Journalistin und Autorin

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Category — Allgemein

40 Jahre Erstürmung Landshut – Geiselbefreiung

Die Bild-Zeitung lese ich mitunter manchmal ganz gerne deshalb, weil es die schnellste, kürzeste, bündigste und somit schmerzloseste Art ist, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen. Man hat praktisch zum Tage das Ende mit Schrecken anstatt den Schrecken ohne Ende.
Manchmal bringen sie auch ganz originelle Sachen, so wie heute, wo sie mit einem GSG9-Veteranen, heute 70 (knackig-fittes Aussehen, tolles Foto), zum Wrack der Landshut flogen, an deren Befreiung – Operation „Feuerzauber“ – der Veteran damals im Alter von knackigen 30 Jahren (tolles Foto) beteiligt war.
Große Zeile von Bild, dass er mit dem Schrei: „Köpfe runter! Wo sind die Schweine?“ reinstürmte.

Abgesehen davon, dass mir tatsächlich nicht klar war, dass man beim Erstürmen einer Maschine ein solches Geschrei veranstaltet – ich dachte immer, die bewegen sich wie die Nachtkatzen? Aber womöglich war es taktisch geschickt, ein bisschen Krawall zu machen, sie hatten das in weniger als zehn Minuten durch…. – dachte ich daran, was Frau Künast und et al. heutzutage da eventuell womöglich für eine mächtige Sorge hätten, weil man mit den Terroristen so rüde umgesprungen wäre, noch dazu sie derart beschimpft hätte. Das geht einfach nicht, und dann sind die auch noch eigentlich fast alle umgekommen.

Im Ernst jetzt. Wäre ich als Passagierin in der Landshut gesessen und hätte überlebt, würde ich heute noch jedem Mitglied der damaligen GSG9 Truppe zum Jahrestag eine Kiste Cognac und Zigarren schicken.

September 15, 2017   No Comments

Zum Fest des heiligen Laurentius

Hl. Ambrosius (um 340-397), Bischof von Mailand und Kirchenlehrer
Die Pflichten der Diener Gottes

„Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“

Als der hl. Laurentius sah, wie Bischof Sixtus zum Martyrium geführt wurde, brach er in Tränen aus. Nicht das Leiden seines Bischofs war der Grund dafür, sondern die Tatsache, dass er ohne ihn ins Martyrium ging. Deshalb rief er ihm zu: „Wohin gehst du ohne deinen Sohn, Vater? Wohin eilst du ohne deinen Diakon? Du hast doch niemals das Opfer ohne Diener gefeiert! […] Nun beweise doch, dass du dir einen guten Diakon ausgesucht hast: willst du dich wirklich weigern, das Blutopfer mit dem zu teilen, dem du den Dienst am Blut des Herrn anvertraut hast, mit dem zusammen du die Sakramente spendest?“ […]

Papst Sixtus antwortete dem Laurentius: „Ich vergesse dich nicht, mein Sohn, und ich verlasse dich auch nicht. Aber ich überlasse es dir, schwerere Kämpfe zu bestehen. Ich bin alt und halte nur noch einen leichten Kampf aus. Du aber bist jung, und auf dich wartet ein viel herrlicherer Triumph über den Tyrannen. Du folgst mir bald nach. Trockne deine Tränen. In drei Tagen folgst du mir […]“

Drei Tage später wird Laurentius festgenommen. Man verlangt von ihm, dass er die Güter und Schätze der Kirche herbeischaffe. Er verspricht zu gehorchen. Am nächsten Tag kommt er mit Armen zurück. Gefragt, wo die Schätze seien, die er herbeibringen sollte, zeigt er auf die Armen und sagt: Das sind die Schätze der Kirche. Welch bessere Schätze hätte Christus als die, von denen er gesagt hat: „Was ihr einem von diesen Kleinen getan habt, das habt ihr mir getan“ (vgl. Mt 25,40)? Laurentius zeigte diese Schätze her und war Sieger; denn der Verfolger hatte keinerlei Lust, sie ihm wegzunehmen. In seiner Wut freilich gab er den Befehl, Laurentius bei lebendigem Leibe zu verbrennen.

[via Evangelium Tag für Tag]

August 10, 2017   No Comments

Geistliches Paar: Dorothy Day und Pierre Maurin – mein Artikel aus Vatican-Magazin Februar 2016

Am 8. Dezember 1932 sitzt eine junge Frau in der Basilika zur Unbefleckten Empfängnis in Washington, D.C. und betet unter Tränen um eine Weisung für ihr Leben. Sie hatte zuvor an einem Hungermarsch durch die Stadt teilgenommen, wie sie von ihren ehemaligen kommunistischen Genossen für Arbeitslose und sozial Benachteiligte organisiert werden. Sie ist zu diesem Zeitpunkt Mitte Dreißig und blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Dorothy Day war kommunistische Aktivistin und Anarchistin, sie hatte eine Affäre und eine Abtreibung sowie zwei gescheiterte Ehen hinter sich.
Ihre Eltern gehörten der episkopalen Kirche an, Dorothy bekam schon als Mädchen einen Bezug zum Christentum. Sie las viel, auch die Bibel und beschäftigte sich sowohl mit russischen christlichen Schriftstellern wie Dostojewskij oder Tolstoj, als auch mit radikal pazifistischen, kommunistischen und anarchistischen Vorstellungen und Weltansichten. Obwohl sie als junge Frau sowohl für eine sozialistische als auch eine kommunistische Zeitung schrieb, war ihre kompromisslose pazifistische Einstellung wohl das prägende Element ihres Charakters, neben der späteren Überzeugung von der Wahrhaftigkeit der katholischen Lehre und ihrer überzeugten orthodoxen Haltung hinsichtlich des Magisteriums. Der Pazifismus war es auch, der sie davor bewahrte, weiterhin den Weg ihrer sozialistisch-kommunistisch inspirierten Freunde zu gehen: Sie lehne aufgrund ihrer Überzeugung auch den Klassenkampf als solchen ab. Während der Zeit kurz vor ihrer Konversion führte sie ein unkonventionelles Leben im New Yorker Künstler- und Musikerviertel Greenwich Village, war mit Schriftstellern wie Eugene O’Neill und John Reed befreundet.
1926 wird ihre Tochter Tamar geboren. Zu diesem Zeitpunkt ist sie in zweiter Ehe mit dem Biologen und Anarchisten Forster Batterham verheiratet. Als sie ihre Schwangerschaft bemerkt, ist sie überglücklich und voller Dankbarkeit – war sie doch nach dem schlimmen Eingriff ihrer Abtreibung davon überzeugt, nicht mehr empfangen zu können. Sie empfindet diese Schwangerschaft als pure Gnade und wahres Gottesgeschenk. Ihre Dankbarkeit ist so außerordentlich groß, dass – obwohl Day selbst noch nicht in die Kirche eingetreten ist, sie ihre Tochter im Juli 1927 katholisch taufen lässt. “Ich wollte meinem Kind die Orientierungslosigkeit ersparen, die ich oft erlebte, ich wollte gläubig sein, und ich wollte, dass mein Kind gläubig wird, und wenn die Zugehörigkeit zu einer Kirche ihr die unschätzbare Güte des Glaubens an Gott, und die umgängliche Liebe der Heiligen zuteil werden ließe, dann musste sie katholisch getauft werden.” Ihre Hingezogenheit zur katholischen Kirche sorgt bei ihrer näheren Umgebung für zunehmendes Unverständnis, insbesondere Batterham verachtet Religion und die katholische Kirche ganz besonders und weigert sich, der Taufzeremonie beizuwohnen. Day selbst wird am 28. Dezember 1927 in die Una Sancta aufgenommen, worauf die Beziehung zu Batterham endgültig zerbricht.
Die Verhältnisse innerhalb der US-amerikanischen Kirche nimmt sie eher schmerzhaft wahr: Die Gemeinden leben in relativem Wohlstand, aber sie kümmern sich in den Augen von Day zu wenig um die Rechte der Armen, der Arbeiter, der Schwarzen, Mexikaner und Filipinos. Und sie überlegt, was sie selbst innerhalb der Kirche dagegen tun könnte. Insbesondere fragt sie sich, wieso es ihren ehemaligen Kameraden, den Kommunisten, eigentlich viel besser und effektiver gelingt, Aktivitäten gegen soziale Ungerechtigkeiten und Armut zu organisieren, als der Kirche, deren Kernanliegen dies doch sein müsse. Sie als einzelne konnte natürlich dagegen anschreiben und protestieren, aber es müsse doch auch innerhalb der Kirche Persönlichkeiten und Leitfiguren geben, die eine solche Initiative führen und bündeln könnten … Dorothy Day trägt ihr Anliegen an jenem 8. Dezember fünf Jahre nach ihrem Eintritt in die Kirche vor die Immaculata: “Ich sprach ein besonderes Gebet, ein Gebet unter Tränen und Seelenqual, dass sich mir irgendein Weg auftun möge, um die Begabungen, die ich besaß für die Arbeiter und die Armen zu nutzen.”
Noch im gleichen Monat stellt sich Peter Maurin bei ihr vor, der ihr geistlicher Weggefährte und Kampfgenosse in ihren Anliegen für die Armen, die Arbeitslosen, die Lohnarbeiter und alle sozial benachteiligten werden soll – sie selbst hat es als Gebetserhörung bezeichnet.

Als Pierre Aristide Maurin am 9. Mai 1877 in eine Bauersfamilie im Languedoc geboren, trat er bereits mit 16 Jahren in eine christliche Ordensgemeinschaft ein, die sich der Frömmigkeit und der Unterstützung für die Armen widmete. Doch er wollte nicht nur religiös, sondern auch auf politischer Ebene etwas bewegen, weshalb er nach zehn Jahren bei den Christlichen Brüdern die Gemeinschaft verließ und Mitglied bei Le Sillon, einer katholischen Laienbewegung, wurde, die sich nicht nur religiös, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Kooperativen engagierte. Doch dort erschien ihm der Schwerpunkt wiederum zu stark auf politischem Engagement zu liegen. Unzufrieden verließ er auch diese Gemeinschaft und emigrierte 1909 nach Kanada, um dem Einzug zum militärischen Dienst zu entgehen und wo er ein ausgesprochen unstetes Leben führte; tatsächlich wurde er mehrmals wegen Landstreicherei und dem illegalen Mitfahrens auf Güterzügen inhaftiert. Maurin übernahm die härtesten Arbeiten, um sich über Wasser zu halten, erstrebte für sich aber keinerlei persönlichen Komfort, keinen eigenen Besitz oder gar Wohlstand. Er legte Bewässerungsgräben an, arbeitete in Sägemühlen und im Kohlebergbau, half bei der Getreideernte und fand daneben noch die Zeit, sich in öffentlichen Bibliotheken weiter theologisch fortzubilden und seine bereits beträchtlichen Kenntnisse der Schriften der Kirchenväter weiter zu vertiefen. Doch den entscheidenden Anstoß, wie er sein eigentliches Anliegen, die Umgestaltung der Gesellschaft in einem zutiefst katholischen Sinne und gemäß den Werten des Neuen Testamentes umsetzen könnte, bekam er – ausgerechnet – von den Schriften und Ideen eines russischen kommunistischen Anarchisten: Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, der elf Jahre vor Maurins erster Begegnung mit Dorothy Day verstorben war. Day ihrerseits kannte zwar Kropotkins Memoiren zu diesem Zeitpunkt, nicht aber seine „taktischen“ Schriften wie „Landwirtschaft, Industrie und Handwerk“. Maurin, der in Day eine Art heilige Katharina von Siena des 20. Jahrhunderts sah, vertiefte aber vor allem ihre theologische und geistliche Bildung, indem er sie dazu anhielt, die Geschichte in ihrer historischen Entwicklung nicht als Abfolge von Herrschern, Staaten und Systemen zu betrachten, sondern anhand der katholischen Heiligen in ihrer jeweiligen Zeit. Es waren insbesondere Augustinus und der Augustiner Thomas a Kempis mit seiner berühmten Schrift über die Nachfolge Jesu, aber vor allem inspirierten sie die Karmeliten: Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz und Thérèse von Lisieux.
Es war schließlich auch Maurin, der sie dazu anspornte, eine eigene Zeitung zu gründen, während Day noch darüber nachgrübelte, wie sie das Geld dafür aufbringen solle. „In der Geschichte der Heiligen“, ermutigte er sie, „wird notwendiges Kapital durch Gebete aufgebracht. Gott schickt dir, was du brauchst wann du es brauchst. Du wirst die Druckerei entlohnen können. Lies es einfach bei den Heiligen nach.“
Am 1. Mai 1933 erschien die Zeitung „Catholic Worker“, „Katholischer Arbeiter“, zum ersten Mal, und somit war die „Katholische Arbeiterbewegung“ in den USA gegründet. Der Verkaufspreis betrug 1 Cent, die Mitarbeiter schrieben ohne Bezahlung, und der „Katholische Arbeiter“ kam ohne Werbeeinnahmen durch Schaltung von Anzeigen aus. Das völlig Neuartige am „Catholic Worker“ war, dass er radikal , im Sinne des Evangeliums und zugleich katholisch war. Maurins Gedanken zur radikalen Denkweise und Lebensführung basierte auf den Lebensregeln der alten irischen Mönchsgemeinschaften, den Anschauungen eines Thomas von Aquin und eines Thomas Morus bis hin zu den „Personalisten“, den Vertretern eines sozialen Katholizismus im Frankreich des 20. Jahrhunderts, wonach jede gesellschaftliche Veränderung nur durch eine Veränderung der persönlichen Lebensweise – in konsequenter Jesusnachfolge – bewirkt werden könne. Von Maurin stammte auch der 3-Punkte-Plan für die Bewegung der „Catholic Worker“ – erstens die gemeinsamen Lehr- und Debattiertreffen, faktisch „offene Universitäten für alle“, zweitens „Häuser der Gastfreundschaft“, um Menschen beherberge und speisen zu können sowie drittens autarke Farmen im Hinterland, die sich selbst und die karitativen Häuser versorgen konnten – von denen es im Jahr 1941 bereits 30 autonome Einheiten gab – eine Mischung aus irischer Mönchsgemeinschaft und den Ideen eines Kropotkin also. Peter Maurin konnte den wachsenden Erfolg der gemeinsam mit Day gegründeten Arbeiterbewegung noch erleben, bevor er am 15. Mai 1949, dreißig Jahre vor seiner Weggenossin, auf einer der Farmkommunen verstarb. Das Time Magazin schrieb damals, er sei in einem abgelegten Anzug und einem geschenkten Grab bestattet worden – einem Mann angemessen, der nie in einem eigenen Bett geschlafen und ausschließlich Anzüge , die ihm von anderen geschenkt wurden, getragen habe.

Mai 18, 2017   No Comments

Heilige Caterina von Siena, Kommentar zu Mt 11, 25 – 30 via Evangelium Tag für Tag

>>Dialog von Gottes Vorsehung 167, 2 (Übers.: Sommer v.Seckendorff, 1964, S. 247)

„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde“

Dank, Dank sei Dir, ewiger Vater, dass Du Dein Geschöpf nicht verachtet, Dein Antlitz nicht von ihm abgewandt, noch seine Wünsche verschmäht hast. Du, Licht, achtest nicht auf meine Finsternis, Du, Leben, ließest Dich von meinem Tod nicht abhalten, noch schreckte Dich, Arzt, meine arge Gebrechlichkeit, Dich ewige Reinheit, mein ganzer Schmutz und mein Elend; Du Unendlicher kamst zu mir Endlichem, Du Weisheit zu mir Törin. Aus Deinem Licht empfing ich Licht. In Deiner Weisheit erkannte ich die Wahrheit, in Deiner Milde fand ich die Liebe zu Dir und zum Nächsten. Dieselbe Liebe veranlasste Dich, das Auge meines Geistes mit dem Licht des Glaubens zu erleuchten, damit ich Deine mir kundgetane Wahrheit begriffe.

Gib, dass mein Gedächtnis fähig sei, sich Deiner Wohltaten zu erinnern, und mein Wille im Feuer Deiner Liebe lodere. Lass das Blut meines Leibes in diesem Feuer fruchten und sich verströmen, auf dass ich mit diesem Blut, aus Liebe zu Deinem Blut vergossen, und mit dem Schlüssel des Gehorsams die Himmelspforte entriegele. Dasselbe erbitte ich Dich von ganzem Herzen für jedes vernunftbegabte Wesen, im Allgemeinen und im Besonderen, und für den mystischen Leib der Kirche. Ich bekenne und ich leugne nicht, dass Du mich geliebt hast, eh ich war, und dass Du mich unsäglich liebst, wie ein Narr verliebt in Deine Kreatur. <<

April 29, 2017   No Comments

Wenn der Henker weiser ist als der Richter

Aber Jesus schrie laut und verschied.
Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach:
Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Evangelium nach Markus

Von Jesus Christus ist bekannt, dass er sich mit den Verfemten und Verstoßenen der damaligen Gesellschaft befasste, mit den Zöllnern, mit Prostituierten, mit Sündern. Die Zöllner mochte man insbesondere nicht, weil sie gemeinsame Sache mit den römischen Besatzern machten und daraus auch noch Profit schlugen. Frauen lagen ihm besonders am Herzen – jedem, auch demjenigen, der das Evangelium nicht kennt, ist ganz sicher die Episode bekannt, in der Jesus eine des Ehebruchs angeklagte Frau vor der tödlichen, „gesetzlich vorgeschriebenen“, Steinigung rettet.
Während diese Episode wieder und wieder und aufhörlich kolportiert wird, auch von Ungläubigen – übrigens zu Recht, da sie einzigartig dasteht im Gesamtzusammenhang der Heiligen Schriften – hört man ganz selten etwas über die enorme Wertschätzung, die Jesus Christus ausgerechnet Soldaten, und zwar nicht einmal Angehörigen einer freiheitlich-demokratischen Armee, sondern üblen Besatzern des Landes entgegenbrachte.
Jesus sah römische Soldaten nicht als Feinde – nicht einmal dann, als sie ihm die Dornenkrone aufdrückten, geißelten und bespuckten.
In einem ähnliche Sinne, wie er sich mit Frauen wohlfühlte, weil sie sein Herz berührten, weil ihre Liebe sie aufrührte, weil ihm ihr ganzes Wesen wertvoll erschien, so ging er auch mit Soldaten um. Er war ein Mensch, der in der Natur eines anderen Menschen, seines Gegenübers, das Besonders und Gottähnliche aufspüren und bloßlegen konnte. Darum geht es auch in der berührenden Geschichte mit dem Hauptmann von Kafarnaum, der sich aus Sorge um einen einfachen Diener aufmachte, um bei Jesus Hilfe zu suchen – wohlwissend, dass es das Todesurteil für Jesus bedeutet hätte, wenn dieser sein Haus beträte. Darum die flehentliche Bitte: Herr befiehl einfach, so tue ich es doch mit meinen Untergebenen auch – und sie gehorchen!
Und Jesus war so verwundert über diese Aussage, dass er diesen Soldaten als einen Menschen pries, dem an Glaubensgröße kein Israelit gleichkäme.

In der modernen Verkündigung hören wir wenig über diese doch so wichtige Episode. Vermutlich, weil Soldaten, im Gegensatz zu Zöllnern und Frauen, weiterhin zu den Verfemten gehören. Obwohl sie unser Land nicht besetzt halten, werden Männer und Frauen in Uniform, die unserem Land dienen, bespuckt und beschimpft, ausgegrenzt und bedroht.
Manchmal sogar von sich weniger oder mehr christlich nennenden Pazifisten.

Ob der Hauptmann von Kafarnaum mit dem Hauptmann, der Jesu Tod am Kreuz mitansah und daraufhin sein Bekenntnis ablegte, identisch war, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es das Bekenntnis eines Mannes ist, dem man eben deshalb glauben kann, weil man ihm vermutlich alles beigebracht hatte, was nützlich ist und zum Überleben dient, aber nicht das selbstständige Denken. Und doch brach es in dieser Weltenstunde aus ihm heraus: Dieser hier war GOTTES SOHN!
Eine Aussage, die nicht nur Agnostikern und Zweiflern, sondern mittlerweile sogar manchem Theologen schwerfällt, zu treffen.
Doch wenn es um lebenswichtige und lebensnotwendige Entscheidungen geht, vertraue ich persönlich mittlerweile lieber einem Soldaten und Heerführer, der weiß, wovon er spricht, weil er zuviel mit eigenen Augen ansehen musste, als manchem Theologen oder Bischof.

April 14, 2017   No Comments

Joseph Kardinal Ratzinger: Einführung in das Christentum-Der Gott des Glaubens und der Gott der Philosophen

„Der Großteil der Menschen von heute gesteht ja noch immer in irgendeiner Form zu, dass es so etwas wie >>ein höchstes Wesen<< wohl gebe. Aber man findet es absurd, dass dieses Wesen sich mit dem Menschen befassen solle; wir haben die Empfindung - auch dem, der zu glauben versucht, geht es immer wieder so -, dass so etwas Ausdruck eines naiven Anthropomorphismus, einer frühen Weise des menschlichen Denkens sei, verständlich aus einer Situation, in der der Mensch noch in einer kleinen Welt lebte, in der die Erdscheibe der Mittelpunkt aller Dinge war und Gott nichts anderes zu tun hatte, als auf sie herunterzublicken. Aber, so denken wir, in einer Zeit, in der wir wissen, wie unendlich anders sich das verhält, wie bedeutungslos die Erde im riesigen Weltall ist und wie bedeutungslos folglich auch das Staubkorn Mensch gegenüber den kosmischen Dimensionen dasteht, in einer solchen Zeit erscheint uns der Gedanke absurd, dass dies höchste Wesen sich mit dem Menschen, seiner kleinen, erbärmlichen Welt, seinen Sorgen, seinen Sünden und Nichtsünden befassen sollte. Indem wir aber so meinen, auf diese Weise recht göttlich von Gott zu reden, denken wir in Wirklichkeit gerade sehr klein und allzu menschlich von ihm, als müsste er, um nicht den Überblick zu verlieren, auswählen. Wir stellen ihn uns damit vor als ein Bewusstsein wie das unsere, das Grenzen hat, das irgendwo einen Halt setzen muss und nie das Ganze umfassen kann. Solchen Verengungen gegenübermag jener Sinnspruch, den Hölderlin seinem Hyperion vorangestellt hat, wieder an das christliche Bild der wahren Größe Gottes erinnern: >>Non coerceri maximo, contineri tamen a minimo, divinum est – Nicht umschlossen werden vom Größten, sich umschließen lassen vom Kleinsten – das ist göttlich.<< Jener unbegrenzte Geist, der die Totalität des Seins in sich trägt, reicht über das "Größte" hinaus, sodass es gering ist für ihn, und er reicht in das Geringste hinein, weil nichts zu gering ist für ihn. Gerade diese Überschreitung des Größten und das Hineinreichen ins Kleinste ist das wahre Wesen des absoluten Geistes. Zugleich aber zeigt sich hier eine Umwertung vo Maximum und Minimum, von Größtem und Kleinstem, die für das christliche Verständnis des Wirklichen kennzeichnend ist. Für den, der als Geist das Weltall trägt und umspannt, ist ein Geist, ist das Herz eines Menschen, das zu lieben vermag, größer als alle Milchstraßensysteme. Die quantitativen Maßstäbe werden überholt; es zeigen sich andere Größenordnungen an, von denen her das unendlich Kleine das wahrhaft Umgreifende und wahrhaft Große ist. Noch ein weiteres Vorurteil wird von hier aus als Vorurteil entlarvt. Uns scheint es im Letzten immer wieder selbstverständlich, dass das unendlich Große, der absolute Geist, nicht Fühlen und Leidenschaft, sondern nur reine Mathematik des Alls sein könne. Unreflektiert unterstellen wir damit, dass bloßes Denken größer sei als Lieben, während die Botschaft des Evangeliums und das christliche Gottesbild darin die Philosophie korrigiert und uns wissen lässt, dass höher als das bloße Denken die Liebe steht. Das absolute Denken ist ein Lieben, ist nicht fühlloser Gedanke, sondern schöpferisch, weil es Liebe ist."

April 10, 2017   No Comments

Fastenlektüre:Einführung in das Christentum – Aus dem Vorwort zur Ausgabe im Jahr 2000

>>Vom Johannes-Prolog her steht der Begriff des Logos im Mittelpunkt unseres christlichen Gottesglaubens. Logos heißt Vernunft, Sinn, aber auch Wort – ein Sinn also, der Wort ist, der Beziehung ist, der schöpferisch ist. Der Gott, der Logos ist, verbürgt uns die Vernünftigkeit der Welt, die Vernünftigkeit unseres Seins, die Gottgemäßheit der Vernunft und die Vernunftgemäßheit Gottes, auch wenn seine Vernunft die unsere unendlich überschreitet und für uns so oft wie Dunkel erscheinen mag. Die Welt kommt aus der Vernunft und diese Vernunft ist Person, ist Liebe – das ist es, was uns der biblische Glaube über Gott sagt. Die Vernunft kann von Gott reden, sie muss von Gott reden, sonst amputiert sie sich selbst. Damit ist der der Schöpfungsbegriff mitgegeben. Die Welt ist nicht nur maya, Schein, den wir letztlich hinter uns lassen müssen. Sie ist nicht bloß das unendliche Rad der Leiden, dem wir versuchen müssen zu entrinnen. Sie ist positiv. Sie ist trotz all des Bösen in ihr und trotz allen Leids gut, und es ist gut, in ihr zu leben. Der Gott, der Schöpfer ist und sich in seiner Schöpfung aussagt, gibt auch dem menschlichen Tun Richtung und Maß.<< Joseph Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI.: Einführung in das Christentum.

März 7, 2017   No Comments

Die Weiße Rose – Christoph Probst – ein Flugblattentwurf

„Stalingrad! 200 000 deutsche Brüder wurden geopfert für das Prestige eines militärischen Hochstaplers. Die menschlichen Kapitulationsbedingungen der Russen wurden den geopferten Soldaten verheimlicht. General Paulus erhielt für diesen Massenmord das Eichenlaub. Hohe Offiziere haben sich im Flugzeug aus der Schlacht von Stalingrad gerettet. Hitler verbot den Eingekesselten, sich zu den rückwärtigen Truppen zurückzuziehen. Nun klagt das Blut von 200 000 dem Tod geweihten Soldaten den Mörder Hitler an. … Und wollt Ihr euch genauso belügen lassen wie die 200 000 Mann, die Stalingrad auf verlorenem Posten verteidigten? Dass Ihr massakriert, sterilisiert oder Eurer Kinder beraubt werdet? … Heute ist ganz Deutschland eingekesselt wie es Stalingrad war. Sollen den Sendboten des Hasses und des Vernichtungswillen alle Deutschen geopfert werden? Ihn, der die Juden zu Tode martert, die Hälfte der Polen ausrottete, Russland vernichten wollte, ihm, der Euch Freiheit, Frieden, Familienglück, Hoffnung und Frohsinn nahm und dafür Inflationsgeld gab. Das soll, das darf nicht sein! Hitler und sein Regime muss fallen, damit Deutschland weiterlebt!“

Für diesen Flugblattentwurf – es war das siebte – wurde Christoph Probst, der sich noch im Gefängnis katholisch taufen ließ, am 22. Februar 1943 von den Henkern des Nazi-Regimes hingerichtet. Probst war Mitglied der Weißen Rose und junger Vater von drei Kindern.

Februar 20, 2017   No Comments

Die Rheinpfalz über mein Buch „Konvertiten. Ergreifende Glaubenszeugnisse“

>>Wenz hat einen Blick für absonderlich und außergewöhnlich erscheinende Ereignisse und Erfahrungen, und sie versteht es, sie lebendig zu schildern. << Aus dem Artikel in der Rheinpfalz vom 7.9.16 im Nachgang zu meiner ersten Lesung von "Konvertiten. Ergreifende Glaubenszeugnisse."

September 9, 2016   No Comments

Zum Mord an Père Jacques Hamel – Erzmärtyrer

father jacques

Juli 27, 2016   No Comments