weitergehen musste, gestützt auf eine treue Gemeinschaft von Ordensschwestern, denen sie als Äbtissin vorstand, trug also reiche Frucht.
Doch mit der Kriegserklärung der Deutschen im August 1914 kam eine weitere, schicksalhafte Wende im Leben der Jelisaweta Fjodorowna. Ganz Russland wurde in diesem Sommer von einem hochexplosiven Gemisch aus patriotischen Gefühlen und aufgewühlter Deutschenfeindlichkeit ergriffen – es waren die Tage, in denen man Sankt Petersburgs Name „entgermanisierte“ – die Stadt hieß nun Petrograd. Zarin Alexandra Fjodorowna, die Schwester Elisabeths, die sehr zum Missfallen ihrer Schwester fast völlig unter dem Einfluss des sibirischen Wandermönchs Rasputin stand, wurde von manchen Politikern als deutsche Spionin betrachtet.
Der Zar wird im März 1917 abdanken, die provisorische Regierung fällt im Oktober (alter Kalender) bzw. November des selben Jahres und die Bolschewisten ergreifen die Macht. Die Zarenfamilie und ihre Verwandten werden deren blutiges Regime nur etwas mehr als ein halbes Jahr überleben. Nikolaus, Alexandra und ihre Kinder werden in Jekaterinburg erschossen, fast zur gleichen Zeit stößt man die Schwester der Zarin mit einigen anderen Adligen und einer Nonne in einen aufgelassenen Schacht im benachbarten Alapajewsk 30 Meter in die Tiefe. Möglicherweise konnten herausragende Balken noch ihren Aufprall abmildern, der Augenzeugenbericht eines der Täter beschreibt noch, dass man das Planschen von Menschen in Wasser hörte. Also warf man noch eine Granate hinterher, um das Werk zu vollenden. Die Antwort von unten war göttlicher Lobpreis und frommer Gesang. Dies erzürnte die Mörder vollauf und so sammelten sie Zweige und Kleinholz, brannten es an und warfen es hinunter, bis der Gesang endlich verstummte.
Angehörige der „Weißen“ bargen die Leichname und überführten sie zunächst nach China, dann nach Palästina. Elisaweta und ihre Leidensgenossin Barbara wurden in der Kirche der heiligen Maria Magdalena beigesetzt – der Herr hat seiner treuen Dienerin diesen einen Wunsch erfüllt.
Im Jahre 1981 wurden sie von der russischen Kirche im Ausland kanonisiert und werden seither als heilige Neumärtyrerinnen der russischen Orthodoxie verehrt.

November 1, 2019   No Comments

Frei im Herzen – mein Essay über den russischen Religionsphilosophen Nikolai Berdjajew

Oktober 30, 2019   No Comments

Pluralism vs Absolute Truth – Unterweisung von Abt Tryphon, Vashon Island

>>As our society has become more pluralistic, it has been easy for some to fall into the error of believing that it does not matter what you believe, as long as you are sincere. Just as we have seen the progressive moral bankruptcy of our society, we have also witnessed the wholesale sellout of traditional Christianity by much of America’s religious community. The partial adherence of many of America’s denominations to the traditional gospel call to repentance, forgiveness and redemption through Christ has given way to a new kind of „salvation“.
These „churches“ are now more concerned with social idealism than seeing souls saved through entering into a relationship with Jesus Christ. They have ignored our Lord’s own words „My kingdom is not of this world“ (Joh 18,36) They have shown forth for all to see that their loss of faith has led to a replacement of the Good News of salvation in Christ with a mandate to build a Utopian society where social justice and peace reign forever. They have forgotten that Christ said we would never attain this outside of His Kingdom, „which is to come“.
What do we as Orthodox Christians do to counteract this insidious loss of traditional, otherworldly Christianity? Surely the answer ist not less fasting, less prayer and less penance. We must rekindle our zeal for Christ. We must give ourselves over to the joy that is ours in living a life in Him.
It is not in the things of the world that we will ultimately find happiness, but in living a life rooted in Jesus Christ.
We have been given a great and holy gift.
[…]
We have in our possession a great pearl. Let it be the inheritance we leave our children and the treasure we share with our neighbors.<< Aus dem Buch "The Morning Offering" von Abt Tryphon, welches aus seinem gleichnamigen Blog entstand, das er weiterführt.

Abt Tryphon beschreibt hier zwar us-amerikanische Zustände, diese lassen sich aber Eins zu Eins auf Deutschland übertragen, wenn man auf die Veröffentlichungen der DBK im Verlauf der letzten Jahrzehnte blickt.

Oktober 18, 2019   No Comments

Rachmaninow: Vigil

Sergei Rachmaninow ist im Westen insbesondere durch seine genialisch komponierten Konzerte für Klavier ebenso wie als Klaviervirtuose bekannt.
Er war orthodoxer Christ und hat auch inspiriert von den kirchlichen Gesängen ein „Großes Abend- und Morgenlob“ komponiert. Die Gebetszeiten der Orthodoxen sind etwas kompakter als im Westen und alles, was man dazu wissen muss, erläutert Metropolit Hilarion – der zweite Mann in der ROK nach Patriarch Kirill und selbst Kirchenmusiker – in der interessanten Einführung zu Rachmaninows Werk mit deutschen Untertiteln.

August 10, 2019   No Comments

Iwan Iljin: Wesen und Eigenart der russischen Kultur

>>Die Quelle des russisch-orthodoxen Glaubens ist das schauende Herz.
Der Russe glaubt nicht dann und darum, wenn und weil er etwas «verstanden» und «erklärerisch» gedacht hat; und nicht dann, wenn er den «Willensentschluß» gefaßt hat, sich einer Glaubensweise zuverschreiben und derselben in disziplinierendem Selbstzwang zu huldigen. Im Gegenteil, dann verliert er seinen Glauben: Intellektualismus und obligate Disziplin zerstören den Glauben in der russischen Seele. Und zwar nicht deswegen, weil der Glaube an sich vernunftlos oder vernunftwidrig wäre, dem ist nicht so, daran glaubt auch der orthodoxe Christ gar nicht. Der orthodoxe Christ ist vielmehr immer bereit, seinen Glauben zu einer allumfassenden Totalität auszubauen und läßt sich dabei nicht von einem «credo quia absurdum» leiten.
Auch hat die meditative Weisheit der ostchristlichen Einsiedler eine wunderbare Konzeption und Tradition hinterlassen: da wird die Gottliebende Vernunft zum lebendigen Urgrund der menschlichen Seele und des Herzens erhoben; da wird die schauende Einsicht, die «begreifende» Kontemplation als lebendige Quelle des Glaubens angenommen.
Der Intellektualismus ist aber etwas ganz anderes: er bedeutet grundsätzlich Souveränität oder gar Monopol des abstrakten, bald mehr logischen, bald mehr sinnlich-empirischen Denkens, ohne Herz und Schau. Der Intellektualismus vernachlässigt die übersinnliche Schau und schämt sich seines Herzens; darum bricht er mit der Vernunft und wird kurzsichtiger Verstandes-Mensch. Und kaum setzt der Intellektualismus ein, kaum versucht jemand Herz und Schau auszuschalten und sich dem selbstherrlichen, dünkelhaften Verstande zu ergeben, so schwindet der Glaube (langsam weichend oder sich rasch auflösend).
Dieser Intellektualismus wurde nach Rußland aus Frankreich, ganz besonders während der napoleonischen Kriege, importiert; er stammt von den französischen Enzyklopädisten und Voltaire einerseits, andrerseits von der deutschen «Aufklärung» und ihrer Popularphilosophie, und ganz besonders von den Links-Hegelianern und von den Materialisten. Dieser Intellektualismus kam nach Rußland und unterwühlte den Glauben unsrer intelligenten Schicht im Laufe des XIX. Jahrhunderts.<<

Iwan Iljin: Wesen und Eigenart der russischen Kultur.(Seite 67). Edition Hagia Sophia

März 24, 2019   No Comments

Seraphim Rose: Nihilismus. Die Ideologie des Antichristen.

Der Glaube an das Nichts als Quell des Untergangs.

Zitat:

„Der Nihilismus unseres Zeitalters ist in allem und wer nicht mit Gottes Beistand beschließt, ihn im Namen der Seinsfülle des lebendigen Gottes zu bekämpfen, den hat dieser bereits bezwungen. Wir sind an den Rand des Abgrunds zum Nichts gebracht, und wir werden, ob wir sein Wesen erkennen oder nicht, infolge der Affinität zum stets vorhandenen Nichts in uns ohne jede Hoffnung auf Erlösung von ihm verschlungen werden – es sei denn, wir bleiben reinen und festen Glaubens in Christus, ohne den wir wahrlich nichts sind.“

Dezember 5, 2018   No Comments

Христос воскресе!

Gegen 14.15 Uhr hat sich heute das Heilige Feuer in der Grabeskirche entzündet und wurde weitergeben.
Allen orthodoxen Geschwistern von Herzen Frohe Ostern!

April 7, 2018   No Comments

Zum Tage – russisch-orthodoxe Andacht zum heiligen Nikolaus von Myra

Diese Andacht wird normalerweise eher am 19. Dezember gesungen – die russisch-orthodoxe Kirche feiert nach dem alten Kalender – doch nach all dem Weihnachtsmann-Krimskrams heute brauchte ich ein wenig Erbauung.
Wer Russisch lesen und sprechen kann, ist in der Lage, mitzusingen, das Video hat Untertitel.

Es enthält auch, circa ab Minute 8.00, den Akathistos zum heiligen Nikolaus, dessen deutsche Übertragung man hier auf den Seiten der St. Michaels-Gemeinde finden kann.

Wer das Vatican-Magazin bezieht oder es gerne kennen lernen möchte: In meiner Rubrik „Heiligtum der besonderen Art“ geht es diesmal um die Basilika San Nicola in Bari, auch wenn der Artikel wenig zentraleuropäisch-winterlich geworden ist; dafür erzähle ich eine der Geschichten, die im Akathist auch besungen wird, die sich um den heiligen Bischof ranken und seinen Ruhm als Wundertäter und Nothelfer begründeten.

Dezember 6, 2017   2 Comments

Einmal Laudato Sì, bitte. Als Kreistanz.

Kürzlich traf ich mich mit einer orthodoxen Freundin.
Sie konnte mir kaum in die Augen schauen. Denn sie war auf einem „katholischen Familienwochenende“ bei der Caritas gewesen.
„Barbara“, sagte sie, reichlich konsterniert, „wir haben Laudato Sì gesungen und eine Polonäse durch die Kapelle dazu getanzt!“
Nun bin ich vom deutschen Katholizismus mittlerweile einiges gewohnt, aber ein getanztes ‚Laudato Sì‘, da weiß ich jetzt auch nicht, wo ich das unterbringen soll. Meine orthodoxe Freundin tat mir leid. Sie wirkte enorm erschüttert. Mit unseren orthodoxen Freunden ist es ja so, dass sie keine Liturgiereform von oben verordnet bekamen, deshalb ist ja auch in deren Gottesdienst alles noch vom Feinsten. Niemand hat ihnen die Hochaltäre rausgerissen, niemand hat ihnen erzählt, das Heilige bräuchte man eigentlich sowieso nicht, Menschsein reiche völlig aus. Die Orthodoxen fasten übrigens noch vor Empfang der Kommunion, und zwar ab Mitternacht. Vor allem aber der Priester.

Besonders verletzt hat sie dabei, ich merke das nur an, weil ja alle immer so auf die Ökumene bedacht sind, war die Bemerkung eines Mitfeiernden, der auf ihre Erklärung zum strikten orthodoxen Fasten vor der Kommunion entgegnete, dass dies ja Ähnlichkeit mit einer Darmspiegelung-Untersuchung aufwiese.

Ich komme jetzt zum springenden Punkt: Genau die Katholiken, die emsig wie die Bienen dabei sind, unsere Kirchen auszuräumen und uns möglichst auf eine weiße Raufasertapete glotzen zu lassen, anstatt auf eine Kerze, eine Blume, oder womöglich sogar das Tabernakel, allesamt diese bekommen glänzende Augen, wenn ich auf die orthodoxen Geschwister zu sprechen komme. „Oh!“ „Ah!“ „Ja!“ – diese Mystik, dieses Geheimnis, so viel Weihrauch! So außerordentlich!
Das ist ungefähr so, als würde ich aus meinem bunt blühenden, duftenden Rosengarten einen Zen-Park bestehend aus weißen Kieselsteinen und Dachwurzen machen und hinterher neidisch auf den prachtvoll blühenden Bauerngarten meines Nachbarn schauen. Ähnlicherweise empfand es auch meine Freundin. Befragt von der Referentin dieses Wochenendes – „Sie haben womöglich den Respekt vermisst?“, antwortete sie höflich, weil sie ein guter Mensch ist -„Nun ja, es war halt eine Andacht, die feiert man halt so, wie man möchte.“
Natürlich war es selbst mir als Katholikin völlig neu, dass man Laudato Sì jetzt sogar tanzen kann, aber ich sagte mir im Stillen: Immer noch besser, als wenn sie „Amoris Laetitia“ getanzt hätten.
Das könnte jetzt meine Schlusspointe sein.
Wenn meine orthodoxe Freundin nicht angemerkt hätte: „Aber es ist doch die heilige Liturgie! Da macht man doch nicht dran rum, das versteht doch jedes kleine Kind! Unsere Rituale feiern den heiligen und lebendigen Gott! Dazu benötigen wir kein Laientheater!“
Ich würde mir wünschen, dass das auch noch mehr Katholiken verstehen. Es ist nämlich ganz einfach: „Es ist doch heilig – da macht man nicht dran rum.“
Sogar Kinder – und vermutlich gerade sie – verstehen das.

Mai 9, 2017   No Comments

Die Verfügung aus dem Jahre 1981 über die Aufnahme der Neumärtyrer

in den Kalender der Heiligen durch das Konzil der Erzbischöfe und Bischöfe der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland:

„Groß ist die Heldentat des Martyriums!“
Im Heiligen Evangelium lesen wir den Aufruf unseres Erlösers, des Herrn Jesus Christus, an jene, die Seine Nachfolger zu sein wünschen: Müht euch (ringt) mit allen Kräften darum, durch die enge Pforte hineinzugehen (Lukas 13,24). „Sich mühen und kämpfen“ – das ist der Weg des mühevollen Tuns und des Kampfes [podvig]; verwirkliche dieses christliche Ringen in deinem Leben. In anderen Worten, ein Christ muss das Leben eines Kämpfers leben […]

Obschon wir in der Geschichte der Kirche Christi in allen Zeitepochen Beispiele des Martyriums finden, so war doch vor der Russischen Revolution die Heldentat des Martyriums in den ersten Jahrhunderten des Christentums vorherrschend, als das Heidentum die Heilige Kirche Christi durch Eisen und Blut zu zerstören versuchte.
Heutzutage sehen wir etwas davon recht Verschiedenes. Mit dem Auftauchen und der Konsolidierung des Gotthassenden Kommunismus in Russland wurde ein Kriegszug der Verfolgung des Glaubens, der in seinem Umfang alles Vorherige übertraf, freigesetzt. Wie ein kirchlicher Verfasser es zum Ausdruck brachte: Das Orthodoxe Russland fand sich selbst auf Golgatha wieder, und die Russische Kirche – ans Kreuz genagelt. Natürlich hat es es, genauso wie im Alterum, Fälle von Apostasie gegeben. Aber zur selben Zeit haben die Russische Kirche und das russische Volk zahlreiche Beispiele mutigen Erduldens der Verfolgungen und des Todes um des christlichen Glaubens willen bewiesen. Man kann freilich keine präzise Aufstellung all dieser Fälle des Martyriums durch die langen Jahre der kommunistischen Herrschaft in Russland hindurch anfertigen, niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit hat es so viele gegeben. Wir müssen hier nicht von Hunderten,nicht von Tausenden, sondern von Millionen sprechen, die für den Glauben litten: Wahrlich ein Ereignis von erschütternden Dimensionen! im gesamten Verlauf der menschlichen Geschichte hat es nichts gegeben, was mit dem, was wir heute sehen, vergleichbar wäre: Niemals zuvor hat es solch eine Ausschüttung des Bösen, des offenen, wahnwitzigen Aufstandes von Geschöpfen gegen ihren Schöpfer gegeben, wie dies heutzutage in unserem vielleidenden Heimatland, das von den Kommunisten versklavt worden ist, sehen.
Niemals zuvor in den aufgezeichneten Geschichte hat sich das Böse so unverschämt, so offensichtlich und krass offenbart, wie es dies jetzt tut. Niemals zuvor haben wir von solch einer empörenden Schmähung, von solch einer irrsinnigen Blasphemie Gottes und all dessen, was heilig ist, gehört, die bis in die höchsten Himmel hinaufschreit – wie sie jetzt in Sowjet-Russland zu hören ist. […] Doch wenn die vom Teufel besessenen hasserfüllten Feinde Gottes und der Kirche unsere Heimat, das russische Land, mit ihren widerwärtigen Lästerungen und ihrem Hass auf Gott besudelt haben, so wird sie doch zugleich durch das geheiligte Blut jener, die für den Glauben und die Wahrheit litten – die Neumärtyrer Russlands-, geläutert. Dieses Blut hat im Übermaß das russische Land getränkt und hat es geheiligt und gereinigt von dem Wahnsinn der Gottlosen und jener, die gegen Gott selbst kämpfen. […]

Aus dem Nachwort von Ljubov Millar: Großfürstin Elisabeth von Russland

April 17, 2017   No Comments