Journalistin und Autorin

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Konvertiten – aus der Rezension von Marie-Thérèse Knöbl in der Tagespost

vom 3. August 2017:

„Nicht nur das vor unseren Augen entfaltete Leben von Heiligen, Leidenden und Bekehrten, auch das Singen des Magnificat (im Fall Paul Claudels) oder das Sprechen eines Gebets (im Fall des jüdischen Bankierssohnes Alphonse Ratisbonne) können schlagartig zu einer Überwältigung der Seele durch den Heiligen Geist und zur plötzlichen und danach unumkehrbaren Erkenntnis der Wahrheit in Geist und Seele eines Menschen führen.
Das macht die Sammlung der Konvertiten-Leben von Barbara Wenz deutlich. Gelungen veranschaulicht sie dabei das Wirken der Vorsehung und des Heiligen Geistes durch alle Zeiten hinweg, gerade auch in besonders stürmischen Zeiten der Kirche und des Individuums. Eindrucksvoll dargestellt ist dies in den Lebensbeschreibungen der beiden jüdischen Konvertiten Eugenio Zolli und Jean-Marie Lustiger, deutlich sichtbar wird es aber auch in allen anderen Porträts.

Alle dargestellten Lebenswenden sind gekennzeichnet von einer unerhörten Frische, zugleich aber auch einer unerhörten, nie gekannten Tiefe des geistigen und seelischen Lebens, welche die Schwere des Kreuzes erahnen lässt, das es in der Nachfolge Christi nicht selten zu ertragen gilt.
Die Autorin bringt all dies gut auf den Punkt, wenn sie schreibt: „Denn jetzt beginnt eine Zeit im Feuerofen der göttlichen Gnade, einerseits voller Tröstungen, doch auch immer angefüllt mit Prüfungen, Kampf und geistlicher Not.“ Ihr und dem Verlag darf man zu dieser schönen Publikation gratulieren. Ihre Lektüre gibt Zuversicht und Freude, es ist ein schönes Geschenk für alle Bekehrten und Noch-nicht-Bekehrten.“

Barbara Wenz: Konvertiten. Ergreifende
Glaubenszeugnisse. Media Maria, Illertissen 2017,
ISBN 978-3-94554012-2-4,
160 Seiten, EUR 14,95

August 15, 2017   No Comments

Rudolf Otto: Das Heilige

„Ich habe das Sanctus, Sanctus, Sanctus von den Kardinälen in Sankt Peter und das Swiat, Swiat, Swiat in der Kathedrale im Kreml und das Hagios, Hagios, Hagios vom Patriarchen in Jerusalem gehört. In welcher Sprache immer sie erklangen, diese erhabensten Worte, immer greifen sie in die tiefsten Gründe der Seele, aufregend und rührend mit mächtigem Schauer das Geheimnis des Überweltlichen, das dort unten schläft.“

Rudolf Otto, lutherischer Theologe und Autor des religionswissenschaftlichen Klassikers „Das Heilige“.

August 14, 2017   No Comments

Der Segen der heiligen Klara von Assisi – nach der Überlieferung

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr segne euch und behüte euch. Er zeige euch sein Angesicht und erbarme sich euer. Er wende euch sein Angesicht zu und schenke euch den Frieden, meine Schwestern und Töchter, und allen anderen, die in eure Gemeinschaft kommen und dort bleiben werden, und allen übrigen, gegenwärtigen und zukünftigen, die bis zum Ende ausharren in anderen Klöstern der Armen Frauen.

Ich, Klara, eine Magd Christi, eine Pflanze unseres hochseligen Vaters, des heiligen Franziskus, eure Schwester und eure sowie der anderen Armen Schwestern Mutter, obschon eine unwürdige, bitte unseren Herrn Jesus Christus durch seine Barmherzigkeit und durch die Fürsprache seiner heiligsten Mutter Maria, des heiligen Erzengels Michael und aller Heiligen beiderlei Geschlechts, der himmlische Vater gebe und bestätige euch im Himmel und auf Erden diesen seinen allerheiligsten Segen: auf Erden mehre er euch in seiner Gnade und in seinen Tugenden unter seinen Dienern und Dienerinnen in seiner streitenden Kirche, im Himmel erhöhe und ehre er euch in der triumphierenden Kirche, in der Schar der heiligen Frauen und Männer.
Ich segne euch in meinem Leben und nach meinem Tode, soviel ich vermag, mit all dem Segen, mit dem der Vater der Erbarmungen seine Söhne und Töchter im Himmel und auf Erden gesegnet hat und noch segnen wird, und mit dem ein geistlicher Vater und eine geistliche Mutter ihre geistlichen Söhne und Töchter gesegnet haben und noch segnen werden. Amen.
Seid immer Liebhaberinnen eurer Seelen und aller eurer Schwestern und bewahrt immer das mit Fleiß, was ihr dem Herrn gelobt habt. Der Herr sei allezeit mit euch und gebe Gott, daß ihr allezeit in ihm seid. Amen.“

August 11, 2017   No Comments

Zum Fest des heiligen Laurentius

Hl. Ambrosius (um 340-397), Bischof von Mailand und Kirchenlehrer
Die Pflichten der Diener Gottes

„Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“

Als der hl. Laurentius sah, wie Bischof Sixtus zum Martyrium geführt wurde, brach er in Tränen aus. Nicht das Leiden seines Bischofs war der Grund dafür, sondern die Tatsache, dass er ohne ihn ins Martyrium ging. Deshalb rief er ihm zu: „Wohin gehst du ohne deinen Sohn, Vater? Wohin eilst du ohne deinen Diakon? Du hast doch niemals das Opfer ohne Diener gefeiert! […] Nun beweise doch, dass du dir einen guten Diakon ausgesucht hast: willst du dich wirklich weigern, das Blutopfer mit dem zu teilen, dem du den Dienst am Blut des Herrn anvertraut hast, mit dem zusammen du die Sakramente spendest?“ […]

Papst Sixtus antwortete dem Laurentius: „Ich vergesse dich nicht, mein Sohn, und ich verlasse dich auch nicht. Aber ich überlasse es dir, schwerere Kämpfe zu bestehen. Ich bin alt und halte nur noch einen leichten Kampf aus. Du aber bist jung, und auf dich wartet ein viel herrlicherer Triumph über den Tyrannen. Du folgst mir bald nach. Trockne deine Tränen. In drei Tagen folgst du mir […]“

Drei Tage später wird Laurentius festgenommen. Man verlangt von ihm, dass er die Güter und Schätze der Kirche herbeischaffe. Er verspricht zu gehorchen. Am nächsten Tag kommt er mit Armen zurück. Gefragt, wo die Schätze seien, die er herbeibringen sollte, zeigt er auf die Armen und sagt: Das sind die Schätze der Kirche. Welch bessere Schätze hätte Christus als die, von denen er gesagt hat: „Was ihr einem von diesen Kleinen getan habt, das habt ihr mir getan“ (vgl. Mt 25,40)? Laurentius zeigte diese Schätze her und war Sieger; denn der Verfolger hatte keinerlei Lust, sie ihm wegzunehmen. In seiner Wut freilich gab er den Befehl, Laurentius bei lebendigem Leibe zu verbrennen.

[via Evangelium Tag für Tag]

August 10, 2017   No Comments

Leserinnenpost zu „Das Farnese-Komplott“

Ich habe mich dieses Wochenende riesig über einen wunderschönen, handgeschriebenen Brief (auf Karopapier :-)) einer achtzigjährigen Dame gefreut, der mich anlässlich eines Artikels über Fatima in der Tagespost über den Verlag erreicht hatte. Sie erzählt ein bisschen über sich und dann schreibt sie:

„Eine lange Einleitung, nur um Ihnen zu sagen, dass ich Ihren so ganz besonderen Kriminalroman „Das Farnese-Komplott“ gelesen habe.
Was heißt ‚gelesen‘? Verschlungen habe ich ihn.

Nach dem ersten Lesen habe ich noch einmal von vorne angefangen und nur alles von 2007 [der zeitgenössische Handlungsstrang – Anm BW] auf mich wirken lassen. Danach dann nur die Erzählungen von dem Muschelseidentuch [der historische Handlungsstrang-BW] Das geht tatsächlich.
Das ganze Buch ist für mich so stimmig, die vielen verschiedenen Charaktere und die für mich einfach ekelhafte Schwester Immacolata.
Erstaunlich. Woher nehmen Sie Ihre Ideen? (Kommt Ihnen das bekannt vor? Das sagt Krista Winther zu Bianca, der Tante von Lorenzo.)
Sie sehen, ich habe Ihren Roman verinnerlicht – und ich hoffe, ich kann mir bald ein neues Buch von Ihnen kaufen.“

Juni 5, 2017   No Comments

Glosse: Römisch-katholische Männer und orthodoxe Männer im Gottesdienst

Eine nicht ganz ernstgemeinte Betrachtung

Mal ehrlich, wo man in deutschen katholischen Gemeindegottesdiensten noch junge Männer antrifft, sehen sie ausgesprochen aufgeräumt aus. Der perfekte Schwiegermutter-Liebling. Ordentlich gescheitelt, faltenloses Sakko, wenn überhaupt Jeans, dann die ganz dunklen, noch nicht ausgewaschenen, rasiert, natürlich ohne Bartschatten, wenn Gesichtsbehaarung, dann natürlich gepflegter Hippsterbart, gerne auch mit großer schwarzer Brille, schlaksig bis hager. Singen können sie meistenteils auch, liturgisch beschlagen, aber nicht über Gebühr, also ohne rechthaberisch werden zu wollen, wenn gerade mal wieder der Embolismus ausfällt. Vor der Madonnenstatue sieht man sie kaum bis nie ein Lichtlein entzünden, wo ein heiliger Joseph zur Verehrung bereit steht, ignorieren sie ihn herzlich. White-collar-Katholiken, die vermutlich The Cathwalk regelmäßig lesen, dazu noch ein Regal mit Weber-Grill-Kochbüchern instandhalten. Manchmal, sofern sie verheiratet sind und Kinder haben, sehen sie etwas derangierter aus. Ihre Kniebeugen machen sie immer ordentlich. In der Kirchenbank sitzen sie gerade und aufrecht.

Der junge russisch-orthodoxe Mann sieht dagegen aus, als käme er entweder von der Baustelle, aus dem Sparring oder direkt vom Schlachtfeld. Seine Kleidung ist selbstverständlich sauber, aber er hat sie schnell aus dem Regal gezogen, bevor er in die Kirche eilte. Dabei kann ihm auch einmal eine ausgebleichte Jeans, ein nicht ganz einwandfrei gebügeltes Hemd oder eine Trainingsjacke in die Hände fallen – das spielt keine Rolle. Ihre Verbeugungen und Küsse der heiligen Ikonen fallen stets ein wenig trotzig aus, und während der Göttlichen Liturgie stehen sie völlig aufrecht mit hängenden Armen, die Hände fast schon leicht zu Fäusten geballt. Vom Ritual und vom Glauben zur Demut praktisch gezwungen, scheinen sie sich immer dennoch irgendwie innerlich dagegen aufzulehnen -aber weil sie es besser wissen, wer ihr Herr und Meister ist, erweisen sie ihm ihre Ehrerbietung wie ein eigentlich aufständischer, aber von seinem Feudalherren bezähmter Ritter. Die stundenlange Liturgie stehen sie ebenso stoisch wie ergeben durch, wenn sie nicht manchmal doch hinausgehen, um eine Pausenzigarette zu rauchen. Wo der Besucher des Gottesdienstes ins Schwelgen gerät, weil der Gesang so überirdisch ist, mahlen ihre Kiefer in heiligem Ernst. Die Liturgie ist nicht etwas, an dem sie sich erfreuen, sondern Kriegsdienst, den es mannhaft zu absolvieren gilt. Natürlich kosen sie ihre Kinder, so sie welche dabei haben, doch mit genau der liebevollen Strenge schubsen sie sie auch vor zur Ikone und lehren sie, diese angemessen zu verehren. Gesang ist Frauen- und Popensache und wenn sie einer Marienikone ihre Achtung erweisen, sieht es aus, als schulterten sie ein Sturmgewehr.
Okay, ich übertreibe. Aber wir haben es hier mit Christen zu tun, die mitten im Januar zur Feier der Taufe des Herrn in zugefrorene Flüsse springen, in die sie zuvor ein kreuzförmiges Loch gehackt haben. Wer immer diese Leute missioniert hatte – Kyrill und Method wohl -, hat 150prozentige Arbeit geleistet.
Eine Arbeit, die auch nach fast 70 Jahren Sowjetkommunismus nicht ausgelöscht werden konnte.

Mai 28, 2017   No Comments

Zur Lage 23.05.2017 – Terroranschlag in Manchester

Ich les den Sirko gerne, weil er immer die richtigen Worte findet angesichts der Katastrophe: Mit Blick auf das sicherheitspolitische Kalkül, ein Auge auch auf Gesellschaftkritik, nie pathetisch, aber immer mit Mitgefühl und Anstand.
Ein „Pray for Manchester“ möchte ich mir heute ersparen, erstens ist es selbstverständlich, zweitens braucht England – und Europa – zwar Gebet, aber eben auch ein stringentes Konzept zur Terrorbekämpfung und wesentlich weniger dummes Gelaber von Politikern, die eigentlich mal einen Eid schworen, zum Wohle IHRES VOLKES zu handeln, auch wenn sie offenbar nicht mehr genau wissen, um wen es sich dabei handelt.
„Ah, sie hat VOLK gesagt! – ja, na und? Es geht mir dabei um die Völker Europas, um die Briten genau wie um die Franzosen oder die Deutschen – und ich definiere VOLK nicht über BLUT, so wie gewisse andere Leute es gerne unterstellen. Für mich sollten französische oder deutsche oder niederländische Besucher, egal welcher Abstammung, Touristen aus Südostasien, Afrika oder aus Italien in einem englischen Konzertsaal – oder an einem Kölner Hauptbahnhof – genauso sicher sein, wie britische.

Sirkos Gedanken dazu:

>>In den westlichen Gesellschaften scheint die Grundvoraussetzung für das viel beschworene Zusammenleben, nämlich das LEBEN an sich, in den Hintergrund getreten zu sein. Während die tatsächlichen Radikalen immer wieder Menschen töten, werden jene, die sich dagegen zur Wehr setzen wollen und bessere Mittel und Methoden zur Terrorbekämpfung einfordern, als die eigentlichen Radikalen verunglimpft. Es werden Bündnisse mit Regierungen geschmiedet, deren Ländern die Söldner des Dschihad entstammen, und gleichzeitig werden jene Staaten verurteilt, die gegen diese Banden ankämpfen. Das politische Kalkül überschattet den Wunsch der Menschen nach Frieden, Ordnung und Sicherheit.Die Welt steht Kopf!<< Gemeinsam mit meinem Kollegen Sirko möchte ich jedenfalls noch Folgendes sagen: >>Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer dieses schrecklichen Attentats und den Verletzten. Den Toten ewigen Frieden.<<

Mai 23, 2017   No Comments

Der italienische Schuhhändler meines Vertrauens

Es ist kein besonders hipper Laden, aber mir fiel immer auf, dass hinter der Theke mit der Kasse Bilder von Päpsten, dem barmherzigen Jesus, geweihte Olivenzweige von Palmsonntag und andere Devotionalien hingen.
Er gehört einem schon sehr in die Jahre gekommenen Ehepaar.
Grundsätzlich kaufe ich in Italien keine Schuhe mehr, weil die keine Fußbetten haben und man deshalb läuft, als hätte man einen mattone-Stein unter der Sohle.
Wenn man auf die Fünfzig zugeht, bedeutet das: Schmerzende Füße, kaputte Knöchel, schmerzende Knie und so weiter über die Hüftgelenke bis hinauf ins Kreuz.
Aber ich wollte jetzt keinen Fachartikel über Orthopädie schreiben.
Seit Neuestem hängt an der Wand hinter der Kasse ein gigantisches Fotoposter, dass die beiden älteren Herrschaften zusammen mit Papst Franziskus im Gespräch zeigt. Übrigens ist es das einzige Geschäft – nicht in Italien vermutlich – aber dass jedenfalls ich kenne, welches zu Jahresbeginn im riesige Fotokalender mit Papstporträts als Werbegeschenk verteilt. Den Benedikt-Kalender hatte ich mir regelrecht erbettelt, weil es schon Frühjahr war und man solche Sachen ja eher zu Jahresbeginn verschenkt bekommt.
Jedenfalls fragte ich erstaunt, ob sie denn Privataudienz gehabt hätten – nein, sagte die ältere Dame und wurde ganz aufgeregt, das war nur ganz kurz und es in St. Marta aufgenommen, nach der routinemäßigen Morgenmesse. Sie hätten einfach eine Anfrage für eine Einladung gestellt, dann hätte die Garde sie kontrolliert, es sei sehr gut besucht gewesen, aber wegen der vielen Leute hätte Franziskus halt nur einen kurzen Moment Zeit für sie gehabt, um ihnen zum Ehejubiläum zu gratulieren und ihnen einen Rosenkranz zu weihen. Sie war immer noch ganz aufgeregt und fand es bestimmt super, dass ich sie darauf angesprochen hatte. Ich habe jetzt äußerst bequeme halborthopädische Schuhe, die sich vermutlich mit meinen Tarnfleckhosen zusammen getragen enorm hässlich ausnehmen werden, aber Hauptsache bequem. Und ich finde den Laden und das Inhaberehepaar richtig toll. Ich habe mich sehr für die beiden gefreut.

Mai 22, 2017   No Comments

Geistliches Paar: Dorothy Day und Pierre Maurin – mein Artikel aus Vatican-Magazin Februar 2016

Am 8. Dezember 1932 sitzt eine junge Frau in der Basilika zur Unbefleckten Empfängnis in Washington, D.C. und betet unter Tränen um eine Weisung für ihr Leben. Sie hatte zuvor an einem Hungermarsch durch die Stadt teilgenommen, wie sie von ihren ehemaligen kommunistischen Genossen für Arbeitslose und sozial Benachteiligte organisiert werden. Sie ist zu diesem Zeitpunkt Mitte Dreißig und blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Dorothy Day war kommunistische Aktivistin und Anarchistin, sie hatte eine Affäre und eine Abtreibung sowie zwei gescheiterte Ehen hinter sich.
Ihre Eltern gehörten der episkopalen Kirche an, Dorothy bekam schon als Mädchen einen Bezug zum Christentum. Sie las viel, auch die Bibel und beschäftigte sich sowohl mit russischen christlichen Schriftstellern wie Dostojewskij oder Tolstoj, als auch mit radikal pazifistischen, kommunistischen und anarchistischen Vorstellungen und Weltansichten. Obwohl sie als junge Frau sowohl für eine sozialistische als auch eine kommunistische Zeitung schrieb, war ihre kompromisslose pazifistische Einstellung wohl das prägende Element ihres Charakters, neben der späteren Überzeugung von der Wahrhaftigkeit der katholischen Lehre und ihrer überzeugten orthodoxen Haltung hinsichtlich des Magisteriums. Der Pazifismus war es auch, der sie davor bewahrte, weiterhin den Weg ihrer sozialistisch-kommunistisch inspirierten Freunde zu gehen: Sie lehne aufgrund ihrer Überzeugung auch den Klassenkampf als solchen ab. Während der Zeit kurz vor ihrer Konversion führte sie ein unkonventionelles Leben im New Yorker Künstler- und Musikerviertel Greenwich Village, war mit Schriftstellern wie Eugene O’Neill und John Reed befreundet.
1926 wird ihre Tochter Tamar geboren. Zu diesem Zeitpunkt ist sie in zweiter Ehe mit dem Biologen und Anarchisten Forster Batterham verheiratet. Als sie ihre Schwangerschaft bemerkt, ist sie überglücklich und voller Dankbarkeit – war sie doch nach dem schlimmen Eingriff ihrer Abtreibung davon überzeugt, nicht mehr empfangen zu können. Sie empfindet diese Schwangerschaft als pure Gnade und wahres Gottesgeschenk. Ihre Dankbarkeit ist so außerordentlich groß, dass – obwohl Day selbst noch nicht in die Kirche eingetreten ist, sie ihre Tochter im Juli 1927 katholisch taufen lässt. “Ich wollte meinem Kind die Orientierungslosigkeit ersparen, die ich oft erlebte, ich wollte gläubig sein, und ich wollte, dass mein Kind gläubig wird, und wenn die Zugehörigkeit zu einer Kirche ihr die unschätzbare Güte des Glaubens an Gott, und die umgängliche Liebe der Heiligen zuteil werden ließe, dann musste sie katholisch getauft werden.” Ihre Hingezogenheit zur katholischen Kirche sorgt bei ihrer näheren Umgebung für zunehmendes Unverständnis, insbesondere Batterham verachtet Religion und die katholische Kirche ganz besonders und weigert sich, der Taufzeremonie beizuwohnen. Day selbst wird am 28. Dezember 1927 in die Una Sancta aufgenommen, worauf die Beziehung zu Batterham endgültig zerbricht.
Die Verhältnisse innerhalb der US-amerikanischen Kirche nimmt sie eher schmerzhaft wahr: Die Gemeinden leben in relativem Wohlstand, aber sie kümmern sich in den Augen von Day zu wenig um die Rechte der Armen, der Arbeiter, der Schwarzen, Mexikaner und Filipinos. Und sie überlegt, was sie selbst innerhalb der Kirche dagegen tun könnte. Insbesondere fragt sie sich, wieso es ihren ehemaligen Kameraden, den Kommunisten, eigentlich viel besser und effektiver gelingt, Aktivitäten gegen soziale Ungerechtigkeiten und Armut zu organisieren, als der Kirche, deren Kernanliegen dies doch sein müsse. Sie als einzelne konnte natürlich dagegen anschreiben und protestieren, aber es müsse doch auch innerhalb der Kirche Persönlichkeiten und Leitfiguren geben, die eine solche Initiative führen und bündeln könnten … Dorothy Day trägt ihr Anliegen an jenem 8. Dezember fünf Jahre nach ihrem Eintritt in die Kirche vor die Immaculata: “Ich sprach ein besonderes Gebet, ein Gebet unter Tränen und Seelenqual, dass sich mir irgendein Weg auftun möge, um die Begabungen, die ich besaß für die Arbeiter und die Armen zu nutzen.”
Noch im gleichen Monat stellt sich Peter Maurin bei ihr vor, der ihr geistlicher Weggefährte und Kampfgenosse in ihren Anliegen für die Armen, die Arbeitslosen, die Lohnarbeiter und alle sozial benachteiligten werden soll – sie selbst hat es als Gebetserhörung bezeichnet.

Als Pierre Aristide Maurin am 9. Mai 1877 in eine Bauersfamilie im Languedoc geboren, trat er bereits mit 16 Jahren in eine christliche Ordensgemeinschaft ein, die sich der Frömmigkeit und der Unterstützung für die Armen widmete. Doch er wollte nicht nur religiös, sondern auch auf politischer Ebene etwas bewegen, weshalb er nach zehn Jahren bei den Christlichen Brüdern die Gemeinschaft verließ und Mitglied bei Le Sillon, einer katholischen Laienbewegung, wurde, die sich nicht nur religiös, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Kooperativen engagierte. Doch dort erschien ihm der Schwerpunkt wiederum zu stark auf politischem Engagement zu liegen. Unzufrieden verließ er auch diese Gemeinschaft und emigrierte 1909 nach Kanada, um dem Einzug zum militärischen Dienst zu entgehen und wo er ein ausgesprochen unstetes Leben führte; tatsächlich wurde er mehrmals wegen Landstreicherei und dem illegalen Mitfahrens auf Güterzügen inhaftiert. Maurin übernahm die härtesten Arbeiten, um sich über Wasser zu halten, erstrebte für sich aber keinerlei persönlichen Komfort, keinen eigenen Besitz oder gar Wohlstand. Er legte Bewässerungsgräben an, arbeitete in Sägemühlen und im Kohlebergbau, half bei der Getreideernte und fand daneben noch die Zeit, sich in öffentlichen Bibliotheken weiter theologisch fortzubilden und seine bereits beträchtlichen Kenntnisse der Schriften der Kirchenväter weiter zu vertiefen. Doch den entscheidenden Anstoß, wie er sein eigentliches Anliegen, die Umgestaltung der Gesellschaft in einem zutiefst katholischen Sinne und gemäß den Werten des Neuen Testamentes umsetzen könnte, bekam er – ausgerechnet – von den Schriften und Ideen eines russischen kommunistischen Anarchisten: Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, der elf Jahre vor Maurins erster Begegnung mit Dorothy Day verstorben war. Day ihrerseits kannte zwar Kropotkins Memoiren zu diesem Zeitpunkt, nicht aber seine „taktischen“ Schriften wie „Landwirtschaft, Industrie und Handwerk“. Maurin, der in Day eine Art heilige Katharina von Siena des 20. Jahrhunderts sah, vertiefte aber vor allem ihre theologische und geistliche Bildung, indem er sie dazu anhielt, die Geschichte in ihrer historischen Entwicklung nicht als Abfolge von Herrschern, Staaten und Systemen zu betrachten, sondern anhand der katholischen Heiligen in ihrer jeweiligen Zeit. Es waren insbesondere Augustinus und der Augustiner Thomas a Kempis mit seiner berühmten Schrift über die Nachfolge Jesu, aber vor allem inspirierten sie die Karmeliten: Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz und Thérèse von Lisieux.
Es war schließlich auch Maurin, der sie dazu anspornte, eine eigene Zeitung zu gründen, während Day noch darüber nachgrübelte, wie sie das Geld dafür aufbringen solle. „In der Geschichte der Heiligen“, ermutigte er sie, „wird notwendiges Kapital durch Gebete aufgebracht. Gott schickt dir, was du brauchst wann du es brauchst. Du wirst die Druckerei entlohnen können. Lies es einfach bei den Heiligen nach.“
Am 1. Mai 1933 erschien die Zeitung „Catholic Worker“, „Katholischer Arbeiter“, zum ersten Mal, und somit war die „Katholische Arbeiterbewegung“ in den USA gegründet. Der Verkaufspreis betrug 1 Cent, die Mitarbeiter schrieben ohne Bezahlung, und der „Katholische Arbeiter“ kam ohne Werbeeinnahmen durch Schaltung von Anzeigen aus. Das völlig Neuartige am „Catholic Worker“ war, dass er radikal , im Sinne des Evangeliums und zugleich katholisch war. Maurins Gedanken zur radikalen Denkweise und Lebensführung basierte auf den Lebensregeln der alten irischen Mönchsgemeinschaften, den Anschauungen eines Thomas von Aquin und eines Thomas Morus bis hin zu den „Personalisten“, den Vertretern eines sozialen Katholizismus im Frankreich des 20. Jahrhunderts, wonach jede gesellschaftliche Veränderung nur durch eine Veränderung der persönlichen Lebensweise – in konsequenter Jesusnachfolge – bewirkt werden könne. Von Maurin stammte auch der 3-Punkte-Plan für die Bewegung der „Catholic Worker“ – erstens die gemeinsamen Lehr- und Debattiertreffen, faktisch „offene Universitäten für alle“, zweitens „Häuser der Gastfreundschaft“, um Menschen beherberge und speisen zu können sowie drittens autarke Farmen im Hinterland, die sich selbst und die karitativen Häuser versorgen konnten – von denen es im Jahr 1941 bereits 30 autonome Einheiten gab – eine Mischung aus irischer Mönchsgemeinschaft und den Ideen eines Kropotkin also. Peter Maurin konnte den wachsenden Erfolg der gemeinsam mit Day gegründeten Arbeiterbewegung noch erleben, bevor er am 15. Mai 1949, dreißig Jahre vor seiner Weggenossin, auf einer der Farmkommunen verstarb. Das Time Magazin schrieb damals, er sei in einem abgelegten Anzug und einem geschenkten Grab bestattet worden – einem Mann angemessen, der nie in einem eigenen Bett geschlafen und ausschließlich Anzüge , die ihm von anderen geschenkt wurden, getragen habe.

Mai 18, 2017   No Comments

Einmal Laudato Sì, bitte. Als Kreistanz.

Kürzlich traf ich mich mit einer orthodoxen Freundin.
Sie konnte mir kaum in die Augen schauen. Denn sie war auf einem „katholischen Familienwochenende“ bei der Caritas gewesen.
„Barbara“, sagte sie, reichlich konsterniert, „wir haben Laudato Sì gesungen und eine Polonäse durch die Kapelle dazu getanzt!“
Nun bin ich vom deutschen Katholizismus mittlerweile einiges gewohnt, aber ein getanztes ‚Laudato Sì‘, da weiß ich jetzt auch nicht, wo ich das unterbringen soll. Meine orthodoxe Freundin tat mir leid. Sie wirkte enorm erschüttert. Mit unseren orthodoxen Freunden ist es ja so, dass sie keine Liturgiereform von oben verordnet bekamen, deshalb ist ja auch in deren Gottesdienst alles noch vom Feinsten. Niemand hat ihnen die Hochaltäre rausgerissen, niemand hat ihnen erzählt, das Heilige bräuchte man eigentlich sowieso nicht, Menschsein reiche völlig aus. Die Orthodoxen fasten übrigens noch vor Empfang der Kommunion, und zwar ab Mitternacht. Vor allem aber der Priester.

Besonders verletzt hat sie dabei, ich merke das nur an, weil ja alle immer so auf die Ökumene bedacht sind, war die Bemerkung eines Mitfeiernden, der auf ihre Erklärung zum strikten orthodoxen Fasten vor der Kommunion entgegnete, dass dies ja Ähnlichkeit mit einer Darmspiegelung-Untersuchung aufwiese.

Ich komme jetzt zum springenden Punkt: Genau die Katholiken, die emsig wie die Bienen dabei sind, unsere Kirchen auszuräumen und uns möglichst auf eine weiße Raufasertapete glotzen zu lassen, anstatt auf eine Kerze, eine Blume, oder womöglich sogar das Tabernakel, allesamt diese bekommen glänzende Augen, wenn ich auf die orthodoxen Geschwister zu sprechen komme. „Oh!“ „Ah!“ „Ja!“ – diese Mystik, dieses Geheimnis, so viel Weihrauch! So außerordentlich!
Das ist ungefähr so, als würde ich aus meinem bunt blühenden, duftenden Rosengarten einen Zen-Park bestehend aus weißen Kieselsteinen und Dachwurzen machen und hinterher neidisch auf den prachtvoll blühenden Bauerngarten meines Nachbarn schauen. Ähnlicherweise empfand es auch meine Freundin. Befragt von der Referentin dieses Wochenendes – „Sie haben womöglich den Respekt vermisst?“, antwortete sie höflich, weil sie ein guter Mensch ist -„Nun ja, es war halt eine Andacht, die feiert man halt so, wie man möchte.“
Natürlich war es selbst mir als Katholikin völlig neu, dass man Laudato Sì jetzt sogar tanzen kann, aber ich sagte mir im Stillen: Immer noch besser, als wenn sie „Amoris Laetitia“ getanzt hätten.
Das könnte jetzt meine Schlusspointe sein.
Wenn meine orthodoxe Freundin nicht angemerkt hätte: „Aber es ist doch die heilige Liturgie! Da macht man doch nicht dran rum, das versteht doch jedes kleine Kind! Unsere Rituale feiern den heiligen und lebendigen Gott! Dazu benötigen wir kein Laientheater!“
Ich würde mir wünschen, dass das auch noch mehr Katholiken verstehen. Es ist nämlich ganz einfach: „Es ist doch heilig – da macht man nicht dran rum.“
Sogar Kinder – und vermutlich gerade sie – verstehen das.

Mai 9, 2017   No Comments