Journalistin und Autorin

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Der schöne tschechische Bierdeckel #2

Das ist Hündchen Albi, also nicht der selbe, aber sozusagen ein Symbolbild für Hündchen Albi, das im Jahre 1573 eine sehr wohlschmeckende Quelle in dem Städtchen Chodové Plané aufgespürt hat. Seitdem gibt es dort ausgesprochen wohlschmeckendes Bier und im Laufe der Zeit hat sich der Familienbetrieb immer mehr erweitert.

Heute besteht die Brauerei „Chodovar“ nicht nur aus dem Brauhaus und der Braugaststätte, in der man sich vorzügliches Gulasch und andere böhmische Leckereien schmecken lassen kann, sondern auch aus einem Wellnesshotel, das sich – logisch – auf Bieranwendungen spezialisiert hat und einem jährlich wiederkehrenden beliebten Eventprogramm.

Wer in der Gegend von Karlsbad oder Marienbad unterwegs ist, sollte sich die Chodovar-Brauerei mit ihrer tollen und innovativen Eventgastronomie unbedingt ansehen.

Bei den Choden handelt es sich übrigens um eine spezielle Volksgruppe, die früher Grenzwächterfunktionen nach Deutschland ausgeübt haben sollen.

>>Das Chodenland umfasst sieben, laut anderen Quellen elf Dörfer zwischen Domažlice und Tachov / Tachau. Die Orte wurden überwiegend im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die Legenden über den Ursprung der Choden reichen jedoch tiefer in die Geschichte hinein. Eine von ihnen erzählt, dass sie sich aus den Soldaten des Fürsten Boleslaw während seines Feldzugs nach Polen im 11. Jahrhundert formiert haben. Eine andere weist auf die Eroberung von Mailand im Jahr 1158 hin, damals soll Friedrich Barbarossa auch eine Truppe aus Böhmen geholfen haben. In beiden Fällen wurden die Choden für ihre Verdienste angeblich mit zahlreichen Privilegien belohnt.<< Anlässlich besonderer Festtage holen die Choden-Männer auch mal gerne ihren Dudelsack aus dem Schrank und jedes Jahr findet in Domažlice ein internationales Dudelsackfest statt.

Februar 17, 2020   No Comments

Unterwegs in Südböhmen

In Tschechien, so liest man häufig, sei der christliche Glaube fast verschwunden, eine Mehrheit der Bevölkerung betrachtet sich selbst eher als Atheisten. Nur knapp 11 Prozent der Einwohner zählen sich zu einer christlichen Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft, davon gut 10 Prozent zur römisch-katholischen.

Kürzlich war ich wieder in Tschechien unterwegs, genauer gesagt in Südböhmen um Budweis. Von dieser Region erwartete ich mir in Sachen Glaube ziemlich wenig. Ich war vor zwei Jahren schon oben im Norden gewesen, am einzige kirchlich anerkannten Marienerscheinungsort in Tschechien, hart an der deutschen Grenze gelegen – Filipov (Philippsdorf). Darüber hatte ich auch einen Artikel fürs Vatican-magazin geschrieben.

Die erste Überraschung war, dass überall noch weihnachtlich geziert war, in den Straßen, auf öffentlichen Plätzen, in privaten Gärten, obwohl bereits Mitte Januar. Es war in einem Örtchen mit dem schönen Namen Hluboka nad Vltavou, welches von einer Art Nachbildung von Windsor Castle überkrönt wird. Man kann dort an der Moldau entlang spazieren und wenn man Glück hat, erlebt man im „zimní stadion“ eine Trainingsrunde der Kleinsten, ich sag mal vielleicht sechsjährige Jungs mit ihrem Eishockeytrainer.

Ich wollte aber eigentlich am See wandern, kehrte zurück in die Stadt und lief über einen Zebrastreifen. Ein superklappriger LKW mit typisch böhmischem Fahrer – rundes Gesicht, spitze Nase, wollige Haare – bremste für mich. Erst als ich den Streifen überquert hatte, wurde mir klar, was ich da gesehen hatte. In der Frontscheibe mittig ein großes Kruzifix (also mit Korpus) und rechts und links davon jeweils zwei kleinere Holzkreuze. Daumen hoch für den Fahrer und ich bin mir sicher, er wertete das nicht alleine dafür, dass er für mich angehalten hatte.

Als nächstes machte ich einen Ausflug ins wunderschöne Trebon. Dieses Städtchen ist einen Abstecher wert. Zu Mittag ging ich einfach in die nächste Beiz, die mit gutem Bier warb. Eigentlich war es mehr so ein Hinterhoflokal. Draußen standen rauchende Mütter mit Kinderwägen, das Essen war mäßig, das Bier natürlich hervorragend. Keine zahlungskräftige Klientel, schon gar keine Touristen. Ein Mann mit Parkinson am Nebentisch. Und dann kam dieser Rentner. Schäbig gekleidet, ungepflegt. Man konnte genau sehen er war aus der Kälte seiner Wohnung in diese Beiz gekommen, um eine Schale Rinderbrühe mit Nudeln zu essen und sich aufzuwärmen. Natürlich mitsamt einer halbe Bier. Den 100 Kronen-Schein dafür hatte er sich schon zurecht gelegt. Ich beobachtete ihn verstohlen. Die Schale mit der Suppe wurde serviert, das Bier auch. Und da nimmt dieser verwahrloste alte Mann seine Mütze ab und faltet die Hände. Es folgte ein stummes, langes Gebet über der Suppenschüssel und ich konnte gar nicht anders, als ihm, dann als ich sah er hatte geendet und langte zu, ein fröhliches „Dobrou chut'“ zuzurufen. Also „Guten Appetit“. Er bedankte sich und tauchte seinen Löffel in die heiße Suppe.

Ich bin so gerne in Tschechien. Die Menschen dort überraschen mich immer wieder.

Februar 7, 2020   No Comments

Der schöne tschechische Bierdeckel #1

Rübezahl-Bier aus der Trutnover Brauerei

Februar 1, 2020   No Comments

Pilger des Tages und der Nacht – der vergessene Priesterpoet Jakub Deml


Wer sich ein wenig mit tschechischer Literatur beschäftigt hat, der weiß, dass dieses kleine Völkchen erstaunlich viele großartige Schriftsteller und Dichter hervorgebracht hat. Leider sind die meisten der breiten Leseöffentlichkeit eher unbekannt. Mindestens der Name Václav Havel, ehemaliger Dissendent und erster Präsident der tschechischen Republik, ist ein Begriff, vielleicht noch Milan Kundera oder auch Jaroslav Hašek mit seinem „braven Soldaten Schwejk“. Jakub Deml hingegen ist nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten bekannt; dabei gilt der katholische Priester und „poète maudit“ – der verfemte Dichter – als d e r Begründer des tschechischen Surrealismus. Der durch seine ebenso berückende wie skurrile Prosa bekannte, großartige Bohumil Hrabal (1917-1997) empfiehlt die Lektüre Demls, in den er sich regelrecht „bis über beide Ohren“ verliebt habe, weil er es „versteht auf so kleinen Flächen alle Formen des Schreibens zu entfesseln … der Leser wird sich nicht losreißen können, bevor er die Lektüre beendet hat.“

Am 20. August 1878 als eines von vierzehn Kindern seiner Eltern, einfachen Bauersleuten, geboren, besucht er nach dem Abitur das Priesterseminar in Brünn und wird 1902 zum Priester geweiht. Doch er wird nur acht Jahre lang Priester bleiben. Deml ist, daran kann kein Zweifel bestehen, tiefgläubig. Aus seinen Texten funkelt und gleißt das Überirdische, das Traumverwobene, das Mysterium der Engel und der Immaculata, der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter. Die mächtige Magie seiner Bildsprache basiert auf dem Alten Testament, den mittelalterlichen Heiligenviten, den Vorbildern von Mystikern wie Heinrich von Seuse oder Hildegard von Bingen. Und dann ist da diese Katholizität, die aus allen Poren eigentlicher Alltagserfahrung quillt – etwa bei seinem lyrischen Text

„Sommer: Morgen:
Letztes Aufleuchten des heiligen Aspergillus der Nacht./Abgestellte Rauchfässer des Dunsts.
/Prozession goldener Baldachine/ aus mit Magnesium und Lilien beleuchteten
Höhlen./Raketen von Tönen. Und von Flügeln./Kinderlachen.“

Deml selbst schreibt über seine literarischen Vorbilder und bezeichnet sie dabei als „Werteskala seiner Seele“: „An erster Stelle die Bibel, an der zweiten das Brevier, an der dritten das Missal, an der vierten Anna Katharina Emmerich, an der fünften Otokar Brezina, oder Rainer Maria Rilke.“
1912 erscheint sein erstes Werk unter dem Titel „Die Burg des Todes“. Diese Todesburg der menschlichen Existenzangst und Erfahrung von abgrundtiefer Verlassenheit wird in vielen seiner Folgewerke ein Grundthema bleiben. Die besonders dichte Atmosphäre und Intensität der Schilderung erreicht er durch das Einsetzen von Traumprosa – tatsächlich greift Deml dabei auf die umfangreichen Notizen zurück, die er zu seinen nächtlichen (Alp)Träumen gewohnheitsmäßig führt und die selbst einen Teil seines monumentalen Schaffens bilden.
Doch Deml hat auch eine sehr lichte und luzide Seite, wie man bereits bei dem oben zitierten Gedicht „Sommer:Morgen“ sehen konnte; im übrigen führt natürlich seine tief eingewurzelte Katholizität dazu, dass selbst bei sehr dunklen Schilderungen das überirdisch Helle hindurchglitzert.
1913 erscheint die Poemsammlung „Meine Freunde“, das für lange Zeit in den Schulen des Landes als Pflichtlektüre gilt und in der er die tschechische Naturlyrik zu einer neuen Höhe führt. Die „Freunde“, das sind nämlich Blumen und Pflanzen, mit denen Deml einen träumerischen Dialog führt. Von einer unvorstellbaren Schönheit sind diese lyrischen Gemmen, in kurzer und kürzester Prosaform gehalten. „MAIGLÖCKCHEN, zerbrechlicher Traum der Wurzeln von Eichen über Burgjungfern des 13. Jahrhunderts, auch wir haben uns gewünscht, uns in Eichenwäldern zu verlieren und zierliche Gegenstände aus Alabaster zwischen die Finger zu nehmen.“ Oder „PFINGSTROSE, in dem Monat, das dem Herzen Gottes geweiht ist, grübelst du nach über das große Geheimnis der Granaten und im Schatten lodernd, ermöglichst du unseren Augen, dass sie in die Sonne der Eucharistie blicken. Die Gesichter der Mädchen erblassen.“

Jakub Deml bleibt lange Zeit der führende Dichter der „renouveau catholique“, der „Katholischen Erneuerung“ im tschechischsprachigen Bereich. Doch er hat ein äußerst schwieriges Naturell. Seine Suspendierung als Priester erfolgt im Jahre 1910, zuvor wurde er immer wieder versetzt. Er hat Streitigkeiten mit dem Bischof, betrachtet den höheren Klerus als seinen Feind, und letztlich scheitert er am Zölibat. Seine Attacken machen auch nicht vor Kollegen und Freunden halt, immer wieder kommt es zu Zerwürfnissen. Seine Unbeherrschtheit trägt ihm sogar ein Gerichtsverfahren wegen „Beleidigung des Staatsoberhauptes“, zu der Zeit war das T. G. Masaryk, ein, der persönlich interveniert und ein gutes Wort für Deml einlegt, weil er dessen schriftstellerische Leistungen hoch schätzt. Unter der Herrschaft der deutschen Besatzer, dem „Protektorat Böhmen und Mähren“ darf er nicht mehr publizieren, wird aber im Jahre 1948 erneut vor Gericht gestellt, diesmal wegen „Kollaboration mit den Nazis und antisemitischer Äußerungen“.
Diesmal schaltet sich ein Dichterkollege ein, Vítězslav Nezval, der wenige Jahre später zum Nationalkünstler ernannt werden wird, und, anders als Deml, einen ausgesprochen guten Ruf genoss. Nezval ist es auch, der ihn als einen Dichter bezeichnete, welcher schon vor Entstehung des Surrealismus – einer Strömung, der er selbst angehört – Surrealist gewesen sei. Wieder kann der unbequeme Exzentriker einer Verurteilung entgehen.
Im Jahre 1951 entsteht sein „Herbsttraum“, der vermutlich auch die erneute Verhängung Publikationsverbot in den 50er Jahren heraufbeschwört: Dieser Text entstand nach dem Besuch in einem stalinistischen Internierungslager für Priester und Ordensleute. Literaturwissenschaftler sprechen von der hervorragenden Bedeutung gerade dieses Traumprosa-Textes, der viel später, im Jahre 1978 erstmals veröffentlicht wird.

Bis kurz vor seinem Tod arbeitet er weiter an Ergänzungen der Sammlung „Meine Freunde“ – das letzte Poem, datiert auf Dezember 1959 richtet sich an die Eisblumen. Am 10. Februar 1961 stirbt der „Sprachmagier aus Mähren“ Jakub Deml im Krankenhaus von Třebíč.
Sein monolithisches Werk steht auch heute noch am Firmament der europäischen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts – wie eine unentdeckte Galaxie.

Lektüreempfehlung:
Jakub Deml:Pilger des Tages und der Nacht.
Erschienen in der Reihe: Tschechische Bibliothek der Deutschen-Verlagsanstalt München.
ISBN: 3-421-05259-X

[Zuerst erschienen in „Die Tagespost„, Februar 2013

Januar 22, 2020   No Comments

#Dialogprozess #Kirche2011 #Maria2.0 #SynodalerWeg

>>Im Grunde ist immer ein versteckter Stolz wirksam, wo die Kritik an der Kirche jene gallige Bitterkeit annimmt, die heute schon anfängt, zum Jargon zu werden. Leider gesellt sich nur allzuoft eine spirituelle Leere hinzu, in der das Eigentliche der Kirche überhaupt nicht mehr gesehen wird, in der sie nur noch wie ein politisches Zweckgebilde betrachtet wird*, dessen Organisation man als kläglich oder als brutal empfindet, als ob das Eigentliche der Kirche nicht jenseits der Organisation läge, im Trost des Wortes und der Sakramente, den sie gewährt in guten und in bösen Tagen.
Die wirklich Glaubenden messen dem Kampf um die Reorganisation kirchlicher Formen kein allzu großes Gewicht bei. Sie leben von dem, was die Kirche immer ist. Und wenn man wissen will, was Kirche eigentlich sei, muss man zu ihnen gehen.
Denn die Kirche ist am meisten nicht dort, wo organisiert, reformiert, regiert wird, sondern in denen, die einfach glauben und in ihr das Geschenk des Glaubens empfangen, das ihnen zum Leben wird. Nur wer erfahren hat, wie über den Wechsel ihrer Diener und ihrer Formen hinweg Kirche die Menschen aufrichtet, ihnen Heimat und Hoffnung gibt, eine Heimat, die Hoffnung ist: Weg zum ewigen Leben – nur wer dies erfahren hat, weiß, was Kirche ist, damals und heute.<<
Joseph Kardinal Ratzinger: Einführung in das Christentum (1968)

*“wie ein politisches Zweckgebilde betrachtet wird“ – es sind eigentümlicherweise ausgerechnet die Zeitgenossen, die Kirche seit ungefähr den 68er Jahren letztes Jahrhundert unermüdlich nach ihrem persönlichen politischen Gutdünken umformen wollen, die doch immer am lautesten klagen, wie fürchterlich und unhinnehmbar doch die Verschränkung von politischer Macht und Kirche seit ungefähr dem frühen Mittelalter bis hin zu den Kreuzzügen etcpepe doch gewesen sei. [Ab * Anmerkung dazu von mir]

Dezember 12, 2019   No Comments

Totensonntag

„In einer Welt, in der die Toten keine Fürsprache haben und in der die Bedeutung des ewigen Lebens unbekannt ist, sind verstorbene vielgeliebte Verwandte oder gute Freunde in dem Moment, in dem sie ihren letzten Atemzug getan haben, ein erbärmliches Aas, das die Vernunft einem sogleich zu vergessen vorschreibt.
Das Elend der Toten in einem Jahrhundert ohne Glauben ist ein Schmerzensgeheimnis, das auf dem Verstand lastet.“

Léon Bloy (1846-1917)

November 24, 2019   No Comments

Bedrückende Aussage

Auf den Seiten von kath.net gibt es einen kommentierenden Erfahrungsbericht von einem verheirateten katholischen Priester, einem Konvertiten, der vorher evangelischer Pfarrer war.
Eine Aussage hat mich besonders bedrückt:
>>Evangelischer Pfarrer und katholischer Priester werden zweitens in sehr unterschiedlichem Maß durch die Gläubigen in Anspruch genommen. Es sind vor allem die drei Sakramente Eucharistie, Beichte und Krankensalbung, zu deren Spendung der katholische Priester immer bereit sein muss. Als Krankenhauspfarrer habe ich knapp 400 Krankensalbungen pro Jahr gespendet oder, wie man heute sagt, gefeiert; die meisten als Sterbesakrament – „letzte Ölung“. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, denn die Menschen halten sich beim Sterben nicht an irgendwelche Bürozeiten.

Evangelische Christen haben dieses Sakrament nicht und können im allgemeinen gut ohne Pfarrer sterben. Nur in seltenen, besonderen Fällen lassen sie den Pfarrer oder die Pfarrerin holen.<< Das finde ich mehr als traurig. Als meine Mama an ALS auf den Tod erkrankte, musste ich, sie war protestantisch, ich katholisch konvertiert, eine Email an ihren Pfarrer schreiben, ob er sie nicht einmal besuchen wolle. Sie hatte doch zu jeder Kerwe am protestantischen Pfarrhaus mitgeholfen, Waffeln zu backen, immer das Kirchenblatt ausgetragen. Das ist ohne jeglichen Vorwurf gemeint, ein Pfarrer hat sehr viel um die Ohren, ich fand es aber schade und wusste, es würde ihr viel bedeuten. Ihr Pfarrer reagierte mit den lieben Worten "Ich darf also Ihre kranke Mutter besuchen!". Er bekam dafür von mir auch den Kaffee in der Tasse mit dem Bonhoeffer-Zitat und nicht in der Papst-Benedikt-Tasse serviert. Er lachte und meinte, och, gegen die Benedikt-Tasse hätte er auch nichts einzuwenden gehabt. Mamma freute sich wie ein Schneekönig,dass sie Besuch von ihrem Pfarrer erhielt, sie wusste ja nichts von meiner Email-Bitte und ich betone nochmals, der Mann ist voll in Ordnung und das soll hier kein Vorwurf an ihn sein. Aber in der Betreuung von Kranken und Sterbenden, also wenn es an die letzten Dinge geht, hat mich die katholische Kirche weitaus mehr überzeugt als die Kirche, in der ich getauft worden bin. Das muss ich schon so sagen. Hier zum ganzen Artikel auf kath.net.

November 22, 2019   No Comments

„Dolce Cristo in terra“

November 21, 2019   No Comments

17. listopadu (Blätterfallmonat – November) 1989 – Beginn der Samtenen Revolution in Prag

Der 17. November ist für das tschechische Volk ein ähnliches schicksalhaftes Datum wie der 9. November für die Deutschen.
Denn am Beginn der Samtenen Revolution stand eine Demonstration, die an den 17. November 1939 erinnern sollte – genauer gesagt an das Schicksal des tschechischen Medizinstudenten Jan Opletal, der an diesem Tag an einer Demonstration teilnahm und von den deutschen Besatzern kurzerhand erschossen wurde. So gab der Anlass des Gedenkens an eines der mörderischsten Regimes in Europa den Impetus zum Sturz eines weiteren mörderischen Regimes – des Kommunismus in der Tschechoslowakei.
Mein damaliger Freund und ich wollten den Jahreswechsel 1989 wie schon so oft bei der Familie seines tschechischen Freundes, eines erfolgreichen jungen Fußballnationalspielers, in Prag verbringen. Wir hatten die Nachrichten verfolgt und wussten nicht so recht, was uns bei der Einreise, es war Ende Dezember, erwarten würde, hatten mit allem möglichen gerechnet, vor allem, wieder zurückgeschickt zu werden. Doch an der Visastelle angekommen, an der wir brav wie immer unseren Einreiseantrag stellen wollte, herrschte blanke Auflösung. Hinter den Schaltern saßen keine gestrengen Zollbeamten mehr, sondern Menschen, die zunächst mal damit beschäftigt waren, tassenweise Kaffee und gläserweise Cognac zu vernichten und sich in keiner Weise für uns interessierten. Da wir beide gut tschechisch sprachen, verlangten wir nachdrücklich eine Anweisung, was nun zu tun sei für uns. Endlich bekamen wir die Aufmerksamkeit eines Beamten. „Wohin?“ „Nach Prag! Hier unsere Pässe.“ Ungeduldiges Abwinken. „Die brauchen wir nicht. Schaut, dass ihr weiter kommt. Egal wohin!“
Etwas verunsichert fuhren wir also ohne Sichtvermerk und Einreiseerlaubnis weiter Richtung Prag, wo uns unsere Freunde sichtlich entspannt und in Feierlaune empfingen. Pavels Mutter erinnerte uns an die Tage des Prager Frühlings, als sie mit unserem Freund schwanger auf den Wenzelsplatz geeilt war.

Nun aber, Václav Havel sei gerade Präsident geworden, man wolle mit uns und zwei Pullen Bohemia-Sekt auf den Wenzelsplatz, um seine Antrittsrede vom Balkon des Bürgerforums aus zu hören. Wir wussten nicht, wie uns geschah, aber fanden uns dann zusammen mit Zehntausenden von Tschechen auf dem Wenzelsplatz und danach auf dem Altstädter Ring wieder in einer ausgelassen feiernden Menschenmenge. Sie sangen, sie jubelten, sie tranken und sie lachten, sie lagen sich in den Armen.
Aber wir sahen auch die Gedenkorte für die im Verlauf des Generalstreiks und der Demonstrationen erschossenen Studenten. Teils überkniehoch wurden sie von Bergen von Blumen und Kerzen markiert. Die Samtene Revolution war so samten dann doch nicht gewesen – es hatte Opfer gegeben.
Ich darf von mir sagen, ich habe noch Václav Havel mit eigenen Augen gesehen und sprechen gehört. Ein faszinierender Mann, der sich nur vor seinem eigenen Gewissen verantwortet hat und leiten ließ. Denn sein Motto war:
Pravda vítězí – die Wahrheit siegt – veritas vincit.
Von Havel ist mir nicht bekannt, dass er ein bekennender Christ war, aber er hätte einer sein können.
Eines seiner letzten Interviews oder besser einer seiner letzten öffentlichen Auftritte vor seinem Tod bestritt er mit einem ehemaligen Gefängniskollegen – dem heutigen Kardinal Dominik Duka. Ich schrieb darüber vor einigen Jahren für die Tagespost.
Und ich möchte diesen Eintrag schließen mit den sehr persönlichen Worten des Kardinals, denen ich mich, als eine leidenschaftliche Freundin des tschechischen Volkes gerne anschließen möchte:
>>Ich denke nur daran, wie wir in die alten Häuser kamen, auf dem Dorf oder manchmal auch in der Stadt, dann hing dort so ein Schild: „Ohne Gottes Segen ist das Mühen des Menschen umsonst.“ So möchte ich diesen Segen Gottes erbitten für alle Vorsätze, Herausforderungen und Worte, die hier gesagt wurden.
Gott segne alle und das ganze tschechische Land.
Amen.>>

Und auf die andächtige Stille, die jetzt herrscht, kann nur Marta Kubisova mit ihrer Hymne auf den Prager Frühling, die auch ’89 immer wieder Erklang ein Echo geben:

Gebet für Marta
Frieden sei mit diesem Land für alle Zeit.

Mögen Zorn, Neid, Hass, Angst und Zwietracht
nun vergehen und vergessen sein.
Jetzt, da die verlorene Selbstbestimmung
du zurück erlangst, mein Volk, du zurück erlangst!

Dunkle Wolken ziehen sacht vom Himmel ab
und ein jeder setzt nun seine Saat instand.
Dieses mein Gebet, es spreche zu den Herzen,
die die Zeit des Zornes nicht verbrannte
Wie der Frost die Blumen, wie der Frost.
Frieden sei mit diesem Land für alle Zeit!

Mögen Zorn, Neid, Hass, Angst und Zwietracht
nun vergehen und vergessen sein.
Jetzt, da die verlorene Selbstbestimmung
du zurück erlangst, mein Volk, du zurück erlangst!

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Es ist der Tag und die Stunde des tschechischen Volkes, aber als Deutsche sei mir erlaubt anzumerken, dass ich mir all das, was damals wie heute Marta für ihr Land ersingt, erbetet und erwünscht, auch ich mir für Deutschland wünsche.

November 17, 2019   No Comments

Hochwasserkatastrophe in Venedig

Die dramatische Situation in Venedig beherrscht mittlerweile auch die Titelseiten deutscher Medien.

Ich war kürzlich in der Region, allerdings in dem bezaubernden Chioggia, einem „Venezia in a nutshell“ im Süden der venezianischen Lagune. Zum letzten Mal in Venedig war ich nach meinem Abitur 1986. Chioggia steht aber eh nochmal auf meinem Zettel, dieses Mal werde ich aber vaporetto nach Venedig nehmen, um noch ein Mal, dies Mal mit gläubig gewordenen Augen, die Basilica San Marco zu besuchen.

Und nun noch ein Zitat von Bürgermeister Brugnaro zur aktuellen Situation:
„Die Venezianer gehen nur zum Beten in die Knie.“

Der Löwenblog dürfte an diesem Zitat seine helle Freude haben.

November 17, 2019   No Comments