Journalistin und Autorin

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Zviad Ratiani: Ex voto

Schreib, was dir keiner glauben wird,
schreib, als wäre nichts passiert, schreib
über Geister, an deren Existenz
du auch nicht geglaubt hättest, doch.

Schreib, was dir niemand verzeihen wird.
Nein, nicht dort unten, auf das Blatt schreib
dass du dir selbst deine Heimat bist
und dass rein ist dein Herz.

Schreib, wofür man dich auslachen wird.
Warte nicht auf Begeisterung, schreib hemmungslos
über die alltägliche ungerechte Niedertracht
und über deinen kreuzverwerflichen Glauben.

Was noch? Schreib auch über die Liebe
und sag, dass du das Geheimnis erfuhrst – dass Gedichte vor der Liebe geschrieben
und nach der Liebe gelesen werden.

August 2, 2018   1 Comment

Quantum of solace

Es war zur Zeit der WM 2010. Deutschland hatte Argentinien im Viertelfinale Vier zu Null besiegt.

Unterlag aber Spanien im Halbfinale dann Null zu Eins.

Am nächsten Tag wurde ich zum ersten Mal in meinem ganzen Leben von den Carabinieri angehalten.

Zum allerersten Mal in meinem Leben …
von den Carabinieri gestoppt worden. Normalerweise lassen sie Leute wie mich, die mit deutschem Kennzeichen unterwegs sind, vorbeifahren. Aber nein, der streng dreinblickende Uniformierte hebt die rote Kelle und weist mir gleich an, wo meine Stopp-Linie zu sein hat. Dann nähert er sich dem Auto. Ich überlege, ob ich meinen Führerschein dabei habe, ob der Hund vielleicht einen Maulkorb tragen muss im Auto, was das alles kostet, wenn ich keine Rettungsweste dabei haben sollte usw… Was einem halt alles so siedendheiß durch den Kopf fährt in so einer Situation. Und dann noch Carabinieri, nicht polizia … Mit denen ist eh nicht zu spaßen.
Er baut sich vor dem Autofenster auf.
„Dalla Germania?“, fragt er.
Stummes Nicken.
Der Carabiniere stemmt die Arme in die Hüften und holt tief Luft: „Was war da gestern los, eh? Was soll das? Kann man das verstehen? Nein, das kann ich nicht verstehen! Was war das nur für ein schreckliches Spiel, eh?“
Ich nicke unsicher.
„Eine absolute Katastrophe! Was war nur mit den Deutschen los?“ Er fängt an, heftig zu gestikulieren und sich in Rage zu reden. „Die sind so gut gewesen, und jetzt das. KA-PUTT! Einfach KA-PUTT!“ (Das Kaputt kommt im O-Ton auf Deutsch).
Ich stimme zu und traue mich anzumerken, dass es eine große Enttäuschung war.
Er knallt sich mit der rechten Hand an die Stirn. „Gewinnen die gegen Argentinien! Mit Vier-Null! EH? VIER TORE! Und jetzt d a s!“, regt er sich auf.
Ich, lebhafter: „Ja, die totale Katastrophe, ich kann das gar nicht verstehen!“
Er, ballt die Fäuse, lehnt sich etwas nach hinten, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen: „So eine Kata-stro-phe! Verlieren die Eins-Null im Halbfinale!“
Ich: „Unfassbar! Einfach schreck-lich!“ und winke heftig ab.
Er: JA, das ist es. (Seufzer). Gut, Sie können weiterfahren. Trotzdem noch einen schönen Tag!
Ich: Grazie! Ebenso! (Und ab.)

Juni 27, 2018   No Comments

Berliner Hausbesetzerszene

Es begab sich im Jahre Drei nach dem Mauerfall, ich kehrte über Berlin nach einem längeren Aufenthalt aus Prag zurück nach Deutschland und besuchte zu diesem Anlass eine gebürtige Ostberlinerin in ihrer Wohnung in der Oranienstraße, mit der ich in den Achtzigern im Westen studiert hatte.
Zur Auswahl stünden verschiedene Events am Abend – naturgemäß kann man in Berlin wenigstens gescheit ausgehen, immerhin.
Wir entschieden uns für ein Punkkonzert-Event in einem der angesagtesten besetzten Häuser der Stadt.

Ich betrat das Establishment einigermaßen inspiriert – echte Hausbesetzer! In Berlin! Szene! So cool! Ich obercoolerweise auch noch mittendrin.

Die Tür öffnete sich, und die hippen Hausbesetzer entpuppten sich mindestens zur Hälfte als bekannte oder sogar befreundete Leute, denen ich vor fünf Jahren noch regelmäßig in meinem Jugendzentrum (Westdeutschland) in der Otterbachstraße (Symbolname) in Obermoschel (Symbolname) begegnet war.
Soviel zum Mythos Berlin und zu seiner coolen Hausbesetzerszene.

Mai 22, 2018   No Comments

Die Schwarze Madonna von Tschenstochau

Als jemand, der praktisch ein und aus geht bei der Madonna von Loreto, war ich hin- und weggerissen, als ich kürzlich Tschenstochau besuchte.

Unsere liebe Frau ist immer wunderschön und vollständig bezaubernd, egal an welchem Ort man sie besucht.
Aber Tschenstochau bewahrt die schönste Marienikone als einen Schatz eines ganzen Volkes.

Mein Artikel dazu für Die Tagespost.

April 29, 2018   No Comments

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

April 28, 2018   No Comments

Der kleine Alfie ist heute Nacht gegangen

Während sich der Bischof von Liverpool, die Liverpooler Polizei und andere verantwortliche Leute mehr noch an dem „social media circus“ stören, den er verursacht hat – ja, hattet ihr jemals wirklich geglaubt, die Menschen weltweit hielten also einfach ihr Maul angesichts dieser buchstäblich zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit, dieser Tyrannei der Herzlosigkeit und der Willkür eines mörderischen Systemkonglomerats von Medizinern, Juristen und britischer Regierung? Was hätten all diese Jammerlappen, die so bekümmert wegen der sozialen Medien sind, denn früher wohl gemacht, wenn das Volk mit Mistforken und Heugabeln anrückte, um seiner Meinung Ausdruck zu verleihen? – hat Jean Pierre Casey, der Neffe des großen deutschen katholischen Philosophen und Hitlerfeindes Dietrich von Hildebrand, einen offenen Brief an die Bischöfe von England und Wales geschrieben.
Man darf sich als deutsche Katholikin durchaus auch wundern darüber, wo eigentlich die Stellungnahmen deutscher Bischöfe abgeblieben sind in diesem Fall. Vielleicht waren aber die ideologisch motivierten Krokodilstränen schon anderweitig reserviert, nämlich für die Opfer einer Kirchenvertretung, die es nicht weiter fragwürdig findet, Frauen zu weihen oder Protestanten die Kommunion auszuteilen.

Aber zurück zum Brief von Casey.

>> Whilst you may be tempted to characterise me and others who share my views as ‘simpletons’ whose intellectual faculties are insufficient to fully grasp the ethical and medical subtleties of the case, I will reply: I know tyranny when I see it. I know oppression when I see it. I know injustice when I see it. And so do many thousands of others across the world. If our Church leaders, meaning the collective you, remain silent in the face of such tyranny, oppression and injustice, then not only do they fail in their mission to proclaim the Gospel of Jesus Christ, not only do they fail to publicly uphold the sanctity and dignity of all human life, not only do they fail to defend the rights of parents as the primary educators and as the sole legitimate custodians of their children — each one of these being individually considered a serious sin of omission — but they also become accomplices of, and indeed, active participants in, gravely evil acts.

I regret to say that with the kind of leadership — or rather the complete absence of leadership our bishops are showing — in grave public cases where a powerful public witness in defense of life, the family and God-given parental rights is not only necessary but is indeed a moral obligation, it is no wonder the flock of practising Catholics is so rapidly dwindling. For who wants to follow such shepherds? For this to occur so soon after the Charlie Gard saga, and with an essentially identical outcome — namely, the complete lack of leadership, lack of conviction, and lack of courage we are seeing from our bishops, I am afraid to say I am ashamed to be an English Catholic.<< Von hier.

April 28, 2018   No Comments

A View To A Kill

Seit kurzem hat das europäische England dem europäischen Transsylvanien vom Gruselfaktor her den Rang gründlich abgelaufen. Genau genommen ein „Kinderkrankenhaus“ in Liverpool und ein „ehrenwerter“ Richter, der entschieden hat, dass ein kleiner kranker zweijähriger Junge gegen den Willen seiner Eltern nicht mehr weiter künstlich beatmet wird, weil seine lebenserhaltenden Maßnahmen „futile“ sei, wenn ich das richtig verstanden haben sollte.
„futile“ heißt auf Italienisch „inutile“ – das ist leichter verständlich. Es bedeutet „nutzlos“.
Man gerät in Versuchung, sich in eine Meditation über nutzlose Justiz zu versenken, aber ich werde diese Klippe hier trotzig umschiffen.
Im Prinzip ging es schlicht darum, dass der kleine hübsche Junge zu viel Geld kostet. Also stellte man ihm sozialverträglich den Sauerstoff ab. Selbstverständlich in seinem ureigenen Interesse und nur zu seinem Besten. Wir kennen dieses gottvergessene Gelaber mittlerweile sehr gut – insbesondere, wenn wir Deutsche sind und uns ein wenig mit dem Dritten Reich beschäftigt haben. Holländische Bekannte halten das übrigens für eine Art Behinderung – nicht das Dritte Reich, sondern als Deutscher strikt gegen Euthanasie zu sein. Als die Debatte vor Jahren einmal darauf kam, blickten sie mich milde und nachsichtig an: Bei eurer Vergangenheit ist das natürlich verständlich, aber es geht doch darum, den Menschen zu helfen.
Natürlich, darum ging es den Nazis auch. Selbstverständlich ging es auch den Medizinern des Alder Hey „Kinderkrankenhauses“ – man muss es in Anführungszeichen setzen, wenn man sich selbst noch im Spiegel in die Augen blicken möchte – nur darum, dem Kind und den Eltern zu helfen. Auch dem ehrenwerten Richter Hayden ging es ausschließlich darum.
Also wurde von Seiten dieses „Krankenhauses“ aus der Hölle vor zwei Tagen um 22.17 Uhr die Beatmung für den knapp Zweijährigen – in seinem Interesse – abgestellt. Gegen den ausdrücklichen Willen der Eltern. Und das angesichts der Tatsache, dass sich bereits der Papst eingeschaltet hatte, die Überstellung nach Bambino Gésu, ein Kinderkrankenhaus in Rom, bereits vorbereitet war, die italienische Regierung in extremis dem kleinen Alfie die italienische Staatsbürgerschaft verliehen hatte und eine Militärmaschine auf Geheiß der italienischen Verteidigungsministerin auf Abruf bereitstand, um Alfie ins katholische Rom – und somit in Sicherheit – zu bringen.
Offenbar kurbelte dies die tödliche Entschlossenheit der medizinischen Verantwortlichen, ihren „life end caring plan“ für Alfie durchzuziehen, ebenso wie die menschenverachtende Arroganz des britischen Richters Hayden nur noch weiter an.
Es meldete sich der italienische EU-Parlamentspräsident auf Twitter zu Wort, es meldete sich Andrzej Duda, der polnische Präsident und – immerhin, die US-amerikanischen Bischöfe. Nach einer für eine Katholikin wie mich ziemlich lähmenden und frustrierenden Funkstille zogen Kardinal Schönborn, Österreich und der Patriarch von Venedig endlich nach.
Von Protestanten und Anglikanern war nichts weiter zu hören, und das, obwohl wir als getaufte Christen dazu aufgerufen sind, von der Wahrheit Zeugnis abzulegen und unsere Stimme im Namen Jesu Christi zur Verteidigung der Schwachen und Schwächsten zu erheben.
Als ich noch Atheistin war, stand ich der katholischen Kirche nie wirklich feindlich gegenüber – ich war zwar keine überzeugte Lebensschützerin, aber ich fand es immer gut, richtig und wichtig, dass wenigstens die katholische Kirche noch ihre Stimme für das Leben erhob.
Das war ungefähr vor 20 Jahren. Heute haben wir, habe ich, Bischöfe, die durch ihr peinliches und sündhaftes Schweigen zum Fall Alfie Evans das wenig liebevolle Vorgehen des Krankenhauses und der britischen Justiz – gewollt oder ungewollt – unterstützen. Alfie darf immer noch nicht nach Rom ausreisen, hat der Richter verfügt, der in seiner Freizeit Ratgeber zur gleichgeschlechtlichen Ehe verfasst.
Mehr noch, wir haben einen Erzbischof von Liverpool, es ist Alfies Bischof, der diesen skandalösen Vorgang nicht etwa anprangert, sondern relativiert und schönredet.
(Man muss übrigens nicht mal Christ und schon gar nicht Bischof sein, um diesen Vorfall skandalös, verstörend und zutiefst ungerecht zu finden.)

Es gibt einen empfehlenswerten Artikel des italienischen Vatikanisten Sandro Magister dazu hier.

Alfie atmet beharrlich weiter. Den Meldungen nach scheint das „Krankenhaus“ daraufhin zunächst ihm Wasser und Nahrung verweigert zu haben, jetzt dürfen die Eltern ihn wenigstens mit nach Haus nehmen, aber weiterhin nicht zu einer Behandlung nach Deutschland oder Rom ausreisen.
Und mit jedem Atemzug demaskiert der kleine kranke Bursche Alfie nicht nur das „National Health System“, britische Behörden mitsamt Justiz und der Liverpooler Polizei, die via Facebook angekündigt hat, jede Meinung zum Thema Alfie Evans in den sozialen Medien zu scannen und zu überwachen, Alfie entblößt auch ziemlich viele christliche Kirchenführer einschlägiger Denominationen gleich noch mit dazu, die offenbar ein paar grundlegende Dinge, die das Evangelium verkündet und Jesus Christus gelehrt hat, für nicht mehr wichtig genug erachten.

April 26, 2018   No Comments

Христос воскресе!

Gegen 14.15 Uhr hat sich heute das Heilige Feuer in der Grabeskirche entzündet und wurde weitergeben.
Allen orthodoxen Geschwistern von Herzen Frohe Ostern!

April 7, 2018   No Comments

Walker Percy: Liebe in Ruinen

>>Wir lieben diejenigen, die das Schlimmste von uns wissen und das Gesicht nicht abwenden. Ich habe meine Mitpatienten geliebt und sie angehört, sie haben mich angehört. Ich habe Max Gottlieb geliebt. Er hat meine Gelenke zusammengenäht in seinem Wohnzimmer, ohne eine große Sache daraus zu machen. Wie bin ich zu seinem Haus gekommen? Zu Fuß, glaube ich. Das letzte, woran ich mich genau erinnere, ist Perry Como, rüstig, als Sunnerklaus, aber orange von Angesicht und die Lippen bläulich.
Während Max arbeitete, hielt er mein Gelenk mit angenehmem Druck gegen seinen Magen gepresst, ich weiß noch, dass ich gedacht habe, er war wie ein Trainer, der seinem Boxer die Handschuhe zusammenschnürt.
Er schnalzte leicht gereizt.
„Was ist, Max?“
„Tsch. Ich schaff die Sehne hier nicht. Sie müssen warten. Tut mir leid.“
„Schon in Ordnung, Max.“
Etwas ist sonderbar. Max, der Ungläubige, ein abgefallener Jude, glaubt an die Ordnung der Schöpfung und richtet sich danach mit Energie und Nächstenliebe. Ich, der Gläubige, der das Ganze geschluckt hat, Gott Juden Christus Kirche, finde die Welt ein Irrenhaus und ein Irrenhaus mein Zuhause. Max der Atheist sieht die Dinge wie der heilige Thomas von Aquin, geordnet, regelmäßig, zusammenhängend.<<

April 6, 2018   No Comments

Christliche Soldaten in Maaloula, Syrien

April 2, 2018   No Comments